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Dax-Sentiment Euphorische Anleger sind ein Warnsignal für einen Ausverkauf

Die aktuelle Stimmungslage der deutschen Anleger zeigt: Die Chance auf eine Fortsetzung der Rally ist deutlich geringer als das Risiko einer Korrektur.
08.06.2020 - 15:14 Uhr 3 Kommentare
Ein kleiner Plastikbär, Symbol für den Abschwung an den Börsen, steht in der Frankfurter Börse vor der Dax-Kurve. Quelle: dpa
Börse Frankfurt

Ein kleiner Plastikbär, Symbol für den Abschwung an den Börsen, steht in der Frankfurter Börse vor der Dax-Kurve.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Mit den steigenden Kursen am deutschen Aktienmarkt steigt auch die Stimmung der Anleger. Sie schwelgen mittlerweile schon wieder in Euphorie. Dies gilt Experten zufolge als Kontraindikator und als Warnsignal für ein bevorstehendes Ende der Rally.

„Die aktuelle Euphorie reicht aus, um vor weiteren Käufen auf dem aktuellen Niveau zu warnen“, meint Stephan Heibel, Chef des Analysehauses Animusx, nach Auswertung der aktuellen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. „Die Chance für eine Fortsetzung der Rally in Deutschland ist deutlich geringer als das Risiko einer Korrektur.“

Allerdings, so die Erfahrung des Sentimentexperten, können Stimmungshochs – im Gegensatz zu Stimmungstiefs mit anschließender Rally – über einen längeren Zeitraum anhalten, bevor es zu einem Ausverkauf kommt. Um das zu erläutern, lohnt sich ein Blick zurück auf den Dax-Crash, der Mitte Februar 2020 begann.

Die erste Euphoriewelle zeigte sich laut Erhebung am 10. Januar, und mit einer Woche Unterbrechung (Umfrage vom 31. Januar) herrschte bis zum 14. Februar Feierstimmung unter den Anlegern. Die Folgen: Am 14. Februar erreichte der Dax mit 13.795 Zählern ein Rekordhoch, um vom 19. Februar an abzustürzen. Der Dax fiel bis Mitte März auf 8255 Punkte, in diesen Wochen herrschte bei den Anlegern eine noch nie gekannte Untergangsstimmung.

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    Auch die aktuelle Lage am Aktienmarkt zeigt nicht eindeutig, dass die Kurse bald fallen. So sind noch einige Anleger unterinvestiert, laufen den Kursen hinterher und haben Angst, die Rally zu verpassen.

    Andere Investoren, insbesondere einige Profis, haben in den vergangenen zwei Wochen auf fallende Kurse spekuliert und spüren nun die „Schmerzen“ des Verlustrisikos. Denn bei vielen Short-Hebelprodukten ist das Verlustrisiko überproportional hoch.

    Grafik

    Einige dürften vor dem Hintergrund des Konjunkturprogramms der Staaten und der Liquiditätsflutung der Notenbanken in Panik ihre Positionen eingedeckt haben. Das kann eine Erklärung für das Plus in Höhe von zehn Prozent in der Vorwoche sein. Denn solche Short-Spekulationen funktionieren wie ein Leerverkauf von Hedgefonds, nur dass die Bank im Hintergrund alles regelt.

    Mit dem Kauf eines Short-Produkts verkauft die Bank den Basiswert, in diesem Falle den Dax. Als dann viele Anleger ihre Short-Derivate verkauft haben, mussten die Banken den Wert wieder zurückkaufen. Solch ein Verhalten unterstützt zwangsläufig eine Rally.

    Aus Sicht des Sentimentexperten sind die Märkte derzeit sehr volatil. Entsprechend sei es nun jederzeit möglich, dass Anleger ihre erzielten Kursgewinne auch wieder zu einem erheblichen Teil verlieren. Sein Rat an die Investoren: „Entweder Sie haben sehr starke Nerven, oder Sie sollten frühzeitig immer mal die Seite wechseln.“

    In der vergangenen Handelswoche ist der amerikanische Auswahlindex S&P 500 um fünf Prozent gestiegen, der Dax hingegen um zehn Prozent. „Während hierzulande das Konjunkturprogramm der Bundesregierung und die Ausweitung der Liquiditätsflutung der europäischen Notenbanker für Euphorie sorgt, dominieren in den USA die Straßenschlachten“, erklärt der Inhaber des Analysehauses Animusx. Auch wurde das Coronavirus jenseits des Atlantiks nicht so stark zurückgedrängt wie hierzulande.

    Die aktuellen Umfragewerte im Detail: Mit einem Wert von 5,3 herrscht Feierlaune unter den Anlegern, wie sie nur extrem selten aufkommt. Zuletzt war dieser Wert im Dezember auf solch einem hohen Niveau. Damals beflügelte US-Präsident Donald Trump mit seiner Steuerreform die Kurse.

    Normalerweise sonnen sich Anleger in Selbstzufriedenheit, wenn die Aktienmärkte steigen. Diesmal ist das anders: Ein Wert von minus 3,2 zeigt Verunsicherung unter den Umfrageteilnehmern an. Verunsicherung wohl daher, weil viele der Rally unbeteiligt oder zumindest unterinvestiert zuschauen.

    So bleibt es bei der Entwicklung der Vorwochen, dass mit steigenden Kursen die Zukunftserwartung fällt. Mit einem Wert von minus 3,4 dominieren weiterhin die Bären. Mehr als jeder Dritte erwartet in drei Monaten fallende Kurse. Mit aktuell 16 Prozent sinkt die Zahl derer, die dann steigende Kurse erwarten.

    Vier Wochen lang haben Anleger auf den günstigen Zeitpunkt gewartet, Aktien zuzukaufen. In diesem Zeitraum war die Investitionsbereitschaft hoch. Doch nun haben sie aufgegeben und schlagen sich auf die Verkäuferseite. Mit einem Wert von minus 2,1 ist die Investitionsbereitschaft negativ – was beim Dax-Sentiment seit Beginn der Umfrage im September 2014 selten vorkommt.

    Blick auf andere Indikatoren

    Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, ist auf minus 13,8 abgerutscht. Dieser Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet und zeigt an: In den vergangenen Jahren war der Anteil von Short-Hebelprodukten in den Depots nie so hoch. Privatanleger setzen extrem auf fallende Kurse oder wollen ihr Depot dagegen absichern.

    Das Put-Call-Verhältnis der Profianleger an der Terminbörse Eurex steht bei 0,9 und zeigt damit eine ziemlich hohe Call-Position an. Institutionelle Anleger haben sich offensichtlich Call-Optionen auf steigende Kurse zugelegt. „Das verstehe ich nicht, denn ich höre überall, dass diese Rally ohne Beteiligung der institutionellen Anleger läuft“, rätselt Heibel. Vielleicht kaufen die keine Aktien, sondern nur Optionen.

    In den USA sieht es ganz ähnlich aus: Auch dort ist das Put-Call-Verhältnis deutlich nach unten gegangen. Anleger steigen immer weiter in den Markt ein. So auch die US-Fondsmanager, die ihre Investitionsquote auf 91 Prozent (plus zehn Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) erhöht haben.

    Das Bulle-Bär-Verhältnis der US-Privatanleger ist auf minus vier Prozent zurückgekommen. Die Rally hat in den USA bislang nur dafür gesorgt, dass ein paar Bären verschwunden sind.

    So ist in den USA auch der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte mit einem Wert von 62 Prozent weiterhin im neutralen Bereich. Andere kurzfristige Indikatoren signalisieren mit extremen Werten eine baldige Konsolidierung.

    Anmerkung: In einer früheren Version stand, .... war der Anteil von Short-Hebelprodukten in den Depots nie so niedrig. Das haben wir korrigiert. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. Richtig ist nie so hoch.

    Mehr: Verfolgen Sie das aktuelle Marktgeschehen im Handelsblatt Dax-Bericht.

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    3 Kommentare zu "Dax-Sentiment: Euphorische Anleger sind ein Warnsignal für einen Ausverkauf"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wirtschaft schrumpft, DAX steigt. ;-)
      Natürlich kann da etwas nicht stimmen.
      Aber im Zeitalter der (...) (oder besser: Zeitalter der Ent-Klärung im Gegensatz zur Aufklärung) ist vermutlich selbst das für viele Menschen absolut "normal".
      "Halt du sie dumm, ich halt sie arm!" So teilten es sich früher geistliche und weltliche Herrscher schön praktisch untereinander auf.
      (...)
      Nur soviel: Monopole sind immer schlecht - das gilt natürlich auch für Meinungs- und Geldmonopole.
      Und ohne Geld- und Zinsklempner gäbe es auch weder Starkdeflation noch Starkinflation noch Stagflation...

      (...) Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

    • Naja, heute schon der Bild Kontraindikator: "Darum sollte Sie jetzt endlich Aktien kaufen"....

    • Mal sehen, ob es nach diesem "Warnsignal" von Herrn Heibel direkt wieder 30% nach oben geht...

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