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Handelsraum der Frankfurter Börse

Starker Stimmungsumschwung.

(Foto: dpa)

Dax-Umfrage Anleger reagieren gelassen auf hohe Verluste

Die Eskalationen im Handelsstreit und beim Brexit hinterlassen kaum Spuren bei Investoren. Eine nachhaltige Trendwende beim Dax ist daher nicht in Sicht.
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DüsseldorfNach den neuesten Entwicklungen im Brexit und im Handelsstreit rutschte der Dax in der vergangenen Handelswoche um 1,9 Prozent ab und ging am Freitag nur knapp über der Marke von 12.000 Punkten aus dem Handel. Doch Anleger reagieren gelassen: Sie geben sich laut der aktuellen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment moderat pessimistisch, was nach solch einer Woche keine Überraschung sein sollte.

„Panik sieht anders aus, entsprechend kann ich nach diesem heftigen Ausverkauf noch keine Trendwende ausrufen“, meint Sentimentexperte Stephan Heibel vom Analysehaus Animusx, der die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 3.500 Investoren auswertet. „Die Widersprüche in den Positionierungen und Stimmungen der Anleger sind derzeit kein Warnsignal oder Indikator für einen anstehenden Marktausbruch in die eine oder andere Richtung.“

Eine Panik – also ein Ausverkauf mit hohen Umsätzen während eines Abwärtstrends, der anschließend in einen extremen Pessimismus der Anleger mündet – ist aus Sicht der Sentimentanalysten ein wichtiger Indikator für eine bevorstehende Trendwende. Denn dann haben viele Investoren – Börsenaltmeister André Kostolany nannte sie die „zittrigen Hände“ – ihre Aktien verkauft. Anschließend genügen schon wenige Käufe, damit die Kurse wieder steigen.

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Die aktuell aber nur moderat pessimistische Stimmung dürfte nach dem Ausgang der Europawahl kaum eine extreme und nachhaltige Bewegung in die eine oder andere Richtung lostreten. „Es gibt nicht genügend engagierte Anleger, die eine Bewegung anschließend verstärken würden. Daher dürfte es bei einer kurzen Reaktion bleiben“, meint Heibel. Zumal sich erst am morgigen Dienstag zeigen werde, wer in Europa künftig das Sagen habe.

Lediglich kurzfristig dürften die Eskalationen im Handelsstreit zwischen den USA und China, beim Brexit mit dem Rücktritt von Theresa May und den EU-Wahlen die Höhepunkte erreicht haben. Entsprechend ist auf den Aktienmärkten kurzfristig der Tiefpunkt markiert.

Die aktuellen Dax-Sentiment-Ergebnisse

Die aktuellen Umfrageergebnisse des Dax-Sentiments zeigen deutlich, dass die Stimmung insgesamt noch weit von extremen Werten entfernt ist. Das kurzfristige Sentiment zeigt folgendes Bild: Nur noch fünf Prozent (minus 13 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) betrachten die aktuelle Bewegung im Dax als Aufwärtsimpuls, neun Prozent (minus sieben Prozentpunkte) als Topbildung.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
Angaben in Prozent

Jeder Dritte (plus 19 Prozentpunkte) erkennt inzwischen eine Abwärtsbewegung. Mit 48 Prozent (plus ein Prozentpunkt) geht weiterhin die Mehrzahl von einer übergeordneten Seitwärtsbewegung aus. Das ergibt einen Wert von minus 2,8 – und damit ist das Sentiment noch weit von Extremwerten entfernt.

So sorgte beispielsweise Trumps Aufkündigung der Zollstreitverhandlungen mit China vor zwei Wochen für einen Wert von minus 3,1. Der historische Extremwert des Sentiments wurde im Rahmen des Börsenchaos im Dezember 2018 mit minus 7,5 erreicht.

Und wie steht es um die Verunsicherung und die Selbstzufriedenheit der Dax-Anleger? Nur noch gut jeder dritte (minus neun Prozentpunkte auf 38 Prozent) hat die Entwicklung der vergangenen Börsenwoche so zum größten Teil erwartet.

Auf der anderen Seite hingegen sehen nun 37 Prozent (plus sechs Prozentpunkte) ihre Erwartungen der Vorwoche als „kaum erfüllt“ an. 18 Prozent (plus vier Prozentpunkte) wurden auf dem falschen Fuß erwischt und hatten eine komplett gegenteilige Entwicklung am deutschen Aktienmarkt erwartet.

Heibels Fazit: „Die Verunsicherung ist groß, aber ebenfalls noch nicht extrem.“

Die Antworten auf die Frage nach der Dax-Phase in drei Monaten zeigen: Viele Anleger haben sich bereits auf diese volatile Marktphase eingestellt.

Denn 39 Prozent (minus ein Prozentpunkt) erwarten eine übergeordnete Seitwärtsbewegung. Immerhin 28 Prozent (minus drei Prozentpunkte) fürchten noch eine anhaltende Abwärtsbewegung, hingegen erwarten noch unverändert 18 Prozent für den Dax in drei Monaten steigende Kurse. „Damit herrscht Pessimismus vor, aber auch hier in keiner extremen Form“, meint der Sentimentexperte.

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
Angaben in Prozent

Abwarten ist auch beim Investitionsverhalten angesagt. 62 Prozent (minus drei Prozentpunkte) wissen derzeit noch nicht, wie sie sich in den kommenden zwei Wochen verhalten werden. Unverändert 17 Prozent wollen Aktien zukaufen, jeder fünfte Befragte (plus drei Prozentpunkte) will seine Positionen verkleinern.

„Die Investitionsbereitschaft ist gering“, erläutert der Animusx-Geschäftsführer. „Anleger müssen nicht mehr viel verkaufen, wollen aber auch noch nicht neue Positionen eingehen.“

Ein Blick auf andere Indikatoren zeigt: Erste Privatanleger kaufen schon wieder Call-Optionsscheine, um auf bald wieder steigende Kurse zu spekulieren. Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart ist auf 5,1 gesprungen und zeigt eine vorsichtig bullishe Positionierung der „Privaten“ an.

Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
Angaben in Prozent

Bei Institutionellen, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, sieht es ganz ähnlich aus: Das Put/Call-Verhältnis ist auf 1,0 gefallen (Durchschnitt 1,5), was ein moderates Interesse an Call-Optionen darstellt.

Ganz anders ist die Lage in den USA: Das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE zeigt deutliche Käufe von Put-Optionen. Profianleger sichern sich also gegen fallende Kurse ab oder spekulieren sogar darauf.

US-Fondsanleger haben ihre Investitionsquote um drei Prozent auf 70 Prozent zurückgefahren und verfügen somit über reichlich Liquidität. US-Privatanleger haben eine Bulle/Bär-Quote von minus elf Prozent. Die Bären, die fallende Kurse erwarten, sind deutlich in der Mehrzahl.

Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte zeigt mit einem Wert von 27 Prozent Angst an, die noch nicht ganz auf einen Extremwert abgerutscht ist.

Die Experten der Investmentberatungsfirma Sentix, die ähnlich wie Heibel die Stimmung unter Aktienanlegern messen, beurteilen die kurzfristige Entwicklung des Aktienmarkts deutlich positiver: Ihre Stimmungsanalyse gibt für die Dax-Performance in den kommenden Wochen grünes Licht. Denn immer dann, wenn in der Vergangenheit das Sentix-Barometer auf dem aktuellen Niveau lag, stieg der deutsche Leitindex in 76 Prozent der Fälle in den acht Wochen danach um mehr als sechs Prozent.

Hinter der Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten.

Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online.

Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine E-Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine weitere, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

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