Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Dax-Umfrage Crash ist unwahrscheinlich: Anleger positionieren sich für einen ruhigen Sommer

In der Corona-Pandemie breitet sich die ansteckende Delta-Variante aus. Die deutschen Privatanleger scheuen neue Aktienkäufe, bleiben aber investiert.
28.06.2021 - 14:57 Uhr Kommentieren
Der Dax hat sich auf einem Niveau zwischen 15.500 und 15.600 Punkten stabilisiert. Quelle: dpa
Der Bulle an der Börse in Frankfurt Main

Der Dax hat sich auf einem Niveau zwischen 15.500 und 15.600 Punkten stabilisiert.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich für einen ruhigen Sommer positioniert. Das ist das Ergebnis der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter knapp 6000 Privatanlegern. Demnach stagniert die Anlegerstimmung mit 1,4 auf einem leicht positiven Niveau, nachdem sie in der Vorwoche bei 1,7 gelegen hat.

„Vor dem Hintergrund der Aktienmärkte, die nahe ihren Allzeithochs notieren, halte ich diese leicht positive Stimmung für angemessen und gesund“, sagt Sentiment-Experte Stephan Heibel, der die wöchentliche Umfrage für das Handelsblatt auswertet.

Der Dax hat sich aktuell auf einem Niveau zwischen 15.500 und 15.600 Punkten stabilisiert, nachdem er im Zuge des Ausverkaufs vom 18. Juni bis auf 15.309 Punkte gefallen war. In der vergangenen Wochen legte er rund ein Prozent zu.

Drei Viertel der Anleger hatten diese Entwicklung erwartet, wie das Umfrageergebnis zeigt. Die Selbstgefälligkeit liegt weiterhin bei einem Wert von 1,5. Die Anleger sind also zufrieden mit den erzielten Kursgewinnen, ohne übermütig zu werden.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Am Markt zeigt sich aktuell folgendes Bild: Auf der einen Seite wächst die Wirtschaft, und die Notenbanken signalisieren weitere geldpolitische Unterstützung. Auf der anderen Seite macht das Wachstum der ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus die Anleger vorsichtig.

    Da ein Crash an den Aktienmärkten aber derzeit unwahrscheinlich ist, bleiben die Anleger investiert, ohne besonders große Risiken einzugehen. Das lässt sich an der Investitionsbereitschaft der Anleger ablesen, die mit einem Wert von 0,6 kaum Kaufinteresse signalisiert. Zum Vergleich: Zu Beginn der Impfstoffrally im November 2020 lag dieser Wert noch bei 4,5.

    Derzeit suchen Anleger also kaum neue Engagements. Von den Umfrageteilnehmern planen nur 19 Prozent neue Käufe, lediglich 16 Prozent wollen verkaufen.

    „Wie wir in den vergangenen Wochen festgestellt haben, sind nach wie vor viele Anleger bereits investiert und segeln mit den steigenden Märkten mit, solange es geht“, erklärt Heibel.

    Große Angst vor fallenden Kursen gibt es aber nicht. Zwar stagniert die Zukunftserwartung bei 1,9, das bedeutet aber gleichzeitig, dass die Optimisten weiterhin die Überhand haben. In drei Monaten rechnen nur 27 Prozent der Umfrageteilnehmer mit fallenden Kursen.

    Heibel sieht darin eine gute Voraussetzung für weiterhin langsam steigende Kurse. Gleichzeitig warnt der Inhaber des Analysehauses AnimusX: „Erfahrungsgemäß ebbt das Handelsvolumen in den Sommermonaten ab, Kurstreiber für den Gesamtmarkt würden benötigt werden, wenn der breite Markt weiter steigen soll.“ Ein solcher Kurstreiber zeichnet sich derzeit aber nicht ab.

    Das sinkende Handelsvolumen lässt sich beim Dax bereits in diesem Juni beobachten. Dort wurden in diesem Monat bislang pro Tag im Schnitt 56 Millionen Aktien gehandelt. Rechnet man den umsatzstarken Hexensabbat am 18. Juni heraus, waren es im Schnitt sogar nur 52 Millionen. Das ist mit großem Abstand der niedrigste Wert seit dem Rallystart im November. Dort lag das durchschnittliche Handelsvolumen pro Tag noch bei 87 Millionen, im Mai waren es immer noch 72 Millionen.

    Und nicht nur das Handelsvolumen, auch die Marktbreite hat in den vergangenen Tagen abgenommen. Die Kurszuwächse der Indizes waren zuletzt auf die Gewinne von immer weniger Aktien zurückzuführen, während immer mehr Aktien kaum Ausschläge verzeichneten. „Das ist in der Regel ein Warnsignal für die Spätphase einer Rally“, sagt Heibel.

    Somit gibt es technische Voraussetzungen sowohl für leicht steigende als auch für leicht fallende Kurse. „Mag sein, dass die Aktienmärkte einige kleine Kurskapriolen schlagen, um dann zum Ende des Sommers auf einem Niveau zu landen, das dem heutigen ähnelt“, sagt Heibel.

    Grafik

    Das wäre nicht ungewöhnlich für die Sommermonate. In diesen gibt es häufiger Kursschwankungen, seine Richtung ändert der Aktienmarkt aber selten. So gab es in den Jahren 2017 und 2019 eine Korrektur von zwölf Prozent. In diesem Jahr würde das ausgehend vom derzeitigen Rekordhoch Dax-Notierungen von rund 14.000 Punkten bedeuten. Doch so exakt wiederholt sich Börsenhistorie selten.

    Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, wo Privatanleger handeln, zeigt allerdings, dass sich Anleger weniger mit Put-Optionen gegen fallende Kurse absichern und vermehrt mit Call-Optionen auf steigende Notierungen spekulieren.

    Lage in den USA

    Ein ähnliches, gleichwohl extremeres Bild zeigt sich in den USA beim Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE. Dort spricht der Wert von 0,42 für die Sorglosigkeit der US-Anleger, die verstärkt mit Call-Optionen auf steigende Kurse spekulieren.

    Gerade US-Privatanleger sind optimistisch gestimmt. Während 40 Prozent von ihnen steigende Kurse erwarten, also bullish gestimmt sind, rechnen nur 23 Prozent mit fallenden Kursen (bearish). Das bedeutet einen Bullen-Überhang von 17 Prozentpunkten.

    Auffällig ist das Lager der neutral eingestellten Anleger, zu dem 36 Prozent der US-Privatanleger gehören. Das könnte künftig zu stärkeren Kursausschlägen führen. Denn: „Sollten sich die Märkte für eine Richtung entscheiden, gibt es viele Anleger, die ihre neutrale Haltung aufgeben und eine einmal eingeschlagene Richtung verstärken dürften“, erklärt Heibel.

    Bei steigenden Kursen könnten auch US-Fondsanleger wieder aktiver investieren: Diese haben ihre Investitionsquote in der vergangenen Woche deutlich von 99 Prozent auf nunmehr 71 Prozent reduziert.

    Sentiment für weitere Anlageklassen

    • Staatsanleihen: Der Anleihemarkt hat sich erholt, die Renditen für deutsche Staatsanleihen sind wieder stärker ins Minus gerutscht. Das Anlegersentiment ist hinsichtlich der Anleihemärkte neutral. Die Investitionsbereitschaft ist auf dem aktuellen Niveau jedoch sehr gering, weiter fallende Kurse sind daher kaum zu befürchten.
    • Gold: Vor drei Wochen lag der Goldpreis noch bei rund 1900 Dollar pro Feinunze – aktuell sind es 1774 Dollar. Die Stimmung am Goldmarkt ist entsprechend schlecht, Niedergeschlagenheit dominiert. Doch der Zukunftsoptimismus kann sich halten: Anleger erwarten für Gold in drei Monaten überwiegend wieder steigende Kurse.
    • Öl: Der Ölpreis hat sich bei der US-Sorte WTI bei mehr als 70 Dollar pro Barrel etabliert und sorgt dadurch für euphorisierte Anleger. Auch die Zukunftserwartung ist extrem hoch. „Hier sind klare Zeichen einer Überhitzung zu sehen, Vorsicht ist geboten“, warnt Heibel. Denn Euphorie ist ein Zeichen dafür, dass viele Anleger schon investiert sind. Es fehlen dann neue Käufer.
    • Bitcoin: Der Bitcoin hat sich nach seinem Rücksetzer vom Wochenende bei 34.000 Dollar etabliert. Bei den Anlegern ist nach einer Reihe von Rückschlägen nun auch die Zukunftserwartung angekratzt. „Wie vor einer Woche bemerkt, fehlt noch immer Panik, um einen tragfähigen Boden zu bilden“, sagt Heibel. Herrscht Panik, haben laut Sentiment-Theorie die meisten Anleger bereits verkauft, und die Kurse fallen nicht mehr weiter. Es reichen dann wenige Käufer, um die Kurse in die andere Richtung zu bewegen.

    Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 4500 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben können.

    Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

    Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentiment-Umfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

    Mehr: Gewinn mit Aktien – wann Anleger Steuern zahlen müssen

    Startseite
    Mehr zu: Dax-Umfrage - Crash ist unwahrscheinlich: Anleger positionieren sich für einen ruhigen Sommer
    0 Kommentare zu "Dax-Umfrage: Crash ist unwahrscheinlich: Anleger positionieren sich für einen ruhigen Sommer"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%