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Aktienhändler an der Frankfurter Börse

In der vergangenen Woche legte der Dax 0,3 Prozent zu.

(Foto: dpa)

Dax-Umfrage Finanzprofis und Privatanleger spekulieren in Deutschland auf steigende Kurse

Es herrscht eine zweigeteilte Börsenwelt: US-Anleger haben Angst vor einem Crash, deutsche Anleger nicht. Was das für die Aktienmärkte bedeutet.
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Düsseldorf „Schlimmer kann‘s nimmer“, versprach Börsenexperte Stephan Heibel vor einigen Wochen. Doch er muss diesen Spruch umformulieren in „Schlimmer kann’s immer“. Denn der Pessimismus der Anleger fällt von einem Rekordtief auf das nächste.

Vor allem der Fünf-Wochen-Durchschnitt des Sentiments, der bei Extremwerten als aussagekräftiger Indikator für eine Trendwende gilt, ist erneut gefallen. Seit Beginn der Handelsblatt-Umfrage im September 2014 wurde kein annähernd vergleichbarer Wert erreicht (siehe Grafik).

Heibel muss für einen Vergleich schon weit zurückblicken – und dabei auf die historischen Daten der umfangreicheren Sentimentumfrage seines Analysehauses Animusx zurückgreifen. „Nur zwei Mal, seit wir diese Daten erheben, war der Fünf-Wochen-Durchschnitt ähnlich tief: Zum einen direkt nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008 und zum anderen im Rahmen der EU-Schuldenkrise im Herbst 2011“, erläutert er.

Kommt es bald zu einer Trendwende am deutschen Aktienmarkt? Denn Anfang 2009 – wenige Monate nach der Lehmann-Pleite – begann die fast zehnjährige Rally, im Herbst 2011 wurde dann eine Zwischenkorrektur beendet.

Grafik

„Hierzulande fehlt noch die Kapitulation der Bullen, bevor ein tragfähiger Boden gefunden werden kann, von dem die Kurse aus wieder nachhaltig steigen können“, meint der Animusx-Inhaber und bekräftigt damit seine Meinung der Vorwoche. Die Erwartungshaltung der Anleger sei noch immer neutral, also noch nicht negativ genug, um die erforderliche Kapitulation zu signalisieren. Denn erst wenn fast alle Anleger verkauft haben, reichen wenige Käufer, damit die Kurse wieder steigen.

„Wer also ein Kribbeln in den Fingern verspürt, die derzeit niedrigen Kurse zum Kauf zu nutzen, der sollte sich aus Sicht der Sentimentanalyse auf eine Spekulation beschränken“, meint der Börsenexperte. Noch sei es zu früh, um zu beurteilen, ob kurzfristig steigende Kurse bereits das Ende des Bärenmarktes signalisieren oder nichts weiter als eine kurzfristige Gegenbewegung sind.

Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment stehen – vereinfacht formuliert – zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
Angaben in Prozent

Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, sind sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken. Für seine Prognose, wie sich der deutsche Leitindex in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte, wertet Heibel zusätzlich weitere Indikatoren aus.

Auffällig ist: US-Investoren und heimische Anleger verhalten sich entgegengesetzt. Während man hierzulande bereits zumindest spekulative Kaufchancen sieht, sichert man sich in den USA zunehmend gegen weitere Kursverluste ab. „Ich kann diese Diskrepanz gut nachvollziehen“, meint der Sentiment-Experte.

Denn der US-Aktienmarkt hat sich 2018 mit einem Minus von „nur“ 7,1 Prozent deutlich besser entwickelt als die vergleichbaren Märkte der Industrieländer. Die schwache Dax-Perfomance von mehr als minus 18 Prozent scheint auf die Brexit-und Italien-Diskussionen zurückzuführen zu sein. In den USA hingegen schwächelt offenbar bereits die Konjunktur. „Unsere Probleme lassen sich (theoretisch) durch die Politik lösen, in den USA hingegen gibt es ernsthafte Ermüdungserscheinungen der Wirtschaft“, bilanziert Heibel.

Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
Angaben in Prozent

Die unterschiedliche Lage an den Aktienmärkten hierzulande und in den USA offenbaren alle wichtigen Indikatoren. In Deutschland setzen sowohl Privatanleger als auch institutionelle Investoren auf steigende Kurse. Denn das Euwax-Sentiment an der gleichnamigen Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, ist mit einem Wert von 7,5 weiterhin auf hohem Niveau. Sie haben deutlich mehr Hebelprodukte im Depot, die auf einen steigenden Leitindex setzen. Die Profis, die an der Frankfurter Terminbörse Eurex handeln, kaufen ebenfalls überwiegend Call-Optionen auf den Dax.

In den USA hingegen ist das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE deutlich angestiegen und zeigt, dass US-Profis sich verstärkt gegen fallende Kurse absichern. Die Investitionsquote der US-Fondsanleger ist zwar um zwölf Prozentpunkte auf 59 Prozent angestiegen, notiert damit jedoch weiterhin auf historisch niedrigem Niveau.

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
Angaben in Prozent

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit einem Wert von minus 18,8 Prozent eine ebenfalls historisch seltene, absolute Dominanz der Bären. Pessimisten dominieren auch bei anderen Indikatoren. Der anhand von technischen Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte zeigt mit einem Wert von zehn Prozent extreme Angst an. Bereits seit drei Monaten notiert der Wert in solch einem niedrigen Bereich.

In den ersten zwei Handelstagen des neuen Jahres gab der Dax 1,3 Prozent ab, doch am Freitag sorgte die Meldung von konkreten Gesprächen zwischen China und den USA sowie moderate Aussagen von US-Notenbankchef Jay Powell über die künftige Zinspolitik für gute Laune. Reicht das, um die zuvor extrem niedergeschlagene Stimmung beim Dax-Sentiment aufzuhellen?

Nur noch 47 Prozent (minus 16 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) sehen den deutschen Leitindex in einer aktuellen Abwärtsbewegung. Unverändert 26 Prozent betrachten die aktuelle Bewegung bereits als Bodenbildung, weitere 16 Prozent (plus acht Prozentpunkte) als Seitwärtsbewegung. Es melden sich sogar erste Optimisten zurück, denn neun Prozent (plus sieben Prozentpunkte) glauben bereits wieder an einen Aufwärtsimpuls. Insgesamt ist die Börsenstimmung weiterhin extrem niedergeschlagen (minus 3,8), hat sich aber im Verlauf der Kursrally am vergangenen Freitag ein wenig verbessert.

Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
Angaben in Prozent

Einige Anleger haben sich inzwischen mit dem schwachen Markt arrangiert: Nur noch 24 Prozent (minus 16 Prozentpunkte) wurden offenbar durch den weiteren Ausverkauf zum Jahresstart erneut auf dem falschen Fuß erwischt. Weitere 30 Prozent (plus sechs Prozentpunkte) sehen ihre Erwartungen damit kaum erfüllt. Immerhin 37 Prozent (plus neun Prozentpunkte) geben an, dass ihre Erwartungen der Vorwoche zum größten Teil erfüllt wurden. Jeder Zehnte (plus ein Prozentpunkt) will sogar auf den anhaltenden Ausverkauf spekuliert haben. Mit einem Wert von minus 4,8 ist auch die Verunsicherung trotz der moderaten Verbesserung weiterhin sehr groß.

Inzwischen erwarten 28 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) für den Dax in drei Monaten höhere Kurse als heute. 17 Prozent (minus vier Prozentpunkte) gehen von einer anhaltenden Bodenbildung aus. Der Abwärtsimpuls dürfte sich weiter fortsetzen, befürchten 23 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) der Umfrageteilnehmer. Mit 28 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) hoffen die meisten auf eine Seitwärtsbewegung. Die Erwartungshaltung der Anleger ist somit weiterhin relativ neutral: Weder Optimisten, noch Pessimisten dominieren.

Erstaunlicherweise will jeder Fünfte (plus ein Prozentpunkt) der Anleger in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen. Zwölf Prozent (minus zwei Prozentpunkte) wollen ihr Aktienengagement verkleinern. Mit 65 Prozent (plus ein Prozentpunkt) bleiben die meisten vorerst unentschlossen an der Seitenlinie.

„Die Erleichterung über die Erholung an den Aktienmärkten ist groß, im Sentiment entweicht der Pessimismus komplett“, schreiben die Experten des Börsenanalysehauses Sentix nach Auswertung ihrer eigenen Umfrage.
Positiv sei, dass die Anleger ihre mittelfristige Zuversicht etwas ausbauen. „Zwar ist der Prozess erst am Anfang und könnte jederzeit im Keim erstickt werden“, heißt es in ihrer Auswertung. „Fakt ist dennoch: Die Zeichen bei Aktien stehen auf Erholung“.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine E-Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine weitere, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

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