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Dax-Sentiment Anleger sollten Erholungen an den Märkten zum Verkauf nutzen

Die aktuellen Indikatoren zeigen: Profis bereiten sich hierzulande auf eine erneute Ausverkaufswelle vor. Es sind aber zwei Szenarien denkbar.
06.04.2020 - 14:50 Uhr 9 Kommentare
Ein Ende der Kursverluste ist nach Analyse der Anlegerstimmung trotz der bereits jetzt drastischen Verluste noch nicht in Sicht. Quelle: dpa
Händler in Frankfurt

Ein Ende der Kursverluste ist nach Analyse der Anlegerstimmung trotz der bereits jetzt drastischen Verluste noch nicht in Sicht.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Dax ist am Montag schwungvoll in die Handelswoche gestartet und lag im Mittagshandel mehr als vier Prozent im Plus. Doch trotz dieser deutlichen Kursgewinne bleibt Sentimentexperte Stephan Heibel nach Auswertung der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment und weiterer Indikatoren bei seiner Einschätzung.

Er rät: „Wenn Sie Positionen in Ihrem Portfolio haben, mit denen Sie eine weitere Ausverkaufswelle vermutlich nervlich nicht durchstehen würden, dann sollen Sie sich schon am heutigen Montag davon trennen.“

Er begründet dies auch mit einem amerikanischen Börsensprichwort. „Panik ist keine Strategie“, lautet es. Aber welcher Anleger bekommt angesichts der Ausverkäufe in den vergangenen Wochen keine Panik? Deswegen gilt für ihn die Ergänzung: „Wenn schon Panik, dann bitte schön du als Erster.“

Die aktuellen Indikatoren zeigen: Profis bereiten sich hierzulande auf eine erneute Ausverkaufswelle vor. Auch Privatanleger sind alles andere als mutig. Viele haben ihre Spekulationen aufgelöst und hoffen, nun mit verkleinertem, aber langfristig ausgerichtetem Portfolio den Schaden gering zu halten. Ob das gelingt?

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    Laut Sentimentanalyse wird solch ein Crash nicht durch Kaufinteressenten beendet. Denn zu viele Anleger warten noch auf eine Gelegenheit, ihre Positionen abzustoßen. Nie wieder Aktien, lautet deren Überzeugung nach dem Crash. Und diese Anleger werden dafür sorgen, dass die Erholungen der Aktienmärkte durch ihre Verkäufe nicht nachhaltig werden.

    Grafik

    Heibel sieht zwei Möglichkeiten, dass ein tragfähiger Boden am Aktienmarkt entstehen kann.

    Zum einen dadurch, dass beispielsweise eine überraschend wirksame Behandlungsmethode für Covid-19 gefunden wird. Denn dann könnten möglicherweise die verkaufswilligen Anleger alle ihre Aktien abstoßen, ohne dass ihr Verkaufsvolumen die Nachfrage übersteigt. Aber dafür müsste die Nachricht extrem positiv sein und genug Kaufwillige anziehen.

    Die zweite Möglichkeit: Diejenigen, die auf bessere Kurse zum Verkaufen warten, verlieren die Nerven und verkaufen in einer verlustreichen Phase. Dazu müsste der Dax vermutlich nochmals in Richtung 8000 Punkte abrutschen, begleitet von diversen negativen Nachrichten.

    In diesem Szenario entsteht der Boden dann, wenn niemand mehr verkaufen möchte. Also nicht Käufer bestimmen, wo der Boden ist, sondern Verkäufer, die ihre Nerven verlieren.


    In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
    Angaben in Prozent


    Typischerweise ist das Handelsvolumen bei solch einem Szenario sehr gering. Einige wenige mutige Käufer, denen kein Angebot an Aktien mehr gegenübersteht, treiben bei dünnem Handelsvolumen die Kurse so schnell in die Höhe. Aus Erfahrung weiß der Inhaber des Analysehauses Animusx: „Das geschieht für die meisten Anleger zu schnell, um zu reagieren.“

    Hoher Zukunftsoptimismus

    Bereits vor einer Woche hatte er auf den relativ hohen Zukunftsoptimismus der Anleger hingewiesen und prophezeit, dass dieser Wert zurückgeht. Was auch laut der aktuellen Umfrage so geschah: Im Höhepunkt des Ausverkaufs lag dieser Indikator auf einem historisch hohen Wert von 4,1, aktuell sind es nur noch 1,8.

    „Da ich aber davon ausgehe, dass dieser Crash erst dann beendet werden kann, wenn der Zukunftsoptimismus verschwunden ist und in Panik die letzten Positionen auf den Markt geworfen wurden, müssen wir wohl noch ein wenig warten“, bewertet Heibel diese Zahlen.

    „Im Rahmen der aktuellen Seitwärtsbewegung sinkt der Zukunftsoptimismus nicht schnell genug ab, um einen baldigen Boden in Aussicht zu stellen.“ Erst dann, wenn der Zukunftsoptimismus extreme Negativwerte bei der Umfrage zeigt, sei mit dem „finalen Ausverkauf“ zu rechnen.


    Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
    Angaben in Prozent


    Die aktuellen Umfrageergebnisse zeigen: Die Panik der ersten Ausverkaufswelle ist dank der Dax-Stabilisierung in der vergangenen Handelswoche mit einem Minus von „nur“ einem Prozent vorbei. Es herrscht nur noch eine depressive Stimmung, der Sentimentwert liegt bei minus 4,6. In den Wochen vorher gab es Werte von minus sieben oder sogar minus acht.

    Auch die vorherige Verunsicherung unter den Anlegern schwindet mit einem Wert von minus 2,6. Denn die Anleger, die bislang noch nicht verkauft haben, fühlen sich nun bestätigt: Von seinem Tief bei rund 8255 Zählern ist der Leitindex mittlerweile rund 20 Prozent gestiegen.

    Geringere Investitionsbereitschaft

    Auch die Investitionsbereitschaft ist wieder zurück. Nach der ebenfalls historisch hohen Kaufbereitschaft von vor zwei Wochen mit 5,8 ist dieser Wert inzwischen auf nur noch 3,4 zurückgegangen. Es gibt noch immer viele Kaufinteressenten, mehr als jeder vierte Umfrageteilnehmer will in den kommenden zwei Wochen wieder zukaufen.

    Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der in erster Linie Privatanleger handeln, ist weiterhin im neutralen Bereich. Die Zahl der Long- und Short-Hebelprodukte in deren Depots ist einigermaßen ausgeglichen.


    Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten?
    Angaben in Prozent


    Als der Ausverkauf während der Coronakrise begann, hatten Privatanleger frühzeitig, vielfach zu früh, spekulative Positionen auf steigende Kurse eröffnet. Doch diese Spekulationen wurden inzwischen wieder aufgelöst.

    Die Profis, die sich Mitte Februar richtigerweise gegen fallende Kurse abgesichert hatten, haben nun ihre Absicherungspositionen weiter aufgestockt: Das Put/Call-Verhältnis der Frankfurter Terminbörse Eurex ist auf einen Wert von über zwei gesprungen. In den USA hatten sich Anleger schon in den Vorwochen entsprechend abgesichert, das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse geht nun wieder leicht zurück.

    Die Aktienquote der US-Fondsmanager verbleibt auf niedrigem Niveau. Nach 26 Prozent vor einer Woche sind es nun nur noch 24 Prozent der Mittel, die Fonds in Aktien angelegt haben. Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit einem Wert von minus 15 weiterhin eine klare Dominanz der Bären. Der technische „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte ist mit einem Wert von 22 weiterhin im Bereich der extremen Angst.


    Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
    Angaben in Prozent


    Hinter Erhebungen wie dem wöchentlichen Dax-Sentiment stehen vereinfacht gesagt zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten.

    Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

    Mehr: Börsenkrisen im Vergleich – Der Dax erlebte den schnellsten Crash seiner Geschichte.

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    9 Kommentare zu "Dax-Sentiment: Anleger sollten Erholungen an den Märkten zum Verkauf nutzen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Für mich hört sich das so an, als ob Fondsmanager noch schnell mal die Kurse drücken wollen, um noch billig einzusteigen. Klar ist die Börse volatil, aber bei der gigantischen Geldflutung kann man nur in Aktien gehen. Schon nächstes Jahr wird mancher den Kursen von heute nachtrauern.

    • Diese Sentiment-Berichte sind regelmäßig etwas konfus geschrieben, so dass es mir (selbst als studiertem BWL'er) schwerfällt eine Logik zu erkennen. Zum Beispiel widerspricht sich m.E. der Bericht mit der Grafik. Auf den aktuellen Sentiment-Niveaus wurden in der Vergangenheit Trendwenden eingeleitet (s. Grafik). Laut Bericht herrscht aber noch zu viel Optimismus vor. Das passt irgendwie nicht so ganz. In jedem Fall scheint mir die präsentierte Evidenz nicht ausreichend, um Aussagen wie man solle "heute noch verkaufen" herauszuposaunen.

    • @ Barbara Durst
      "Was Aktien kosten wird bald egal sein, Hauptsache man hat Aktien."

      Sie täuschen sich. Mit ganz, ganz viel Glück wird es auf eine Stagflation hinauslaufen - und Aktien performen extrem schlecht in einer Stagflation!
      Es kann allerdings noch weitaus übler kommen (deshalb schaue ich auch nicht auf die Aktienmärkte; das Ungemach kommt von ganz woanders!!) - und dann werden auch ein Großteil der heutigen Zombieunternehmen bereinigt werden (müssen)!
      Aktien performen gut in einem wirtschaftlichen Aufschwung (auch in einer "aufgeblasenen" Hausse durch die ZB´s!) und bei wachsender Zuversicht seitens der Marktakteure; aber sie performen gar nicht gut bei stark steigenden Inflationsraten.
      Aus Cash muss man auch raus, wenn die Inflation stark anzieht, aber aus sämtlichen Forderungen wie (Staats-)Anleihen sollte man schon längst draußen sein! Diesen Schulden-Müll werden die ZB´s auch noch (vermutlich) komplett monetarisieren müssen - und das wird ihre Fiat-Währungen erst recht zerlegen!

    • Der Bericht wirkt etwas an den Haaren herbeigezogen, Tatsache ist:
      Der Markt wird mit Geld geflutet - es zählen Sachwerte!
      Die europäischen Aktien sind günstig - mögen die Unternehmen eine schwierige Zeit durchmachen - am Ende wird alles gut.
      In Asien gibt es schon freundlichere Nachrichten zu Corona....
      Kostolany würde wohl sagen: Die zittrigen Hände haben den Markt verlassen. Die Hartgesottenen werden auch bei einer weiteren Korrektur nicht verkaufen. Die Kurse ergeben sich auch meiner Sicht alleine spekulativ - die Shorties sind am Werke.
      Zum Thema Automobilhersteller: Wer fährt bei den Infektionsmöglichkeiten gerne mit dem öffentlichen Nahverkehr? Was ist wohl die Alternative? Mit dem eigenen Auto ist man sicher vor Infektionen.

    • Meine Überlegung: Für die sogenannten Profis ist die Messlatte für ihr Können der Erfolg oder Misserfolg der gegnerischen Fondsmanager. Die längerfristige Rendite des Kunden spielt nur eine untergeordnete Rolle oder geht dem Fondmanager komplett am Arsch vorbei. Genau so ist es dem Profi gleichgültig, wenn das Geld des Kunden auf dem Konto verreckt. Was Aktien kosten wird bald egal sein, Hauptsache man hat Aktien.

    • Nun ja, Fondsmanager mit einer niedrigen Investitionsquote und Profis die auf eine zweite Abwärtswelle setzten!! Da steckt auch viel Treibstoff drin sollten diese Leute plötzlich Angst bekommen, bei weiter steigenden Kursen eine Rally zu verpassen. Außerdem wissen wir, die Großen täuschen gerne Erwartungen vor um damit uns Kleinen in die Falle zu locken.

    • Ich habe letzte Woche davon geschrieben, dass man in der nächsten Zeit vor allem auch RESILIENZ benötigen wird; ansonsten wird man das nämlich gar nicht ertragen können: an der Wall Street steigen die Kurse um 1.000 Punkte, während gegenüber in der Klinik in der Main Street massenhaft die Leute verrecken.
      Und die Kurse steigen wider die Natur nur aufgrund von Entwertungsflucht, da die Zentralbanken "Geld" drucken als gäbe es kein Morgen mehr - und dadurch ihre Währungen ruinieren.

    • Der Markt hat wohl noch nicht verstanden, dass auf eine Reihe von Wirtschaftszweigen auch mittelfristig starke Belastungen einwirken werden, beispielsweise auf die Tourismusindustrie. Dadurch ist eine Rezession über einen Zeitraum von mehreren Jahren möglich.

    • Der Markt hat wohl noch nicht verstanden, dass auf eine Reihe von Wirtschaftszweigen auch mittelfristig starke Belastungen einwirken werden, beispielsweise auf die Tourismusindustrie. Dadurch ist eine Rezession über einen Zeitraum von mehreren Jahren möglich.

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