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Dax-Umfrage Euphorie unter Anlegern – Aktienrally könnte bis ins neue Jahr gehen

Privatanleger haben auf steigende Kurse gesetzt. Nach Johnsons Wahlsieg und der Teileinigung im Handelsstreit zahlt sich das aus. Das führt zu einer ungewöhnlichen Situation.
16.12.2019 - 15:42 Uhr Kommentieren
Die Aussichten für weitere Dax-Kursgewinne sind sehr gut. Quelle: AP
Bulle vor der Frankfurter Börse

Die Aussichten für weitere Dax-Kursgewinne sind sehr gut.

(Foto: AP)

Düsseldorf Die Risikobereitschaft der Privatanleger scheint sich auszuzahlen. Schon vor dem Wahlsieg von Boris Johnson in Großbritannien und der Teileinigung im Handelsstreit zwischen den USA und China waren sie stark investiert und setzten auf steigende Kurse. Jetzt sind die Unsicherheiten der vergangenen Wochen weggefallen und die privaten Anleger besser positioniert als die institutionellen – eine ungewöhnliche Situation.

Sentimentexperte Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, folgert daraus: „Institutionelle Anleger müssen nun aktiv werden, um zum Jahresende nicht mit zu großen Barpositionen erwischt zu werden.“ Die aktuelle Rally könne sich dadurch bis Weihnachten verlängern – vielleicht sogar bis ins neue Jahr.

Bei den Anlegern sorgt das für Partystimmung. So stellt Heibel nach Auswertung der wöchentlichen Handelsblattumfrage Dax-Sentiment unter mehr als 3500 Anlegern und weiterer Indikatoren fest: „Unsere Umfrageteilnehmer sind in Feierlaune, die Champagnerkorken knallen.“ Das Sentiment ist binnen einer Woche von 0,9 Prozent auf 4,1 Prozent gesprungen – das liegt im Bereich der Euphorie.

Für manche Beobachter ist gar ein Rekordhoch beim Dax nur noch eine Frage der Zeit. Schließlich zählen die letzten beiden Dezemberwochen rein statistisch zu den erfolgreichsten des Jahres, wie eine Analyse der DZ-Bank für den Dax und den amerikanischen S&P 500 seit 1960 zeigt. Aktuell ist der deutsche Leitindex noch gut 1,5 Prozent von seinem Rekordhoch entfernt.

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    Normalerweise gilt Euphorie als Warnsignal. Die meisten Anleger sind bereits investiert, dadurch fehlt die neue Nachfrage. In diesem Fall ist Situation anders, weil viele institutionelle Anleger ihre Gewinne bereits realisiert haben und die Positionen bis zum Jahresende halten oder etwas ausbauen dürften.

    Eine Rally könnte deshalb vor allem von institutionellen Investoren getrieben werden, die sich jetzt für das neue Jahr positionieren und auf steigende Kurse wetten. Diese hatten sich lange Zeit mit Investments zurückgehalten. Jetzt ist aber das Put-Call-Verhältnis, also das Verhältnis von gehandelten Verkaufsoptionen zu Kaufoptionen, deutlich zurückgegangen.

    Grafik

    „Das signalisiert zurückgehende Absicherungskäufe und zunehmende Wetten auf steigende Kurse“, erklärt Heibel. Das Euwax-Sentiment der Privatanleger signalisiert bereits seit der vergangenen Woche Spekulationen auf steigende Kurse.

    Für den Stimmungsaufschwung gibt es drei Auslöser: Der klare Sieg von Boris Johnson bei der britischen Parlamentswahl erhöht die Chancen auf einen geregelten Brexit, die USA und China haben sich auf einen vorläufigen Burgfrieden im Handelsstreit geeinigt und die EZB behält ihre ultralockere Geldpolitik in der Euro-Zone bei. Damit sind alle positiven Nachrichten eingetroffen, die Heibel vor Wochenfrist als Voraussetzung für eine Rally ausgemacht hatte.

    In dieser Woche gibt Heibel zwar zu bedenken, dass institutionelle Anleger einige Gewinne bei Positionen mitnehmen könnten, die durch die jüngsten Ereignisse profitiert haben. So liefen zuletzt defensive Aktien aus den Sektoren Immobilien und Gesundheit gut. „Aber Gewinnmitnahmen dürften den Aktienmarkt derzeit nicht drücken, vielmehr sollte der neue Zukunftsoptimismus für eine weiterhin gute Börsenstimmung sorgen“, sagt Heibel.

    Die Verunsicherung der Anleger aus der Vorwoche ist wieder verschwunden. Zwar hatten viele von ihnen die Entwicklungen in Großbritannien und im Handelsstreit ebenso wie die anhaltende Liquiditätsflut durch die Notenbanken erwartet. „Doch die Gewissheit über diese Entwicklungen setzt neuen Optimismus frei, die Erwartungshaltung der Anleger springt an“, sagt Heibel.


    In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
    Angaben in Prozent


    Während in den vergangenen zwei Monaten meistens die Pessimisten die Oberhand hatten, setzen sich in dieser Woche die Optimisten durch. Insgesamt 68 Prozent der Befragten beobachten auf den Märkten aktuell einen Aufwärtsimpuls oder eine Topbildung – 26 Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche.

    Einen Abwärtsimpuls sehen nur noch drei Prozent (minus acht Prozentpunkte) und eine Bodenbildung zwei Prozent (minus zwei Prozentpunkte). Immerhin 27 Prozent der Befragten sehen den Dax in einer Seitwärtsbewegung – vor einer Woche waren es allerdings noch 44 Prozent.

    Der Optimismus ist auch darin begründet, dass sich die Erwartungen der befragten Anleger in der vergangenen Woche mehrheitlich erfüllten. Bei 70 Prozent der Befragten haben sich die Erwartungen voll und ganz oder zum größten Teil erfüllt. In der Vorwoche traf das nur auf 59 Prozent der Befragten zu. Kaum erfüllt haben sich die Erwartungen von 23 Prozent (minus neun Prozentpunkte), überhaupt nicht die Erwartungen von acht Prozent (Vorwoche zehn Prozent).


    Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
    Angaben in Prozent


    Auch bezüglich der Marktsituation in drei Monaten überwiegt die Gruppe der Optimisten – allerdings knapp. 38 Prozent der befragten Privatanleger erwarten beim Dax in drei Monaten einen Aufwärtsimpuls oder eine Topbildung (plus vier Prozentpunkte).

    36 Prozent gehen davon aus, dass die Märkte sich im März weder groß nach oben oder unten bewegen werden. Drei Prozentpunkte weniger als noch in der Vorwoche. Nur noch 26 Prozent erwarten einen Abwärtsimpuls oder eine Bodenbildung – zwei Prozentpunkte weniger als vor Wochenfrist.

    Allerdings ist die Investitionsbereitschaft unter den Befragten leicht zurückgegangen. Bereits in den vergangenen Wochen war die Investitionsquote bei den Privatanlegern sehr hoch. Dadurch fehlt jetzt die breite Nachfrage.


    Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten?
    Angaben in Prozent


    Nur 24 Prozent der Befragten wissen schon jetzt, dass sie in den nächsten beiden Wochen kaufen wollen. Das sind allerdings immerhin drei Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche. Verkaufen wollen 18 Prozent (plus zwei Prozentpunkte). 58 Prozent der Befragten wissen dagegen noch nicht, wie sie sich in den nächsten beiden Wochen verhalten werden (minus fünf Prozentpunkte).


    Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
    Angaben in Prozent


    In den USA haben sich Anleger dagegen in dieser Woche neutral positioniert – wie bereits in den vergangenen Wochen. Auch US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote auf dem neutralen Niveau um 79 Prozent belassen. US-Privatanleger haben eine Bullenquote von elf Prozent, was ebenfalls einem neutralen Niveau entspricht.

    Anders sieht es beim „Angst-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte aus, der anhand technischer Marktdaten berechnet wird. Mit einem Wert von 74 Prozent zeigt dieser „Gier“ an und kratzt an der Marke zur „extremen Gier“, die als Warnsignal verstanden werden kann.

    Mehr: Der DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen hat zuletzt mit seinen Investments gut gelegen. Auf welche Branchen er für das nächste Jahr setzt, und wo er die größten Gefahren sieht.

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