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Dax-Umfrage Börsen-Rally kann weitergehen – Erste Anleger geben ihre wochenlange Zurückhaltung auf

Die Stimmung ist trotz neuer Rekordhochs eher konstruktiv. Doch die vielen neutral eingestellten Anleger könnten bald für volatile Handelstage sorgen.
14.06.2021 - 16:31 Uhr Kommentieren
Dax-Sentiment: Es gibt keine Corona-Gewinner- & Verliererbranchen mehr Quelle: Bloomberg
Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse

Viele Anleger stehen der Dax-Rally skeptisch gegenüber.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Der Dax eilt von Rekordhoch zu Rekordhoch. In der vergangenen Woche lag die Bestmarke noch bei 15.732 Punkten, seit diesem Montag liegt sie bei 15.803 Zählern. „Diese Bewegung kann anhalten“, meint Börsenexperte Stephan Heibel nach Auswertung der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. Denn es gibt auf den ersten Blick keinen Indikator aus der Erhebung, der fallende Kurse signalisiert.

Der Optimismus unter den Anlegern steigt, und einige von ihnen signalisieren nach wochenlanger Enthaltsamkeit wieder Investitionsbereitschaft. Sie wollen offenbar von dieser Rally-Fortsetzung, die Anfang Juni mit dem Sprung über die Marke von 15.600 Punkten begann, nun doch noch profitieren.

Die aktuelle Stimmung ist aber nicht euphorisch, sondern verhalten positiv. „Es gibt keinen Überschwang, keine exzessive Partystimmung, die zu einem Kater am nächsten Morgen führen könnte“, beobachtet Sentimentexperte Heibel. Euphorie gilt laut Sentimentanalyse als Kontraindikator, weil in diesem Falle viele Anleger bereits investiert haben und als Käufer bei fallenden Notierungen ausfallen.

Was Anleger allerdings beachten sollten: Sowohl in den USA als auch hierzulande ist die Zahl der neutral eingestellten Privatanleger sehr hoch. Also Anleger, die weder pessimistisch oder optimistisch sind, sondern zurückhaltend am Markt agieren. Sie warten auf einen neuen Trend, bevor sie wieder investieren.

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    In der Vergangenheit hat diese Ausgangslage oftmals sprunghafte Handelsverläufe begünstigt. Zumindest eine höhere Volatilität sollten Anleger in den kommenden Handelstagen einkalkulieren. Und es gibt einen negativen Aspekt dabei: In den USA ist die Zahl der Bären – also Anleger, die fallende Kurse erwarten – mit 20 Prozent extrem niedrig, was als Kontraindikator eher für fallende Kurse spricht.

    Eine ähnlich hohe neutrale Stimmung unter den Anlegern gibt es auch am Zinsmarkt. Noch im Frühjahr schien es eine ausgemachte Sache zu sein, dass die Zinsen steigen.

    Nachdem die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe am 19. Mai auf minus 0,077 Prozent kletterte, hatten viele Anleger den Sprung ins positive Terrain erwartet. „Doch wie so häufig an den Finanzmärkten geschah dann das Gegenteil dessen, was alle erwarteten: Die Zinsen drehten wieder gen Süden“, sagt Heibel. Mittlerweile liegt dieser Wert wieder bei minus 0,27 Prozent.

    Nun ist die Verunsicherung unter Anlegern über diese Entwicklung groß. Entsprechend will kaum noch einer investieren, also auf steigende oder fallende Kurse setzen. Für Heibel steht fest: „Sollte sich hier eine neue Richtung zeigen, werden die derzeit zurückhaltenden Anleger aufspringen und die Entwicklung verstärken“.

    Aktuelle Umfragedaten

    Obwohl der Dax am vergangenen Freitag in Nähe seines Rekordhochs notierte, ist von Euphorie oder Selbstüberschätzung nichts zu erkennen. Die aktuelle Anlegerstimmung ist gegenüber der Vorwoche sogar leicht gefallen auf einen Wert von 1,7. Erst ab vier signalisiert dieser Wert Euphorie, die als Kontraindikator gilt.

    Auch die Selbstzufriedenheit bleibt mit 1,1 leicht unter dem Wert der Vorwoche. Das ist schon erstaunlich: Trotz der hohen Kurse stellt sich nach wie vor kaum Zufriedenheit unter den Anlegern ein. Bereits vor zwei Wochen zog Heibel daraus die Schlussfolgerung, dass „die meisten Anleger noch immer in den Corona-Gewinnern, den Wachstumsaktien, investiert sind und zu wenig in den Nach-Corona-Aktien“.

    Letztendlich zeigt die Entwicklung: Es ist eine bei den Privatanlegern eher unbeliebte Rally, weil sie von den Kursgewinnen nicht profitieren.

    Bewegung gab es hingegen bei den beiden anderen Indikatoren, die in der Dax-Umfrage erhoben werden. Zum einen ist die Zukunftserwartung ein wenig angestiegen. Nach 0,8 am vergangenen Montag stieg in dieser Woche der Wert auf 1,9. Auch hier gilt: Großer Optimismus wird ähnlich wie der bei kurzfristigen Stimmung erst ab einem Wert von vier erreicht. Davon sind die Erwartungen an den Dax in drei Monaten aber noch weit entfernt.

    Zum anderen hat sich die Investitionsbereitschaft deutlich verbessert. In den vergangenen zehn Wochen zeigten die Anleger kaum nennenswertes Interesse, Aktien zu kaufen. Doch laut der aktuellen Umfrage ist diese Bereitschaft wieder auf 1,1 gestiegen. „Ein zartes Pflänzlein der Hoffnung“, bewertet Heibel diesen Anstieg. „Erste Anleger sehen Chancen im Markt und überlegen, in welche Aktien sie investieren wollen“.

    Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, fällt auf einen Wert von minus zwei. Ein Minuswert bedeutet einen höhere Anteil von Put-Hebelprodukten, die bei fallenden Kursen steigen, gegenüber Call-Hebelderivaten. Anleger sichern sich gegen fallende Kurse ab oder spekulieren sogar auf fallende Notierungen.

    Das Put/Call-Verhältnis an der Chicagoer Terminbörse Eurex hat erst kürzlich den Extrembereich verlassen, der anzeigte, dass Anleger stark auf steigende Kurse spekulierten. Die Normalisierung der vorher extrem bullischen Positionierung schreitet voran, wenngleich in den USA noch immer nicht von Absicherungskäufen gesprochen werden kann.

    Der Anteil der Call-Optionen liegt immer noch über dem der Put-Optionen, allerdings nicht mehr so stark wie in den vergangenen Monaten. Die Investitionsquote der US-Fondsanleger hat sich bei 80 Prozent eingependelt und zeigt eine vergleichsweise neutrale Positionierung an.

    US-Privatanleger haben eine Bullenquote von 24 Prozent. Fast jeder vierte private Investor rechnet also mit steigenden Kursen. Es gibt jedoch weniger einen Bullenüberhang als vielmehr eine Bärenknappheit, denn nur jeder fünfte Anleger ist pessimistisch gestimmt. Dieser Wert ist extrem niedrig. Wie bei der Handelsblatt-Umfrage unter den deutschen Anlegern tummeln sich derzeit auch in den USA die meisten Anleger im neutralen Lager.

    Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte zeigt mit einem Wert von 52 Prozent eine neutrale Verfassung des Markts an.

    Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 4500 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten.

    Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

    Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentiment-Umfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

    Mehr: Gewinn mit Aktien – Wann Anleger Steuern zahlen müssen

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