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Handelsraum der Frankfurter Börse

Starker Stimmungsumschwung.

(Foto: dpa)

Dax-Umfrage Die Rally hat aus zwei Gründen nur noch wenig Potenzial

Seit Jahresanfang ist der Dax um fast 18 Prozent gestiegen. Doch nun sollten sich Anleger auf ein Ende der Kurssteigerungen vorbereiten.
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DüsseldorfDeutsche Anleger glauben nicht an weitere Kursgewinne beim deutschen Leitindex. Das zeigt die Auswertung der aktuellen Handelsblattumfrage Dax-Sentiment unter mehr als 3500 Investoren vom Wochenende.

Seit Jahresanfang ist der Leitindex um rund 18 Prozent gestiegen und hat allein in der vergangenen Woche 1,5 Prozent zugelegt. Doch mittlerweile glaubt nur noch jeder dritte Investor, dass die Frankfurter Benchmark seine Aufwärtsbewegung ist – ein Minus von neun Prozentpunkten gegenüber der Vorwoche.

„Die Stimmung unter den Anlegern ist weiterhin gut, aber Skepsis über weitere Kursanstiege kommt auf“, fasst Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, die aktuelle Lage zusammen. „Trotz der inzwischen vier Monate anhaltenden Rally ist keine Euphorie zu erkennen“.

Das ist eher ein gutes Zeichen – denn Euphorie ist laut Sentimentanalyse ein Kontraindikator. Die Idee dahinter: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben können.

Und dennoch ist Heibel der Ansicht: „Es ist nicht mehr der Zeitpunkt, große Positionen auf steigende Kurse einzugehen. Anleger sollten sich langsam auf ein mögliches Ende der Rally oder zumindest auf eine längere Seitwärtsphase vorbereiten.“

Grafik

Zwei Gründe spielen dabei eine wichtige Rolle, vor allem der Fünf-Wochen-Durchschnitt des Dax-Sentiments (siehe Grafik). Dieser bislang sehr treffsichere Indikator hat inzwischen ein relativ hohes Niveau erreicht und notiert nur noch knapp unterhalb seines Extremwerts von 20 Prozent. Werte oberhalb dieser Marke haben seit Beginn der Umfrage im September 2014 stets eine Trendwende eingeleitet.

Zuletzt erreichte dieser Durchschnitt Anfang November 2017 mit 24,8 Prozent einen Extremwert. Das deutsche Börsenbarometer lag damals bei 13.464 Zählern und rutschte danach leicht ab. In nur etwa 16 Monaten war der Leitindex damals um mehr als 42 Prozent auf ein damaliges Allzeithoch bei über 13.500 Punkten nach oben geklettert.

Zwar stieg das deutsche Auswahlbarometer Anfang 2018 noch knapp 100 Punkte weiter und erreichte mit 13.596 Zählern ein Rekordhoch. Doch rückwirkend erfolgte nach dem extremen Wert des Dax-Sentiment-Durchschnitts eine fast einjährige Baisse, die schließlich er mit einem Stand von 10.279 Punkten Ende Dezember des vergangenen Jahres endete.

„Während die kurzfristig messbare Skepsis dem Dax noch ein wenig weiter Auftrieb geben kann, zeigt der etwas längerfristig orientierte Fünf-Wochen-Durchschnitt an: Die Rally hat nach vier Monaten nur noch wenig Potenzial nach oben“, erläutert Heibel. Zumal auch aus charttechnischer Sicht der Bereich von 12.500 Punkten interessant sei.

Der zweite Grund: In den USA herrscht bereits euphorische Stimmung. Denn nach dem kräftigen Rücksetzer in der vergangenen Woche,

als das US-Auswahlbarometer S&P 500 am Mittwoch deutlich abrutschte, sind die Anleger nun überzeugt: Der Markt ist weiterhin in einer gesunden Verfassung, die Rally wird weiterlaufen. „Dort erwarten deutlich mehr Anleger steigende Kurse. Das macht die Lage gefährlicher“, meint Börsenexperte Heibel.

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Die aktuellen Umfrageergebnisse zeigen im Detail: Nur noch 34 Prozent (minus neun Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) der Umfrageteilnehmer gehen derzeit davon aus, dass sich der Dax in einer Aufwärtsbewegung befindet. 28 Prozent (plus vier Prozentpunkte) hingegen sehen die Rally für beendet an und gehen von einer Topbildung aus. Jeder Dritte (plus sechs Prozentpunkte) geht von einer Seitwärtsbewegung aus.

Immerhin noch 58 Prozent (minus ein Prozentpunkt) geben an, vor einer Woche diese Entwicklung so zum größten Teil erwartet zu haben, weitere zwölf Prozent (minus sechs Prozentpunkte) wollen sogar drauf spekuliert haben. Hingegen sieht fast jeder Vierte (24 Prozent, plus sieben Prozentpunkte) seine Erwartungen kaum erfüllt. Unverändert sechs Prozent der Anleger wurden auf dem falschen Fuß erwischt.

Für den Leitindex in drei Monaten erwarten nur 18 Prozent (plus ein Prozentpunkt) weiter steigende Kurse, mit 37 Prozent (minus drei Prozentpunkte) gehen die meisten von einer Seitwärtsbewegung aus. Aber auch ein Abwärtsimpuls wird von unverändert 31 Prozent für möglich gehalten. Wer in der aktuellen Bewegung bereits eine Topbildung sieht, der geht entsprechend kaum von weiter steigenden Kursen in drei Monaten aus.

Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
Angaben in Prozent

Die Investitionsbereitschaft nimmt ab: Nur noch 17 Prozent (minus vier Prozentpunkte) wollen in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, 22 Prozent (minus vier Prozentpunkte) wollen Positionen verkleinern. Mit 61 Prozent (plus sieben Prozentpunkte) steigt wieder die Zahl derer, die derzeit noch nicht wissen, wie sie sich verhalten werden.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger notiert mit minus 9,3 auf einem extrem niedrigen Niveau. Dieser Indikator der Börse Stuttgart, der anhand realer Käufe mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet wird, bedeutet: Privatanleger erwarten fallende Kurse, sie haben sich entsprechend stark mit Put-Produkten gegen fallende Kurse abgesichert.

Auch die Profis, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, haben ihre Short-Positionen hochgefahren, die bei fallenden Kursen an Wert gewinnen. Denn das Put/Call-Verhältnis zeigt mit einem Wert von 2,0 deutlich mehr Put-Transaktionen auf als im Durchschnitt der vergangenen Monate.

In den USA ist das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE auf einem neutralen Niveau. US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote von 90 Prozent nahezu unverändert belassen.

US-Privatanleger haben mit einer Quote von 17 Prozent eine ziemlich bullische Einstellung. Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte steht bei 60 Prozent und damit in einem moderat gierigen Bereich.

Für die Experten der Investment-Beratungsfirma Sentix beurteilen die Stimmung am Aktienmarkt als neutral. Dies sei bemerkenswert, da die einzelnen Aktienindizes neue Jahreshochs markieren und keine Euphorie ausbrechen will. Parallel würden die Anleger über eine Frist von sechs Monaten langsam Zuversicht entwickeln, ihre strategischen Vorbehalte abzustreifen. „Die Pattsituation im Bullen- und Bärencamp beginnt sich aufzulösen“, heißt es nach Auswertung der aktuellen Sentiment-Umfrage vom Wochenende.

Zur Erläuterung: Hinter der Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online.

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