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Dax-Umfrage Der Börsen-Sommer steht bevor – Anleger sollten in Ruhe ihre Depots umschichten

In den kommenden Wochen dürfte es am Aktienmarkt höhere Kursschwankungen geben, aber vermutlich keine neue Richtung. Das bietet Anlegern neue Chancen.
07.06.2021 - 15:38 Uhr Kommentieren
Dax-Sentiment: Es gibt keine Corona-Gewinner- & Verliererbranchen mehr Quelle: Bloomberg
Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse

Viele Anleger stehen der Dax-Rally skeptisch gegenüber.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Drei Dax-Rekorde an fünf Handelstagen stimmen die Anleger skeptisch. Das zeigt die aktuelle Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment: Trotz der neuen Bestmarke herrscht weder Euphorie noch Selbstüberschätzung unter den Teilnehmern. Das ist eher ungewöhnlich, denn üblicherweise steigt die Stimmung mit neuen Bestmarken.

Für Sentimentexperte Stephan Heibel, der diese wöchentliche Erhebung auswertet, ist die mäßige Stimmung aber förderlich: „Diese Skepsis ist hilfreich für eine Fortsetzung der Rally.“

In der vergangenen Woche wurde eine zweiwöchige Seitwärtsphase zwischen 14.800 Punkten auf der Unter- und 15.500 Zählern auf der Oberseite nach oben hin aufgelöst. Die neue Bestmarke liegt nun bei mehr als 15.700 Zählern.

Das Ende des Seitwärtstrends war auch für Heibel eine Überraschung, der vor einer Woche nach neutralen Stimmungsdaten den Dax weiterhin innerhalb dieser Range erwartet hatte. Nun gilt seiner Meinung nach aber: Diese neue Richtung kann durchaus Bestand haben, wenn Anleger sukzessive ihre Corona-Gewinner verkaufen und das Kapital in unterbewertete Nach-Corona-Gewinner umschichten.

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    Vor einer Woche hatte Heibel den Sentimentdaten eine andere Erkenntnis entnommen: Eine Reihe von Anlegern ist vermutlich noch zu stark in den Aktien der Corona-Gewinner investiert. Das sind Wachstums- und Technologiepapiere, mit denen im vergangenen Jahr große Gewinne erzielt wurden, die aber seit Februar dieses Jahres der Entwicklung am Gesamtmarkt eher hinterherhinken.

    Mit dieser Erkenntnis lassen sich auch die auf den ersten Blick widersprüchlichen Ergebnisse der aktuellen Stimmungsumfrage erklären. Die neuen Rekorde kamen nicht durch die Corona-Gewinner zustande, sondern durch die hohen Kursgewinne der Automobilaktien. So kletterte das BMW-Papier in der vergangenen Handelswoche um mehr als acht Prozent, VW um mehr als sechs Prozent.

    Grafik

    So ist auch die geringe Selbstzufriedenheit trotz mehrerer Dax-Rekorde in Folge zu erklären: Offenbar glaubt nach 20 Jahren Technologiedominanz kaum jemand, dass Industrieaktien den Aktienmarkt anführen könnten. „Daher ist auch die Investitionsbereitschaft so gering“, erläutert Heibel.

    Doch nun tritt der Aktienmarkt in eine neue Phase. Die Sommerwochen stehen an. Vor dem Hintergrund der bereits erzielten Kursgewinne ist zu erwarten, dass das Handelsvolumen in den kommenden Wochen deutlich geringer ausfallen wird. In dieser Phase hält Sentimentexperte Heibel heftige Schwankungen für leichter möglich, nicht jedoch eine neue Richtung.

    Für den Inhaber des Analysehauses Animusx kommt „jetzt die Zeit, in der Anleger ihr Portfolio in aller Ruhe auf die neuen Gegebenheiten umstellen können“. Sein Ratschlag: „Starke Kursgewinne bei Corona-Gewinnern könnten zum Verkauf, während Rückschläge bei den konjunktursensiblen Industrieaktien zum Einstieg genutzt werden.“

    Aktuelle Umfragedaten

    Das Anlegersentiment ist nur leicht auf einen Wert von 2,3 angestiegen. In der Vorwoche waren das 1,6. Erst Werte von über vier signalisieren Euphorie, doch davon ist das Sentiment derzeit noch weit entfernt.

    Die Selbstgefälligkeit ist sogar auf 1,4 verblieben. Das lässt vermuten, dass eine Reihe von Anlegern nicht in dem Umfang von den steigenden Kursen profitieren, wie es die Indizes vermuten lassen. Entweder sind sie zu wenig investiert oder in den falschen Titeln.

    Die Zukunftserwartung zum Dax-Verlauf in drei Monaten hat sich mit einem Wert von 0,8 gegenüber der Vorwoche nicht verändert und bleibt verhältnismäßig neutral. Bullen haben leicht die Oberhand, doch vor dem Hintergrund der guten Stimmung und noch besseren Konjunkturaussichten wäre auch ein größerer Optimismus keine Überraschung gewesen. Im Gegenteil: Es überrascht, dass Anleger offensichtlich keine nennenswerte Fortsetzung der Rally mehr erwarten.

    Entsprechend bleibt auch die Investitionsbereitschaft mit einem Wert von minus 0,3 nach plus 0,3 in der Vorwoche extrem niedrig. Bei der Handelsblatt-Umfrage rutscht die Investitionsbereitschaft nur selten ins Minus. Offenbar gibt es große Vorbehalte gegenüber einer Fortsetzung der Rally.

    Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, ist in der vergangenen Woche drastisch abgerutscht und notiert nun wieder bei minus vier. Dieser Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet. Ein Minuswert zeigt an, dass mehr Put-Produkte, die bei fallenden Kursen im Wert steigen, als Call-Derivate in den Depots liegen. Privatanleger kaufen offensichtlich Absicherungsprodukte, um für einen Kursrutsch gewappnet zu sein und die erzielten Buchgewinne abzusichern.

    Das Put-Call-Verhältnis an der Chicagoer Terminbörse CBOE hat sich nach vielen Wochen auf extrem niedrigem Niveau nun in der zweiten Woche in Folge weiter erholt und zeigt somit an, dass US-Anleger ebenfalls ihre exzessiven Long-Spekulationen zurückfahren. Um eine wirkliche Absicherungsneigung gegen Kursverluste aus diesem Indikator abzulesen, müsste das Put-Call-Verhältnis allerdings noch ein wenig weiter steigen.

    US-Fondsanleger haben ihre Investitionsquote wieder weiter hochgefahren und landen nach einem Wert von 44 Prozent vor zwei Wochen inzwischen wieder bei 82 Prozent. Heibel wertet dies „als Normalisierung, nachdem die Cashquote aufgrund der zu erfolgenden Steuerzahlungen vor zwei Wochen hochgefahren wurde“.

    Das Bulle-Bär-Verhältnis der US-Privatanleger liegt bei 24 Prozent und zeigt einen wieder ansteigenden Überhang der Bullen. Dieser Wert passt nicht so recht zu den bisherigen Stimmungswerten: Ist das eine normale Reaktion der Privatanleger auf die vielen Höchststände in den vergangenen Tagen an der Wall Street? 41,1 Prozent der Privatanleger sind bullish gestimmt. Damit ist die Zahl der Bullen, die steigende Kurse erwarten, insgesamt mehr als doppelt hoch wie die der Bären mit 19,8 Prozent.

    Eine andere Möglichkeit für den hohen Bullenanteil bei den Privatanlegern: Ist das der Einfluss der sogenannten Reddit-Trader? Damit gemeint sind Anleger, die sich auf dem Reddit-Forum Wall Street Bets absprechen und austauschen. Sie haben zuletzt dafür gesorgt, dass die Aktie der Kinokette AMC an nur einem Handelstag um 95 Prozent stieg. Bereits Anfang des Jahres hatten junge Trader Titel wie Gamestop, Blackberry und Bed Bath & Beyond zu neuen Rekorden verholfen.

    Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte zeigt mit einem Wert von 46 Prozent eine neutrale Verfassung an. Kurzfristigere Indikatoren zeigen jedoch einen überkauften Markt an, was eine bevorstehende Korrektur signalisiert.

    Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 4500 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben können.

    Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

    Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentiment-Umfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

    Mehr: Gewinn mit Aktien – wann Anleger Steuern zahlen müssen

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