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Dax-Sentiment Laut Börsenstimmung ist noch kein tragfähiger Boden in Sicht

Das gefährliche Umfeld an den Märkten bleibt den Anlegern nicht verborgen: Sämtliche Stimmungsindizes der Handelsblattumfrage haben Extremwerte erreicht.
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Händler stoßen im Handelssaal der Börse mit Sekt auf den Abschluss des Jahres an. Laut Börsenstimmung dürfte es auch zu einem versöhnlichen Abschluss des extrem schwachen Börsenjahres 2018 kommen. Quelle: dpa
Börse Frankfurt

Händler stoßen im Handelssaal der Börse mit Sekt auf den Abschluss des Jahres an. Laut Börsenstimmung dürfte es auch zu einem versöhnlichen Abschluss des extrem schwachen Börsenjahres 2018 kommen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die letzten Handelstage des Jahres könnten am deutschen Aktienmarkt versöhnlich werden. Nach der Auswertung der aktuellen Handelsblattumfrage Dax-Sentiment stellt Börsenexperte Stephan Heibel fest: „Aus Sicht der Sentimentanalyse spricht vieles für eine Gegenbewegung, die dieses Mal auch etwas kräftiger ausfallen kann.“

Denn das Ergebnis der wöchentlichen Erhebung unter mehr als 3200 Anlegern zur Börsenstimmung zeigt: Sämtliche Stimmungsindizes haben Extremwerte erreicht. Auch der Fünf-Wochendurchschnitt des Sentiments hat ein neues Rekordtief seit Beginn der Umfrage im September 2014 erreicht (s. Grafik).

„Wer verkaufen wollte, der tat dies vor Weihnachten und nun dürften sich die Märkte zwischen den Jahren ein wenig beruhigen“, schlussfolgert der Inhaber des Analysehauses Animusx. Denn sowohl in den USA als auch in Deutschland sind insbesondere die Privatanleger inzwischen extrem niedergeschlagen – was für die Sentimentanalyse ein Kontraindikator ist.

Die technischen Daten der Aktienmärkte zeichnen ebenfalls ein völlig ausgebombtes Bild. Während Privatanleger in Deutschland offensichtlich einen langfristigen Atem haben und bereit sind, durch diese Turbulenzen hindurch viele Positionen zu behalten, sichern sich die Profis gegen weiter fallende Kurse ab.

Der Sentimentexperte stellt aber auch fest: „Das ist noch kein Signal für ein Ende des Bärenmarktes, sondern stellt lediglich eine Gegenbewegung dar, bevor dann im neuen Jahr die Karten neu gemischt werden.“

Grafik

Denn ein tragfähiger Boden, von dem aus die Kurse wieder nachhaltig steigen, könne nur von der Politik gebildet werden, vor allem von einer Änderung des bisherigen Geldpolitik des US-Notenbankchefs Jay Powell. Doch die Sentimentdaten deuten darauf hin, dass in den kommenden Tagen mit Nachrichtenflaute, wie zwischen den Tagen üblich, an den Aktienmärkten eher steigende Kurse zu sehen sein dürften.

„Ohne neue Negativmeldungen wüsste ich nicht, woher in dieser Verfassung neuer Verkaufsdruck kommen könnte“, meint Heibel.

Zwar gebe es eine neue Negativmeldung: In den USA gibt es mal wieder einen sogenannten „Shut down“ der Regierung, weil man sich in Washington nicht auf ein Budget für 2019 einigen konnte. „Das kennen wir inzwischen, dürfte also kurzfristig nicht zu einer besonders großen Belastung führen“, meint der Animusx-Inhaber.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
Angaben in Prozent

Doch mit zunehmender Dauer des Shut downs dürften die Finanzmarktteilnehmer nervöser werden und irgendwann wird das dann auch am Aktienmarkt zum Thema werden. „Vorerst halte ich die Auswirkung dieser Story allerdings für überschaubar“. Somit spreche vieles für einen verhältnismäßig versöhnlichen Handel in den letzten Tagen dieses verheerenden Börsenjahres.

Die gefährliche Mischung an den Märkten bleibt den Anlegern laut der aktuellen Sentimentumfrage nicht verborgen: Denn den Märkten wird Liquidität entzogen, weil die EZB die Anleihekäufe zum Jahreswechsel auslaufen lässt und die US-Notenbank Fed das Zinsniveau erhöht. Und das alles bei deutlich schwächeren Konjunkturdaten.

So sehen 77 Prozent (plus 22 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) der Teilnehmer am Dax-Sentiment den Dax derzeit in einem Abwärtstrend. Nur noch 14 Prozent (minus fünf Prozentpunkte) hoffen, dass es sich beim aktuellen Ausverkauf um eine Bodenbildung handelt. Das Stimmung unter Anlegern ist mit einem Wert von minus 7,5 so niedergeschlagen wie nie seit Beginn der Umfrage im September 2014.

Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
Angaben in Prozent

Mit 46 Prozent (plus 19 Prozentpunkte) wurde fast die Hälfte der Anleger vom beschleunigenden Ausverkauf in der abgelaufenen Woche auf dem falschen Fuß erwischt. Weitere 19 Prozent (minus 17 Prozentpunkte) haben diese Entwicklung kaum erwartet.

Hingegen hat rund jeder Zehnte (elf Prozent, plus vier Prozentpunkte) auf diesen Ausverkauf spekuliert und weitere 24 Prozent (minus sechs Prozentpunkte) sehen ihre pessimistischen Erwartungen zum größten Teil erfüllt. Die Verunsicherung ist mit einem Wert von minus 8,8 zwar extrem, aber kein neuer Rekordwert.

Für den deutschen Leitindex in drei Monaten erwarten 23 Prozent (plus neun Prozentpunkte) eine Bodenbildung. Das ist wie bei der kurzfristigen Stimmung ein neuer Rekordwert, der jemals beim Dax-Sentiment erreicht wurde. Offensichtlich sehen viele Anleger Lösungsmöglichkeiten für die akuten Probleme an der Börse, gehen aber nicht davon aus, dass diese in den kommenden Wochen bereits umgesetzt werden.

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
Angaben in Prozent

Nur jeder Fünfte (minus ein Prozentpunkt) erwartet steigende Kurse in drei Monaten, 30 Prozent (minus drei Prozentpunkte) erwarten eine Seitwärtsbewegung. Auch einen anhaltenden Abwärtsimpuls erwarten nur noch 26 Prozent (minus drei Prozentpunkte). Bei der Erwartung der Anleger dominiert Pessimismus, Hoffnungslosigkeit herrscht jedoch noch nicht.

Immerhin 18 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) der Umfrageteilnehmer sehen das aktuelle Kursniveau bereits als günstig an und wollen in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen. Nur noch 15 Prozent (minus fünf Prozentpunkte) wollen ihre Positionen verkleinern. Mit 67 Prozent (plus drei Prozentpunkte) bleiben zwei Drittel der Anleger erst einmal unentschlossene Beobachter.

Eine interessante Entwicklung gibt bei es den Privatanlegern: Der entsprechende Indikator der Stuttgarter Börse Euwax zeigt mit einem Wert von 5,6 an, dass immer noch viele auf steigende Kurse setzen. Das war bereits in den vergangenen Wochen der Fall. Auch während des beschleunigten Ausverkaufs hatten sich nur wenige Privatanleger mit Spekulationen auf fallende Kurse gegen diese Verluste abgesichert, sondern weiter auf steigende Kurse gesetzt.

Eine fatale Situation: Denn einige Privatanleger dürften noch Dax-Hebelprodukte, die bei steigenden Notierungen an Wert gewinnen und entsprechend deutlich im Minus liegen, in ihren Depots haben. Denn das Euwax-Sentiment wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den deutschen Leitindex berechnet.

Profis, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, haben ihre Absicherungspositionen hingegen hochgefahren. Ihre US-Kollegen haben es ihnen gleichgetan, allerdings in wesentlich stärkerem Maße. Das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse  CBOE ist in die Höhe geschossen. Gleichzeitig reduzierten die US-Fondsmanager ihre Investitionsquote auf 31 Prozent (minus 14 Prozentpunkte).

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit minus 22 Prozent eine absolute Dominanz der Bären an. Der anhand von technischen Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Index“ der US-Aktienmärkte ist auf einen Wert von fünf gefallen – und zeigt extreme Angst auf dem Börsenparkett an. „Ich kann mich nicht erinnern, jemals zuvor einen so niedrigen Wert gesehen zu haben“, meint Heibel. Auch andere technische Indikatoren zeigen an, dass zu einer Gegenbewegung in den USA kommen sollte.

Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
Angaben in Prozent

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine E-Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine weitere, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

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1 Kommentar zu "Dax-Sentiment: Laut Börsenstimmung ist noch kein tragfähiger Boden in Sicht"

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  • wenn die See richtig rau ist zeigt das Modell leider massive Schwächen.
    (seit Mitte Oktober mehrere Fehlprognosen, Jahresendrally etc)