Dax-Umfrage Dem Dax stehen volatile Sommermonate bevor

Die Strafzölle des US-Präsidenten hinterlassen an den Aktienmärkten ihre Spuren. Wie Anleger mit diesen Kursschwankungen umgehen sollten.
Kommentieren

DüsseldorfDie Gewinnwarnung des Automobilherstellers Daimler in der vergangenen Handelswoche hat für Klarheit gesorgt. Denn damit steht fest: Die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle gegen China haben Auswirkungen auf die globale Konjunktur. Entsprechend verkauften viele Anleger ihre Aktien und schickten den Dax deutlich in Minus. Vorbei die Hoffnung, dass sich der deutsche Leitindex nachhaltig oberhalb der Marke von 13.000 Punkten etablieren kann.

Doch für den Börsenexperten Stephan Heibel hat diese Entwicklung einen anderen Aspekt: „Dadurch lastet kein Druck mehr auf den Kursen, weder nach oben oder nach unten“. Ein Durchrutschen auf neue Tiefs erfordere seiner Meinung nach eine weitere Eskalation des Handelsstreits in neue Bereiche. „Alles, was man berechnen kann, ist inzwischen eingerechnet.“

Der Inhaber des Analysehauses Animusx ist Experte für Börsenstimmung, neudeutsch Sentiment genannt, und wertet die wöchentliche Handelsblattumfrage Dax-Sentiment aus. Aus den Antworten und weiteren Indikatoren prognostiziert er, wie sich der deutsche Leitindex in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte.

Auch Robert Halver, Leiter Kapitalmarktstrategie bei der Baader Bank, hält „ massive Aktieneinbrüche insgesamt trotz vorhandener Krisen für nicht gerechtfertigt“. Die übertriebene Aktieneuphorie habe nachgelassen, die Aktie-Fallhöhe sich entsprechend verkleinert.

Heibel ordnet das Verkaufsverhalten der Anleger auch vor dem Hintergrund des Sommeranfangs ein. Vor den Sommermonaten lichten viele traditionell ihr Portfolio aus, um an der Börse ein wenig kürzer zu treten. Entsprechend stehen einige Monate mit dünnem Handelsvolumen an. „Das könnte bedeuten, dass die Aktienmärkte schon mit geringen Volumina deutlich in die eine oder andere Richtung getrieben werden“, meint der Animusx-Geschäftsführer. Diese Ausschläge können zwar heftig ausfallen, werden jedoch nicht nachhaltig sein. „Das passt einmal mehr in die von mir in Aussicht gestellten volatilen Sommermonate“.

Animus-Geschäftsführer erwartet anhaltend volatile Kurse

Ein Ausbruch nach oben benötigt seiner Meinung nach eine Lösung im Handelsstreit zwischen den USA und China. Er hält in dem Konflikt sowohl eine Einigung als auch eine weitere Verschärfung, die noch nicht in den Kursen eingepreist ist, für unwahrscheinlich und rechnet mit anhaltend volatilen Kursen.

„Zumindest im Dax dürften wir kurzfristig ein Tief gesehen haben, nachdem das Ergebnis der Handelsblattumfrage extrem negative Stimmungswerte ausweist“, meint Heibel. Doch besonders nachhaltig dürfte eine solche Gegenbewegung ohne passende Entscheidungen auf der politischen Ebene nicht sein.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
Angaben in Prozent

„Ausverkäufe wie den aktuellen nutzen, um favorisierte Aktien vorsichtig einzusammeln“, empfiehlt er. „Zu Kursen über 13.000 Punkten würde ich auch in den kommenden Wochen weiter Positionen verkaufen, die nicht mehr so gut ins Portfolio passen.“

Die aktuellen Umfrageergebnisse zeigen: Die Anleger sind extrem niedergeschlagen – ablesbar am Dax-Sentiment, das aktuell einen Extremwert erreicht hat. Eine deutliche Mehrheit von 58 Prozent der Umfrageteilnehmer (plus 22 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) sehen in der aktuellen Dax-Entwicklung einen Abwärtsimpuls. Nur 29 Prozent (minus 15 Prozentpunkte) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus.

Die gute Laune der Vorwoche ist auf jeden Fall weg: Nur noch zwei Prozent der Anleger erkennen einen Aufwärtsimpuls, 24 Prozentpunkte weniger als am vergangenen Montag. Das Dax-Sentiment erreicht mit minus 5,6 Prozent einen negativen Extremwert.

Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
Angaben in Prozent

Auch das fünfwöchige durchschnittliche Sentiment ist deutlich gesunken, notiert aber noch im neutralen Bereich (siehe Grafik). Dieser Indikator hat bei extremen negativen Ausschlägen seit Beginn der Handelsblattumfrage Dax-Sentiment im September 2014 stets ein zuverlässiges Einstiegssignal geliefert.

Die Selbstgefälligkeit/Verunsicherung der Anleger hat sich komplett gedreht – ablesbar an den Antworten auf die Frage „Haben sich ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?“ Noch am vergangenen Montag sahen sich die Investoren in ihrer Erwartung zum größten Teil bestätigt. Doch in der aktuellen Umfrage wurden die meisten vom Ausverkauf überrascht.

So sehen nur noch 29 Prozent (minus 23 Prozentpunkte) ihre Erwartung zum größten Teil bestätigt, während 30 Prozent (plus 22 Prozentpunkte) angeben, von den fallenden Kursen auf dem falschen Fuß erwischt worden zu sein. Weitere 29 Prozent (minus ein Prozentpunkt) sehen ihre Erwartungen kaum erfüllt und immerhin zwölf Prozent (plus zwei Prozentpunkte) wollen auf den Rückschlag spekuliert haben. Damit ist große Verunsicherung bei Anlegern eingekehrt.

Der Zukunftsoptimismus verharrt auf niedrigem Niveau. 17 Prozent (minus drei Prozentpunkte) erwarten für den Dax in drei Monaten steigende Kurse, 31 Prozent (minus vier Prozentpunkte) hingegen befürchten einen weiteren Ausverkauf. Eine anhaltende Seitwärtsbewegung erwarten nur noch 30 Prozent (minus ein Prozentpunkt).

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
Angaben in Prozent

Immerhin zeichnet sich ab, dass Anleger keinen lang anhaltenden Bärenmarkt infolge des globalen Handelsstreits fürchten, denn inzwischen gehen 19 Prozent (plus 14 Prozentpunkte) davon aus, dass der Markt im Laufe der nächsten drei Monate einen Boden bilden wird. „Das deckt sich mit meiner Ankündigung, dass es zunächst noch schlimmer werden könnte, bevor es dann besser wird“, schlussfolgert Heibel.

Vielleicht ist das aktuelle Dax-Niveau bereits tief genug, denken sich 18 Prozent (plus ein Prozentpunkt) der Anleger und erwägen, in den kommenden zwei Wochen Aktien zuzukaufen. Auf der anderen Seite wollen aber auch 23 Prozent (plus ein Prozentpunkt) der Umfrageteilnehmer noch Aktien verkaufen.

Mit 59 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) ist das Lager derer, die erst einmal abwarten wollen, ein wenig kleiner geworden. Anleger entscheiden sich allmählich, wenn auch gleichermaßen für Zu- und Verkäufe von Aktien.

Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
Angaben in Prozent

Das Euwax-Sentiment der gleichnamigen Börse Stuttgart zeigt eine neutrale Positionierung der Privatanleger an. Die hohen Absicherungspositionen des Frühjahrs, als Anleger verstärkt Short-Produkte gekauft hatten, sind inzwischen aufgelöst. Allerdings haben die Anleger vor dem Sommer auch noch keine großen Long-Spekulationen eröffnet.

Der Euwax-Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet – ein Minuswert zeigt ein Übergewicht von Short-Produkten an, die bei fallenden Kursen im Wert steigen, und umgekehrt. Institutionelle Anleger, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, sind inzwischen ebenfalls wieder neutral positioniert.

In den USA hingegen werden die Absicherungspositionen unter den institutionellen Anlegern langsam hochgefahren. „Kein Wunder, immerhin hat der Nasdaq gerade wieder ein neues Allzeithoch erklommen“, erläutert der Sentimentexperte. „In dieser Situation sind Gewinnabsicherungen opportun.“ Entsprechend zurückgegangen ist auch die Investitionsquote der Fondsmanager in den USA auf 89 Prozent.

Der „Angst-und-Gier-Indikator“ für die US-Aktienmärkte zeigt mit 52 Prozent eine neutrale Verfassung an. Für die Berechnung der „Angst und Gier“ dienen technischen Marktdaten. Mit einer Bulle/Bär-Quote von 12,5 Prozent sind US-Privatanleger leicht optimistisch gestimmt.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Dax-Umfrage - Dem Dax stehen volatile Sommermonate bevor

0 Kommentare zu "Dax-Umfrage: Dem Dax stehen volatile Sommermonate bevor"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%