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Handelsraum in Frankfurt

Die Lage an der Börse hat sich derzeit neutralisiert.

(Foto: Bloomberg)

Dax-Umfrage Die gute Laune der Anleger ist verflogen

Kaum fällt der Dax um 1,2 Prozent, schon sind die Investoren verunsichert. Ist das der Vorbote für ein Ende der Rally? Die aktuelle Sentiment-Umfrage.
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DüsseldorfSeit dem absoluten Tiefpunkt der Anlegerstimmung Ende Dezember bei einem Mehrjahrestief von 10.279 Punkten hat sich die Laune der Anleger jede Woche kontinuierlich verbessert. Doch nun sind viele Investoren verunsichert, weil die Dax-Rally in der vergangenen Woche mit geringen Minus von lediglich 1,2 Prozent eine Verschnaufpause einlegte.

Handelt es sich dabei nur um die überfällige Konsolidierung der Kursgewinne zum Jahresauftakt? Oder ist ein neuer Rückschlag auf noch tiefere Niveaus zu fürchten?

„Es waren Gewinnmitnahmen ohne fundamental neue Informationen“, meint Börsenexperte Stephan Heibel. Seiner Meinung spricht vieles dafür, dass es sich bei den derzeitigen Rückgängen aktuell nur eine Konsolidierung der bislang erzielten Kursgewinne handelt. Die Rally würde dann irgendwann wieder anziehen.

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Grundlage für Heibels Einschätzungen sind die Antworten bei der Umfrage Dax-Sentiment, eine wöchentliche Handelsblatt-Erhebung unter mehr als 3.300 Investoren. Hinter den Umfragen stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten.

Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, sind sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken. Für seine Prognose, wie sich der deutsche Leitindex in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte, wertet der Inhaber des Analysehauses Animusx zusätzlich weitere Indikatoren aus.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
Angaben in Prozent

Das alles dominierende Thema ist seiner Meinung nach der Handelsstreit zwischen China und den USA. Donald Trump sei unberechenbar und so werde es bis zum Schluss der Verhandlungen spannend bleiben. Doch ein Punkt habe sich geändert: Anders als zum Jahreswechsel sind sowohl die US-Notenbank als auch die EZB auf einen deutlich friedlicheren geldpolitischen Kurs eingeschwenkt. „Ein Scheitern der Verhandlungen könnte seitens der Notenbanken zumindest teilweise aufgefangen werden“, meint der Animusx-Inhaber.

Bleibt nur die Frage: Wann ziehen die Kurse wieder an? Jetzt oder erst im Juni? „Das entscheiden sowohl die Tagespolitik als auch das Aktienmarktniveau“,  meint der Sentimentexperte. Er geht davon aus, dass es noch ausreichend Gelegenheit geben wird, sich für eine Fortsetzung der Rally im weiteren Jahresverlauf zu positionieren. „Kein Grund zur Eile“, meint er. Aus einer anderen Sicht heißt es das aber auch: Anleger sollten vorsichtig agieren.

Die aktuellen Umfrageergebnisse zeigen deutlich: Die gute Laune der Vorwoche ist verflogen, Niedergeschlagenheit dominiert. Nur noch 13 Prozent (minus 24 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) sehen beim Dax einen Aufwärtsimpuls. Weitere neun Prozent (minus fünf Prozentpunkte) gehen von einer Topbildung aus. Auf der anderen Seite sind nun 30 Prozent (plus 22 Prozentpunkte) von einem Abwärtsimpuls überzeugt und weitere sechs Prozent (plus ein Prozentpunkt) gehen von einer Bodenbildung aus. Mit 43 Prozent (plus sieben Prozentpunkte) ist das Lager derer am größten, die eine übergeordnete Seitwärtsbewegung ausmachen.

Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
Angaben in Prozent

Vor einer Woche war die Freude der Umfrageteilnehmer groß, dass der Dax erfolgreich die Marke von 11.570 Punkten überwinden konnte. Nun ist die Überraschung groß, dass die Rally plötzlich beendet ist. Das zeigt sich an den Antworten auf die Frage: Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?

Nur noch acht Prozent (minus acht Prozentpunkte) wollen auf die Konsolidierung der abgelaufenen Woche spekuliert haben. Und die Menge der Umfrageteilnehmer, deren Erwartungen der Vorwoche zum größten Teil erfüllt wurden, ist um zehn Prozentpunkte auf 43 Prozent gefallen.

Auf der anderen Seite geben 36 Prozent (plus 13 Prozentpunkte) an, dass sich ihre Erwartungen kaum erfüllt haben. Weitere 13 Prozent (plus fünf Prozentpunkte) wurden von der Konsolidierung auf dem falschen Fuß erwischt. „Es macht sich wieder Verunsicherung breit“, lautet das Fazit von Heibel.

Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
Angaben in Prozent

Trotz des Kursrückgangs erwartet nur noch jeder Fünfte (minus zwei Prozentpunkte) für den Dax in drei Monaten steigende Kurse. Neun Prozent (plus fünf Prozentpunkte) vermuten in drei Monaten eine Bodenbildung und 30 Prozent (plus ein Prozentpunkt) weiter fallende Kurse. Mit 35 Prozent (minus drei Prozentpunkte) ist das Lager derer, die eine Seitwärtsbewegung erwarten, am größten. „Der Pessimismus nimmt leicht zu“, meint der Sentimentexperte nach Auswertung dieser Antworten.

Entsprechend wollen auch nur noch 16 Prozent (minus drei Prozentpunkte) in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, 19 Prozent (plus drei Prozentpunkte) hingegen wollen verkaufen. Mit unverändert 65 Prozent hat sich die deutliche Mehrheit bei ihrem Investitionsverhalten noch nicht entschieden.

Ein Blick auf andere Indikatoren zeigt ein differenziertes Bild. Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an Privatanleger handeln, ist auf den tiefsten Stand seit dem vergangenen Sommer gefallen. Das bedeutet: Anleger setzen verstärkt auf fallende Kurse. Dann dieser Indikator basiert auf realen Trades mit Hebelprodukten auf den deutschen Leitindex. „Ich werte dies als ein weiteres Indiz dafür, dass Anleger ihre zum Jahresauftakt erzielten Gewinne absichern“, erläutert der Animusx-Inhaber. Die hohe Zahl an Spekulationen auf fallende Kurse gilt als Sicherheitsnetz, sollten die Kurse ins Rutschen kommen.

Die Profis verhalten sich ganz anders. Das Put/Call-Verhältnis an der Frankfurter Terminbörse Eurex ist gefallen und zeigt somit an, dass Profis auf die Korrektur der vergangenen Woche mit dem Kauf von Call-Optionen reagiert haben, die bei steigenden Kursen an Wert gewinnen.

In den USA zeigt das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse eher eine neutrale Haltung der Anleger an. Die Investitionsquote der US-Fondsmanager bleibt mit 74 Prozent (minus fünf Pro-5%) auf einem moderaten, neutralen Niveau.

Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkten ist auf 55 Prozent zurückgefallen und zeigt eine neutrale Verfassung des Aktienmarktes an. Andere technische Indikatoren für den kurzfristigen Bereich zeigen keine Überhitzung des Marktes mehr an.  „Das Schlimmste dürften wir also bereits hinter uns haben“, meint Heibel.

Auch die Experte der Investment-Beratungsfirma Sentix messen laut der aktuellen Umfrage vom Wochenende einen überraschend deutlichen Stimmungseinbruch. Anleger würden erneut sehr deutlich auf nur moderat fallende Preise reagieren, das zeige eine erhöhte Nervosität. „Andererseits verwundert der gleichzeitige Anstieg im Grundvertrauen. Hier passt also nicht alles zusammen“, meint Sentix.

Eine interessante Prognose für die kommenden Handelstage hat am Mittwoch vergangener Woche Verhaltensökonom Joachim Goldberg aufgestellt. Nach Auswertung der Stimmungsumfrage der Börse Frankfurt kommt er zu dem Schluss: Der Dax befindet sich in gesundem Zustand.

Seine Begründung: Sollte es zu einem kleineren Rücksetzer kommen, würden skeptische Anleger wieder kaufen und das deutsche Börsenbarometer damit stabilisieren.  

„Und sollte der Dax aus irgendwelchen Gründen seiner derzeit überschaubaren Aufwärtsbewegung etwas mehr Momentum verleihen, müssten die Pessimisten von heute dem Markt hinterherrennen und würden so womöglich für einen veritablen ,Short Squeeze‘ sorgen“, erläutert Goldberg.

Mit dem Begriff „Short Squeeze“ ist ein schneller rasanter Kursanstieg gemeint, weil Anleger auf fallende Kurse gesetzt hatten und nun ihre Verluste verringern müssen. Doch was derzeit fehlt, ist der Anlass.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online.

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