Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Dax-Umfrage Die Partystimmung an den Börsen ist vorbei – Anleger sollten den Ausverkauf beobachten

Die Verluste des Dax bedeuten eine Zäsur. Denn zum ersten Mal nach langer Zeit betrachten Anleger niedrigere Notierungen nicht mehr als Kaufgelegenheit.
24.02.2020 - 16:13 Uhr Kommentieren
Anleger betrachten sinkende Kurse nicht länger als Chance. Quelle: dpa
Händler an der Börse Frankfurt

Anleger betrachten sinkende Kurse nicht länger als Chance.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Ist der heutige Montag der Anfang vom Ende der historischen Rally? Oder handelt es sich nur um eine kurze Korrektur, die nach den exorbitanten Kursgewinnen der vergangenen Wochen auch ein wenig heftiger ausfallen könnte?

Eine Antwort auf diese Frage ist auch nach Auswertung der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment nicht einfach zu geben. Denn das große Problem ist: Es fehlt den Anlegern an Optimismus. Nur wenige Anleger glauben, dass der Dax in drei Monaten wieder steigt.

„Ohne Optimismus wird es kaum Käufer geben, die den Ausverkauf frühzeitig auffangen könnten“, erläutert Sentimentexperte Stephan Heibel nach Auswertung der wöchentlichen Handelsblatt-Erhebung unter mehr als 3.500 Anlegern.

Seit dem Spätsommer 2019 ist die Erwartungshaltung der Anleger stets höher gewesen als heute. Das ist auch der Grund, warum Kursrückgänge in diesem Zeitraum lediglich Verschnaufpausen waren. Denn für die Optimisten waren die Kursrückgänge eine Kaufgelegenheit.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Diese Käufe geschahen in den vergangenen Monaten so schnell, dass viele Anleger sogar den Einstieg verpassten. Doch für Heibel gibt es noch eine zweite Möglichkeit, um einen Ausverkauf zu beenden, wenn die Käufer fehlen: Die Verkäufer beenden ihre Verkäufe.

    Grafik

    Das mag trivial klingen. Aber so einfach diese Aussage ist, so schwer ist es, das verlässlich festzustellen. Warum fallen die Kurse? Weil niemand kaufen möchte – oder weil zu viele Verkäufer aktiv sind? Neben dem Sentiment lohnt es sich im Falle einer Bodenbildung, auch das Handelsvolumen zu beobachten.

    Wenn der Boden nicht durch Käufer definiert wird, die langsam wieder in den Markt wollen, dann vielleicht dadurch, dass alle, die sich langfristig nicht sicher mit ihren Aktienpositionen sind, die Reißleine ziehen. Es käme dann zu einem Crescendo, bis niemand mehr verkaufen möchte. Anschließend würden die Aktienmärkte bei sehr geringem Handelsvolumen langsam zu steigen beginnen.

    Es gibt noch eine dritte Möglichkeit: Es wird kein Boden gefunden, der Ausverkauf stürzt die Finanzmärkte in eine Krise. „Dafür wäre eine Systemkrise nötig, die sehe ich derzeit aber noch nicht“, meint der Sentimentexperte. Sein Rat: Anleger sollten die weitere Entwicklung des aktuellen Ausverkaufs genau beobachten, um frühzeitig zu erkennen, wann Aktien wieder eingesammelt werden können. Das könne Tage oder Wochen dauern.

    Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment stehen – vereinfacht formuliert – zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten.


    In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
    Angaben in Prozent


    Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken. Für seine Prognose, wie sich der deutsche Leitindex in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte, wertet Heibel zusätzlich weitere Indikatoren aus.

    Wie die regelmäßigen Leser der Sentiment-Auswertung wissen, kam der Ausverkauf am deutschen Aktienmarkt nicht überraschend. Bereits in den vergangenen beiden Wochen hatte Heibel gewarnt. „Die Freude über den jüngsten Kursanstieg, gepaart mit der freudigen Überraschung, mit der Anleger diese Kursgewinne in ihren Portfolios wahrnehmen, spricht dafür, dass bei erster Gelegenheit Gewinne mitgenommen werden“, sagte er vor zwei Wochen. Und am vergangenen Montag empfahl er, Gewinne in vereinzelten Positionen mit (imaginären) Stop-Loss-Marken abzusichern. „Die Warnsignale für ein Ende der Dax-Rally mehren sich“, lautete die Überschrift vor einer Woche.


    Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
    Angaben in Prozent


    „Irgendwann geht die Party zu Ende, und zwar meist genau dann, wenn’s am schönsten ist“, meint der Geschäftsführer des Analysehauses Animusx.

    Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage im Detail: Die Stimmung unter den Teilnehmern an der Umfrage Dax-Sentiment ist deutlich gefallen. Von einer Euphorie in den vergangenen Wochen ist dieser Wert direkt in den neutralen Bereich gefallen. „Die Party ist vorbei“, meint Heibel. Zwar ist von Katerstimmung noch nicht viel zu sehen. Aber die Abstimmung erfolgte am vergangenen Freitag sowie am Wochenende. Zu dieser Zeit notierte der deutsche Leitindex noch knapp unter seinem Allzeithoch. Erst am heutigen Montag verlor der Dax deutlich.

    Allerdings machte sich bereits vorher Verunsicherung unter den Anlegern breit. Die Selbstgefälligkeit der Vorwoche, die aufgrund der Rekordstände jedem Spekulanten ein Lächeln ins Gesicht zauberte, hat sich als trügerisch entpuppt.

    Und anders als bei den vorhergehenden Rückschlägen sinkt dieses Mal auch die Zuversicht. Im Rahmen der Rally wurden zuvor Rückschläge am Aktienmarkt begrüßt und als Kaufgelegenheit interpretiert. Denn das Beste stand ja noch bevor, so die damalige Hoffnung. Die ist heute verflogen, mit fallenden Kursen sinkt der Optimismus. Mit einem Wert von minus 1,9 haben die Pessimisten Oberwasser.


    Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten?
    Angaben in Prozent


    Entsprechend möchte auch kaum jemand mehr neue Positionen eingehen. Die Investitionsbereitschaft ist mit einem Wert von ebenfalls minus 1,9 so gering wie seit dem Sommer 2017 nicht mehr. Seinerzeit befand sich Hamburg aufgrund eines chaotischen G20-Gipfels im Ausnahmezustand. Der Dax hatte auch damals kurz zuvor ein neues Allzeithoch erreicht. Anschließend wurde ebenfalls das Ende der Rally ausgerufen. Die Korrektur fand allerdings nach einem Dax-Minus von sieben Prozent bereits ein Ende.

    Das Euwax-Sentiment der Privatanleger, das von der Börse Stuttgart berechnet wird, ist weiter abgetaucht. Mit einem Wert von minus 7,5 nähert sich dieser Indikator allmählich extremen Werten. Die Schlussfolgerung des aktuellen Euwax-Sentiments: Privatanleger kaufen derzeit lieber Put-Absicherungen, als dass sie auf weiter steigende Kurse spekulieren.

    Profis, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, sind deutlich mutiger: Das Put/Call-Verhältnis zeigt mit einem Wert von 0,8 deutlich mehr Interesse an Calls, also an Spekulationen auf steigende Kurse. Ganz ähnlich sieht es auch in den USA aus, das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE steht bei ebenfalls 0,8.


    Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
    Angaben in Prozent


    US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote auf 88 Prozent belassen, und die US-Privatanleger zeigen sich mit einer Bullenquote von 11,9 Prozent optimistisch. „In den USA scheint man noch nicht das Ende der Rally erkennen zu wollen“, so Heibel.

    Zumal die technischen Voraussetzungen für eine Fortsetzung der Rally nach der abgelaufenen Konsolidierungswoche wieder gegeben sind. Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte steht bei 44, zeigt also weiterhin eine neutrale Verfassung an. Kurzfristige technische Indikatoren notieren ebenfalls im neutralen Bereich.

    Mehr: Verfolgen Sie das aktuelle Marktgeschehen im Handelsblatt Dax-Bericht.

    Startseite
    Mehr zu: Dax-Umfrage - Die Partystimmung an den Börsen ist vorbei – Anleger sollten den Ausverkauf beobachten
    0 Kommentare zu "Dax-Umfrage: Die Partystimmung an den Börsen ist vorbei – Anleger sollten den Ausverkauf beobachten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%