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Börse in Frankfurt

Die Stimmung der Anleger hat sich laut einer exklusiven Handelsblatt-Befragung wieder eingetrübt.

(Foto: dpa)

Dax-Umfrage Fallende Aktienkurse im Dax polarisieren die Anleger

Der Dax hat in der vergangenen Woche mehr als drei Prozent verloren. Das hat einen Großteil der Anleger völlig überrascht – andere sehen ihre Spekulationen bestätigt.
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FrankfurtEs war der größte Wochenverlust seit einem halben Jahr: Mehr als drei Prozent hat der Dax innerhalb der vergangenen fünf Handelstage eingebüßt. Dadurch ist der bedeutendste deutsche Aktienindex deutlich unter die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten abgerutscht – und notiert wieder auf demselben Niveau wie bereits im Frühjahr 2015.

Der jüngste Ausverkauf sorgte unter Anlegern für Angst und Schrecken, ein Großteil von ihnen wurde von den Kurseinbrüchen völlig überrascht. Die Investoren fürchten nun weitere Rückschläge. Die Folge: Immer mehr wollen ihre Aktienpositionen zurückfahren. Darauf deuten die Ergebnisse der Handelsblatt-Umfrage zur aktuellen Börsenstimmung hin.

Wöchentlich werden bei dieser Erhebung mehr als 2300 Anleger gefragt, wie sie die Lage an den Aktienmärkten einschätzen. Die Ergebnisse bewertet Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx. Seine Prognosen zur Dax-Entwicklung sollen Orientierung für die Geldanlage bieten. Wichtig ist dabei der Zeithorizont: Das Sentiment gibt keine Auskunft über die mögliche Marktrichtung am nächsten Tag und selten über die kommende Woche, wohl aber über die kommenden vier bis zwölf Wochen.

Die Stimmung sei am Boden, die Verunsicherung extrem groß, sagt Heibel. Auch der Fünf-Wochen-Durchschnitt der Stimmungsentwicklung zeige bereits sehr niedrige, wenn auch noch keine extrem niedrigen Werte an. „Die Frage der Bodenbildung ist aus Sicht der Sentiment-Theorie nur noch eine Frage der Zeit: Eher Tage als Wochen“, interpretiert Heibel die aktuelle Gemütslage der Anleger am deutschen Aktienmarkt.

Im Detail sehen inzwischen 58 Prozent der Befragten (plus 35 Prozentpunkte) in der aktuellen Dax-Entwicklung einen Abwärtsimpuls am deutschen Aktienmarkt, weitere 18 Prozent (plus 13 Prozentpunkte) hoffen auf eine Bodenbildung. Nur noch 18 Prozent (minus 38 Prozentpunkte) betrachten die Bewegung vor dem Hintergrund einer übergeordneten Seitwärtsbewegung. Der Stimmungswert ist mit minus 5,5 Punkten extrem niedrig.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
Angaben in Prozent

Offensichtlich wurde der Großteil der Anleger von dem Ausverkauf dieser Woche völlig überrascht. 42 Prozent (plus 28 Prozentpunkte) geben an, auf dem falschen Fuß erwischt worden zu sein, weitere 24 Prozent (minus zwölf Prozentpunkte) sehen ihre Erwartungen der Vorwoche durch den Ausverkauf kaum erfüllt. Nur noch 23 Prozent (minus 22 Prozentpunkte) sehen sich in ihren Erwartungen zum größten Teil bestätigt und elf Prozent (plus sechs Prozentpunkte) haben auf den Ausverkauf spekuliert.

Hier zeigt sich laut Heibel die Polarisierung der Vorwochen: Immer mehr Anleger positionierten sich entweder für steigende oder für fallende Kurse. Die Neutralität nahm ab. Und so ist es nach dem aktuellen Kursrutsch nicht verwunderlich, dass einige ihre Spekulation bestätigt sehen, viele jedoch überrascht wurden.

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
Angaben in Prozent

Optimisten stellen weiterhin die größte Einzelgruppe, denn 39 Prozent (minus drei Prozentpunkte) rechnen für den Dax in drei Monaten mit steigenden Kursen. Elf Prozent (plus vier Prozentpunkte) gehen von einer Bodenbildung aus. Einen nachhaltigen Bärenmarkt fürchten nur 17 Prozent (minus vier Prozentpunkte) und 30 Prozent (plus fünf Prozentpunkte) erwarten auf dem nun erreichten Niveau eine lang anhaltende Seitwärtsbewegung.

Die Polarisierung der Vorwochen hat sich so wieder aufgelöst, unter dem Strich bleibt die Zukunftserwartung in Summe wenig verändert.

Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
Angaben in Prozent

Kurzfristig könnte es jedoch weiter nach unten gehen, fürchten 17 Prozent (plus vier Prozentpunkte) und wollen in den kommenden zwei Wochen ihre Aktienpositionen verkleinern. Auf der anderen Seite wollen 21 Prozent (minus ein Prozentpunkt) das nunmehr günstige Niveau zum Nachkaufen nutzen. Mit 61 Prozent (minus drei Prozent) bleiben die meisten erst einmal unentschlossen über ihre nächsten Aktivitäten.

Nicht nur der Großteil der Anleger wurde vom aktuellen Ausverkauf überrascht, sondern auch Stephan Heibel. Der Sentiment-Experte war bei seiner vorhergegangenen Auswertung davon ausgegangen, dass die Stimmung der deutschen Anleger eher für steigende Notierungen spricht: Die meisten Investoren waren zuvor entweder nur vorsichtig in den Markt eingestiegen oder hatten sich sogar gegen fallende Kurse abgesichert.

„Solch ein Stimmungsbild dient als Unterstützung für die Märkte, ein heftiger Ausverkauf ist da eher unwahrscheinlich“, prognostizierte Heibel vor einer Woche. Im Nachhinein betrachtet war das eine zu positive Prognose, denn die Aktienmärkte schalteten im Anschluss in den Korrekturmodus. „Aus Sicht der Sentiment-Theorie kam das völlig überraschend, da die Stimmungswerte schon in den Vorwochen recht verhalten waren“, sagt Heibel.

Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
Angaben in Prozent

Die Gründe für den aktuellen Ausverkauf seien seit Langem bekannt: Handelsstreit, Währungsprobleme bei Schwellenländern, geopolitische Spannungen bis hin zum drohenden ungeordneten Brexit. Das sind keine überraschenden Ereignisse, weshalb sich der Fachmann die jüngste Talfahrt damit erklärt, dass der September bei vielen als Korrekturmonat verschrien sei. „An den Aktienmärkten hat sich immer wieder gezeigt, dass Anleger im September aufräumen, um Platz zu schaffen für neue Anlageideen, mit denen man das Jahr ausklingen, vielleicht sich sogar schon für das neue Jahr positionieren möchte.“

Das Wochenminus von 3,3 Prozent im Dax war insbesondere durch Bayer (minus 10,6 Prozent) und Infineon (minus 9,4 Prozent) hervorgerufen worden. Bayer habe laut Heibel ordentliche Zahlen vorgelegt und die Unternehmensprognose angehoben. Dennoch sprechen Analysten von enttäuschenden Zahlen und senken ihre Kursziele. Inzwischen gibt es 8700 Klagen von Farmern gegen Bayer, die sich gegen den Einsatz des Unkrautvernichters Roundup wenden.

„Für Infineon kann ich keinen wirklichen Grund für den Ausverkauf finden, außer dass das Kursgewinnverhältnis 2019 mit 20 für das Wachstum von zehn Prozent optisch an der oberen Grenze dessen liegt, was konservative Anleger als in Ordnung bezeichnen“, sagt Heibel.

Hinter Umfragen zur Börsenstimmung wie dem Dax-Sentiment stehen zwei Annahmen: Wenn die große Masse von Anlegern bereits investiert hat, bleiben eben wenige übrig, die noch zusätzlich kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt Entsprechendes: Wenn die Anleger mehrheitlich nicht investiert haben, können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Wenn Anleger investiert haben, werden sie sich optimistisch über den erwarteten weiteren Kursverlauf äußern, wenn sie nicht investiert haben, pessimistisch. Denn für den zukünftigen Verlauf von Wertpapieren pessimistisch zu sein, aber gleichzeitig investiert zu haben, würde unter normalen Umständen wenig sinnvoll erscheinen.

US-Fondsmanager fahren Investitionsquote zurück

Hilfreich für die Interpretation der Handelsblatt-Untersuchung sind auch die Ergebnisse des an der Stuttgarter Börse gemessenen Euwax-Sentiments, das anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax ermittelt wird. Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf zehn gesprungen und zeigt schon wieder eine große Aktivität in Sachen Call-Käufen. Private nutzen den Ausverkauf, um sich für einen erwarteten Kursanstieg zu positionieren.

Institutionelle Anleger, die sich über die Eurex absichern, verhalten sich ganz anders: Das Put/Call-Verhältnis ist auf 2,1 gesprungen (Durchschnitt ist 1,5) und zeigt starke Absicherungskäufe, also Put-Käufe, der Profis an. Ihre US-Kollegen hingegen positionieren sich bereits wieder für steigende Kurse, das Put/Call-Verhältnis der Terminbörse in Chicago (CBOE) ist auf 0,9 gerutscht und zeigt vermehrte Spekulationen auf steigende Kurse an.

US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote diese Woche zurückgefahren: War vor einer Woche noch 98 Prozent des Kapitals investiert, so sind es nun nur noch 85 Prozent. Es gibt wieder Handlungsspielraum für neue Ideen, die in den kommenden Wochen ins Portfolio geholt werden können.

US-Privatanleger haben derzeit eine Bulle/Bär-Quote von 16 Prozent, die Bullen haben also deutlich die Oberhand. „Kein Wunder, denn anders als bei uns in Deutschland notieren die US-Aktienmärkte nah an ihren Allzeithochs“, urteilt Börsenprofi Heibel.

Der technische „Angst-und-Gier-Index“ des US-Leitindexes S&P 500 zeigt mit 53 Prozent eine neutrale Verfassung an. Die Gier der Vorwochen wurde bereits abgebaut. Das gleiche Bild gibt auch der „Short Range Oscillator“ des S&P 500 wider, der zwischenzeitlich eine extrem überkaufte Situation auswies. Der jüngste Ausverkauf, insbesondere der Tech-Werte, hat diesen Indikator wieder in den neutralen Bereich zurückgeholt.

In den USA hat sich laut Heibel die Situation aus Sentiment-Sicht normalisiert. War dort vor einer Woche noch eine Korrektur erforderlich, so scheint das durch den Kursrutsch in der Nasdaq abgearbeitet zu sein. Nun bleibt abzuwarten, ob die begonnene Korrektur sich selbständig macht, oder ob Anleger schon in den kommenden Tagen erste neue Positionen aufbauen und die Kurse damit stabilisieren. Im Bereich der Dow-Jones-Aktien, die im laufenden Jahr zurückgeblieben waren, sind bereits kräftige Käufe zu beobachten.

Heibels Ratschlag: „Erste Käufe können getätigt werden, doch halten Sie noch ein wenig Pulver trocken, falls in den kommenden Wochen noch weiteren Branchen ausverkauft werden.“ In der vergangenen Woche erwischte es die Branche der Sozialen Medien, die große Teile des Tech-Sektors mit sich riss. Im September könnte aber noch eine Reihe anderer Branchen in Visier der Anleger geraten, die sich neu positionieren möchten.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

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