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Dax-Umfrage Börsenstimmung erreicht einen Tiefpunkt

Es gibt derzeit viele Gründe für einen nachhaltigen Börsencrash. Doch die aktuelle Lage an den Aktienmärkten bietet sich als guter Einstiegszeitpunkt an.
15.10.2018 - 16:42 Uhr 1 Kommentar
Anleger sind sowohl in den USA als auch in Deutschland sehr defensiv positioniert. Quelle: Reuters
Dax

Anleger sind sowohl in den USA als auch in Deutschland sehr defensiv positioniert.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Viele Anleger wollen von einer Erholung am Aktienmarkt profitieren und erwägen, Aktien zu kaufen. Gleichzeitig gehen sie von einer anhaltenden Bodenbildung für die kommenden drei Monate aus. Das zeigt die Auswertung der aktuellen Handelsblattumfrage Dax-Sentiment. Wöchentlich werden mehr als 3200 Anleger zur Stimmungslage an den Märkten befragt.

„Wenn unsere Umfrageteilnehmer Recht haben, dann sehen wir derzeit nur eine kurze Zwischenerholung in einer nunmehr eingeläuteten, längeren Korrekturphase“, kommentiert Stephan Heibel die Kursgewinne am heutigen Montag. Der Inhaber des Analysehauses Animusx wertet die wöchentliche Umfrage aus und prognostiziert anhand der Daten, wie sich der Dax entwickeln könnte. Bereits vor einer Woche hatte er vor dem Kursrutsch unter die Marke von 11.800 Punkten gewarnt: „Dass deutsche Anleger ihren Optimismus über Bord geworfen haben, könnte ein Zeichen für einen bevorstehenden panikartigen Ausverkauf sein.“

Seiner Meinung gibt es einige Gründe, warum die Korrektur an den Aktienmärkten ein wenig länger dauern könnte. So hat beispielsweise der Fünf-Wochen-Durchschnitt des Sentiments noch keinen Extrempunkt erreicht (siehe Grafik).

Grafik

Dieser Durchschnitt des Sentiments hat seit Beginn der Umfrage im September 2014 zuverlässige Einstiegssignale geliefert, wenn er einen unteren Extremwert erreicht hatte – so wie im Februar 2016 und im August des vergangenen Jahres. Gleichzeitig gab es nur einen Ausverkauf an den Märkten, wenn die Kurve im oberen Bereich notierte.

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    „In meinen Augen ist es gar nicht so wichtig, den absoluten Tiefpunkt der Korrektur zu bestimmen“, meint Heibel. Es könne sein, dass der Dax in den kommenden Wochen nochmals einen neuen Tiefpunkt markiere. Wichtiger sei eine Antwort auf die Frage: Befindet sich der Aktienmarkt am Abgrund wie 2007? Oder ist der Rückgang nur ein reinigendes Gewitter im übergeordneten Aufwärtstrend?

    Die Liste der Probleme sieht angsteinflößend aus, Gründe für einen nachhaltigen Börsencrash gibt es viele. Der bevorstehende Brexit könnte schlimmsten Befürchtungen zufolge ungeregelt erfolgen, die Zeit für eine Lösung ist knapp. Italien könnte erneut in eine Bankenkrise stürzen. Die Verabschiedung des Haushaltsplans für 2019 wurde seitens der EU bereits kritisiert. Es bleibt ungewiss, wie die Finanzmärkte reagieren werden und ob die EU Italien im schlimmsten Fall zur Seite springen kann. Die USA befinden sich mit China und Europa im Handelsstreit, der jederzeit weiter ausufern kann

    In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
    Angaben in Prozent

    Doch auf der anderen Seite gibt es laut Heibel schon Gerüchte über eine Lösung im Streit mit den Briten, eine Übergangslösung von zwei Jahren wird einem Bericht der Financial Times zufolge derzeit vorbereitet. Und ob Italien eine neue Bankenkrise bekommt oder nicht hänge in erster Linie von den Finanzmarktteilnehmern ab, nicht von der Regierung.

    Zudem wachse in den USA der Druck auf Donald Trump, von seiner harten Linie im Handelsstreit abzurücken. „Es handelt sich überwiegend um politische Probleme, die auch durch die Politik gelöst werden könnten“, meint Heibel.  

    „Ich gehe davon aus, dass wir in der aktuellen Korrektur günstige Kurse zum Einsteigen sehen“, betont der Sentimentexperte. „Nicht alles auf eine Karte setzen; wer langfristig denkt, kann jetzt beginnen, seine Lieblingsaktien zuzukaufen“, meint Heibel.

    Vielleicht kämen in ein paar Wochen nochmals günstigere Kurse, vielleicht markiere der Dax am Montag mit dem Rutsch unter die Marke von 11.500 Punkte aber bereits das Jahrestief 2018. „Ich gehe davon aus, dass die Aktienmärkte bis Ende des Jahres wieder deutlich höher stehen werden.“

    Allerdings dürfte es zunächst schwer werden, die Marke von 11.800 Punkten wieder zu überspringen. Denn dieser Bereich war anderthalb Jahre eine wichtige Unterstützung, nun ist er zu einem wichtigen Widerstand für den Dax auf dem Weg nach oben geworden.

    Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
    Angaben in Prozent

    Das aktuelle Umfrageergebnis zeigt: Die Stimmung unter den Anlegern ist stark gefallen.  Wer noch vor einer Woche auf eine Seitwärtsbewegung gehofft hatte, hat sich diese Woche in das Lager derer gesellt, die in der aktuellen Dax-Bewegung einen Abwärtsimpuls sehen.

    In Zahlen: Nur noch jeder Zehnte (minus 36 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) sieht eine Seitwärtsbewegung, 64 Prozent (plus 28 Prozentpunkte) erkennen einen Abwärtsimpuls. Gut jeder Fünfte (21 Prozent, plus zwölf Prozentpunkte) gehen davon aus, dass der Markt derzeit einen Boden bildet.

    „Die Stimmung hat einen Tiefpunkt erreicht“, meint Heibel. Nur zum Jahreswechsel 2015/2016 war die Stimmung noch schlechter. Damals begann die US-Notenbank mit ihren Zinsanhebungen, und der Dax brach um 21 Prozent ein.

    Auch die Selbstzufriedenheit ist eingebrochen. 53 Prozent (plus 31 Prozentpunkte) wurden von diesem Kursrutsch auf dem falschen Fuß erwischt. Immerhin haben offenbar neun Prozent (plus drei Prozentpunkte) darauf spekuliert.

    Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
    Angaben in Prozent

    Nur noch gut jeder Fünfte (minus 15 Prozentpunkte) gab an, den Kursrutsch zum größten Teil erwartet zu haben. 17 Prozent (minus 19 Prozentpunkte) sehen ihre Erwartungen als kaum erfüllt an. „Mit einem Wert von minus 10,6 ist die Verunsicherung unter den Anlegern so groß wie selten zuvor“, analysiert der Sentimentexperte. Zuletzt wurde ein entsprechender Wert im Februar erreicht, als die Aktienmärkte eine größere Korrektur einleiteten.

    34 Prozent (plus fünf Prozentpunkte) glauben an steigende Kurse für den Dax in drei Monaten. 28 Prozent (minus drei Prozentpunkte) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus. Nur noch 22 Prozent (minus vier Prozentpunkte) fürchten nachhaltig fallende Kurse. Dafür erwarten nun 13 Prozent (plus sieben Prozentpunkte) für den deutschen Leitindex in drei Monaten eine Bodenbildung. „Die Erwartung der Anleger hat sich in Summe ein wenig verbessert“, meint der Animusx-Inhaber. Verantwortlich dafür sei jedoch ein steigender Zukunftsoptimismus und ein geringerer Pessimismus.

    Entsprechend wollen nun bereits 30 Prozent (plus 13 Prozentpunkte) der Anleger Aktien in den kommenden zwei Wochen zukaufen. Nur noch 15 Prozent (minus vier Prozentpunkte) wollen verkaufen. Mit 55 Prozent (minus acht Prozentpunkte) sind derzeit so wenige Anleger unentschlossen über ihre nächste Aktion wie selten zuvor.

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    Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
    Angaben in Prozent

    Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf 2,7 gesprungen. Privatanleger haben diese Woche genutzt, um Aktien einzusammeln und auf steigende Kurse zu spekulieren. Der Indikator wird anhand von realen Trades mit Hebelprodukten auf den Dax ermittelt. Aktuell überwiegt die Zahl der Long-Derivate deutlich.

    Auch die Finanzprofis, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, haben ihre Put-Positionen heruntergefahren, Absicherungen gegen fallende Kurse wurden aufgelöst. Das Put/Call-Verhältnis ist auf 1,4 gesunken und liegt damit im neutralen Bereich.

    Ganz anders sieht das in den USA aus, dort ist das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE angesprungen. US-Anleger sind deswegen auf der anderen Seite des Atlantiks nun weniger anfällig für weiter fallende Kurse.

    Offensichtlich haben sich US-Anleger von vielen Positionen getrennt, denn die Investitionsquote der US-Fondsmanager ist um 31 Prozent auf nur noch 53 Prozent gefallen. So niedrig war die Investitionsquote zuletzt im Frühjahr während der damaligen Marktkorrektur.

    US-Privatanleger haben derzeit ein Bulle/Bär-Verhältnis von minus 4,8 Prozent, sind also neutral bis leicht pessimistisch gestimmt. Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Index“ zeigt mit fünf Prozent extreme Angst an.

    Eine anderes Bild der Börsenstimmung zeigt die Umfrage des Forschungsinstituts Sentix. „Die heftigen Kursverluste am Aktienmarkt haben die Anleger nicht wirklich verunsichert“, schreiben die Experten. „Die Stimmung hat sich nur relativ wenig verschlechtert. Von Angst und Panik kann nicht die Rede sein.“ Dies sei eine positiver Sentimentimpuls.

    Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine E-Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

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    1 Kommentar zu "Dax-Umfrage: Börsenstimmung erreicht einen Tiefpunkt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Sehr geehrter Herr Röder,

      die bekannten "Börsengefahren" sind vergleichbar mit dunklen Wolken. Möglich, dass sich diese dunklen Wolken abregnen. Ebenso möglich aber, dass sie weiterziehen und danach der Himmel wieder blau erstrahlt.

      Was tatsächlich geschehen wird, kann niemand ahnen. Auch die Börsianer nicht. Ob deren Stimmung eher Ängstlichkeit oder eher Zuversicht reflektiert, wird weder den Handelskrieg noch den Zinsanstieg noch den Brexit und auch nicht den Staatshaushalt Italiens beeinflussen.

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