Dax-Umfrage „Die Luft ist vorerst raus“

Der Treiber für die deutlichen Kursgewinne während der Trump-Rally hat sich aufgelöst. Anleger sollten in dieser Woche auf drei wichtige Quartalszahlen achten, die die weitere Richtung der Aktienmärkte vorgeben dürften.
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Platter Reifen: Auch an der Börse ist vorerst die Luft raus, es fehlt Treiber für weiter steigende Kurse. Vielleicht helfen positive Quartalszahlen der US-Unternehmen.
Lust ist raus

Platter Reifen: Auch an der Börse ist vorerst die Luft raus, es fehlt Treiber für weiter steigende Kurse. Vielleicht helfen positive Quartalszahlen der US-Unternehmen.

DüsseldorfNoch vor einer Woche war für den Börsenexperten Stephan Heibel klar, dass die „Verschnaufpause an den Aktienmärkten nicht zu lange dauern dürfe, wenn steigende Kurse nachhaltig bleiben sollten“. Der Grund für seine Ansicht: Der Zukunftsoptimismus der Anleger bei der Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung war deutlich angestiegen.

Der Optimismus ist wichtig für Verschnaufpausen, damit sich keine Abwärtsdynamik entwickeln kann. Sollten die Kurse fallen, wird bei einem hohem Zukunftsoptimismus in der Regel frühzeitig gekauft. Eine kurzzeitige Verschnaufpause oder auch eine längerfristige Korrektur endet in solchen Fällen meistens schnell. Dauert die Verschnaufpause zu lange, so dass irgendwann alle optimistischen Anleger gekauft haben, können die Kurse nach unten durchsacken.

In der vergangenen Woche konnte der Dax mit einem Wochenplus von 0,3 Prozent auf 11.629 Punkte nicht aus der Seitwärtsbewegung ausbrechen. Kommt es nun zu fallenden Kursen? Oder wird die Rally fortgesetzt?

Was aus 100.000 Euro wurde
Öl (Brent)
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Der Ölpreis hat dieses Jahr ziemlich Federn lassen müssen. Wer seit Jahresbeginn 100.000 Euro in das „schwärze Gold“ investiert hat, hätte jetzt nur noch 80.010* Euro. Die hohe Überproduktion, auch ausgelöst durch das Fracking in den USA, und Sorgen um eine schwächere Weltkonjunktur ließen den Ölpreis einbrechen.

Quellen: Bloomberg, Bank of America Merrill Lynch, FMH Finanzberatung

*Anlageergebnis in Euro gerundet ohne Steuern und ohne Kosten für Wertpapierkauf und Wertpapierverwahrung. Bei Öl Terminkontrakt,  bei Anleihen und Aktien Indizes.

Dow Jones
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US-Aktien boten dieses Jahr bisher ebenfalls wenig Grund zur Freude. Wer zum Jahresstart 100.000 Euro in den Dow Jones Index gesteckt hätte, würde (wenn er jetzt verkaufen würde) nur noch 92.680 Euro besitzen. Der große Absturz kam vor allem Ende August. Im Vorjahr hatte der Index um rund acht Prozent zugelegt.

Shanghai Composite
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Ebenfalls bergab, wenn auch nicht ganz so stark, ging es für chinesische Aktien. Aus 100.000 Euro, die in den Shanghai Composite investiert wären, wären heute 93.600 Euro geworden. Für Turbulenzen an den chinesischen Börsen sorgten vor allem Konjunkturängste. Anleger befürchten, dass sich die chinesische Wirtschaft deutlich abkühlen könnte. Die Abwertung der chinesischen Währung verstärkte diese Sorgen und sorgte für einen Kursrutsch.

MSCI Emerging Markets
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Die einstigen Hoffnungsträger, die Schwellenländer, enttäuschten bisher auch. Die traumhaften Wachstumsraten sind schon lange vorbei und Investoren zogen ihr Geld aus den Schwellenländern ab. Aus 100.000 Euro im MSCI Emerging Markets wären seit Jahresbeginn 96.980 Euro geworden. Bekannteste Vertreter der Schwellenländer sind die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika). An der Börse Börse in Bombay (Bild) ging es Ende August auch kräftig abwärts.

MSCI World
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Die Aktien der Industrieländer schnitten nur etwas besser ab – ein Plus schafften allerdings auch sie nicht. Wer 100.000 Euro in den MSCI World Index investiert hätte, hätte heute 98.130 Euro.

Deutsche Anleihen
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Fast unverändert ist die Entwicklung bei deutschen Staatsanleihen. Aus 100.000 Euro wurden hier 99.900 Euro. Während Anfang des Jahres die Zinsen 10-jähriger Bundesanleihen deutlich sanken, zogen sie im August rapide an. Vor allem die Unsicherheiten in China und die Turbulenzen an der Börse trieben die Anleger wieder in Anleihen.

Tagesgeld
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Das erste Plus in dieser Aufzählung, wenn auch nur ein kleines, schafft das Tagesgeld (Durchschnitt). Wer 100.000 Euro zum Jahresbeginn auf ein Tagesgeldkonto eingezahlt hätte, der würde heute über 100.400 Euro verfügen.

Das aktuelle Umfrageergebnis zeigt: Die Euphorie der Vorwochen nimmt wieder ab. Nur noch gut jeder Fünfte (minus fünf Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) sieht in der aktuellen Dax-Entwicklung einen Aufwärtsimpuls. Hingegen fürchtet die gleiche Zahl eine Topbildung. Die meisten tummeln sich im Lager der Neutralen, die Zahl der Antworten, die eine Seitwärtsbewegung andeuten, steigt um vier Prozentpunkte auf 47 Prozent.

Die Seitwärtsbewegung dieser Woche zehrte jedoch an den Nerven der Anleger. Nur noch zwölf Prozent (minus drei Prozentpunkte) haben auf diese Entwicklung spekuliert. 55 Prozent (minus fünf Prozentpunkte) fühlen sich zum größten Teil bestätigt. Mit 27 Prozent (plus sieben Prozentpunkte) gibt es nun jedoch wieder deutlich mehr Anleger, die latent unzufrieden sind (Erwartung kaum erfüllt). Nur noch sechs Prozent wurden völlig überrascht.

Diese „Grauen Schwäne“ bedrohen die Rally
Seltene Vögel
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„Schwarze Schwäne“ sind das Symbol für seltene Ereignisse mit großer Wirkung. Da sie aber per Definition nicht vorhersehbar sind, haben sich die Experten der japanischen Investmentbank Nomura auf die Suche nach „grauen Schwänen“ gemacht – unwahrscheinliche, aber nicht unmögliche Ereignisse, die aber ebenfalls großen Einfluss auf die Finanzmärkte haben könnten. „Das macht auch Sinn, denn die zehn Szenarien sind zwar größtenteils nicht eingepreist, aber doch nicht ganz unwahrscheinlich“, sagt Christian W. Roehl, Finanzmarktspezialist und Gründer der Plattform Dividendenadel. „Alle Nomura-Szenarien sind plausibel begründet.“ Und nachdem das Jahr 2016 gezeigt habe, dass prinzipiell alles möglich sei, würde er keines dieser Szenarien als unrealistisch bezeichnen.

Schwan 1: Produktivität in den USA steigt unerwartet
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Seit Jahren ist die US-Produktivität „anämisch“, sogar rückläufig und die Experten von Nomura gehen auch davon aus, dass das so bleibt. So wie die meisten Fachleute. Doch was, wenn diese Annahme falsch ist? Das wäre laut Nomura auf jeden Fall ein „grauer Schwan“, und zwar einer, der die Märkte positiv überraschen würde. Die Kurse würden wohl steigen. Doch wo könnte das Produktivitätswachstum herkommen? Laut Nomura-Experten trauen den vergleichsweise hohen Investitionen in die Ausbildung sowie in Forschung und Entwicklung den Auslöser für eine solche überraschende Trendwende zu.

Schwan 2: China gibt den Yuan frei
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Der chinesische Yuan unterliegt bekanntlich nicht dem freien Spiel der Märkte. Der Wechselkurs wird von Peking gelenkt. Doch was würde passieren, wenn China von seinem starren Währungsregime ablässt und der Yuan frei floaten könnte? Für Nomura ist das übrigens ein sehr dunkelgrauer Schwan, der zu einem massiven Einbruch des Yuan und einem heftigen Ausverkauf an Chinas Märkten führen würde. Außerdem würde vermutlich viel Kapital aus der Volksrepublik hinaus ins Ausland fließen, was Konsequenzen rund um den Globus hätte.

Schwan 3: Der „Brexit“ fällt aus
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Das „Ja“ der Briten zum EU-Austritt gehört unbestritten zu den bösen Überraschungen im Jahr 2016. Doch was wäre, wenn aus dem „Brexit“ ein „Bremain“ wird, das Vereinigte Königreich also eine Kehrwende vollzieht? Die Nomura-Experten skizzieren zwei denkbare Szenarien: Die Briten rücken vom beschlossenen EU-Austritt ab, weil doch eigentlich die Schotten und Waliser separat über den Brexit abstimmen müssten und ihr „Ja“ eher unwahrscheinlich wäre. Ober aber die EU stimmt die Briten um. Möglich wäre das, so Nomura, wenn sie Großbritannien bei Reformen entgegen kommt, die das Land immer schon gefordert hat. Sollte der „Brexit“ tatsächlich ausfallen, hätte das natürlich Auswirkungen an den Märkten. Nomura sieht vor allem das Pfund deutlich aufwerten.

Schwan 4: Die Inflation in Japan steigt
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Die Inflation in Japan ist seit Jahren homöopathisch niedrig. Für 2017 werden derzeit Teuerungsraten zwischen 0,3 und 0,5 Prozent erwartet. Zuletzt erreichte die Inflation in Japan 2014 ein nennenswertes Niveau, so die Experten. Und das auch nur, weil zu der Zeit in dem Inselstaat die Umsatzsteuer erhöht worden war. Doch wie würden die Märkte reagieren, wenn die Teuerungsrate 2017 überraschend anspringen sollte? Das hätte laut Nomura weitreichende Folgen. Die Bank of Japan wäre wohl gezwungen, einzuschreiten. Eine Möglichkeit wäre es etwa, die Zinsen anzuheben. Die Folgen für den japanischen und auch für die weltweiten Anleihemärkte wären laut Nomura sehr negativ.

Schwan 5: Trump setzt der Fed einen Maulkorb auf
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Die US-Notenbank Fed soll eigentlich unabhängig von der Politik agieren – wie andere Zentralbanken auch. Das könnte sich unter Donald Trump ändern, orakeln die Nomura-Analysten. Der nächste US-Präsident hat die Fed nämlich im Wahlkampf aufs Heftigste kritisiert. Die Zinsen seien zu niedrig, die Fed würde sich in die Politik einmischen und ihre Bilanz ist zu aufgebläht, lauteten seine Vorwürfe. Die Nomura-Analysten haben das Szenario durchgespielt, was passiert, wenn Trump den Druck auf die Fed erhöht. Die Folge könnte ein Wechsel an der Spitze der Fed sein – die Amtszeit von Janet Yellen endet 2018 – und eine Änderung der Zinspolitik. Die Auswirkungen an den Märkten laut Nomura: schneller steigende Leitzinsen, ein stärkerer US-Dollar sowie ein insgesamt höheres Zinsniveau in den USA.

Schwan 6: Russland lässt seine Muskeln spielen
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Bei diesem „grauen Schwan“ ist es Nomura sehr, sehr wichtig zu betonen, dass sie nicht davon ausgehen, dass er uns wirklich begegnen wird: militärisches Eingreifen der Russen in Osteuropa. Ganz ausschließen können sie das aber auch nicht – heftige Turbulenzen an den Märkten inklusive.

Die Erwartung an die Börsenentwicklung in drei Monaten bleibt durchwachsen: 26 Prozent der Anleger (minus drei Prozentpunkte) erwarten weiter steigende Kurse, 31 Prozent (plus sechs Prozentpunkte) fürchten fallende Kurse und 28 Prozent (minus drei Prozentpunkte) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus. „Damit ist die Erwartung leicht negativ, was bei der grundsätzlich optimistischen Einstellung von Anlegern eher selten der Fall ist“, erläutert Heibel.

Anleger stecken Tiefschläge weg
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