Dax-Umfrage „Die Zeit spielt gegen die Optimisten“

Der Dax bleibt oberhalb von 12.000 Punkten, nicht weit vom Allzeithoch entfernt. Doch die Anleger sind extrem pessimistisch und fürchten einen deutlichen Ausverkauf. Diese Diskrepanz dürfte sich bald auflösen.
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Gier und Panik? Wann Emotionen die Kurse bewegen

DüsseldorfAm vergangenen Montag wagte Börsenexperte Stephan Heibel die Vorhersage: „Ich erwarte nicht mehr, dass der Dax in den kommenden Tagen unter die Marke von 12.000 Punkten rutscht. „Und wenn ja, dann wäre es eine Kaufgelegenheit.“ Doch zu dieser Kaufgelegenheit kam es nicht, der Dax legte zwar in der vergangenen Handelswoche eine Verschnaufpause ein, blieb aber oberhalb dieser Marke.

Woche für Woche prognostiziert Heibel, wie der Dax sich in den kommenden Handelstagen entwickeln dürfte. Basis dafür ist die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 2400 Anlegern. Der Inhaber des Analysehauses Animusx betrachtet die Ergebnisse der Erhebung über die aktuelle und die künftige Börsenentwicklung vor allem als Kontraindikatoren. Vereinfacht gesagt: Sind Anleger beispielsweise zu pessimistisch, ist das eher ein Indiz für bald steigende Kurse. Weil dann viele ihre Aktien bereits verkauft haben und neue Käufe schnell zu höheren Kursen führen.

Das aktuelle Umfrageergebnis zeigt: Schon die kleine Verschnaufpause in der Vorwoche hat zu einem heftigen Stimmungseinbruch gesorgt. Das Minus von ein Prozent im Dax mit einem Schlussstand am Freitag bei 12.109 Punkten hat jegliche gute Laune beendet. Knapp zwei Drittel der Umfrageteilnehmer betrachtet den deutschen Leitindex nun niedergeschlagen in einer Seitwärtsbewegung (plus sieben Prozentpunkte auf 41 Prozent gegenüber der Vorwoche) oder bereits in einem Abwärtsimpuls (plus zwölf Prozentpunkte auf 22 Prozent). 23 Prozent (minus neun Prozentpunkte) gehen von einer Topbildung aus. Damit ist die Stimmung unter den Anlegern deutlich ins Minus gerutscht.

Diesen leichten Rückschlag im Dax haben 45 Prozent (minus acht Prozentpunkte) so zum größten Teil erwartet, neun Prozent (minus drei Prozentpunkte) haben sogar darauf spekuliert. Kaum erfüllt haben sich hingegen die Erwartungen für 36 Prozent der Umfrageteilnehmer (plus elf Prozentpunkte), jeder Zehnte (unverändert) wurde sogar auf dem falschen Fuß erwischt. Die Selbstzufriedenheit der Anleger war schon vor einer Woche ins Minus gerutscht, nun zeigt der große Zuwachs derer, die ihre Erwartungen „kaum erfüllt“ sehen, weitere Kratzer am Selbstbewusstsein der Anleger.

Die größten Anlegerfehler
Privatanleger machen vermeidbare Fehler
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Eine Studie der Wirtschaftsprofessoren Andreas Hackethal und Steffen Meyer für das Magazin „Finanztest“ hat knapp 40.000 Wertpapierdepots von Direktbankkunden im Zeitraum von 2005 bis 2015 ausgewertet.

Das Ergebnis zeigt, dass die Anleger weit hinter den Wertzuwächsen des Gesamtmarktes liegen. Während eine Rendite von jährlich 8,7 Prozent realistisch gewesen wäre, kommen die Anleger nur auf einen Wertzuwachs von 3,1 Prozent. Mangelnde Finanzkenntnisse müssen nicht die Ursache sein. Zu Einbußen führen meist kurzfristiges Denken, Gier und Aktionismus. Die vier gängigsten Fehler sind leicht zu beheben. Wir stellen sie vor – und entsprechende Gegenstrategien.

Das Bild zeigt die Börse von Abu Dhabi. Hier handeln Privatanleger mit größeren Beträgen als in Deutschland.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
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Befund Sie ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Geldanlage – dennoch vernachlässigen sie viele Anleger: die Risikostreuung. Wie die Studie zeigt, streuen Anleger ihre Wertpapiere zu wenig; die Aktienkonzentration ist höher als noch vor zehn Jahren. Eines der untersuchten Depots beinhaltet heute im Schnitt zwölf Aktien.

In Santiago de Chile bedient ein Mitarbeiter der chilenischen Zentralbank eine Sicherheitstür.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
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Folgen Zwischen der Streuung und dem Chance-Risiko-Verhältnis besteht laut den Autoren ein klarer Zusammenhang. Selbst die relativ breit aufgefächerten Depots reichen nicht entfernt an das Verhältnis des Weltaktienindexes MSCI World heran.

In manchen Depots befindet sich nur eine einzige Aktie. Wenn diese auch noch ein spekulativer Titel ist, unterliegt das Depot enormen Kursschwankungen.

Am 24. Oktober 1929, dem „Schwarzen Donnerstag“ kommen Menschen vor der New York Stock Exchange zusammen.

Fehler 1: Mangelnde Streuung
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Gegenmittel Es ist leicht, ein breit gestreutes Depot aufzubauen: durch börsengehandelte Indexfonds (ETF). Sie beteiligen Anleger, je nach Art, an 1600 bis 2500 internationalen Aktien. Für Staatsanleihen gibt es ebenfalls ETFs.

Bestehende Depots umzubauen, ist nicht nicht ganz einfach. Anleger sollten sich von Verlustpositionen trennen. Ein Papier erst zu verkaufen, wenn es seinen einstigen Kaufpreis erreicht hat, ist irrational. Es sollten triftige Gründe für eine zu erwartende Wertsteigerung vorliegen.

Ein chinesischer Investor analysiert im August 2015 eine Kurstafel.

Fehler 2: Aktien-Picken
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Befund Der Fehler erinnert an das Muster von Sportwetten: Unerfreuliche Ergebnisse werden ausgeblendet, Erfolgserlebnisse übermäßig hochgehalten. Anleger sollten aber ausschließlich die langfristige Entwicklung des Gesamtdepots im Blick haben.

Oft suchen sie ihr Heil in einer Kombination aus Einzelaktien: Im Falle eines Missgriffs ist es eine beliebte Methode, die Position aufzustocken, um den durchschnittlichen Einstandspreis zu senken und von der erwarteten Erholung zu profitieren. Das kann jedoch auch weiteres Unheil anrichten: Das sogenannte Klumpenrisiko, eine Übergewichtung einzelner Anlagen im Depot, steigt. Private Anleger haben gegenüber Profis hier offenbar schlechtere Karten.

Das Foto vom 20. Oktober 1987 zeigt Händler in der Frankfurter Börse. Am 19. Oktober 1987 erlebte die Wall Street einen ihrer schwärzesten Tage.

Fehler 2: Aktien-Picken
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Folgen Vom Aktien-Picken betroffene Depots bringen nur 3,1 Prozent Rendite. Mit einer Indexmischung, die die durchschnittliche Vermögensaufteilung der Anleger widerspiegelt, hätten sie dagegen 8,7 Prozent erzielt.

Jeder fünfte Deutsche legt sein Geld in Fonds an. Diese werden von Fondsmanagern verwaltet, die das eingesammelte Geld in Aktien, Obligationen, Immobilien und andere Wertpapiere anlegen.

Fehler 2: Aktien-Picken
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Gegenmittel Aktien- und Renten-ETFs sind auch hier ein probates Mittel. Passionierte Zocker von einer solchen Strategie zu überzeugen, fällt manchmal schwer. Wer unbedingt eigenhändig zusammenstellen will, sollte zwingend auf eine möglichst gleichmäßige Verteilung auf die wichtigsten Branchen achten.

Die USA gelten als Nation der Aktienbesitzer.

Die offensichtliche Überraschung im Gesicht vieler Anleger passt nun nicht gerade zur ansteigenden Zuversicht: Jeder Fünfte (plus sechs Prozentpunkte) erwarten für den Dax in drei Monaten steigende Kurse. Doch nach wie vor gehen die meisten Anleger von einem Abwärtsimpuls im Dax in drei Monaten aus (plus ein Prozentpunkte auf 39 Prozent) während nur noch 28 Prozent (minus sechs Prozentpunkte) eine Seitwärtsbewegung erwarten. Der Pessimismus, der in den vergangenen zwei Wochen auf Rekordniveau notierte, ist diese Woche etwas verflogen, verbleibt aber mit minus 2,2 Prozent auf einem hohen Niveau.

Weiterhin 15 Prozent der Anleger wollen in den kommenden zwei Wochen nachkaufen, 23 Prozent (plus drei Prozentpunkte) wollen verkaufen. Weiterhin zwei von drei Anlegern wollen vorerst an der Seitenlinie bleiben. Die Investitionsbereitschaft ist damit weiterhin sehr gering.

US-Anleger werden langsam ängstlich
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