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Dax-Umfrage Dax-Anleger wollen lieber verkaufen als kaufen – Stimmung am Bitcoin-Markt ist komplett eingebrochen

In den USA müssen Anleger risikoreiche Calls verkaufen, hierzulande Buchgewinne realisieren. Die Folge: An den US-Börsen dürfte es höhere Verluste geben.
21.06.2021 - 15:47 Uhr Kommentieren
Dax-Sentiment: Es gibt keine Corona-Gewinner- & Verliererbranchen mehr Quelle: Bloomberg
Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse

Viele Anleger stehen der Dax-Rally skeptisch gegenüber.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Der Rohstoffsektor hat den Ausverkauf am Finanzmarkt eingeleitet, seit Freitag folgen die Aktien. Innerhalb von nur wenigen Stunden rutschte der deutsche Leitindex Dax unter die wichtige Marke von 15.500 Punkten. „Damit ist die Rally kurzfristig beendet“, meint Sentimentexperte Stephan Heibel nach der Auswertung der wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment.

Auch wenn die Kurse am Montag zwischenzeitlich wieder über die Marke von 15.500 Punkten stiegen, lautet Heibels Fazit aus den aktuellen Daten: „Die Investitionsbereitschaft unter den Anlegern ist gering, entsprechend ist auch nicht mit einer schnellen Gegenbewegung zu rechnen.“

Verursacht wurde der Ausverkauf am Freitag wohl durch die USA: „Dort ist die Stimmung zu gut gewesen, zu unbedarft, sodass zumindest in den USA eine Korrektur laut den Regeln der Sentimentanalyse wahrscheinlich geworden ist“, meint der Inhaber des Analysehauses AnimusX. Denn ist die Stimmung zu gut, sind die meisten Anleger schon investiert und es fehlen neue Käufer. Bis sich diese Stimmung dreht, reichen ein paar Stunden in der Regel nicht, sondern es sind mindestens mehrere Tage notwendig.

Am deutschen Aktienmarkt werden die Anleger lediglich ihre Buchgewinne seit Beginn der Impfstoffrally Anfang November sichern. In den USA könnten die Kursverluste aber heftiger ausfallen, denn dort müssen die vielen Spekulationen auf steigende Kurse aufgelöst werden. Die gab es in der Menge hierzulande nicht.

Auslöser des Ausverkaufs waren die Bemerkungen des US-Notenbankchefs Jay Powell, der ein Ende der ultralockeren Geldpolitik in Aussicht stellte, sofern die Inflation stärker ausfällt und nachhaltiger ist als bislang erwartet. Diese Bemerkungen kamen zu einem interessanten Zeitpunkt: Ende Juni neigen die Aktienmärkte oft zur Schwäche. Diese Aussagen von Powell kamen zu einem Zeitpunkt, zu dem eine kleine Korrektur ohnehin zu erwarten war.

Dazu sollte man wissen: Haupttreiber von Inflation sind stets Rohstoffpreise oder Lohnkosten. Derzeit sind es steigende Rohstoffpreise aufgrund hoher Logistikkosten, die für die hohe Inflation sorgen. Mit der Korrektur am Rohstoffmarkt wurde die Gefahr weiter steigender Preise wieder verringert.

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Daraus schlussfolgert Heibel: „Ich fürchte nicht, dass der am Freitag begonnene Ausverkauf an Dynamik zulegt und die Aktienmarktrally, die wir seit dem Frühjahr 2020 erleben, beendet.“ Er erwartet zwar Inflationszahlen, die deutlich über dem Ziel von zwei Prozent liegen. Dennoch sei nicht zu befürchten, dass die Notenbanken kräftig auf die geldpolitische Bremse treten. „Das Zinsniveau wird auch im Falle einer leichten Inflation niedrig bleiben“, meint der AnimusX-Experte.

Entsprechend bleiben seiner Ansicht nach die Zinsen am Anleihemarkt niedrig, die Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe liegt aktuell auch wieder bei minus 0,2 Prozent. Für Leser des Dax-Sentiments ist das keine Überraschung. „Die Minuszinsen werden uns wohl doch noch eine Weile begleiten“, lautete Heibels Einschätzung vor drei Wochen nach Auswertung der AnimusX-Daten.

Weitere Verkäufe von Anleihen waren vor dem Hintergrund dieser großen Niedergeschlagenheit Ende Mai nicht zu befürchten, und so kommt die Gegenbewegung nicht überraschend. Derzeit sieht die Situation am Anleihemarkt nicht viel anders aus, wenngleich die Extremwerte nicht mehr zu sehen sind.

Was das Dax-Sentiment zu Gold und Bitcoin zeigt

Interessant ist auch die Situation am Goldmarkt. Der Goldpreis rutschte nach der Sitzung der US-Notenbank auf 1760 Dollar ab. Die Folge: Die Stimmung ist quasi über Nacht auf extreme Niedergeschlagenheit umgeschwungen. Ein Hauch von Panik ist zu erkennen – ein Indikator für eine Bodenbildung mit anschließend wieder steigenden Kurse. Auch die positive Erwartungshaltung der vergangenen Wochen hat Kratzer bekommen.

Gerade die Zukunftserwartung für Gold war in den vergangenen Wochen zu optimistisch, als dass die Rally hätte unvermindert fortgesetzt werden können. „So betrachtet ist der Rückschlag durchaus gesund“, erläutert Heibel.

Seit einigen Wochen sind zwei Fragen zum Bitcoin Bestandteil der Handelsblatt-Erhebung. Die aktuellen Ergebnisse zeigen: Stimmung und Zukunftserwartung zu der Cyberdevise sind am Boden. Mehrere Erholungsversuche der Kryptowährungen wurden vereitelt, immer wieder wurde eine einsetzende Rally durch neue Meldungen abgebrochen und die Kurse tauchten wieder ab. So fiel der Bitcoin seit Freitagabend von rund 38.000 auf knapp 32.000 Dollar.

Doch es herrscht noch keine Panik, die in diesem jungen und unregulierten Markt die Chance auf einen tragfähigen Boden wäre. Das spricht zwar dafür, dass die Kurse weiter fallen könnten, doch ob die Verluste in solch einem Tempo weitergehen, ist fraglich. „Bereithalten zum Kaufen, aber Geduld bewahren“, rät Heibel möglichen Bitcoin-Interessenten.

Dax-Sentiment: Aktuelle Umfragedaten

Die Anlegerstimmung beim Dax-Sentiment ist leicht auf einen Wert von 1,7 gefallen. Der bislang erfolgte leichte Rücksetzer am Aktienmarkt am vergangenen Freitag zeigt erste Auswirkungen. Es wird interessant sein zu beobachten, wie sich die Stimmung in der nächsten Umfrage verändert, wenn sich der Ausverkauf zum Wochenbeginn fortsetzt.

Auch die Selbstzufriedenheit ist mit einem Wert von 1,5 leicht gegenüber der Vorwoche gefallen. Die Investitionsquote war zuletzt hoch, daher schlägt der Rücksetzer sofort auf das Selbstwertgefühl der Anleger durch. Die Erwartung hingegen notiert unverändert zur Vorwoche bei 1,6. Mit einer kleinen Korrektur scheinen Anleger also tatsächlich zu rechnen, lässt sich daraus schlussfolgern.

Beachtenswert ist vor allem die Investitionsbereitschaft, die von plus 0,9 auf minus 0,3 zurückgegangen ist. Damit gibt es derzeit kaum mehr Kaufinteresse für Aktien, vielmehr wollen viele Anleger eher noch ihr Depot verkleinern.

Das Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, ist wieder auf minus fünf gerutscht und zeigt eine zunehmende Absicherungsneigung der Anleger an. Wenn dieser Wert negativ ist, haben Anleger mehr Put-Hebelprodukte als Call-Derivate gekauft.

Die Put-Absicherungen, die in der vergangenen Woche offensichtlich gekauft wurden, belasten die Kurse anfänglich. Denn solche Put-Produkte für Privatanleger funktionieren wie Leerverkäufe, nur dass die Bank im Hintergrund alles managt. So wird beim Kauf eines solchen Put-Produkts der Dax verkauft. Wenn der Anleger das Put-Derivat wieder verkauft, muss die Bank den Dax zurückkaufen. Dadurch bildet eine hohe Zahl von Put-Produkten eine gute Unterstützung, wenn die Absicherungen aufgelöst werden.

Ganz anders sieht es in den USA aus. Dort ist das Put/Call-Verhältnis an der Chicagoer Terminbörse wieder auf ein extrem niedriges Niveau gefallen und zeigt eine starke Nachfrage nach Call-Optionen an. In den USA geht man also von einer baldigen Fortsetzung der Rally aus.

Die Investitionsquote der US-Fondsanleger zeigt ein ähnliches Bild: 99 Prozent der verfügbaren Mittel sind investiert, das sind 20 Prozentpunkte mehr als noch vor einer Woche. Auch das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit einem Wert von 20 Prozent einen starken Bullenüberhang an. In den vergangenen Wochen gab es noch eine große Gruppe von neutral eingestellten Anlegern. Doch ein Teil von ihnen ist nun ins Bärenlager abgewandert, sodass das Verhältnis ein wenig zurückgegangen ist – wenn auch auf hohem Niveau.

Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte zeigt mit einem Wert von 41 Prozent eine neutrale Verfassung des Marktes an. Andere kurzfristige technische Indikatoren liegen in der Nähe einer überkauften Marktverfassung, was weitere Kursrückgänge signalisiert.

Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 4500 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben können.

Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentiment-Umfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

Mehr: Gewinn mit Aktien – wann Anleger Steuern zahlen müssen

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