Dax-Umfrage Anleger scheuen das Risiko

Nach dem Verlust von mehr als drei Prozent in der Vorwoche stehen nun die Zeichen auf Erholung beim deutschen Leitindex. Allerdings fehlt dafür eine wichtige Zutat, wie eine exklusive Analyse zeigt.
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Noch nie war seit dem Start der Handelsblatt-Umfrage im September 2014 der Pessimismus so hoch wie derzeit.
Dax-Anleger brauchen Geduld

Noch nie war seit dem Start der Handelsblatt-Umfrage im September 2014 der Pessimismus so hoch wie derzeit.

DüsseldorfDer deutliche Verlust in der Vorwoche mit einem Minus von 3,4 Prozent beim Dax zeigt seine Wirkung. Die aktuelle Börsenstimmung ist eingebrochen und notiert mit einem Wert von minus 1,5 Prozent im moderat pessimistischen Bereich. Das zeigt die Auswertung des Handelsblatt-Dax-Sentiments, einer wöchentlichen Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2200 Anlegern. Die Abstimmungsergebnisse werden vom Analysehaus Animusx ausgewertet und interpretiert.

Wie groß der Einfluss der Börsenstimmung auf die Kursentwicklung ist, zeigt sich im Rückblick: Am vergangenen Montag hatte Stephan Heibel, Inhaber von Animusx, unter der Überschrift „Anleger stehen an der Seitenlinie“ eine Handelsspanne von 11.800 bis 11.400 Punkten prognostiziert. Hintergrund war die neutrale Stimmung unter den Anlegern. Das Ergebnis: Der deutsche Leitindex verlor 3,4 Prozent und fiel von rund 11.800 Zählern am Montag auf 11.413 Punkten am Freitag. Auch die anderen Prognosen in den Vorwochen und -monaten von Heibel können sich sehen lassen (siehe auch Dax-Sentiment: Vergleich Prognosen mit Indexverlauf).

Aus der neutralen Stimmung der Vorwoche ist nun eine pessimistische geworden. Nur noch sieben Prozent der Umfrageteilnehmer erkennen in der aktuellen Lage einen Aufwärtsimpuls, 14 Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche. Ein Großteil derer ist in das Bärenlager gewechselt. Denn jeder Fünfte sieht aktuell einen Abwärtsimpuls, elf Prozentpunkte mehr als eine Woche zuvor. Mehr als die Hälfte der Anleger sieht aber die aktuelle Börsensituation als übergeordnete Seitwärtsbewegung an.

Und die Anleger sind auf dem Weg zu einer extremen Verunsicherung. Denn der Indikator für die Selbstgefälligkeit (Antwort auf die Frage: „Haben Sie die Börsenentwicklung der vergangenen Woche so erwartet?) ist deutlich gesunken. In der Vergangenheit war dieser Indikator sehr hoch. Doch nun hatte fast jeder zweite Anleger diesen Abwärtsrutsch in der vergangenen Woche überhaupt nicht erwartet.

Er läuft und läuft und läuft
1. Juli 1988
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Der Dax feiert seinen Einstand. Rechnerisch startet er allerdings am 30. Dezember 1987 bei einem Stand von 1.000 Punkten. Der Deutsche Leitindex umfasst die größten 30 börsennotierten deutschen Unternehmen und ist ein Performance-Index. Das heißt: Die Dividenden, die die Dax-Unternehmen auszahlen, werden in den Kurs des Indizes wieder eingerechnet. Manche bezeichnen ihn deshalb als „Mogelpackung“ und finden einen Vergleich mit Kurs-Indizes – wie dem Dow Jones – „unfair“.

16. Oktober 1989
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Der erste schwarze Tag für den Dax: Er bricht im Sog der Wall Street um rund 13 Prozent ein.

Dabei war der Kurssturz an der Wall Street mit Minus sieben Prozent deutlich kleiner. Die Ursache: In den achtziger Jahren hatten Übernahmen und Fusionen in den USA Hochkonjunktur. Unternehmen nahmen Kredite auf, um andere Unternehmen zu kaufen. Das Problem war, dass dadurch viele Unternehmen hoch verschuldet waren. Es kamen bereits Sorgen auf, dass Unternehmen in Schieflage geraten könnten, sobald die Zinsen steigen würden oder es Liquiditätsengpässe gebe.

Der Auslöser: Die Übernahme von United Airlines scheiterte an der Finanzierung und löste eine Verkaufswelle aus. Zuerst wurden Übernahmekandidaten abgestoßen, dann alle anderen Aktien. Die Angst der Anleger, dass Unternehmen Liquiditätsprobleme bekommen, entlud sich an der Börse.

18. November 1996
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Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt stark zu. Telekom-Chef Ron Sommer steht hier am 17. November 1996 vor der Frankfurter Wertpapierboerse, an der der Einführungspreis der T-Aktie von seinerzeit 28,50 D-Mark angezeigt wird. Die Aktie wurde allerdings zur Enttäuschung. Lesen sie hier die gesamte Chronik der T-Aktie.

28. Oktober 1997
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Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

Hintergrund: Asien galt in den Neunziger Jahren als Wachstumszentrum der Welt. Die sogenannten Tigerstaaten (Singapur, Südkorea, Taiwan, Hong Kong) galten als große Hoffnungsträger, gerieten aber wegen finanzpolitischer Fehlentwicklungen (und zahlreicher weiterer Faktoren) in Schieflage. Der massive Kapitalabfluss aus diesen Ländern löste schließlich auch Panik an der Börse aus. Der Dax brach ein, erholte sich aber am nächsten Tag fast wieder vollständig. Hier hätten Kostolanys Schlaftabletten viel Geld gespart.

28. November 1997
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Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für „Exchange Electronic Trading“ - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an. Xetra löste den Vorgänger IBIS ab.

Mittlerweile sind die Aktienhändler am Frankfurter Parkett nur noch Fassade. Der „wirkliche“ Dax-Handel findet in einem Rechenzentrum statt. Der Handel an der Präsenzbörse in Frankfurt am Main wurde am 20. Mai 2011 abgeschafft.

7. März 2000
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Der Dax erreicht ein neues Rekordhoch von 8136 Punkten. Befeuert wird die Euphorie von der Entstehung des Internets und einem sich ausbreitenden Fusionsfieber. Danach ging es wegen einer sich abkühlenden Wirtschaft und dem Einbruch des Neuen Marktes deutlich abwärts. Diesen Höchststand erreichte der Dax dann erst wieder im Jahr 2007.

11. September 2001
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Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um rund neun Prozent. Im Handelsverlauf ging es für den Leitindex sogar um bis zu elf Prozent nach unten. Die US-Börsen setzten den Handel sofort aus und eröffneten die Börsen sechs Tage später – „den Kriminellen zum Trotz“. Bei der Wiedereröffnung gingen die US-Börsen auf Talfahrt – allerdings nicht ganz so stark wie befürchtet. Der Dow Jones verlor etwa sieben Prozent.

Vor dem Hintergrund der Verunsicherung und der schwachen Kursentwicklung an den Börsen flüchten sich Anleger in die Zuversicht, dass es in einigen Monaten deutlich besser aussehen werde. Nur noch knapp jeder Vierte fürchtet in drei Monaten einen Abwärtsimpuls, während jeder Dritte einen Aufwärtsimpuls erwartet.

Doch diese positive Erwartungshaltung könnte sich als Lippenbekenntnis herausstellen, denn die Investitionsbereitschaft ist rückläufig. Nur noch jeder fünfte Anleger will in den nächsten zwei Wochen kaufen. Das Lager derer, die noch nicht wissen, wie sie sich verhalten werden, ist mit 63 Prozent (plus drei Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) auf einem Rekordniveau.

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