Dax-Umfrage „Ich hab‘ s doch gewusst“

Der Dax eilt von Allzeithoch zu Allzeithoch und fast alle Anleger haben das laut der Handelsblatt-Umfrage natürlich gewusst. Was diese euphorische Stimmung nun bedeutet, zeigt eine exklusive Analyse.
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Er läuft und läuft und läuft
1. Juli 1988
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Der Dax feiert seinen Einstand. Rechnerisch startet er allerdings am 30. Dezember 1987 bei einem Stand von 1.000 Punkten. Der Deutsche Leitindex umfasst die größten 30 börsennotierten deutschen Unternehmen und ist ein Performance-Index. Das heißt: Die Dividenden, die die Dax-Unternehmen auszahlen, werden in den Kurs des Indizes wieder eingerechnet. Manche bezeichnen ihn deshalb als „Mogelpackung“ und finden einen Vergleich mit Kurs-Indizes – wie dem Dow Jones – „unfair“.

16. Oktober 1989
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Der erste schwarze Tag für den Dax: Er bricht im Sog der Wall Street um rund 13 Prozent ein.

Dabei war der Kurssturz an der Wall Street mit Minus sieben Prozent deutlich kleiner. Die Ursache: In den achtziger Jahren hatten Übernahmen und Fusionen in den USA Hochkonjunktur. Unternehmen nahmen Kredite auf, um andere Unternehmen zu kaufen. Das Problem war, dass dadurch viele Unternehmen hoch verschuldet waren. Es kamen bereits Sorgen auf, dass Unternehmen in Schieflage geraten könnten, sobald die Zinsen steigen würden oder es Liquiditätsengpässe gebe.

Der Auslöser: Die Übernahme von United Airlines scheiterte an der Finanzierung und löste eine Verkaufswelle aus. Zuerst wurden Übernahmekandidaten abgestoßen, dann alle anderen Aktien. Die Angst der Anleger, dass Unternehmen Liquiditätsprobleme bekommen, entlud sich an der Börse.

18. November 1996
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Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt stark zu. Telekom-Chef Ron Sommer steht hier am 17. November 1996 vor der Frankfurter Wertpapierboerse, an der der Einführungspreis der T-Aktie von seinerzeit 28,50 D-Mark angezeigt wird. Die Aktie wurde allerdings zur Enttäuschung. Lesen sie hier die gesamte Chronik der T-Aktie.

28. Oktober 1997
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Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

Hintergrund: Asien galt in den Neunziger Jahren als Wachstumszentrum der Welt. Die sogenannten Tigerstaaten (Singapur, Südkorea, Taiwan, Hong Kong) galten als große Hoffnungsträger, gerieten aber wegen finanzpolitischer Fehlentwicklungen (und zahlreicher weiterer Faktoren) in Schieflage. Der massive Kapitalabfluss aus diesen Ländern löste schließlich auch Panik an der Börse aus. Der Dax brach ein, erholte sich aber am nächsten Tag fast wieder vollständig. Hier hätten Kostolanys Schlaftabletten viel Geld gespart.

28. November 1997
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Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für „Exchange Electronic Trading“ - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an. Xetra löste den Vorgänger IBIS ab.

Mittlerweile sind die Aktienhändler am Frankfurter Parkett nur noch Fassade. Der „wirkliche“ Dax-Handel findet in einem Rechenzentrum statt. Der Handel an der Präsenzbörse in Frankfurt am Main wurde am 20. Mai 2011 abgeschafft.

7. März 2000
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Der Dax erreicht ein neues Rekordhoch von 8136 Punkten. Befeuert wird die Euphorie von der Entstehung des Internets und einem sich ausbreitenden Fusionsfieber. Danach ging es wegen einer sich abkühlenden Wirtschaft und dem Einbruch des Neuen Marktes deutlich abwärts. Diesen Höchststand erreichte der Dax dann erst wieder im Jahr 2007.

11. September 2001
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Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um rund neun Prozent. Im Handelsverlauf ging es für den Leitindex sogar um bis zu elf Prozent nach unten. Die US-Börsen setzten den Handel sofort aus und eröffneten die Börsen sechs Tage später – „den Kriminellen zum Trotz“. Bei der Wiedereröffnung gingen die US-Börsen auf Talfahrt – allerdings nicht ganz so stark wie befürchtet. Der Dow Jones verlor etwa sieben Prozent.

Der März dieses Jahres könnte in die Memoiren der Geldanleger eingehen. In diesem Monat soll der bereits angekündigte Kauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) Wirklichkeit werden. Schon jetzt sind erste positive Effekte spürbar. Die EZB habe einen „Wirkungstreffer erzielt“, erklären die Analysten der Hessischen Landesbank am vergangenen Freitag.

Denn offenbar tangieren die zwischenzeitlichen Grexit-Sorgen die Börsen in den meisten Euro-Ländern kaum, der Dax erzielte am heutigen Montag ein neues Allzeithoch mit 11.446 Punkten.

So hat der deutsche Leitindex mit einem Wochenplus von 3,2 Prozent in der achten Woche in Folge zugelegt. Jeden Tag in der abgelaufenen Woche konnte der Dax mit einem Plus abschließen, die Tagesgewinne wurden sogar täglich größer.

„Der Kursverlauf deutet auf eine Überhitzung hin“, meint Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses Animusx. „Die Luft wird dünner“. Heibel interpretiert die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage „Dax-Sentiment“ unter mehr als 1.600 Anlegern zur Börsenstimmung.

Anleger sind nun euphorisch


Die Stimmung an der Börse ist ein wichtiger Indikator für die weitere Börsenentwicklung. Sehr vereinfacht gesagt: Ist die Stimmung euphorisch, ist das ein Indiz für fallende Kurse, weil die meisten Anleger bereits gekauft haben und Geld für weitere Käufe fehlt. Das Gleiche gilt auch umgekehrt: Schlechte Stimmung ist eher ein Indikator für steigende Kurse, weil bereits viele Anleger ihre Aktien verkauft haben.

Am Freitag vergangener Woche schrieb Heibel noch, dass die Fortsetzung der Rally höchstens kurzfristig durch Gewinnmitnahmen unterbrochen werden könnte. „Ich gehe davon aus, dass die Entwicklungen der abgelaufenen Woche durchweg positiv für die Aktienbörse zu sehen sind“, meinte Heibel am vergangenen Montag. (siehe auch Dax-Sentiment: Vergleich Prognosen mit Indexverlauf.)

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15 Kommentare zu "Dax-Umfrage: „Ich hab‘ s doch gewusst“"

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  • 100.000 Sollten bei dem stabilen Wirtschaftswachstum noch dieses Jahr erreicht werden. Kurz vorher sollte man anfangen AbsicherungsPuten zu kaufen.
    Beratung leistet evt. Hr. Schneider mit seinem Rechenzentrum.

  • @Carsten Sageder: Die Anleiheblase kann von mir aus Morgen zu platzen beginnen. Dann wird sich der Aktienmarkt anfangs auch kurz schütteln und dann werden die geläuterten "Auf Teufel-komm-raus-Geldverleiher" teilweise kapiert haben das der Total Return entscheidend ist über die Jahre, nicht der kurzfristige Kursgewinn hüben wie drüben.

  • Viel heiße Luft ist in den Märkten -spätestens, wenn der DAX sich der 50.000-Punkte-Marke nähert, sollte man einmal über Teilverkäufe nachdenken.

  • Morgen beginnt das Spiel wieder von vorne...am besten VORbörlich...also nicht jammern Hasso sondern mitspielen,so wie ich.
    Ich kann soviel schreiben weil mein Algorechner den immerwährenden Gewinn programmiert hat und den vollautomatisch emtionslos abhandelt...das habe ich mir von den big Playern abgeschaut.Solange die Notenbanken liefern geht das Spiel weiter..und diese neue Erfindung knapper Call...diese Derivate die es erst seit kurzem gibt ..damit macht man 300% und mehr...so einfach ist das ohne Risiko mit diesen Stopps...auch so eine Art Derivat...ich habe sogar entdeckt das man das am Tag mehrmals machen kann...also billig kaufen und teuer verkaufen...das gab es früher so nicht

  • Das ganze billige Geld der Notenbanken wandert überwiegend in die Aktienmärkte. Ein kleinerer Teil in Immobilien und Anleihen. Die Blase wächst immer weiter, bis sie irgendwann platzt. Wann das sein wird, kann keiner sagen. Aber es wird passieren. Wahrscheinlich werden zuerst ein paar Banken in China zusammenbrechen, da läuft wie Wirtschaft bei weitem nicht mehr so dynamisch wie früher. Dann brechen einige angelsächsische Institute zusammen, die ihr Geld dort investiert haben, dann trifft es die Europäer, der Dominoeffekt ist eingetreten. Wie 1929 oder 2008. Diesem ganzen Papiergeld der Notenbanken stehen keine realen Produkte bzw. Dienstleistungen gegenüber, sondern ein reiner Spekulations- und Casinowahn der Anleger und Investmentbanken, die das Geld in höchst zweifelhafte und gefährliche Anlagen stecken. Die Geldmenge hat sich in den vergangenen Jahren weltweit vervielfacht, die Weltwirtschaft dagegen ist nur moderat gewachsen. Fed, EZB, Bank of Japan, BoE haben viele Bilionen Euros bzw. Dollars auf den Markt geworfen, die riesige Spekulationsbomben ausgelöst haben und noch auslösen werden. Da kommt was auf uns zu, das wird viel schlimmer als 2008.

  • http://www.arte.tv/guide/de/048762-000/staatsschulden-system-ausser-kontrolle Sie müssen weiter die Finanzmärkte beruhigen, alles andere wäre ein Katastrophe , daher wird der Dax auch weiterhin dort oben bleiben, däie nächsten Wochen sind wieder ideal für Daytrader. Rein und raus, es spielt da keine Rolle ob bei 8000 oder 12000 Punkte im Dax gezockt wird.

  • Hallo Herr Wünsel,ich hoffe Sie waren fündig beim Diskussionsbaum?!

    Ist der Herr Wisnewsky und der Herr Krassnick immer noch krank?

    Werden die beiden von Herrn Weissenfels oder Herrn Volkerts vertreten?

    Ich finde den Herrn Thomsen oder Herr Haas besser geeignet vor allem weil Sie beide den schwarzen Drachen mögen

  • Solange die Notenbanken den Markt mit billigem Geld fluten bleibt das Casino geöffnet. VORbörslich immer die besten Kurse bevor dann am NACHmittag das NACHMITTAGSHOCHKAUFEN beginnt...denn das ist Programm der Mächtigen mit ihren Maschinen.
    Die kaufen immer die knappen Calls...Gewinne von 300% und mehr mit kleinem Einsatz.NACH Handelsschluss im sogenannten Schattenmarkt dann Schnäppchen ohne Risiko...seit es diese Derivate seit kurzem gibt war es nie so einfach

  • "Dauert aber noch etwas!"

    Richtig, das dauert noch ein bisschen. Mit Blick auf die Bevölkerung, die sowieso immer Euro skeptischer wird, kann diese Diensmädchen-Hausse siesmal auch ausbleiben. Wenn jeder ahnt, dass "Draghi die Leute sowieso nur abziehen will", steigt keiner vom normalen Sparpublikum ein.

  • "1929 ist nicht mehr weit !"

    Die Nach-Lehman Jahre gehen in die Geschichte als die Jahre ein, in denen die Notenbanken sehenden Auges eine unbeherrschbare Megablase aufgepumpt haben... ;)

    Es ist anscheinend keine so gute Idee, den Notenbankern in dieser Weise freie zu lassen. Etwas mehr politische oder besser - unabhängige - Kontrolle muss sein.

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