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Börse in Frankfurt

Die Stimmung der Anleger hat sich laut einer exklusiven Handelsblatt-Befragung wieder eingetrübt.

(Foto: dpa)

Dax-Umfrage Anlegerstimmung spricht gegen heftigen Ausverkauf beim Dax

Mehrere Indikatoren signalisieren tendenziell steigende Kurse am deutschen Aktienmarkt. Zwei Probleme polarisieren aber zunehmend.
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DüsseldorfDie Stimmung der deutschen Anleger spricht eher für steigende Kurse am Aktienmarkt: Die meisten Investoren sind entweder nur vorsichtig in den Markt eingestiegen oder haben sich sogar gegen fallende Kurse abgesichert. „Solch ein Stimmungsbild dient als Unterstützung für die Märkte, ein heftiger Ausverkauf ist da eher unwahrscheinlich“, meint Börsenexperte Stephan Heibel. Eher könnten die Kurse steigen, wenn an den Aktienmärkten in den USA nicht die Notierungen einbrechen.

Doch genau das könnte nach den deutlichen Kursgewinnen an der Wall Street passieren. „So langsam entwickelt sich eine leichte Euphorie in den USA, die in der Regel ein Zeichen dafür ist, dass die Rally zumindest zwischenzeitlich einmal einen Dämpfer erhalten könnte“, meint Heibel.

Aus Sicht der Sentimentanalyse ist Euphorie ein negatives Zeichen: Wenn Anleger euphorisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten.

Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, sind sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

„In Deutschland hingegen ist man sich sicher, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht, wenn in den USA die Kurse steigen – entsprechend zurückhaltend ist man hier in Deutschland gegenüber den Dax-Kandidaten“, sagt der Inhaber des Analysehauses Animusx.

Das Problem: Wenn der US-Index Dow Jones nur hustet, die Kurse also lediglich leicht fallen, bekommt der Dax oft einen ausgereiften Schnupfen, die Notierungen fallen deutlicher als in den USA. „Wenn also in den USA eine fällige Konsolidierung auf hohem Niveau erfolgen sollte, könnte der Dax ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden“, erläutert Heibel. Basis für seine Prognose ist das Handelsblatt-Dax-Sentiment, eine wöchentliche Umfrage unter mehr als 3200 Anlegern.  

Eine weitere Gefahr für den Exportweltmeister Deutschland sind die Währungskrisen, die sich derzeit in einer Reihe von Schwellenländern anbahnen, allen voran in der Türkei. Der feste Dollar macht die Zinslast hoch verschuldeter Schwellenländer teurer und drückt auf die Konjunktur. „Die Dollarentwicklung ist derzeit der größte Einflussfaktor für die Aktienmarktentwicklung“, meint der Animusx-Geschäftsführer.

Steigt der US-Dollar, dürfte das insbesondere die Schwellenländer belasten. Fällt der US-Dollar, könnte das zu einer Entspannung an den Aktienmärkten führen.

Die Entwicklung an den Märkten war in der vergangenen Woche extrem unterschiedlich. Während der amerikanische Technologieindex Nasdaq ein Allzeithoch nach dem anderen erklimmt und der Dow Jones nur wenige Punkte von seinem Allzeithoch entfernt ist, dümpelt der Dax neun Prozent unter seinem Allzeithoch vor sich hin.

Zwar entwickelte sich im Verlauf der vergangenen Woche zwischenzeitlich Zuversicht, als die EU anbot, sämtliche Autozölle fallenzulassen. Doch US-Präsident Trump machte schnell klar, dass es ihm um wesentlich mehr als nur die Autozölle geht. Entsprechend trat zum Ende der Woche wieder Ernüchterung ein, der Dax gab seine zwischenzeitlichen Gewinne wieder ab.

Als Folge hat sich die Stimmung beim Handelsblatt-Dax-Sentiment wieder eingetrübt. Mittlerweile fürchtet fast jeder Vierte (24 Prozent, plus zehn Prozentpunkte gegenüber Vorwoche) schon wieder, dass sich der Dax in einem Abwärtstrend befindet. Nur jeder Zehnte (unverändert) geht von einem Aufwärtstrend aus. Mit 56 Prozent (minus sieben Prozentpunkte) bleiben jedoch die meisten Anleger der Meinung, dass der Dax einfach nur seitwärts pendelt.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
Angaben in Prozent

Einige Anleger hatten sich von der vergangenen Handelswoche mehr erhofft: Denn 14 Prozent (plus vier Prozentpunkte) geben an, von dieser Entwicklung auf dem falschen Fuß erwischt worden zu sein. Weitere 36 Prozent (plus ein Prozentpunkt) sehen ihre Erwartungen der Vorwoche kaum erfüllt.

Dafür geben 45 Prozent (minus drei Prozentpunkte) an, dass sich der deutsche Leitindex zum größten Teil im Rahmen ihrer Erwartungen entwickelt habe. Weitere fünf Prozent (minus zwei Prozentpunkte) wollen sogar darauf spekuliert haben. „Es herrscht leichte Verunsicherung unter den Anlegern“, meint Sentimentexperte Stephan Heibel.

Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
Angaben in Prozent

Bei den Zukunftserwartungen nimmt die Polarisierung zu: 21 Prozent (plus fünf Prozentpunkte) fürchten für die Frankfurter Benchmark in drei Monaten fallende Kurse. Dieser Zulauf kommt von Anlegern, die zuvor von einer Topbildung ausgegangen waren (minus drei Prozentpunkte auf nur noch fünf Prozent). Diese Anleger sehen die Topbildung offensichtlich nun für beendet an und stellen sich auf einen Abwärtsimpuls ein.

Zudem haben einige der Umfrageteilnehmer das Lager derer verlassen, die für das deutsche Börsenbarometer eine lange Seitwärtsbewegung erwarten (minus zwei Prozentpunkte auf 25 Prozent). Auf der anderen Seite erwarten unverändert 42 Prozent einen Aufwärtsimpuls. Damit stellen die Optimisten das größte Lager, jedoch erhalten die Pessimisten derzeit mehr Zulauf.

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
Angaben in Prozent

Nur noch 13 Prozent (minus drei Prozentpunkte gegenüber Vorwoche) wollen in den kommenden zwei Wochen Aktien verkaufen, hingegen sind weiterhin 22 Prozent gewillt, ihre Aktienpositionen auszubauen. Mit 65 Prozent (plus drei Prozentpunkte) sind jedoch wieder mehr Anleger unentschieden über ihre nächsten Aktionen.

Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
Angaben in Prozent

Das Euwax-Sentiment der gleichnamigen Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, ist auf 2,1 gefallen und zeigt einen abnehmenden Optimismus an. Die Wetten auf steigende Kurse werden langsam geschlossen. Dieser Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet.

Ganz ähnlich verhalten sich auch die Profis, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern. Das Put/Call-Verhältnis ist angestiegen, die institutionellen Investoren sichern sich wieder verstärkt gegen fallende Kurse ab.

In den USA verhalten sich die Profis ganz anders. Das Put/Call-Verhältnis an der Chicagoer Terminbörse CBOE ist in der abgelaufenen Woche gefallen und zeigt, dass die institutionellen Investoren verstärkt auf steigende Kurse setzen. Entsprechend ist auch die Investitionsquote der US-Profis um zwölf Prozentpunkte auf 98 Prozent gestiegen. Damit ist die vorsichtige Positionierung der Sommermonate vorbei.

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit 19 Prozent einen moderaten Überhang der optimistischen Bullen an. Eine übliche Entwicklung, wenn die US-Aktienindizes neue Allzeithochs erklimmen.

Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Index“ für die US-Aktienmärkte zeigt mit 73 Prozent leichte Gier an. Auch andere technische Indikatoren deuten eine kurzfristige Überhitzung am US-Markt an. „Hier ist also kurzfristig Vorsicht geraten“, meint Heibel.

Andere Sentimentumfragen signalisieren zumindest keinen Ausverkauf an den Märkten.

Für Joachim Goldberg, der eine ähnliche Erhebung für die Börse Frankfurt auswertet, hat der Dax vor allen Dingen die institutionellen Abgaben gut verkraftet. So bescheinigte er dem deutschen Leitindex am Mittwoch vergangener Woche „etwas mehr Robustheit, zumal ein Teil der jüngsten Abgaben nach den erfolgreichen Erfahrungen der Vorwochen auf niedrigerem Niveau wieder eingedeckt würden“. 

Für die Experten des Analyseinstituts Sentix bietet die aktuelle Dax-Umfrage Chancen – aufgrund der veränderten Einstellungen der institutionellen Anleger. Ein Anstieg der mittelfristigen Erwartungen von plus 0,24 „deutet auf eine 65-prozentige Chance auf Kursgewinne in Höhe von zwei bis vier Prozent in den nächsten sechs bis zehn Wochen hin“.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt zu lesen ist.

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