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Dax-Umfrage Anlegerstimmung spricht gegen weiteren Ausverkauf beim Dax

Bei den Investoren wächst die Hoffnung auf bessere Börsenzeiten in Deutschland. Daraus lässt sich ein bestimmtes Szenario ableiten.
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Anleger sind sowohl in den USA als auch in Deutschland sehr defensiv positioniert. Quelle: Reuters
Dax

Anleger sind sowohl in den USA als auch in Deutschland sehr defensiv positioniert.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf„Schlimmer geht immer“, lautet eine Lebensweisheit. Die wird mit den aktuellen Ergebnissen der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment bestätigt. Der Fünf-Wochen-Durchschnitt der Börsenstimmung (siehe Grafik) erreichte bereits vor einer Woche ein neues Rekordtief seit Beginn der Erhebung im September 2014 – und rutschte an diesem Montag nochmals tiefer.

„Wir sind einem zwischenzeitlichen Boden näher als einer neuen Ausverkaufswelle“, analysiert Börsenexperte Stephan Heibel, der die wöchentliche Umfrage unter mehr als 3.200 Anlegern auswertet.

Diese Kurve des Fünf-Wochen-Durchschnitts hat bislang eine hohe Treffsicherheit gezeigt. Vor den Rekordtiefs in den vergangenen zwei Wochen hat der Indikator sechsmal einen hohen oder niedrigen Extremwert erreicht. Und jedes Mal war es der Beginn einer Trendwende – wie zuletzt im November 2017 als Vorbote der größeren Dax-Korrektur 2018.

Im Februar 2016 war es andersrum: Damals rutschte die Frankfurter Benchmark unter die Marke von 9.000 Zählern, die Stimmung brach gleichzeitig komplett ein. Es war der Beginn einer Rally, die den deutschen Leitindex letztendlich zum aktuellen Rekordhoch von 12.951 Punkten führte.

Allerdings hatte Heibel bereits vor vier Wochen anhand des extremen Wertes beim Fünf-Wochen-Durchschnitt den Startschuss für eine Jahresendrally gegeben, doch die Kurse fielen weiter, das Sentiment brach weiter ein.

Grafik

Für den Sentimentexperten wird sich in den ersten Tagen des neuen Jahres zeigen, welche Aktien als chancenreich gelten und welche Papiere dann noch verkauft werden. „Ich vermute, dass die Anlegerstimmung hinter diesen technischen Transaktionen wenig Bedeutung hat“, meint der Inhaber des Analysehauses Animusx.

Sein Szenario für die Börsen sieht wie folgt aus: In ein paar Tagen dürfte sich die extrem negative Stimmung in den USA auswirken. Weitere Verkäufe bleiben aus, der Markt dürfte ohne neue Hiobsbotschaften steigen.  

In Deutschland ist in seinen Augen ebenfalls ein Extrem erreicht, das einen weiteren heftigen Ausverkauf in den ersten beiden Januarwochen unwahrscheinlich macht. Doch an eine langfristige Wende zum Besseren glaubt der Sentimentexperte auch nicht.

„Die Zukunftserwartung ist noch zu gut, eine Kapitulation der Anleger blieb bislang aus“, erläutert Heibel. „Steigende Kurse dürften wohl nicht nachhaltig sein.“

Die anderthalb Handelstage in der vergangenen Woche verliefen sehr volatil. Am Donnerstag setzte sich der Ausverkauf fort, der Dax erreichte sein Jahrestief bei 11.279 Punkten. Am Freitag schlossen die Börsen bereits am Mittag, dennoch konnte die Frankfurter Benchmark mit einem Plus von 1,8 Prozent einen Teil des Vortagsverlusts ausgleichen.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
Angaben in Prozent

„Die heftigen Tagesschwankungen der vergangenen Tage sind darauf zurückzuführen, dass viele Anleger ihr Portfolio vor Jahresende umstrukturiert haben: Im Verlust notierende Positionen wurden aus steuerlichen Gründen noch verkauft, während aussichtsreiche Kandidaten für 2019 bereits gekauft wurden“, erläutert Heibel. Auch Aktien mit einer guten Performance im Jahr 2018 wurden gekauft.

Man nennt das „windows dressing“, das Schaufenster der Fonds wird aufgehübscht. Mit erfolgreichen Aktien, die im Jahresabschluss als Gewinnertitel erscheinen, soll einem flüchtigen Leser vorgegaukelt werden, dass man diese erfolgreichen Aktien das ganze Jahr über im Depot hatte, obwohl man sie in Wirklichkeit erst in den letzten Tagen des Jahres gekauft hat.

„Insofern dürfen wir den Kursbewegungen der vergangenen Tage in einzelnen Aktien nicht zu viel Bedeutung beimessen“, meint der Animusx-Geschäftsführer.

Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment stehen – vereinfacht formuliert – zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten.

Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, sind sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken. Für seine Prognose, wie sich der deutsche Leitindex in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte, wertet Heibel zusätzlich weitere Indikatoren aus.

Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
Angaben in Prozent

Die aktuellen Umfrageergebnisse des Dax-Sentiments zeigen: Weihnachtliche Stimmung und die Aussicht auf ein neues Jahr, in dem alles, wenn auch nicht unbedingt besser, so doch zumindest anders werden soll, haben die Panik der Vorwoche ein wenig relativiert.

So sehen nunmehr „nur“ noch 64 Prozent (minus 14 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) der Umfrageteilnehmer den Index in einem Abwärtsimpuls, 26 Prozent (plus zwölf Prozentpunkte) gehen nun von einer Bodenbildung aus. „Mit einem Sentimentwert von minus 6,1 ist die Panik aber noch immer deutlich spürbar“, meint Heibel.

Auch die große Verunsicherung unter den Anlegern bleibt bestehen, wenngleich der Extremwert der Vorwoche nicht mehr ganz erreicht wird. „Nur“ noch 40 Prozent (minus fünf Prozentpunkte) sind vom neuen Jahrestief auf dem falschen Fuß erwischt worden. Fast jeder vierte Befragte (24 Prozent, plus fünf Prozentpunkte) sieht seine Erwartungen der Vorwoche als „kaum erfüllt“ an.

Zum „größten Teil erfüllt“ sehen 27 Prozent (plus drei Prozentpunkte) ihre Erwartungen, und neun Prozent (minus zwei Prozentpunkte) wollen sogar darauf spekuliert haben. „Das ist leider noch keine Kapitulation, die für eine Bodenbildung mit anschließend nachhaltig steigenden Kursen erforderlich wäre“, kommentiert Sentimentexperte Heibel.

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
Angaben in Prozent

Zumal die Hoffnung auf bessere Zeiten noch wächst: Für den Dax in drei Monaten erwartet mehr als ein Viertel aller Anleger (26 Prozent, plus sechs Prozentpunkte) höhere Kurse. Die gleiche Prozentzahl (minus drei Prozentunkte gegenüber der Vorwoche) geht von einer anhaltenden Seitwärtsbewegung auf dem aktuellen Niveau aus.

Gut jeder Fünfte (21 Prozent, minus zwei Prozentpunkte) bezeichnet die derzeitige Entwicklung bereits als Bodenbildung. Noch immer fürchtet jeder Vierte (minus ein Prozentpunkt) jedoch einen anhaltenden Bärenmarkt. Fazit dieses Umfrageergebnisses: Die Erwartung der Anleger hat sich ein wenig verbessert und kann nun als neutral bezeichnet werden.

Entsprechend wollen 22 Prozent (plus vier Prozentpunkte) in den kommenden zwei Wochen Aktien hinzukaufen, während nur noch 14 Prozent (minus ein Prozentpunkt) ihre Positionen verkleinern wollen. Mit 64 Prozent (minus drei Prozentpunkte) sind die meisten wie immer unentschlossen, wie sie sich in den kommenden Tagen verhalten werden.

Die gleiche Lage herrscht auch am Derivatemarkt, an dem Privatanleger ebenfalls das aktuelle Kursniveau vorwiegend als Chance für den Positionsaufbau betrachten. Denn das Euwax-Sentiment der gleichnamigen Börse in Stuttgart zeigt mit einem Wert von 8,48 eine deutliche Long-Positionierung an. Dieser Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet.

Sogar die Profis hierzulande sehen die Lage ähnlich, denn das Put/Call-Verhältnis an der Frankfurter Terminbörse Eurex ist auf einen Wert von 0,9 gefallen. Dieser Indikator zeigt: Die institutionellen Investoren haben ihre Absicherungen gegen fallende Kurse verkauft und spekulieren stärker auf höhere Notierungen.

Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
Angaben in Prozent

In den USA ist aber alles anders. Das Put/Call-Verhältnis an der Chicagoer Terminbörse CBOE ist in den vergangenen Tagen zwischenzeitlich auf ein extremes Hoch geschossen und notiert aktuell auf dem höchsten Niveau der vergangenen drei Jahre. Von Spekulationen auf steigende Kurse wie hierzulande ist dort nichts zu sehen: US-Profianleger sichern sich so stark gegen weiter fallende Kurse ab wie lange nicht mehr.

Auch die Investitionsquote der US-Fondsmanager ist mit 47 Prozent (plus 15 Prozentpunkte) noch immer auf einem niedrigen Niveau, wenngleich im Vergleich zur Vorwoche wohl auch Fondsverwalter die niedrigen Kurse zum Aufbau von Positionen genutzt haben.

Die Bullenquote der US-Privatanleger ist mit minus 22,4 Prozent weiterhin auf einem extrem niedrigen Niveau. Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte hat sich gegenüber der Vorwoche leicht erholt, notiert aber mit zwölf Prozent ebenfalls noch im Bereich der extremen Angst. Auch andere technische Indikatoren zeigen, dass es zumindest kurzfristig zu einer Gegenbewegung kommen sollte.

„Der Jahresauftakt 2019 könnte freundlich überraschen“, meinen die Experten des Börsenanalysehaus Sentix zu den Chancen der europäischen Aktien. Die mittelfristigen Erwartungen der Anleger sind gestiegen, „endlich entsteht ein geringes Maß an Wertwahrnehmung“.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine E-Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine weitere, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

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