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Dax-Umfrage Für Anleger ist es zum Verkaufen zu spät, zum Kaufen aber noch zu früh

Die vergangene Handelswoche war ein Lehrstück für Aktionäre: Sie zeigt, wie hilfreich die Analyse der Anlegerstimmung bei der Anlageentscheidung sein kann.
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Es gibt viele Anleger, die an der Seitenlinie stehen und erst einmal abwarten, wie sich die Dinge entwickeln, bevor sie eine Entscheidung treffen. Quelle: dpa
Der deutsche Leitindex

Es gibt viele Anleger, die an der Seitenlinie stehen und erst einmal abwarten, wie sich die Dinge entwickeln, bevor sie eine Entscheidung treffen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfKeine der zahlreichen Krisen konnte während der vergangenen Handelswoche entschärft werden – und dennoch ist der Dax deutlich gestiegen. „Anleger sind skeptisch und sichern sich ab“, sagte Stephan Heibel nach Auswertung der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment und weiterer Indikatoren.

Angesichts der sehr niedrigen Investitionsquote hätten sich viele Anleger auf deutlich fallende Notierungen an den Märkten vorbereitet. Schließlich sei US-Präsident Donald Trump unberechenbar und könnte mit nur einem Tweet einen heftigen Ausverkauf auslösen.

Doch der Geschäftsführer des Analysehauses Animusx hat eine andere Erklärung für die geringe Investitionsquote einschließlich geringer Verkaufs- und Kaufbereitschaft in den kommenden Wochen: „Die Kursgewinne der vergangenen Woche haben vielen Anlegern bewusst gemacht, dass sie in diesem Jahr bereits ordentlich Kursgewinne erzielt haben.“ Viele hätten ihr Engagement verkleinert und wollten den Sommer über entspannt von der Seitenlinie aus die Kursentwicklung beobachten.

Für Heibel könnten die Kurse durchaus in den Sommerwochen bei dünnem Handelsvolumen anziehen. Auch könnte es noch einige turbulente Tage am Aktienmarkt geben. „Aber einen heftigen Ausverkauf schließe ich aus, dafür sind die Anleger inzwischen zu defensiv positioniert“, erläutert der Experte.

Zur Erläuterung: Hinter der wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage unter mehr als 3.500 Anlegern zur Börsenstimmung stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

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Die vergangene Handelswoche war ein Lehrstück, wie hilfreich die Sentimentanalyse bei der Anlageentscheidung sein kann. „Endlich Panik“ lautete das Motto am vergangenen Montag. Der deutsche Leitindex hatte laut Heibel ein Niveau erreicht, das für Käufe geeignet war.

Es folgte eine Börsenwoche, die an Skepsis kaum zu übertreffen ist. Anleger flüchteten in sichere Häfen wie Anleihen und Gold. Dennoch erlebte die Frankfurter Benchmark mit einem Plus von drei Prozent ihre beste Woche des Jahres 2019. Dabei ist das aktuelle Börsenjahr kein schwaches: Der Dax stieg in den ersten fünf Monaten bereits um mehr als 2.000 Punkte.

Dabei schien es vor einer Woche keinen Ausweg mehr zu geben: US-Präsident Donald Trump drohte nicht nur unzähligen Ländern Strafzölle an, sondern zählte auch US-Unternehmen wie Alphabet und Facebook an. Der ungeregelte Brexit wird wahrscheinlicher, und die Konjunktur geht in die Knie. „Genau dann findet der Aktienmarkt einen Boden“, erläutert Heibel.

Für ihn gibt es immer zwei Möglichkeiten: Entweder werden die Krisen gelöst, oder aber Verkaufspanik lässt keinen mehr zurück, der noch im großen Umfang Aktien verkaufen kann. Da kein Krisenherd in der vergangenen Woche gelöst wurde, sorgte diesmal die Verkaufspanik für einen Boden, von dem aus die Kurse deutlich stiegen.

Sentimentexperte Joachim Goldberg sieht den Markt derzeit in einer Seitwärtsverfassung. Steigt der Dax, würden die neuen Optimisten zwischen 12.100 und 12.200 Punkten vermutlich ihre Gewinne realisieren wollen, meinte der Verhaltensökonom nach Auswertung der Umfrage der Börse Frankfurt am Mittwoch vergangener Woche. Fallen die Kurse hingegen, gebe es Kaufinteresse zwischen 11.700 und 11.750 Punkten. Denn: Aktuell warten rund 30 Prozent der institutionellen Investoren an der Seitenlinie auf den Einstieg.

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Die Anlegerstimmung bei der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment ist nach den kräftigen Kursgewinnen aktuell nur wenig angesprungen: Zwar sieht nur noch jeder Vierte (minus 38 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) den deutschen Leitindex in einem Abwärtsimpuls.

Doch die Zahl der Pessimisten ist immer noch doppelt so hoch wie die der Optimisten, denn nur elf Prozent der Umfrageteilnehmer sehen den Index in einer Aufwärtsbewegung – ein Plus von zehn Prozentpunkten gegenüber der Vorwoche. Mit 44 Prozent (plus 19 Prozentpunkte) gehen die meisten Befragten von einer Seitwärtsbewegung aus.

Gegenüber der extrem schlechten Stimmung in der Vorwoche ist das Sentiment aktuell mit einem Wert von minus 1,4 nur noch moderat negativ.

Nur wenige haben diesen Kurssprung in der vergangenen Handelswoche erwartet: Sechs Prozent (minus zwei Prozentpunkte) geben an, vor einer Woche auf einen solchen Kurssprung spekuliert zu haben. Weitere 42 Prozent (plus 14 Prozentpunkte) fühlen sich in ihren Erwartungen zum größten Teil bestätigt. Kaum erfüllt sehen hingegen weiterhin 37 Prozent (plus fünf Prozentpunkte) ihre Erwartungen.

Nur noch 15 Prozent (minus 17 Prozentpunkte) haben einen völlig anderen Börsenverlauf erwartet. Die starke Verunsicherung der Vorwoche ist zwar zurückgegangen, doch mit einem Wert von minus 3,7 ist von Selbstsicherheit der Anleger wenig zu sehen.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
Angaben in Prozent

Die akute Panik der Vorwoche hat sich in eine moderate Zukunftsskepsis gewandelt, auch wenn sich die Erwartungen der Anleger für den Dax in drei Monaten nur leicht verschoben haben. 16 Prozent (plus einen Prozentpunkt) gehen dann von steigenden Kursen aus, 29 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) hingegen fürchten weiter fallende Kurse.

Mit 42 Prozent (plus drei Prozentpunkte) erwarten die meisten Anleger für diesen Sommer eine Seitwärtsbewegung. Mit einem Wert von minus 2,2 dominieren aber weiterhin die Bären die Zukunftserwartung.

Zum Verkaufen zu spät, zum Kaufen zu früh, so lautet die Schlussfolgerung aus der Abstimmung zur Investitionsbereitschaft. Jeweils 16 Prozent wollen in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen (minus drei Prozentpunkte) oder Aktienpakete verkleinern (minus sechs Prozentpunkte).

Mit 68 Prozent (plus neun Prozentpunkte) wollen mehr Anleger denn je erst einmal abwarten, wie sich die Börse weiterentwickelt, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. „Das ist wohl Ratlosigkeit“, meint Animusx-Inhaber Heibel.

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
Angaben in Prozent

Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der vor allem Privatanleger handeln, ist auf einen Wert von 2,6 zurückgegangen. Dieser Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet. Ein positiver Wert zeigt, dass mehr Call-Produkte, mit denen auf steigende Kurse spekuliert wird, in den Depots der Privatanleger liegen als Short-Produkte, die bei fallenden Notierungen an Wert zulegen. Noch vor einer Woche war die Zahl der Call-Produkte deutlich höher.

Institutionelle Anleger, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, haben sich entgegengesetzt verhalten: Sie haben ihre Absicherungen zurückgefahren, die Zahl der Short-Optionen hat sich verringert.

Ihre US-Kollegen hingegen bleiben vorsichtig, wie das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE zeigt. US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote um fünf Prozentpunkte auf nur noch 55 Prozent gesenkt, den niedrigsten Wert des laufenden Jahres. US-Privatanleger sind extrem negativ gestimmt, die US-Bulle/Bär-Quote steht mit minus 20 Prozent deutlich im negativen Bereich. Die Bären – sie stehen symbolisch für fallende Aktienkurse – haben also die Oberhand.

Der auf technischen Börsenindikatoren basierende „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte zeigt mit einem Wert von 29 Prozent zwar Angst an, hat aber noch keinen Extremwert erreicht.

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Angaben in Prozent

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online.

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