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Bär als Symbol für fallende Kurse vor der Dax-Tafel

Die Stimmung ist mies.

(Foto: dpa)

Dax-Sentiment Anlegerstimmung ist so düster wie noch nie

Der Ausverkauf an den Märkten dürfte noch nicht beendet sein – auch wenn einige Indikatoren etwas anderes signalisieren.
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Düsseldorf Ein Blick auf die Ergebnisse der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment zeigt ein düsteres Bild: Sowohl die aktuelle Stimmung als auch die Verunsicherung der Anleger haben neue Extremwerte seit Beginn der Erhebung 2014 erreicht. „Wir befinden uns einmal mehr an einem weltweiten Abgrund“, kommentiert Börsenexperte Stephan Heibel das aktuelle Abstimmungsergebnis. „In der vergangenen Woche war Panik deutlich zu spüren.“

Auch der Fünf-Wochen-Durchschnitt des Sentiments, der stets ein zuverlässiger Indikator für eine Trendwende war, verharrte seit Beginn der Umfrage vor vier Jahren niemals über einen so langen Zeitraum auf so niedrigem Niveau (s. Grafik). Lediglich Anfang Februar 2016, als der Dax auf 8.700 Punkte abrutschte, war dieser Wert niedriger. 

Solche extremen Werte gepaart mit Panik signalisieren laut Sentimentanalyse eigentlich eine Trendwende. „Leider gibt es noch zu viele bullishe Privatanleger, als dass man mit Sicherheit vom finalen Sell-off sprechen könnte“, erläutert der Inhaber des Analysehauses Animusx. Da man sich derzeit in einem Bärenmarkt befinde, sollten Anleger steigende Kurse zu Teilverkäufen nutzen und bei Handelstagen mit Ausverkaufscharakter erneut zugreifen.

Für seine Einschätzungen wertet er die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 3.200 Anlegern aus. Hinter solchen Erhebungen stehen – vereinfacht formuliert – zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten.

Grafik

Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, sind sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken. Für seine Prognose, wie sich der deutsche Leitindex in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte, wertet Heibel zusätzlich weitere Indikatoren aus.

Seine Prognosequalität ist sehr hoch: Er hatte sowohl den Ausverkauf vor zwei Wochen als auch den Ende Oktober dieses Jahres prophezeit. Ebenso die Erholung zwischen diesen Zeitpunkten. Allerdings hatte er vor einer Woche den Startschuss für eine Jahresendrally gegeben – womit er falsch lag. Die Frankfurter Benchmark verlor in der vergangenen Woche 3,4 Prozent. Von dieser Einschätzung ist Heibel mittlerweile abgerückt.

In den USA verhandeln nun die Hardliner mit China im Zollstreit, Heibel rechnet in den kommenden 90 Tagen noch mit der einen oder anderen Hiobsbotschaft in dieser Angelegenheit. Das Kuriose bei dieser Auseinandersetzung: US-Präsident Trump twittert, die Verhandlungen mit China liefen positiv. Und sein Wirtschaftsberater Larry Kudlow spricht von einer ganz neuen Verbindlichkeit der chinesischen Gesprächspartner, die in den vergangenen Monaten nie zuvor vorhanden gewesen sei. Doch Einfluss haben diese Meldungen nicht.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
Angaben in Prozent

Mit dem Ausverkauf auf unter 10.800 Punkte am Nikolaustag vergangener Woche kam Hebels Meinung nach Panik auf. Das zeigt sich auch bei den aktuellen Sentimentwerten. 75 Prozent (plus 35 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) bewerten die Dax-Entwicklung der vergangenen Woche als Abwärtsimpuls.

Weitere 17 Prozent (minus drei Prozentpunkte) interpretieren die Bewegung als Bodenbildung. Seit September 2014 werden beim Dax-Sentiment Anleger Woche für Woche befragt, doch so düster wie jetzt (minus 7,3) war die Börsenstimmung noch nie.

Auch die Verunsicherung unter den Umfrageteilnehmern erreicht wieder Extremwerte. 53 Prozent (plus 38 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) der Umfrageteilnehmer wurden von diesem Wochenverlauf völlig überrascht. Weitere 19 Prozent (minus 15 Prozentpunkte) sehen ihre jeweiligen Erwartungen von vor einer Woche als „kaum erfüllt“ an.

Nur noch 18 Prozent (minus 26 Prozentpunkte) wollen diesen Ausverkauf mehr oder weniger erwartet haben und jeder Zehnte (plus drei Prozentpunkte) gibt an, sogar darauf spekuliert zu haben. Mit einem Wert von minus 10,6 ist die Verunsicherung extrem. Nur im Februar dieses Jahres sowie zum Jahreswechsel 2014/15 war die Verunsicherung größer.

Für die künftige Entwicklung sehen die meisten nun ebenfalls düstere Zeiten: 27 Prozent (minus drei Prozentpunkte) erwarten für die kommenden drei Monate fallende Kurse. 23 Prozent (plus zwölf Prozentpunkte) gehen von einer Bodenbildung aus. Immerhin noch 28 Prozent (minus drei Prozentpunkte) erwarten eine Seitwärtsbewegung, hingegen gibt es nur noch 21 Prozent (minus sechs Prozentpunkte), die steigende Kurse erwarten. Die Zukunftserwartung ist von Pessimismus dominiert.

Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
Angaben in Prozent

Komischerweise wollen jedoch nur noch 17 Prozent (minus ein Prozentpunkt) Aktien verkaufen. Hingegen betrachten 21 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) das aktuelle Kursniveau bereits als Kaufniveau. Mit 63 Prozent (minus ein Prozentpunkt) sind jedoch viele Anleger unentschlossen an der Seitenlinie.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger in Deutschland zeigt mit einem Wert von knapp neun eine deutliche optimistische Positionierung der Anleger an. Auf den Ausverkauf der vergangenen Woche haben die privaten Anleger offenbar mit massiven Käufen von Long-Positionen reagiert.

Dieser Wert, der anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet wird, ist ein Kontraindikator. Denn sollten die Kurse steigen, werden die Anleger nach und nach ihre Hebelprodukte verkaufen und damit den Anstieg bremsen. Sollten hingegen die Kurse fallen, müssen die Anleger verkaufen, damit die Verluste nicht zu groß werden. Und vergrößern damit das Minus an den Märkten.

Anders als die Privatanleger haben die institutionellen Anleger reagiert: Laut dem Put/Call-Verhältnis der Frankfurter Terminbörse Eurex haben sich die Finanzprofis in den vergangenen Tagen von ihren Long-Spekulationen verabschiedet. Während der letzten Novemberwoche und Anfang der vergangenen Woche wurden extrem viele Call-Optionsscheine gekauft, die dann im weiteren Wochenverlauf aufgelöst werden mussten. Dieser Schiefstand ist aber noch nicht vollständig abgebaut, es gibt immer noch mehr Calls als Puts in den Depots der Institutionellen.

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
Angaben in Prozent

In den USA hingegen haben Profis ihre Puts als Absicherung vor fallenden Kursen weiterverkauft. Entsprechend zeigt das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE mit einem Wert um 0,95 eine neutrale Verfassung an.

Nach einem Rekordtief vor zwei Wochen bei 30 Prozent stieg die Investitionsquote der US-Fondsmanager weiter an auf inzwischen wieder 62 Prozent. Die Bulle/Bär-Quote der US-Privatanleger zeigt mit 7,5 Prozent ein leichtes Übergewicht der Bullen an. Da scheinen die aktuellen Kurse bereits als Kaufkurse interpretiert zu werden. Doch der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Index“ der US-Aktienmärkte signalisiert mit einem Wert von zwölf extreme Angst im Markt.

Noch am Mittwoch der vergangenen Woche war der Markt für den Sentimentexperten Joachim Goldberg, der für die Börse Frankfurt eine ähnliche Erhebung auswertet, unter dem Strich „sauber“. „Für den Dax sind dies insofern keine allzu schlechten Nachrichten, als die Absicherungspositionen und Short-Engagements wieder eingedeckt werden müssen – natürlich auf niedrigerem Niveau als heute“, schrieb er damals.

Für die Sentix-Experten zeigen die Aktienmärkte erste Anzeichen von Pessimismus. Auffällig ist hierbei das Verhalten der Investmentprofis, die im jüngsten Abverkauf bei Aktien nun eine Chance wittern. Die Profis offenbarten weniger Angst, meinen die Sentix-Experten nach Auswertung ihrer wöchentlichen Umfrage. Sie hatten bereits vor zwei Wochen „Jahresendrally endgültig ade!“ getitelt.  

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine E-Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine weitere, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

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