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Dax-Umfrage Dax steht vor einer Kurskorrektur – Alles hängt am G20-Gipfel

Die Notenbanken haben den Aktienmärkten Schwung verliehen, doch dieser wird nicht ewig anhalten. Bald könnte eine kleine Korrektur anstehen.
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Die Zukunftserwartung der Anleger ist auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren angelangt. Quelle: dpa
Der deutsche Leitindex

Die Zukunftserwartung der Anleger ist auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren angelangt.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Fed überbieten sich mit Andeutungen auf eine gelockerte Geldpolitik. Das ist ganz nach dem Geschmack der Anleger: Denn verglichen mit der vergangenen Phase sinkender Leitzinsen, die von wirtschaftlichen Sorgen und abstürzenden Aktienmärkten begleitet waren, steht die Konjunktur aktuell gut dar.

„Wir haben überraschend festgestellt, dass sich die Notenbanken der EU und USA einen Wettlauf in Sachen Lockerungsübungen liefern“, sagt Sentiment-Experte Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx. „Etwas Bullischeres kann ich mir für die Aktienmärkte kaum vorstellen.“

Tatsächlich legte der Dax in der vergangenen Woche mehr als zwei Prozent zu. Seit dem Zwischentief vor drei Wochen bei 11.620 Punkten sind es in der Spitze sogar sieben Prozent gewesen. Dabei setzte der deutsche Leitindex am vergangenen Donnerstag ein neues Jahreshoch bei 12.438 Zählern.

Nach der Auswertung der aktuellen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment rechnet Heibel kurzfristig allerdings mit einer kleinen Korrektur. „Sowohl der große Pessimismus in der Zukunftserwartung, als auch die überkaufte Marktsituation im S&P 500 Short Range Oscillator lassen erwarten, dass schon bald Anschlusskäufe ausbleiben und die Kurse wieder ein wenig zurückgeholt werden“, erklärt der Sentiment-Experte.

Der Short Range Oscillator, der anzeigt ob der US-Index S&P 500 überkauft oder überverkauft ist, ist auf ein Niveau von sechs gesprungen. Ab Werten über vier spricht man von einem „überkauften“ Markt, der eine kurzfristige Korrektur wahrscheinlich macht.

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Bei der Dax-Umfrage werden wöchentlich mehr als 3500 Anleger zur aktuellen Börsenlage befragt. In der jüngsten Dax-Umfrage sehen 31 Prozent der Umfrageteilnehmer in der Entwicklung des Dax einen Aufwärtsimpuls – 23 Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche. Weitere 17 Prozent betrachten eine Topbildung, während es zuletzt noch elf Prozent gewesen waren. Dagegen schrumpfte die Anzahl derer, die den Dax in einer Seitwärtsbewegung sehen. Das Lager ist von 61 Prozent auf 41 Prozent geschrumpft. Einen Abwärtsimpuls erkennen nur noch sieben Prozent – ein Minus von acht Prozentpunkten.

Damit ist die Stimmung zwar von minus 0,8 auf plus 2,4 gesprungen und kann als „gute Laune“ beschrieben werden. Eine gute Stimmung gilt allerdings als Kontraindikator. Die Idee dahinter: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben können. Das Gleiche gilt auch in umgekehrter Richtung: Bei extremen Pessimismus haben bereits viele verkauft. Es reichen dann wenige Käufe, um den Markt nach oben zu treiben.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
Angaben in Prozent

Heibel glaubt, dass der Schwung grundsätzlich noch eine Zeit lang anhalten wird. Gleichzeitig warnt er: „Irgendwann läuft die Freude über die Notenbankankündigungen aus und Fakten müssen folgen.“

Erst Ende Juli steht mit dem Treffen der Fed wieder eine Notenbankentscheidung an, auch Quartalszahlen stehen in den kommenden Wochen nicht auf der Agenda. Für frische Impulse könnte deshalb in erster Linie das Gespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping sorgen. Beide treffen am Ende der Woche beim G20-Treffen in Japan aufeinander und wollen über eine Lösung im Zollstreit ihrer beiden Länder beraten.

„Einigen sich die beiden auf ein neues Handelsabkommen, oder gibt es auch nur wieder Annäherungen, dann würde das den Aktienmärkten wieder Feuer unterm Hintern machen“, sagt Heibel. „Verlaufen die Gespräche jedoch ergebnislos, so dürfen wir mit der dritten Stufe der Strafzölle seitens der USA rechnen, und das würde meiner Einschätzung nach zu einer Korrektur führen.“

In der vergangenen Woche leitete Heibel aus der damals neutralen Stimmungslage ab, dass der Finanzmarkt allein durch Meldungen und Ereignisse in die eine oder andere Richtung bewegt werden könne. Tatsächlich sorgten dann die überraschenden Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi bezüglich einer gelockerten Geldpolitik für einen Kurssprung.

Diese Entwicklung haben nach eigenen Aussagen 48 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) bereits vor einer Woche so zum größten Teil erwartet. Weitere 13 Prozent (plus drei Prozentpunkte) wollen sogar darauf spekuliert haben. Hingegen sehen 30 Prozent – zwei Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche – ihre Erwartungen kaum erfüllt, weitere zehn Prozent wurden durch die steigenden Kurse sogar auf dem falschen Fuß erwischt. In der Vorwoche traf das noch auf neun Prozent zu.

Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
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Binnen der nächsten drei Monaten rechnen allerdings 42 Prozent der Befragten mit einer Seitwärtsentwicklung des Dax – plus ein Prozent gegenüber der Vorwoche –, eine Abwärtsimpuls fürchten nun 32 Prozent (Vorwoche: 30 Prozent). An weiter steigende Kurse glauben nur noch 15 Prozent – in der Vorwoche lag der Wert noch bei 18 Prozent. Die Zukunftserwartung ist damit auf dem niedrigsten Stand seit zwei Jahren angelangt.

Das ist insofern bedeutsam, als dass die Zukunftserwartung im Gegensatz zur Stimmung kein Kontraindikator ist. Laut Heibel könnte sich der „Pessimismus kurzfristig durch Kaufzurückhaltung oder gar Verkäufe ausdrücken, was zu einer Korrektur führen würde“.

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
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Dementsprechend gering ist die Investitionsbereitschaft: Nur 17 Prozent (plus zwei Prozentpunkte im Vergleich zur Vorwoche) der Umfrageteilnehmer wollen in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, hingegen wollen 18 Prozent (plus drei Prozentpunkte) ihre Positionen verkleinern. Mit 65 Prozent bleibt der Großteil der befragten Anleger vorerst unentschlossen über ihre nächsten Entscheidungen, in der Vorwoche war diese Gruppe mit 70 Prozent allerdings noch größer.

Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
Angaben in Prozent

Ebenfalls rückläufig ist das Euwax-Sentiment der Privatanleger. Noch ist es allerdings im neutralen Bereich. Privatanleger positionieren sich vor den Sommerferien weder für steigende Kurse noch sind sie große Absicherungspositionen eingegangen. „Ich würde sagen, sie schauen sich die Entwicklung an, ohne stark investiert zu sein. Wer sollte es ihnen nach dem turbulenten Vorjahr verübeln, das nunmehr wieder ausgeglichen werden konnte“, sagt Heibel.

Auch institutionelle Anleger, die sich über die Eurex absichern, verhalten sich derzeit überwiegend neutral. Das Put/Call-Verhältnis zeigt mit einem Wert von 1,2 durchschnittlich viele Absicherungsgeschäfte an. Parallel dazu kommen auch die US-Anleger in die neutrale Zone zurück: Das Put/Call-Verhältnis der Options-Börse CBOE (Chicago Board Options Exchange) ist deutlich zurückgegangen, was auf das Auflösen von Absicherungsgeschäften (Puts) zurückzuführen ist. „Es hat den Anschein, dass auch die Profis sich zunehmend abwartend positionieren“, erklärt Heibel. 

Die Investitionsquote der US-Fondsmanager ist unverändert bei moderaten 75 Prozent geblieben. Selbst die Bullenquote der US-Privatanleger ist mit minus 2,6 Prozent als neutral einzustufen. Auch der technische Angst und Gier Indikator des S&P macht mit 50 Prozent eine Punktlandung in der Neutralität.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online.

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