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Dax-Sentiment Der Ausverkauf an den Märkten ist noch nicht beendet

Noch immer gibt es zu viele Optimisten, um den Crash an den Märkten zu beenden, zeigt die Handelsblatt-Anlegerumfrage. Anlass für ein wenig Hoffnung gibt es dennoch.
16.03.2020 - 17:31 Uhr Kommentieren
Ein Ende der Kursverluste ist nach Analyse der Anlegerstimmung trotz der bereits jetzt drastischen Verluste noch nicht in Sicht. Quelle: dpa
Händler in Frankfurt

Ein Ende der Kursverluste ist nach Analyse der Anlegerstimmung trotz der bereits jetzt drastischen Verluste noch nicht in Sicht.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Kurseinbrüche am deutschen Aktienmarkt haben historische Dimensionen erreicht: mehr als minus 35 Prozent seit Jahresanfang, minus 20 Prozent in der vergangenen Handelswoche und zwischenzeitlich minus zehn Prozent allein am heutigen Montag. Doch ein Ende dieser Kursverluste ist nach Analyse der Anlegerstimmung trotz der bereits jetzt drastischen Verluste noch nicht in Sicht.

„Nach einem finalen Ausverkauf sieht die Zukunftserwartung anders aus“, erläutert Stephan Heibel nach Auswertung der aktuellen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. „Vor allem deutsche Privatanleger zeigen noch immer zu viel Optimismus, um den für eine Bodenbildung erforderlichen finalen Ausverkauf loszutreten.“ Institutionelle Anleger, Fondsmanager und andere Finanzprofis sind demnach bereits ein wenig vorsichtiger.

Ein finaler Ausverkauf an den Märkten geht fast immer mit den gleichen Begleiterscheinungen einher: beispielsweise mit einem Crash mit extrem hohen Umsätzen. Anleger wollen in solchen Situationen unter allen Umständen verkaufen.

Doch trotz eines Minus von 12,2 Prozent am vergangenen Donnerstag waren die Umsätze nicht sehr hoch. Und der Sentiment-Theorie zufolge muss der Optimismus vollständig verflogen sein, um einen tragfähigen Boden zu bilden. Ein solches unteres Niveau bildet sich in der Regel erst dann, wenn kein Verkäufer mehr da ist.

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    Erfahrungsgemäß verhindern die kaufwilligen Anleger, dass die Verkaufswelle gestoppt wird. Denn solange es noch Optimisten gibt, können negative Ereignisse sie zu neuen Verkäufern wandeln.

    „Vor dem Hintergrund ist auch ein Dax-Stand von minus 40 Prozent gegenüber dem Rekordhoch vom 17. Februar kein ausreichender Grund für eine Bodenbildung“, meint der Geschäftsführer des Analysehauses Animusx. „Die letzten Optimisten müssen noch die Nerven verlieren, bevor der Crash beendet werden kann.“

    Anlass für ein wenig Hoffnung gibt es dennoch: Die aktuellste Umfrage fand am Wochenende statt, der Crash am heutigen Montag wurde zwangsläufig nicht berücksichtigt. Möglicherweise gibt dann die nächste Umfrage mehr Aufschluss.

    Auch der fünfwöchige Sentimentindikator, ein bislang treffsicheres Signal für die Entwicklung der Aktienkurse, macht kaum Hoffnung. Zwar fällt dieser Wert rasant, er hat aber noch kein extremes Negativergebnis erreicht.

    Seit Beginn der Umfrage im September 2014 hat dieser Indikator viermal einen Extremwert erzielt. Und jedes Mal stieg der Dax anschließend deutlich.


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    Einen negativen Rekordwert erreichte diese Kurve zuletzt im Dezember 2018. Das war der Startschuss für die gesehene Rally, die den deutschen Leitindex von damals 10.279 Zählern bis zum 17. Februar 2020 auf 13.596 Punkte beförderte.

    Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten.

    Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

    Für seine Prognose, wie sich der Dax in den kommenden Handelstagen entwickeln dürfte, wertet Heibel weitere Indikatoren aus, die neue Allzeittiefs erreichen: Die kurzfristige Stimmung liegt bereits drei Wochen in Folge auf extrem tiefem Niveau. Die Verunsicherung liegt zudem auf einem Rekordtief.

    Der derzeit interessanteste Bereich ist die Zukunftserwartung – also die Antwort auf die Frage, mit welcher Dax-Entwicklung Anleger in drei Monaten rechnen. In den vergangenen drei Wochen konnten sich nur wenige Befragte vorstellen, dass es am deutschen Aktienmarkt noch schlimmer kommen könnte.


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    Dieser relative Zukunftsoptimismus ist nun eingebrochen, aber für eine Trendwende wohl immer noch zu hoch. An eine Besserung der Situation glaubt immer noch etwa die Hälfte der Befragten. Die Folge: Die Kaufbereitschaft, der vierte Bereich der Erhebung, bleibt seit drei Wochen auf einem Rekordniveau.

    Der Blick auf andere Indikatoren zeigt ebenfalls historische Dimensionen. Die Fondsmanager in den USA haben ihre Investitionsquote auf 16 Prozent heruntergefahren, ein Minus von 13 Prozentpunkten gegenüber der Vorwoche.

    „Ich weiß nicht, was Fondsmanager noch verkaufen wollen“, meint Animusx-Inhaber Heibel, der eine so niedrige Investitionsquote „noch nie gesehen“ hat. Der „Angst-und-Gier-Indikator“ der Aktienmärkte in den USA, der anhand technischer Marktdaten berechnet wird, ist auf einen Wert von zwei Prozent gefallen.

    Zur Erläuterung: Ein Wert von 50 Prozent gilt bereits als Angst, von unter 25 Prozent als extreme Angst. „Einen Wert von zwei Prozent habe ich selbst in der Finanzkrise nicht gesehen“, so Heibel.


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    Was aber auch gegen ein Ende des Ausverkaufs spricht: Privatanleger spekulieren bereits wieder mit Call-Optionsscheinen auf steigende Kurse.

    So ist der Derivate-Indikator Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart nach oben geschossen. Dieser Wert wird anhand realer Käufe und Verkäufe von Hebelprodukten auf den Dax berechnet und ist gerade in Phasen wie der aktuellen ein Kontraindikator.

    Denn sollten sie weiter fallende Kurse erwarten, trennen sich Anleger schnell von solchen Hebelprodukten, um Verluste zu begrenzen. Und verstärken damit Kursrückgänge.

    Institutionelle Investoren, die an der Frankfurter Terminbörse Eurex handeln, sind vorsichtiger: Sie haben ihre Absicherungen erhöht und verstärkt Put-Optionen gekauft, die bei fallenden Notierungen an Wert gewinnen. Das Gleiche gilt für die Profis in den USA.

    Andere kurzfristige Indikatoren erreichen Werte, die normalerweise für eine schnelle Gegenbewegung sprechen. Aber „normal“ ist derzeit an den Märkten nichts.

    Mehr: Börsenkrisen im Vergleich – Der Dax erlebte den schnellsten Crash seiner Geschichte

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