Dax-Umfrage Die Rally ist noch nicht vorbei

Der Dax erklimmt immer neue Höhen, doch von Euphorie keine Spur. Anleger werden vorsichtiger, zu viele Krisen könnten jederzeit eskalieren. Warum die Rally trotz dieser Skepsis nicht vorbei ist. Eine exklusive Analyse.
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Das Handelsblatt-Dax-Sentiment ist eine Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anlegern. Quelle: Getty Images
Dax-Umfrage

Das Handelsblatt-Dax-Sentiment ist eine Umfrage zur Börsenstimmung unter mehr als 2300 Anlegern.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfDie Januar-Bilanz kann sich sehen lassen: Mehr als neun Prozent legte der Deutsche Aktienindex in den ersten Wochen des neuen Jahres zu. Die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) ist mit immer neuen Dax-Rekorden ausreichend bejubelt worden. In der abgelaufenen Woche hatte der Dax bei 10.810 Punkten ein frisches Allzeithoch markiert.

Trotz dieser neuen Bestmarke hat der Dax in der vergangenen Woche aber nicht einmal ein halbes Prozent zugelegt. Eine Seitwärtsbewegung, die Stephan Heibel vom Analysehaus Animusx nicht überrascht hat. Nach Auswertung der Handelsblatt Dax-Umfrage, hatte er vorerst das Ende der Rally ausgerufen. Mit starken Rücksetzern hatte er allerdings nicht gerechnet, sondern eine moderate Konsolidierung erwartet. „Bröckelnde Kurse sollten sehr früh bereits wieder gekauft werden und so eine stärkere Korrektur verhindern“, sagte er.

Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?

in Prozent


Allerdings hatte er vor einer „gefährlichen Selbstüberschätzung“ der Anleger gewarnt. Doch die, so Heibel, sei in der aktuellen Umfrage verflogen. Animusx befragt Woche für Woche gemeinsam mit dem Handelsblatt Börsianer zu ihrer Markteinschätzung. Aus der Stimmung der Anleger – im Börsendeutsch Sentiment genannt – leitet Heibel ab, wie sich die Märkte in der kommenden Woche und danach entwickeln werden.

Zuletzt habe sich die Stimmung „sehr konstruktiv entwickelt“, sagt der Experte. Jeder Dritte Umfrageteilnehmer sieht seine Erwartung für den Dax voll und ganz bestätigt. Das sind immerhin 13 Prozent weniger als in der Vorwoche. Von Selbstüberschätzung keine Spur mehr. Stattdessen sind immerhin 27 Prozent der Teilnehmer von der Seitwärtsbewegung überrascht worden.

Für den Sentiment-Experten ist das ein gutes Zeichen. „Nach wie vor gibt es kaum Euphorie unter den Anlegern – und das trotz EZB-Liquiditätsflutung und guten Konjunkturdaten aus Deutschland“, sagt er. „Zu viele Krisenherde könnten jederzeit eskalieren, und entsprechend vorsichtig agieren Anleger.“

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?

in Prozent


Experten warnten zuletzt, die Luft am deutschen Aktienmarkt könnte in der neuen Börsenwoche erst einmal raus sein. „Jetzt könnte erst einmal die Kraft für größere Sprünge nach oben fehlen“, sagte ein Börsianer. Seit dem EZB-Beschluss zum Ankauf von Staatsanleihen vor anderthalb Wochen hat der Leitindex rund vier Prozent zugelegt. „Nun könnten wieder negative Faktoren wie die Leitzinswende der Fed, das sich abschwächende Wachstum in China, die Krise in Russland und die Warnstreiks in der deutschen Industrie in den Blickpunkt der Investoren rücken“, sagt Commerzbank-Stratege Andreas Hürkamp.

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5 Kommentare zu "Dax-Umfrage: Die Rally ist noch nicht vorbei"

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  • 60 % der Anleger sind Ausländer.Diese wurden nicht befragt.Es ist müssig zu diskutieren,wo der Index in der Zukunft steht.Die Spanne geht von 10000-15000 je nach Analyst.

  • "und das trotz EZB-Liquiditätsflutung" Ich frage mich, warum, mit Verlaub, dieserMist immer und immer wieder behauptet wird. Liebes HB, es ist noch kein Cent geflossen. Von welcher Überflutung ist hier also die Rede? Sollten nicht die ersten Käufe erst im März beginnen, oder liege ich da falsch?

  • ...Zur Vorwurf, die Rallye sei "nur" liquiditätsgetrieben: Na und? Es gab noch keinen Börsenaufschwung, der auf einer gesunden Wirtschaft fußte. Im Gegenteil, die Börse haussierte immer zuerst, dann gesundete langsam die Wirtschaft. Ob durch einen Verband wir der Liquiditätsflutung, oder ob durch eine OP wie harte Umstrukturierungen ist da nur sekundär wichtig. Ich kann die Kritik also leider nicht nachvollziehen. Gruß, Stephan Heibel

  • Den Baltic Dry Index bespreche ich in meinem Heibel-Ticker Börsenbrief Woche für Woche. Es ist tatsächlich noch immer so, das viele Schüttgut-Frachtschiffe (der Baltic Dry Index misst die Tagesraten für Schüttgut und nichts anderes) heute noch halb leer über die Weltmeere segeln. Ein Schiff zu bauen dauert viele Jahre, die Überkapazitäten abzubauen dauert noch länger. Nach einer Jahrhundert-Hausse braucht es halt ein wenig länger.

  • An dieser Meldung sieht man wieder wunderschön, dass Realitätsverleugnung ZEITLOS ist.
    "Die optimistische Stimmung hält weiter an, und in Wallstreet wird allerorts der Überzeugung Ausdruck gegeben, daß die schwere Börsenkrise nunmehr definitiv überwunden sei und man nunmehr mit einer Hausseperiode rechnen könne."
    Das ist eine Zeitungsmeldung vom 16.11.1929, also bereits NACH dem Schwarzen Freitag, der eigentlich ein Schwarzer Donnerstag war. Sie wissen vermutlich, was danach folgte...
    Heute wird wiederum auf dem Oberdeck der Welt-Titanic noch wilde (rein liquiditätsgetriebene) Party gemacht, während der Weltwirtschafts-Dampfer schon gewaltig am Absaufen ist. Eigentlich nicht nur am Absaufen - er lotet bereits tiefste Unterssegräben aus, denn am heutigen Tag ist der Baltic Dry Index zum ersten Mal seit 1986 unter die 600 Punkte gefallen:
    http://www.dryships.com/pages/report.php
    Zum Vergleich der Vor-Lehman-Höchsstand von 2008: 11793 Punkte
    Seit dem Lehman-Crash hat sich der BDI (als einer der wichtigsten Frühindikatoren des Welthandels überhaupt) nie mehr richtig erholt. Aber auch hier wurde selbstverständig Realitätsverleugnung betrieben - etwa, dass man gewaltige Überkapazitäten bei den Frachtschiffen, die erst abgenbaut werden müssen, ja auch berücksüchtigen müsse. Diese Leier war aber auch bereits 2011 und 2012 zu lesen gewesen.
    Leute, es hilft also nichts, verschließt euch nicht länger der Wirklichkeit und macht die Augen auf: die Weltwirtschaft bricht brutal ein, und die Liquiditätsschwemmen der ZB´s generieren zwar monströse Blasen, aber KEINEN Wirtschatsaufschwung.
    Und eine rein liquiditätsgetriebene Börsenhausse, bei immer schlechteren wirtschaftlichen Fundamentaldaten, steht - mit Verlaub - auf absolut tönernen Füßen...

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