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Dax-Umfrage In Deutschland feiern die Anleger, der US-Aktienmarkt sendet gefährliche Signale

Das Plus der vergangenen Handelswoche sorgt hierzulande für eine Jubelstimmung unter den Anlegern. Dabei gibt es eine Reihe von Unsicherheiten.
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Gier und Panik? Wann Emotionen die Kurse bewegen

DüsseldorfDie EZB entschied sich in der vergangenen Woche für ein überraschend lang anhaltendes, niedriges Zinsumfeld in Europa und sorgte dadurch für einen niedrigen Eurokurs gegenüber dem US-Dollar. Die Anleger jubelten und trieben den Dax in der vergangenen Woche um zwei Prozent nach oben – auch wenn am Freitag ein paar Punkte aus Sorgen um den sich wieder anheizenden Handelsstreit zwischen China und den USA abgegeben wurden.

Börsenexperte Stephan Heibel warnt hingegen. „Dabei vergessen die Anleger den aufziehenden Handelsstreit mit den USA und die aufziehende Regierungskrise um das Thema der Flüchtlingspolitik“, meint er.

Der Inhaber des Analysehauses Animusx ist Experte für Börsenstimmung, neudeutsch Sentiment genannt, und wertet die wöchentliche Handelsblattumfrage Dax-Sentiment aus. Aus den Antworten und weiteren Indikatoren prognostiziert er, wie sich der deutsche Leitindex in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte.

Heibels Blick auf die Märkte ist anders als der der Anleger. „Seit zehn Jahren hält die EZB das Zinsniveau in Europa extrem niedrig und betont seit zehn Jahren gebetsmühlenartig, die Politik soll Strukturänderungen vornehmen, da die Geldpolitik keine Strukturprobleme lösen, sondern der Politik nur ein wenig Zeit zum Lösen verschaffen könne“, meint er. Die Flüchtlingspolitik zeige seiner Meinung nach auf, wie schwer es die EU habe, bei Krisen konstruktive Lösungen zu finden: Das Schiff „Aquarius“ suchte viele Tage lang einen Hafen für die 629 Flüchtlinge an Bord.

Doch es gibt auf der anderen Seite nur wenig Anzeichen für einen bevorstehenden Crash. „Eine eklatante Stimmungsschieflage, die den Dax nachhaltig in die eine oder andere Richtung treiben könnte, kann ich in Deutschland nicht entdecken“, lautet das Fazit des Börsenexperten nach Auswertung der aktuellen Umfrage. Sollten die Politiker in den nächsten Tagen Lösungen präsentieren, könnten die Kursgewinne der vergangenen Tage seiner Meinung nach noch ein wenig weitergehen. Sollten die geopolitischen Streitthemen hingegen eskalieren, dürfte der Dax seine Gewinne wieder abgeben.

Er bleibt bei seiner Meinung der Vorwoche: „Es erwartet uns ein Sommer ohne nachhaltige Tendenz, trotz heftiger Schwankungen dürfte es schwer werden, ein deutlich höheres Kursniveau zu erreichen.“ Am US-Aktienmarkt zeigen aber einige Indikatoren, dass Anleger zumindest kurzfristig Gewinne mitnehmen dürften.

Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage und der weiteren Indikatoren im Detail: Inzwischen sehen 26 Prozent (plus 19 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) der Anleger in der aktuellen Bewegung des Dax einen Aufwärtsimpuls. Weiterhin betrachtet jeder Fünfte (plus elf Prozentpunkte) die aktuellen Kurse über 13.000 Punkten als Topbildung. Auf der anderen Seite bleiben 44 Prozent der Umfrageteilnehmer (minus fünf Prozentpunkte) skeptisch und sehen die Kursgewinne nur als Pendelbewegung in einer übergeordneten Seitwärtsbewegung. Die Niedergeschlagenheit der Vorwoche ist damit in kürzester Zeit in Feierlaune umgeschwungen.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
Angaben in Prozent

Das Kursplus in Höhe von zwei Prozent in der vergangenen Woche wollen mehr als die Hälfte der Anleger (52 Prozent, plus 14 Prozentpunkte) zum größten Teil so erwartet haben, jeder Zehnte (plus fünf Prozentpunkte) gibt an, vor einer Woche bereits darauf spekuliert zu haben. Nur noch 30 Prozent (minus sieben Prozentpunkte) sehen ihre Erwartungen kaum erfüllt und weitere acht Prozent (minus zwölf Prozentpunkte) wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Die Verunsicherung der Anleger von vor einer Woche ist damit verflogen.

Die Bodenbildung ist damit abgeschlossen, meinen die Teilnehmer der Dax-Sentimentumfrage. Nur noch sechs Prozent (minus sieben Prozentpunkte) erwarten für den deutschen Leitindex erst in drei Monaten eine Bodenbildung. Stattdessen fürchten nun 36 Prozent (plus fünf Prozentpunkte) einen erneuten Abwärtsimpuls, weitere acht Prozent (plus drei Prozentpunkte) erwarten eine Topbildung.

Anhaltend steigende Kurse erwarten 19 Prozent der Anleger (minus zwei Prozentpunkte), weitere 31 Prozent (plus ein Prozentpunkt) gehen von einer Seitwärtsbewegung aus. Der Zukunftsoptimismus verharrt damit auf sehr niedrigem Niveau.

Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
Angaben in Prozent

Entsprechend wollen unverändert auch nur 17 Prozent in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, 22 Prozent (plus drei Prozentpunkte) hingegen wollen verkaufen. Mit 61 Prozent (minus drei Prozentpunkte) wollen die meisten erst einmal abwarten. Die Investitionsbereitschaft ist damit so niedrig wie zuletzt vor einem Jahr. Damals drohte aufgrund zahlreicher Affären das Weiße Haus in Washington im Chaos zu versinken.

Das Sentiment der Stuttgarter Börse Euwax, an der vor allem Privatanleger handeln, ist in den vergangenen Tagen ein wenig gefallen. Der Wert in Höhe von minus 2,7 zeigt an, dass Anleger offensichtlich wieder stärker Absicherungspositionen eingegangen sind oder sogar auf fallende Kurse spekulieren. Der Indikator wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet – ein Minuswert zeigt ein Übergewicht von Short-Produkten an, die bei fallenden Kursen im Wert steigen.

Institutionelle Investoren, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, weisen ein Put/Call-Verhältnis von 1,3 auf, kaufen also mehr Calls als im Schnitt der vergangenen zwölf Monate (1,5).

Auch in den USA sichern sich institutionelle Anleger wieder stärker ab, das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE zeigt mit 0,89 eine moderate Absicherungsneigung an.

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
Angaben in Prozent

Der anhand von technischen Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Index“ der US-Aktienmärkte 500 zeigt mit 59 Prozent eine neutrale Verfassung an, hingegen gilt das US-Börsenbarometer S&P 500 kurzfristig als überkauft. Das bedeutet: Das US-Aktienbarometer ist zu schnell zu hoch gestiegen und lädt dementsprechend zu Gewinnmitnahmen ein. „Für die US-Märkte ist also zumindest auf Sicht von wenigen Tagen Vorsicht geboten“, schlussfolgert der Sentimentexperte.

Die Investitionsquote der US-Profis ist auf 104 Prozent angesprungen und erreicht damit ein Niveau, das zuletzt im vergangenen Herbst erreicht wurde – kurz vor der US-Unternehmenssteuerreform. In Folge der Unternehmenssteuerreform war die Investitionsquote noch weiter angestiegen, doch diesmal wird es schwer, etwas Äquivalentes zu finden, damit die Profis ihr Engagement beispielsweise durch den Einsatz von Hebelprodukten weiter zu erhöhen. Somit ist auch dieser Indikator derzeit eher ein Warnsignal.

Der Bulle/Bär-Index der US-Privatanleger zeigt mit einem Wert in Höhe von 23 Prozent ein deutliches Übergewicht der optimistischen Anleger an. „Auch haben wir ein Niveau erreicht, das nur noch durch ein äquivalentes Ereignis wie die US-Unternehmenssteuerreform Ende des vergangenen Winter weiter erhöht werden kann“, meint Heibel.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

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