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Dax-Umfrage Die Anlegerstimmung signalisiert: Zum Verkaufen ist es zu spät

Das Stimmungsbild für den deutschen Aktienmarkt hat sich deutlich verbessert. Anleger erwarten steigende Kurse, die Investitionsbereitschaft ist hoch.
02.11.2020 - 15:25 Uhr Kommentieren
Die Profis sichern sich derzeit an den Märkten wie die Privatanleger ab. Quelle: dpa
Börse Frankfurt

Die Profis sichern sich derzeit an den Märkten wie die Privatanleger ab.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Nach dem Einbruch beim Dax um 8,6 Prozent in der vergangenen Handelswoche stellen sich viele Anleger die Frage: Ist das erst der Anfang eines Crashs, wie wir ihn im Frühjahr bereits erlebt haben?

Bei der Antwort auf diese Frage hilft ein Blick zurück: Der Corona-Crash im März fand im Vorfeld der Kontaktbeschränkungen und Lockdown-Maßnahmen statt, mit Einführung der Maßnahmen fand die Aktienbörse einen Boden und erholte sich anschließend schnell. Dieses Mal ist der Vorlauf zum Lockdown nur kurz, die Maßnahmen werden frühzeitig und konsequent eingeführt.

„Ich kann mir daher schwer vorstellen, dass wir einen erneuten Corona-Crash 2.0 erleben, der in seiner Intensität an den ersten vom März heranreicht“, meint Sentimentexperte Stephan Heibel, der die wöchentliche Handelsblattumfrage Dax-Sentiment auswertet.

Bei gleichzeitig großer Investitionsbereitschaft sieht das Stimmungsbild für den Dax diese Woche wesentlich konstruktiver aus als noch am vergangenen Montag, zum Verkaufen ist es offenbar zu spät.

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    Das führt zwangsläufig zu der zweiten Frage: Warum gab es dann am deutschen Aktienmarkt einen Ausverkauf, obwohl in Deutschland sehr frühzeitig und sehr konsequent gehandelt wurde, um die Auswirkungen auf die Wirtschaft so klein wie möglich zu halten?

    Grafik

    „Wenn ich mir die Stimmungslage der heimischen Anleger anschaue, dann kann ich da wenig Panik erkennen“, erläutert Heibel. Im Gegenteil, Privatanleger greifen beherzt zu und die Profis scheinen bereits so stark investiert gewesen zu sein, dass sie von der Intensität des Ausverkaufs auf dem falschen Fuß erwischt wurden und nun viele Put-Optionen als Absicherungen gekauft haben.

    Offenbar haben viele ausländische Investoren verkauft. Bereits Mitte der vergangenen Woche hatte der Sentimentexperte der Deutschen Börse, Joachim Goldberg, in seiner Analyse diese Anlegergruppe als Verkäufer ausgemacht. Das sieht Heibel ähnlich. Schließlich ist der Euro gegenüber dem Dollar in der vergangenen Woche um 1,5 Prozent gefallen, Kapital wurde aus Europa abgezogen.


    In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
    Angaben in Prozent


    Die Flucht der ausländischen Anleger aus Europa kann der Inhaber des Analysehauses Animusx nachvollziehen. Frankreich geht in den Lockdown, Belgien schließt sogar alle Geschäfte, die nicht unbedingt notwendige Waren verkaufen, und Spanien hat das Geschehen auch nicht mehr unter Kontrolle. „Internationale Anleger unterscheiden da nicht mehr, ob Deutschland vielleicht noch ein klein wenig besser dasteht“, erläutert Heibel.

    Insofern ist es schwierig, anhand der Handelsblatt-Sentiment-Daten abzuschätzen, wie lange internationale Anleger noch deutsche Aktien verkaufen und damit Druck auf den Dax ausüben.

    Doch warum gab es dann auch in den USA einen Ausverkauf, der gleichzeitig aber schwächer ausfiel? Zum einen: Er war nach langer Zeit steigender Kurse überfällig. Seit einigen Wochen warnt Heibel vor fallenden Notierungen in den USA und einem Ausverkauf hierzulande.


    Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
    Angaben in Prozent


    Zum anderen: In den USA herrscht Verunsicherung über den Wahlausgang. Nicht darüber, wer gewinnen wird, denn das ist inzwischen für die Wall Street egal. Sondern darüber, ob es ein schmutziges Nachspiel gibt. Wird der unterlegene Kandidat seine Niederlage anerkennen, oder gibt es ein juristisches Nachspiel? Kein Grund waren die steigenden Corona-Zahlen in den USA, denn die Wirtschaft läuft dort weiter.

    Heibel rückt auch davon ab, dass Panik eine notwendige Bedingung für einen Boden am Aktienmarkt ist. Laut Sentimentanalyse ist solch eine Panik erforderlich, damit nach einer Ausverkaufspanik nur wenige Käufer wieder für steigende Kurse sorgen. „Es reicht, sich das Verhalten der Profis anzuschauen: Nie zuvor wurden in so kurzer Zeit so viele Put-Absicherungen gekauft“, erläutert er. „Na, wenn das kein Hauch von Panik ist.“

    Aktuelle Umfrageergebnisse

    Das Sentiment, die kurzfristige Anlegerstimmung, ist auf einen Wert von minus sechs eingebrochen und zeigt damit den extremen Pessimismus der Anleger an. Auf einem ähnlich niedrigen Niveau lag das Sentiment zuletzt im März während des Corona-Crashs. „Zum Verkaufen ist es nun zu spät, wir hatten viele Wochen Zeit dazu“, schlussfolgert Sentimentexperte Stephan Heibel.

    Auch die Selbstgefälligkeit rutscht in Extremwerte ab: Ein Wert von minus 6,8 zeigt sehr hohe Verunsicherung unter den Anlegern an. Die Intensität des Ausverkaufs hat offenbar die Prognosen der Bären aus den Vorwochen übertroffen. „Auch ich hatte nicht mit einem Unterschreiten der 11.700 Punkte im Dax gerechnet“, gibt Heibel offen zu.

    Die Zukunftserwartung an den Dax-Stand in drei Monaten ist auf plus fünf gesprungen. Die Logik dahinter: Mit sinkendem Kursniveau steigt der Zukunftsoptimismus an, denn Aktien sind deutlich günstiger geworden. Wirklich negative Entwicklungen sehen Anleger in den jüngsten Ereignissen nicht, zumindest wirtschaftlich betrachtet.


    Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten?
    Angaben in Prozent


    Der aktuelle Zukunftsoptimismus ist sogar höher als zu Zeiten des Corona-Crashs im März dieses Jahres und liegt auf einem ähnlichen Niveau wie zuletzt im Herbst 2017.
    Damals hatte US-Präsident Donald Trump gegen große Widerstände seitens der Opposition seine Unternehmensteuerreform durchgesetzt. Anschließend stieg der Dax Anfang November um mehr als 1500 Punkte auf 13.525 Zähler.

    Die Investitionsbereitschaft ist auf 4,5 angesprungen und notiert damit ebenfalls auf einem extrem hohen Niveau, wenngleich wir im vergangenen März zwischenzeitlich noch höhere Werte gesehen haben.


    Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
    Angaben in Prozent


    Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, zeigt sich ziemlich unbeeindruckt von den jüngsten Verwerfungen an den Märkten. Mit einem Wert von minus 2,5 sichern sich Privatanleger nur wenig gegen weiter fallende Kurse ab. Ganz anders agieren die Profis, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern: Das Put/Call-Verhältnis ist auf 4,8 gesprungen, den höchsten Wert der vergangenen Jahre.

    Offenbar wollen die Profis nach den Erfahrungen während des Corona-Crashs im März nicht ein zweites Mal auf dem falschen Fuß erwischt werden. Entsprechend sichern sie die über die vergangenen Monate mühsam erzielten Gewinne mit Put-Optionen stark ab.

    Das Put/Call-Verhältnis an der Chicagoer Terminbörse CBOE in den USA hingegen zeigt ein völlig anderes Verhalten der dortigen Anleger: Mit einem Wert von 0,47 spekulieren Anleger in den USA stark auf steigende Kurse. Größer könnte der Unterschied nicht sein.

    US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote jedoch weiter zurückgeschraubt, von 84 Prozent in der Vorwoche auf nunmehr 78 Prozent. US-Privatanleger sind neutral gestimmt, Bullen und Bären halten sich die Waage. Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte zeigt mit einem Wert von 27 Prozent leichte Angst an. Ab 25 Prozent signalisiert dieser Indikator extreme Angst, die für eine Bodenbildung am Aktienmarkt hilfreich ist.

    Kurzfristige technische Indikatoren auf den S&P 500 zeigen eine überverkaufte Marktsituation an. Zum Verkaufen ist es bei dieser Marktverfassung zu spät, zumindest kurzfristig sollte schon bald eine Gegenbewegung einsetzen.

    Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 3500 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

    Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentiment-Umfrage informieren, und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

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