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Dax-Umfrage Am Aktienmarkt steht eine richtungsweisende Entscheidung bevor

Sowohl in Deutschland als auch in den USA haben Privatanleger und Anlageprofis sehr unterschiedliche Erwartungen. Die dürften sich schnell auflösen.
17.08.2020 - 16:27 Uhr Kommentieren
Dax-Sentiment: Es gibt keine Corona-Gewinner- & Verliererbranchen mehr Quelle: Bloomberg
Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse

Viele Anleger stehen der Dax-Rally skeptisch gegenüber.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Die vielen Widersprüche am Markt sind unvereinbar. Am deutlichsten zeigt sich das bei den unterschiedlichen Erwartungen, die Privatanleger und Profis haben. In Deutschland haben die Anlageprofis ihre Spekulationen auf steigende Kurse aufgelöst und sichern sich massiv gegen einen Crash ab. Die heimischen Privatanleger hingegen lösen ihre Absicherungen gegen fallende Kurse auf.

Auch in den USA agieren Private und Profis gegensätzlich. Allerdings verhalten sich die US-Profis wie deutsche Privatanleger und die US-Privatanleger wie deutsche Profis.

„Noch ist nicht absehbar, welches Szenario sich durchsetzen wird“, meint Stephan Heibel nach Auswertung der wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment und weiterer Indikatoren. „Aber die Intensität, mit der derzeit die verschiedenen Szenarien am Aktienmarkt umgesetzt werden, spricht dafür, dass es schon bald eine Richtungsentscheidung geben wird“.

Auffällig ist der heftige Schwenk der deutschen Profis: Von extrem bullischen Call-Käufen in der Vorwoche wurde diese Woche umgeschwenkt auf heftige Absicherungsgeschäfte, um für einen Crash gewappnet zu sein.

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    Dabei waren die Konjunkturdaten in der vergangenen Woche weiterhin konstruktiv, und auch der Ausblick machte Mut. Die ZEW-Konjunkturerwartung sprang diese Woche auf 71,5, Volkswirte hatten einen moderat bullischen Wert von 58 erwartet.

    Grafik

    Woher kommt diese Skepsis der Institutionellen? „Profis wissen, dass die Aktienmarktrichtung häufig von den US-Märkten bestimmt wird“, erläutert der Sentimentexperte Heibel. Und dort seien die Entwicklungen in den vergangenen Tagen nicht so erbaulich gewesen: Ein weiteres Konjunkturprogramm ist in weite Ferne gerückt, Trump hat per Dekret Minimalhilfen umgesetzt.

    Der Zwist mit China verschärft sich, und Joe Biden hat sich eine Vizepräsidentin ausgesucht, die seine Chancen verbessert. Und Biden als Präsident bedeutet aus Sicht der Wall Street Steuererhöhungen und mehr Regeln für die Finanzmärkte.

    „Vielleicht erklärt das auch gleichzeitig die Skepsis der US-Privatanleger, bei denen die Bären dominieren“, meint der Inhaber des Analysehauses Animusx. Das bullische Verhalten der Profis an der Chicagoer Terminbörse CBOE kann er sich nicht erklären.


    In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
    Angaben in Prozent


    Aktuelle Umfrageergebnisse

    Um mehr als drei Prozent konnte der Dax in der vergangenen Woche zulegen, doch die Anleger bleiben skeptisch. Laut dem aktuellen Umfrageergebnis zeigt der Wert von plus 0,3 nur eine leicht positive Stimmung. Obwohl der Dax nur rund 700 Punkte unterhalb seines Allzeithochs notiert, kommt keine Feierlaune auf.

    Immerhin zeigen sich die Umfrageteilnehmer inzwischen wieder halbwegs zufrieden mit ihren Aktivitäten. Das lässt den Schluss zu, dass einige Anleger die Korrektur im Juli zum späten Einstieg in die Rally nutzten und nun Gewinne mitgenommen haben oder noch mitnehmen werden. Mit einem Wert von plus 0,2 ist die Verunsicherung, die seit Ende Februar durchgängig herrschte, erstmals überwunden.

    Auch der Pessimismus zur Dax-Kursentwicklung in drei Monaten scheint vorbei zu sein. Das Erwartungsbarometer steht nur noch bei minus 0,1.

    Das ist für Heibel leicht zu erklären: Die Aktien der Corona-Gewinner wurden von vielen Anlegern eher als Sonderfall betrachtet und verbreiteten daher keinen rechten Optimismus, trotz der Kursgewinne von teilweise mehr als 100 Prozent. Doch nun sind die konjunktursensiblen Aktien ebenfalls gestiegen und verbreiten damit einen gewissen Optimismus.

    Doch gleichzeitig fällt die Investitionsbereitschaft auf minus 0,1. Obwohl die Zahl der Bären abnimmt, möchte kaum jemand investieren. Das ist auf den ersten Blick widersprüchlich.

    Doch der genaue Blick zeigt, dass sowohl die Kauf- als auch die Verkaufsbereitschaft sehr gering sind. Anleger möchten also am liebsten erst einmal abwarten. Angesichts der sehr widersprüchlichen Signale ist das nachvollziehbar.


    Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
    Angaben in Prozent


    Das Privatanlegersentiment an der Stuttgarter Börse Euwax bleibt mit einem Wert von minus vier leicht pessimistisch, befindet sich aber dennoch auf dem höchsten Wert seit Mitte März. Absicherungsgeschäfte der Privatanleger gegen fallende Kurse werden weiter zurückgefahren.

    Ganz anders verhalten sich die Profis, deren Absicherungen gegen fallende Kurse über die Frankfurter Terminbörse Eurex abgewickelt werden: Das Put-Call-Verhältnis ist auf 2,2 gesprungen, das höchste Niveau seit zwei Monaten, und der Anstieg kam extrem schnell.

    Noch vor einer Woche wurde das niedrigste Put-Call-Verhältnis des Jahres gemessen. Profis haben also plötzlich das extrem starke Bedürfnis, sich gegen Kursverluste abzusichern.

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    Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten?
    Angaben in Prozent


    In den USA ist dieses Verhalten nicht zu beobachten. Das Put-Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE bleibt auf einem extrem niedrigen Niveau. Für Aktien wird weiterhin das niedrigste Verhältnis seit Beginn der dortigen Grafik im Jahr 2015 angezeigt. Die professionellen US-Anleger sind also extrem bullisch positioniert.

    Genau das zeigt auch die Investitionsquote der US-Fondsanleger mit einem Wert von 101 Prozent. Fondsanleger spekulieren „gehebelt“ auf steigende Notierungen. „Das ist ein Warnsignal“, meint der Sentimentexperte. „Einige Anleger wollen unbedingt aufholen, was sie in den vergangenen Monaten verschlafen haben.“ US-Privatanleger erwarten hingegen mit einem Wert von minus zwölf fallende Kurse.

    Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte zeigt mit einem Wert von 72 Prozent weiterhin Gier an und ist weiterhin nicht weit entfernt von extremer Gier, die mit einem Wert von 75 Prozent beginnt.

    Kurzfristige technische Indikatoren zeigen an, dass eine Korrektur wahrscheinlich wird.

    Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 3500 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.


    Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
    Angaben in Prozent


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