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Dax-Sentiment Verkaufsbereite Anleger sollten auf bessere Kurse warten

Die lange Phase der guten Laune am Aktienmarkt ist endgültig vorbei. Diese Abkühlung macht den Weg frei für eine stärkere Gegenbewegung.
09.03.2020 - 15:35 Uhr Kommentieren
Welche Strategie empfiehlt sich angesichts der starken Kursverluste? Quelle: AFP
Händlerin an der Börse Frankfurt

Welche Strategie empfiehlt sich angesichts der starken Kursverluste?

(Foto: AFP)

Düsseldorf Die Auswirkungen des Coronavirus belasten auch Anfang dieser Woche die Finanzmärkte. Doch wer sich von der Panik anderer Anleger anstecken lässt und verkaufen möchte, sollte besser Ruhe bewahren, rät Börsenexperte Stephan Heibel. „Panikverkäufe sind stets falsch, es wird bessere Kurse zum Verkauf geben“, rät der Inhaber des Analysehauses Animusx.

Diese Einschätzung stützt auch die Auswertung der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. Denn der Chartverlauf des Fünf-Wochen-Durchschnitts der kurzfristigen Stimmung (siehe Grafik) zeigt mit seinem aktuell rasanten Sturz: Die lange Phase der guten Laune mit zwischenzeitlicher mehrfacher Euphorie im Markt ist passé. Euphorie gilt als Indikator für fallende Kurse, da das Gros der Anleger bereits investiert hat.

Ein negativer Extremwert, der bislang immer ein treffsicherer Indikator für eine längere Aufwärtsbewegung war, ist noch nicht erreicht. „Die Stimmungsabkühlung reicht aber aus, um eine zumindest nennenswerte Gegenbewegung einzuleiten“, meint der Sentimentexperte. „Ob daraus nur eine größere Gegenbewegung oder sogar wieder eine Rally wird, das muss später beurteilt werden.“

Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment stehen – vereinfacht formuliert – zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten.

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    Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken. Für seine Prognose, wie sich der deutsche Leitindex in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte, wertet Heibel zusätzlich weitere Indikatoren aus.

    Grafik

    Bereits in der vergangenen Handelswoche hatte er nach Auswertung der Handelsblattumfrage Dax-Sentiment mit seiner Prognose recht behalten. Die extrem negativen Stimmungswerte, die eigentlich ein Kontraindikator sind, seien noch nicht negativ genug, betonte Heibel vergangene Woche und sagte zwar eine kleine Gegenbewegung voraus – aber eben noch nicht das Ende der Korrektur nach unten.

    Genau das trat ein. Nach einem Minus von zwölf Prozent in der letzten Februarwoche dieses Jahres fiel die von vielen Anlegern erhoffte Gegenbewegung mager aus: Am Dienstag stieg der Dax zwischenzeitlich um rund drei Prozent, gab aber noch am gleichen Tag einen Großteil seiner Gewinne wieder ab. Mit dem Ausverkauf am vergangenen Freitag verlor der deutsche Leitindex im Wochenvergleich weitere drei Prozent.


    In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
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    Trotz der deutlichen Verluste auch am heutigen Handelstag empfiehlt Heibel für kaufbereite Investoren eine andere Strategie: „Solide Dividendenaktien können gekauft werden, wenn man einen langen Zeithorizont hat.“ Denn stark fallende Kurse bei gleichzeitig steigenden Dividenden – das erhöht die Dividendenrenditen.

    Es gelte weiterhin zu unterscheiden: Wird sich die Wirtschaftswelt durch das Coronavirus nachhaltig, also für mehrere Jahre, ändern oder nicht? Das Virus könne seiner Meinung nach heftiger zuschlagen, als wir uns das bislang vorstellen können. „Aber wirtschaftlich wird das Coronavirus einen einmalig negativen Effekt haben, von dem sich die Wirtschaft erholen wird“, meint der Sentimentexperte.

    Zwar setzt sich die Ausbreitung des Coronavirus außerhalb Chinas ungebremst fort, örtlich sind besonders viele Todesfälle in Norditalien und in der amerikanischen Stadt Seattle zu beklagen.

    Diese Zahlen werden sich Heibels Einschätzung nach in der nächsten Zeit aber relativieren: In den USA gab es beispielsweise zu wenige Testkits, sodass weniger Infizierte nachgewiesen werden konnten, die Opferzahl ist dadurch prozentual gesehen sehr hoch.

    Gewöhnungseffekt macht sich bemerkbar

    Die aktuellen Zahlen beim Handelsblatt Dax-Sentiment zeigen: Nach dem zweiten deutlichen Minus in Folge macht sich offenbar bei der kurzfristigen Stimmung ein Gewöhnungseffekt bemerkbar. Mit einem Wert minus 7,3 herrscht zwar panikartige Stimmung, doch der Extremwert von minus 8,2 aus der Vorwoche wird nicht nochmals erreicht.


    Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
    Angaben in Prozent


    Ein ähnliches Bild zeigen die zwei anderen Sentiment-Indikatoren. Beim Punkt Selbstgefälligkeit – also der Antwort auf die Frage „Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?“ – hält die große Verunsicherung der Vorwoche zwar an. Mit einem Wert von minus 7,2 wurde der Extremwert der Vorwoche (minus 11,6) jedoch ebenfalls nicht erreicht.

    Vor einer Woche hielten Anleger den Ausverkauf für eine kurzfristige Kaufgelegenheit und waren voller Zukunftsoptimismus. Mit plus 3,4 war dies der höchste Wert seit zwei Jahren. Dieser Optimismus für die Dax-Entwicklung in drei Monaten hält an, aktuell bei plus 2,9.

    Die Investitionsbereitschaft steigt weiter an. Mit einem Wert von plus 3,8 war vor einer Woche die Kaufbereitschaft so hoch wie seit vielen Jahren nicht mehr, aktuell ist dieser Wert auf plus 4,3 gestiegen. Keine große Veränderung also, nur ein kleiner Gewöhnungseffekt, der das zuvor bereits hohe Kaufinteresse weiter fördert.

    Privatanleger und institutionelle Investoren sind derzeit neutral positioniert. Das ist ablesbar am Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart und dem Put/Call-Verhältnis der Frankfurter Terminbörse Eurex.


    Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten?
    Angaben in Prozent


    Interessant waren die Reaktionen der Anlageprofis. Das Put/Call-Verhältnis ist in den vergangenen Wochen von einer starken Absicherungsneigung vor dem Crash über eine starke Long-Positionierung vor einer Woche – also zu früh – nun wieder in den neutralen Bereich zurückgekehrt.

    „Profis hatten sich zwar gegen den Crash abgesichert, sind aber dennoch überrascht worden von Intensität und Dauer“, schlussfolgert der Animusx-Inhaber Heibel.

    In den USA regierten die Anleger etwas verspätet mit Absicherungspositionen, das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE ist nach oben geschossen.


    Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
    Angaben in Prozent


    Und so haben auch Fondsmanager in den Ausverkauf hinein ihre Investitionsquote drastisch reduziert: Waren vor einer Woche noch 65 Prozent des Anlagevermögens investiert, so sind es nun nur noch 29 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit dem chaotischen Börsenmonat Dezember 2018, als die Kurse weltweit drastisch fielen.

    Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger ist mit einem Wert von minus 0,9 Prozent im neutralen Bereich. Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte zeigt mit einem Wert von neun „extreme Angst“ an. Andere, kurzfristige technische Indikatoren liegen im negativen Bereich und lassen eine Gegenbewegung vermuten.

    Mehr: Verfolgen Sie auch, wie sich der heutige Markt entwickelt.

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