Dax-Umfrage „Die Gefahr für deutsche Anleger steigt“

Die Dax-Rally wird von internationalen Investoren getrieben. Sie nutzen das im Vergleich zu den USA niedrigere Bewertungsniveau. Die Anleger hierzulande warten auf günstigere Kaufchancen. Doch wird es die noch geben?
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Gier und Panik? Wann Emotionen die Kurse bewegen

DüsseldorfDie Wähler in Frankreich haben vor zehn Tagen den Sozialliberalen Emmanuel Macron und die rechtsextreme Kandidatin Marine le Pen in die Präsidentschafts-Stichwahl geschickt. In der Stichwahl geben Experten Le Pen wenige Chancen, gegen Macron zu bestehen. Aus Sicht der Finanzmarktteilnehmer ist die „Gefahr“ einer extrem rechten Regierung mit einem möglichen Abschied vom Euro und damit von der Euro-Zone vom Tisch. Das deutsche Börsenbarometer war als Folge am vergangenen Montag um 2,9 Prozent auf 12.438 Punkte gesprungen und hatte ein neues Allzeithoch erreicht.

Diese Rally wird nach Ansicht des Börsenexperten Stephan Heibel nicht von deutschen Anlegern getrieben. „Internationale Anleger haben ihre Furcht vor politischen Rückschlägen abgeworfen und nutzen das im Vergleich zu den USA günstige Bewertungsniveau vieler Dax-Unternehmen, während deutsche Anleger Gewinne mitnehmen und sich auf einen Rückschlag vorbereiten“, meint er.

Basis für seine Markteinschätzungen ist die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 2400 Anlegern. Die Ergebnisse bewertet der Inhaber des Analysehauses AnimusX anschließend. Seine Prognosen zur Dax-Entwicklung bieten Orientierung für die Geldanlage.

Seine aktuelle Argumentation: Kaufbereitschaft sei unter deutschen Anlegern kaum vorhanden, die Investitionsquote ebenfalls gering. „Die Gefahr für deutsche Anleger steigt, die Rally zu verpassen, sollte der Leitindex weiter ansteigen“, erläutert der Sentiment-Experte. Schließlich sei laut der aktuellen Umfrage die Erwartungshaltung überaus pessimistisch – Anleger halten sich zurück.

„Dieses Stimmungsmuster haben wir in den vergangenen Wochen bereits mehrfach gesehen“, erinnert Heibel. Kursanstiege im Dax werden seit Wochen für Gewinnmitnahmen genutzt, man freue sich über die erzielten Kursgewinne. Doch genug ist genug, denken sich die Anleger immer wieder, und warten nun auf günstigere Kaufgelegenheiten.

Doch die Rechnung könnte nicht aufgehen. Die hohe Absicherung bei gleichzeitig niedriger Investitionsquote offenbart das Risiko. „Hier werden keine Absicherungspositionen eingegangen, denn was soll noch abgesichert werden, wenn die wesentlichen Positionen schon verkauft wurden?“, fragt Heibel rhetorisch. Denn wenn Anleger nach einen Allzeithoch Gewinne mitnehmen: Welche Positionen werden dann noch abgesichert?

„Nein, diese vermeintlichen Absicherungspositionen sind in Wirklichkeit Spekulationen auf fallende Kurse“, so der Animusx-Inhaber. Doch genau das könnte zum Problem für die Bären werden, die auf fallende Kurse setzen. Denn sollten die Kurse wider Erwarten nicht abbröckeln, sondern weiter ansteigen, dann geraten sie in Zugzwang: Deckungskäufe müssen getätigt werden und würden eine Dax-Rally weiter anheizen.

Stimmung ist von Euphorie weit entfernt
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11 Kommentare zu "Dax-Umfrage: „Die Gefahr für deutsche Anleger steigt“"

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  • Sehr geehrte Frau Kah,

    ich finde ihren Vorschlag mit den Vermögensverwaltern gut und werde das an meine Kollegen weiterleiten.

    Beste Grüsse
    Jürgen Röder

  • Sehr geehrter Herr Spiegel,

    nein, die deutschen Anleger sind nicht blöd. Sondern es besteht für sie die Gefahr, dass sie eine Rally verpassen.

    Beste Grüsse
    Jürgen Röder

  • „Die Gefahr für deutsche Anleger steigt“ Sie meinen bestimmt, daß diese Leute besonders blöd sind.

  • Sehr geehrter Herr Röder,

    Sie haben es sicher gemerkt: Mein Thema ist nicht die Sentimentumfrage von Herrn Heibel, die ich im übrigen sehr schätze. Aber ich würde Sie und Ihre Kollegen gerne auf ein vernachlässigtes Thema stoßen.

    In Ihrem Blatt wird fast täglich hervorgehoben, dass Aktien alternativlos sind. Sparpläne werden empfohlen. Und so geht es weiter und weiter. Zum Einstieg wird jeden Tag geblasen. Aber über die Kunst des Ausstiegs ist nie ein Wort zu hören. Sind die Herren Redakteure vielleicht der Meinung, dass ich meine Aktien mit ins Grab nehmen soll?

    Wie wäre es, wenn die Redakteure einmal einige namhafte Vermögensverwalter zu einem Symposion über das Thema "Ausstieg" einladen würden?

  • Sehr geehrte Frau Kah,

    danke für die Mail, ich finde solch einen fachlichen Austausch sehr gut. Ich weiß nicht, ob es viele warnende Stimmen vor einem Absturz im April 2015 gab. Es gab aber damals bereits unsere Sentimentumfrage. Ein Blick in das Archiv mit zwei Beispielen:
    Sentiment vom 13. April 2015 mit dem Titel: Das letzte Aufbäumen vor dem Absturz?
    In Verbindung mit der angewachsenen mittelfristigen Skepsis, die er aus der schwindenden Zuversicht abliest, deutet seiner Meinung nach vieles auf eine Endphase der Rally hin. „Deutsche Anleger dürften also schon bald Gewinne mitnehmen“, so Heibel.
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/trends/dax-umfrage-das-letzte-aufbaeumen-vor-dem-absturz/11629994.html

    Sentiment vom 20. April mit dem Titel „Der Ausverkauf war noch nicht heftig genug“
    Doch auf längere Sicht erwartet Heibel wieder fallende Kurse. Sollte der deutsche Leitindex bei 12.000 oder 12.400 Punkten erneut drehen, dann rechnet er aus Sentiment-Sicht mit einer noch heftigeren Korrektur als vergangene Woche.
    Heibel: „Diese Korrektur wird dann auch deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen.“

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/trends/dax-umfrage-der-ausverkauf-war-noch-nicht-heftig-genug/11661446.html

    Beste Grüsse
    Jürgen Röder

  • Sehr geehrter Herr Röder,

    erlauben Sie ein Beispiel aus der Praxis. Sein vormaliges Allzeithoch erreichte der DAX vor zwei Jahren, im April 2015. Auch damals waren es ausländische Investoren, die den DAX auf sein Allzeithoch trieben,

    Wie lange deren Kaufinteresse anhalten würde, wußte niemand. Und es gab auch weder eine Chartanalyse noch eine Sentimentumfrage, die vor Kursrückschlägen gewarnt hätte. Tatsächlich bröckelten die Kurse aber Monat für Monat ab. Anfang 2016 kam dann hinzu, dass die Anleger Angst vor einer harten Landung der chinesischen Konjunktur bekamen.

    Zusammengerechnet: Ausgehend von seinem Allzeithoch im April 2015 verlor der DAX bis Februar 2016 - also in nur 10 Monaten - satte 40 %.

    Angesichts solcher Zahlen scheint es mir jenseits der Umfragen von Herrn Heibel von herausragender Wichtigkeit, über das Thema "Gewinnmitnahmen" nachzudenken. Vielleicht auch für Ihr Blatt, das ich seit 20 Jahren lese. Über den Einstieg habe ich in dieser Zeit viel gelesen. Aber über die crashs war wenig bis gar nichts zu erfahren. Beispiel gefällig? Oben habe ich einen crash beschrieben, habe Ihnen von 40 % Verlust in 10 Monaten erzählt. Hat diesen crash überhaupt irgend ein Handelsblatt-Redakteur bemerkt?

  • Sehr geehrte Frau Kah,

    vielen Dank für Ihre Mail. Aber ihre Sicht stimmt nicht ganz: So steht in dem Artikel: Für Heibel ist es nur zu verständlich, nach den erzielten Kursgewinnen einige Gewinne zu realisieren. „Doch sogleich auf fallende Kurse zu spekulieren, das halte ich für gefährlich“.

    Zum Thema Abwärtstrend: Ich mache diese wöchentliche Sentimentumfrage, weil man oftmals Trends früher erkennt. Wenn zum Beispiel die Anleger euphorisch werden, ist das ein deutliches Warnzeichen. Bislang hat Herr Heibel auch diese entsprechende Stimmung immer sehr gut analysiert. Da gibt es keine 100-prozentige Sicherheit, aber die kann es an den Börsen nie geben.

    Beste Grüsse und bleiben Sie uns gewogen
    Jürgen Röder

  • Sehr geehrter Herr Röder,

    "Gewinnmitnahmen" ist ein Thema, das im Handelsblatt stets ausgeklammert wird. Klar ist, jeder möchte am liebsten zu Höchstkursen verkaufen.

    Aber im vorhinein weiß leider niemand, welchen Gipfelpunkt wir erreichen werden. Den Gipfel kennen wir erst hinterher, wenn die Kurse wieder deutlich gesunken sind.

    Fondsmanager sagen deshalb häufig, zu Verkäufen schreiten wir erst dann, wenn wir einen deutlichen Abwärtstrend erkennen. Wann man nun einen Abwärtstrend erkennt, mag strittig sein. Ich glaube dass man ihn erst erkennt, wenn die Kurse vom zurückliegenden Gipfel aus gerechnet um etwa 20 % zurückgekommen sind. Das würde bedeuten, dass man die letzten 20 % einer langjährigen Hausse überhaupt nicht realisieren kann.

    Unter diesem Blickwinkel halte ich es nicht für falsch, wenn man bei Erreichen eines Allzeithochs einen größeren Teil seines Aktienvermögens verkauft. Ich plädiere dafür, einen Teil der aufgelaufenen Gewinne in trockene Tücher zu bringen und insoweit nicht auf imaginäre Gipfelpunkte und Abwärtstrends zu warten. Der Vorschlag hat auch den Charme, dass man damit zu Liqudität kommt und Börsenrückschläge zu billigen Einkäufen nutzen kann.

  • "DAX maximal 6500, vorher nicht."
    .. Bei einem DAX von 6500 Pkt. wären die Aktienwerte unterhalb
    von 1% der heutigen Werte, da seit 1988 soviel an Dividenden ausgeschüttet wurden, dass es ca. 6475 Pkt. entspricht. Dax Performance Index heute ca.12.470 Pkt.

  • "Auf und nieder, immer wieder..."

    In meinem rund 50 Jahren als Kleinanleger habe ich noch nie erlebt, dass die Kurse nach einer langanhaltenden Hausse nicht wieder nach unten einbrechen.

    Wer es nicht erwarten kann:

    Reckitt Benckisser und GlaxoSmithKline stehen gerade günstig. Selbst nach dem Brexit werden die nicht an ihrem Substanzwert verlieren. Notfalls wird die Konzernzentrale per Federstrich eben ins Ausland verlegt.

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