Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Dax-Umfrage Die aktuelle Börsenstimmung ist ideal

Die Sentiment-Analyse identifiziert Anhaltspunkte für weiter steigende Kurse, unter anderem falsche Investitionsentscheidungen von Privatanlegern.
08.07.2019 - 16:49 Uhr Kommentieren
Dax: Anleger sollten vor der Trendwende Gewinne mitnehmen  Quelle: dpa
Der deutsche Leitindex

Bild aus dem Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Börsianer haben eine lange Liste voller Sorgen: Donald Trump ist unberechenbar. Die Notenbanken könnten ihre versprochenen Lockerungen der Geldpolitik doch nicht umsetzen, weil die Konjunktur in freudiger Erwartung eines USA-China-Deals anspringt. Was passiert, wenn Trump nun Europa oder gar Deutschland mit der gleichen Härte angeht, mit der er China bearbeitet? Und was, wenn der harte Brexit nun Gestalt annimmt?

Sentiment-Experte Stephan Heibel treiben diese Fragen auch um, doch er sieht vor allem Anhaltspunkte für steigende Kurse. „Rückschläge können natürlich jederzeit erfolgen, ein Trump-Tweet reicht“, meint Heibel nach Auswertung der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment und weiterer Indikatoren. „Doch das wären wieder Kaufgelegenheiten.“

Bereits vor einer Woche war für den Inhaber des Analysehauses Animusx klar: „Der Dax steht vor einem langsamen, aber nachhaltigen Aufwärtstrend.“ Und diese Aussicht wird durch die aktuellen Umfrageergebnisse unterstützt.

Zwar ist nach dem G20-Gipfel in Osaka die Stimmung deutlich angestiegen und auch der zuvor extreme Zukunftspessimismus verflogen. „Doch von überbordendem Optimismus und Euphorie ist nichts zu sehen“, erläutert er. „Eigentlich ist das ideal für uns Anleger.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Denn die längsten Rallys, so seine Erfahrung, ziehen sich „an einer Wand der Angst“ nach oben. Und Ängste gibt es, wie oben aufgezeigt, nach wie vor genug.

    Grafik

    Was zusätzlich für weiter steigende Kurse spricht: Es gibt noch eine ganze Menge an Absicherungsgeschäften unter Privatanlegern, die aufgelöst werden müssen. Die Investitionsquote der Profis ist noch lange nicht als hoch zu bezeichnen, also kann auch von dieser Seite weitere Nachfrage erfolgen. Das würde die Kurse in die Höhe treiben.

    Nicht jede Aktie wird steigen, aber die Bedingungen für Anleger haben sich deutlich verbessert. Eine ganze Reihe von Aktien, die vor zehn Tagen noch als „nicht investierbar“ galten, sind nun wieder interessant. Die Liste der „nicht investierbaren“ Aktien wird in den kommenden Wochen vermutlich sukzessive kürzer werden.

    Auch für Joachim Goldberg, der eine ähnliche Umfrage der Börse Frankfurt auswertet, ist der Dax weiterhin in guter Verfassung. Die jüngste Hausse an den Aktienmärkten war weniger einer Übertreibung als vielmehr einer Unterschätzung der Investoren geschuldet, meinte der Verhaltensökonom am vergangenen Mittwoch.

    Vor einer Woche hatte Sentiment-Experte Heibel festgestellt, dass Anleger vor dem G20-Gipfel zu defensiv positioniert waren und den Kursen zu Wochenbeginn hinterherlaufen mussten. Nach den ersten Gewinnmitnahmen kamen Befürchtungen auf, die Notenbanken in den USA und Europa könnten ihre in Aussicht gestellten Zinslockerungen nun doch nicht umsetzen. Die Kurse bröckelten ab, es blieb aber ein Dax-Wochenplus von 1,4 Prozent.

    9
    In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
    Angaben in Prozent

    Den Aufwärtsimpuls haben 42 Prozent (plus 25 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) unserer Umfrageteilnehmer als Beginn einer nachhaltigen Rally registriert. Jeder fünfte Befragte (plus sieben Prozentpunktet) geht von einer Topbildung aus. Mit 30 Prozent (minus 28 Prozentpunkte) sehen noch immer viele Anleger eine übergeordnete Seitwärtsbewegung.

    Das Fazit der kurzfristigen Stimmung: Mit einem Indikatorwert von 3,8 Prozent können wir den Anlegern eine sehr gute Laune attestieren, doch Euphorie ist das noch nicht.

    Euphorie ist laut Sentiment-Analyse ein Kontraindikator. Die Idee dahinter: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

    Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
    Angaben in Prozent

    Der Kurssprung kam für 34 Prozent (plus sieben Prozentpunkte) überraschend, sechs Prozent (plus einen Prozentpunkt) wurden sogar auf dem falschen Fuß erwischt. Diese Anleger hatten in der vergangenen Woche eine völlig andere Kursentwicklung erwartet.

    Dennoch hatten 45 Prozent (minus zehn Prozentpunkte) grundsätzlich an steigende Kurse geglaubt. 15 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) geben sogar an, darauf spekuliert zu haben. „Wir verzeichnen heute den seltenen Fall, dass die Selbstzufriedenheit sinkt, obwohl der Dax gestiegen ist“, erläutert Animusx-Inhaber Heibel.

    Gleichzeitig ist der Zukunftsoptimismus zurück: 30 Prozent (plus acht Prozentpunkte) glauben an steigende Kurse in drei Monaten, weitere 34 Prozent (minus sechs Prozentpunkte) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus. Nur 23 Prozent (minus vier Prozentpunkte) fürchten fallende Kurse in drei Monaten. In den Vorwochen hatte Heibel den großen Zukunftspessimismus als Hindernis für kurzfristige Kursgewinne interpretiert. „Dieses Hindernis ist nun aus dem Weg geräumt“, stellt der Sentiment-Experte fest.

    Und so wollen 26 Prozent (plus acht Prozentpunkte) der Umfrageteilnehmer in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen. Nur zwölf Prozent (minus drei Prozentpunkte) wollen ihre Aktienpositionen verkleinern. Knapp zwei Drittel der Anleger (63 Prozent, minus fünf Prozentpunkte) sind derzeit noch unentschlossen im Hinblick auf ihre nächsten Aktivitäten.

    Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
    Angaben in Prozent

    Die Fehlpositionierung der Anleger wird im Euwax-Sentiment offensichtlich: Vor einer Woche wurde mit einem Wert von minus zehn der tiefste Wert der vergangenen zwölf Monate erreicht. Extrem viele Anleger haben sich gegen fallende Kurse abgesichert. In die steigenden Kurse der vergangenen Woche hinein mussten diese Absicherungsgeschäfte aufgelöst werden.

    Doch noch immer zeigt das Euwax-Sentiment mit einem Wert von minus 8,5 eine stark defensive Positionierung der Privatanleger an. „Dieser Indikator spricht für eine Fortsetzung der Rally schon allein durch die notwendigen Deckungskäufe der privaten Anleger“, meint Heibel.

    Zur Erläuterung: Das Euwax-Sentiment wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet. Ein negativer Wert bedeutet, dass mehr Puts, die bei fallenden Kursen an Wert gewinnen, in den Anlegerdepots liegen als Calls, mit denen auf steigende Notierungen gesetzt wird.

    Solche Puts funktionieren quasi wie ein Leerverkauf, nur dass die Bank im Hintergrund die Arbeit erledigt. Wenn Privatanleger Puts kaufen, verkauft die Bank dann den Basiswert, in diesem Fall den Dax. Wenn anschließend der Anleger wieder den Put verkaufen will, muss die Bank wieder den Dax kaufen.

    Ein solche hohe Zahl an Puts bedeutet: Sollte der Dax steigen, müssen Anleger ihre Derivate verkaufen, damit die Verluste nicht ausufern. Das feuert solch einen Kursanstieg zusätzlich an. Bei fallenden Dax-Notierungen hingegen werden Anleger Gewinne einstreichen und stützen mit dem Verkauf die Kurse. Denn die Bank muss, wenn Puts verkauft werden, wieder den Dax kaufen.

    Die Profis, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, haben rechtzeitig auf die Long-Seite gewechselt. Das Put/Call-Verhältnis zeigt mit einem Wert von 1,0 eine überdurchschnittliche Long-Positionierung der institutionellen Anleger an (Durchschnitt 1,5). Ähnlich sieht es in den USA aus, wo das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse BOE mit 0,8 ebenfalls auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau steht.

    US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote um sieben Prozentpunkte auf 79 Prozent hochgefahren. Das ist aber weiterhin eine durchschnittliche Investitionsquote.

    US-Privatanleger haben eine Bullenquote von minus 2,5 Prozent. Die extrem pessimistische Bullenquote von minus 20 Prozent in der Vorwoche ist deutlich zurückgegangen, doch von überbordendem Optimismus kann man auch bei den US-Privatanlegern noch lange nicht sprechen. Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte zeigt mit 60 Prozent eine leichte Gier an, ist jedoch als neutral zu werten.

    Startseite
    Mehr zu: Dax-Umfrage - Die aktuelle Börsenstimmung ist ideal
    0 Kommentare zu "Dax-Umfrage: Die aktuelle Börsenstimmung ist ideal"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%