Dax-Umfrage Der Markt ist anfällig für Rückschläge

Die kräftigen Kursgewinne der europäischen Gemeinschaftswährung haben dem Dax gleich zwei Tiefschläge versetzt. Und laut einer exklusiven Umfrage dürfte diese Korrektur an den Märkten noch nicht beendet sein.

Gier und Panik? Wann Emotionen die Kurse bewegen

DüsseldorfGleich an zwei Handelstagen der vergangenen Börsenwoche herrschte offenbar Panik am deutschen Aktienmarkt. Pünktlich zur Eröffnung der US-Börsen um 15:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit brach am Mittwoch der Dax ein. Dies wiederholte sich am Donnerstag um die gleiche Zeit. Von diesem doppelten Tiefschlag konnte sich der deutsche Leitindex nicht mehr erholen, im Wochenvergleich verlor die Frankfurter Benchmark 0,7 Prozent auf 13.340 Punkte.

„Die Ursache für diesen Ausverkauf war der Wechselkurs zwischen US-Dollar und Euro“, sagt Börsenexperte Stephan Heibel. Denn jeweils kurz zuvor war der Euro kräftig angesprungen, zunächst am Mittwoch von 1,23 auf 1,24 US-Dollar, dann am Donnerstag von 1,24 auf 1,25. Vergangene Woche hatte die europäische Gemeinschaftswährung gegenüber dem Greenback insgesamt um zwei Prozent zugelegt. „Das sind Welten am hochliquiden Währungsmarkt“, meint der Inhaber des Analysehauses Animusx. „Kein Wunder, dass der Exportindex namens Dax von internationalen Anlegern dann ausverkauft wird“. Ein höherer Euro-Kurs gilt als Belastung für die exportstarken deutschen Unternehmen im Dax 30.

„Meiner Ansicht nach könnte es in den kommenden ein bis zwei Wochen eine Erholung des US-Dollars geben, gefolgt von einem Rücksetzer im US-Aktienmarkt und im Öl“, prognostiziert der Experte. Dabei dürfte das deutsche Börsenbarometer seiner Meinung ebenfalls ein wenig konsolidieren, doch nur deutlich schwächer als die Indizes in den USA. „Grundsätzlich haben wir jedoch weiterhin keine überschäumende Euphorie, die auf den Beginn einer länger anhaltenden Korrektur hinweisen könnte“, meint er.

„Vielmehr sollte eine Konsolidierung schnell über die Bühne gehen, da Anleger noch über reichlich Kapital verfügen, das nach einem Rücksetzer investiert werden wird.“ Schließlich sei die Kaufbereitschaft der Anleger in Deutschland weiterhin groß. Auch Heibel, der über seinen Börsenbrief „Heibel-Ticker“ ein Portfolio pflegt, will eine etwaige Konsolidierung zum Ausbau der Positionen nutzen.

Grundlage für seine Prognose ist die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 2800 Anlegern. Hinter solchen Erhebungen stehen zwei Annahmen: Wenn die große Masse von Anlegern bereits investiert hat, bleiben wenige übrig, die noch zusätzlich kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt natürlich entsprechendes: Wenn die Anleger mehrheitlich nicht investiert haben, können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Ein wichtiger Grund für seine Prognose ist der Fünf-Wochen-Durchschnitt des Dax-Sentiments, das sich seit Beginn der Umfrage im September 2014 stets als zuverlässiger Indikator für einen „Überhitzung“ oder „Unterkühlung“ erwiesen hat. Zuletzt hatte dieser Indikator im November ein extremes Hoch erklommen, es folgte ein Ausverkauf im Dax um vier Prozent. „Nicht viel, aber immerhin“, meint Heibel.

Auf der Gegenseite erwies sich dieser Durchschnitt immer als treffsichere Einstiegsmöglichkeit – zuletzt Mitte Februar 2016 und Ende August 2017. In beiden Fällen setzte der deutsche Leitindex anschließend zu einer länger andauernden Rally an.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?


Derzeit spricht vieles für eine Korrektur.  „Dem Sentiment-Index der Stuttgarter Börse Euwax entnehme ich, dass diese Privatanleger bereits seit vielen Wochen vermehrt Long-Positionen eingehen“, meint Heibel. Nun gab es diese Woche zwei kleine Rücksetzer im Dax, und schon sei die Selbstgefälligkeit der Anleger eingebrochen. Auch die Zukunftserwartung hat sich eingetrübt, die „Bullen kneifen“. Da fehle nicht mehr viel, und der Ausverkauf könnte an Dynamik gewinnen. „Die technische Überhitzung in den USA macht mir langsam Sorgen“, meint der Sentimentexperte.  „Und auch der feste Euro könnte nach dem deutlichen Anstieg in den vergangenen Handelstagen einen Dämpfer gut gebrauchen.“

Kaufinteresse geht zurück
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