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Aktienhändler an der Frankfurter Börse

In der vergangenen Woche legte der Dax 3,6 Prozent zu.

(Foto: dpa)

Dax-Umfrage Die Angst vor einem anhaltenden Bärenmarkt steigt wieder

Profis setzen auf eine weitere Erholung an den Börsen, Privatanleger sind hingegen verunsichert. Was das für die kommenden Handelstage bedeutet.
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DüsseldorfDie Aktienmärkte in den USA und Deutschland boten in der vergangenen Handelswoche ein unterschiedliches Bild: Beim Dax lief die Gegenbewegung nach dem Absturz im Dezember aus, der Leitindex lief unter starken Tagesschwankungen zum Wochenschluss weitgehend seitwärts. Am US-Markt stiegen die Indizes S&P 500 und Dow Jones in diesem Zeitraum hingegen um rund drei Prozent.

„In den USA wächst die Hoffnung auf ein Handelsabkommen mit den Chinesen, das treibt die Aktienmärkte an“, erläutert Börsenexperte Stephan Heibel. „In Deutschland wächst die Angst vor einem ungeregelten Brexit, das belastet die Kurse.“

Nach Meinung des Geschäftsführers des Analysehauses Animusx dürfte ein ungeregelter Brexit zwar kurzfristig für weitere Verluste an den Aktienmärkten sorgen, aber die Aussicht auf ein Handelsabkommen zwischen USA und China sollte einen erneuten Rückfall auf Tiefstwerte von vor vier Wochen vermutlich vorerst verhindern. Ende Dezember 2018 fiel der Dax auf 10.279 Punkte, dem niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren.

„Der Brexit ist ein einmaliges Ereignis, doch von einem Handelsabkommen mit China, das den chinesischen Markt für die Welt öffnet und viele ungerechte Praktiken beendet, profitiert die ganze Welt“, sagt Heibel. Der Effekt für den Welthandel und auch für Deutschland wird seiner Meinung nach langfristig deutlich größer sein, als es die kurzfristigen Einbußen durch den Brexit sind.

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Grundlage für Heibels Einschätzungen sind die Antworten bei der Umfrage Dax-Sentiment, eine wöchentliche Handelsblatt-Erhebung unter mehr als 3.300 Investoren. Hinter solchen Umfragen stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten.

Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, sind sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken. Für seine Prognose, wie sich der deutsche Leitindex in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte, wertet Börsenexperte Heibel zusätzlich weitere Indikatoren aus.

Die aktuellen Daten zeigen: Profis erkennen diesen Unterschied und setzen verstärkt auf steigende Kurse. Privatanleger in Deutschland hingegen fürchten langfristige Verwerfungen aufgrund eines harten Brexits und sind zusätzlich kritischer gegenüber US-Präsident Donald Trump eingestellt.

Heibels Prognosen für die kommenden Handelstage: „Die Aktienmärkte können mit zunehmender Hoffnung auf ein Handelsabkommen weiter ansteigen, solange beim Brexit noch verhandelt wird. Lediglich ein überraschender Abbruch der Verhandlungen zwischen den USA und China könnte die Aktienmärkte erneut auf neue Tiefs führen.“

Laut aktueller Umfrage halten nur noch 18 Prozent (minus 19 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) an ihrer Meinung fest, dass der Dax bereits einen neuen Aufwärtstrend begonnen hat. 46 Prozent (plus zwölf Prozentpunkte) hingegen betrachten die Entwicklung als Seitwärtsbewegung.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
Angaben in Prozent

Die Angst vor erneuten Kursverlusten steckt den Anlegern offenbar noch in den Knochen, denn schon wieder 18 Prozent (plus sieben Prozentpunkte) gehen davon aus, dass sich der deutsche Leitindex nun doch in einer übergeordneten Abwärtsbewegung befindet, die im Januar wohl nur kurzzeitig unterbrochen wurde.

Entsprechend nimmt die Verunsicherung wieder zu: Nur noch jeder zweite Umfrageteilnehmer (minus zehn Prozentpunkte) sieht durch die Dax-Entwicklung seine Erwartung der Vorwoche zum größten Teil erfüllt, weitere neun Prozent (minus zwei Prozentpunkte) haben darauf spekuliert. Fast jeder Dritte (32 Prozent, plus zehn Prozentpunkte) wurde vom Seitwärtsverlauf der vergangenen Woche überrascht, weitere neun Prozent (plus ein Prozentpunkt) hatten damit überhaupt nicht gerechnet.

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
Angaben in Prozent

Auch die Angst vor einem anhaltenden Bärenmarkt steigt wieder:  In drei Monaten erwarten nun wieder 26 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) einen Abwärtsimpuls, nur noch 30 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus. Mit 30 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) dünnt sich das Lager der Optimisten ein wenig aus.

Die gestiegene Verunsicherung zeigt sich darin, dass nunmehr nur noch 21 Prozent (minus sechs Prozentpunkte) der Umfrageteilnehmer in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen wollen, 15 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) hingegen wollen Aktien verkaufen. Mit 63 Prozent (plus vier Prozentpunkte) haben sich die meisten Anleger noch nicht entschieden, wie sie sich in den kommenden zwei Wochen verhalten werden.

Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
Angaben in Prozent

Das Euwax-Sentiment der gleichnamigen Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, zeigt das gleiche Bild: Der Dezember-Schock mit einem Minus von acht Prozent beim Dax lässt viele Anleger vorsichtig werden. Mittlerweile lagern mehr Puts, die von fallenden Kursen profitieren, als Calls in den Depots der Privaten.

Ganz anders verhalten sich die Profis, das Put/Call-Verhältnis der Frankfurter Terminbörse Eurex ist auf 0,8 gefallen und zeigt damit an, dass institutionelle Anleger überwiegend Long-Spekulationen eingegangen sind.

Das gleiche Bild herrscht in den USA. Das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE ist rückläufig, auch US-Anleger werden zunehmend mutig. So ist auch die Investitionsquote der US-Fondsmanager auf 76 Prozent gestiegen, das höchste Niveau seit vergangenem Oktober.

US-Privatanleger hingegen verhalten sich ähnlich vorsichtig wie ihre deutschen Pendants: Die Bullenquote beträgt nur 5,4 Prozent, ein moderates Niveau.

Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Index“ der US-Aktienmärkte ist weiter auf 60 Prozent gestiegen, was eine moderate Gier im Markt widerspiegelt. Auch andere technische Indikatoren signalisieren, dass weitere Kursanstiege am US-Aktienmarkt schwer sein dürften.

Eine auffällige Entwicklung der Stimmung hat Heibel vergangene Woche am Anleihemarkt erkannt. Das Animusx-Sentiment, das wöchentlich auch Stimmungswerte zu deutschen Staatsanleihen, Euro/US-Dollar, Gold und Öl erhebt, ist diese Woche beim Bund Future nach oben ausgeschlagen.

Der Bund-Future ist ein Terminkontrakt, der sich auf eine fiktive, langfristige Bundesanleihe bezieht, mit einem Kupon von sechs Prozent und einer Laufzeit von zehn Jahren. Wenn die Rendite der Staatsanleihen steigt, fällt der Kurs des Bund Futures und umgekehrt.

Am Anleihemarkt herrscht folgende Situation: Die Rendite für langlaufende Staatsanleihen sackt immer weiter ab, eine Rendite von null Prozent ist in Sichtweite. Im Umkehrschluss steigt der Kurs des Bund Futures immer weiter an.

Anleger begrüßen diese Entwicklung laut Animusx-Umfrage mit Stimmungswerten, die auf dem höchsten Niveau seit zwölf Monaten notieren. Und auch die Erwartung für die künftige Entwicklung des Bund Futures ist auf das höchste Niveau der vergangenen zwölf Monate angestiegen. „Euphorie und überbordender Optimismus herrscht am Anleihemarkt“, erläutert der Animusx-Geschäftsführer.  „Wer Geld in vermeintlich sichere Anleihen stecken möchte, sollte ein paar Wochen warten, bis sich dieser Markt ein wenig abgekühlt hat.“

Ähnlich extreme Werte gibt es auch bei Gold, sowohl die Stimmung als auch die Erwartung notieren auf dem höchsten Niveau seit zwölf Monaten. Laut Sentiment-Analyse dürfte die aktuelle Rally zunächst eine Pause einlegen.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online.

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