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Dax-Umfrage Langsam bröckelt die Zuversicht

Chaos und Kapitulation regierten vor einer Woche die Börsen - doch Anleger glaubten weiter fest an steigende Kurse. Die Lage hat sich nun geändert. Was das für die Börsen bedeutet, zeigt eine exklusive Analyse.
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Noch nie war seit dem Start der Handelsblatt-Umfrage im September 2014 der Pessimismus so hoch wie derzeit.
Dax-Anleger brauchen Geduld

Noch nie war seit dem Start der Handelsblatt-Umfrage im September 2014 der Pessimismus so hoch wie derzeit.

Düsseldorf Am Montag vor einer Woche war Chaos bis hin zur Kapitulation an den Börsen weltweit zu sehen. Dennoch blieb die mittelfristige Zuversicht der Anleger auf einem hohen Niveau. Ein großer Teil glaubte unbeirrt an wieder steigende Kurse in den kommenden drei Monaten. „Panik sieht anders aus“, beschrieb Börsenexperte Stephan Heibel die Stimmung unter den Anlegern - ganz im Gegensatz zum panikartigen Verkauf an der Börse.

Aus Sentimentsicht ist diese hohe Zuversicht ein Kontraindikator. Erst wenn diese deutlich schwindet, ist die Grundlage für einen nachhaltigen Kursanstieg gegeben - weil, vereinfacht gesagt, erst nach Panik bzw. geringer Zuversicht genügend Anleger ihr Papiere verkauft haben, damit bereits wenige neue Käufer die Kurse wieder steigen lassen können. Auch die Sentiment-Sonderumfrage Mitte vergangener Woche ergab keine neuen Erkenntnisse. Im Gegenteil: Nach der Kurserholung stieg die Zuversicht sogar wieder an.

Grundlage für derartige Einschätzungen ist die wöchentliche Umfrage Dax-Sentiment auf Handelsblatt Online unter mehr als 2300 Anlegern. Diese Umfrage ermittelt die Börsenstimmung, also ob Anleger euphorisch oder pessimistisch eingestellt sind. Dies sind oft Kontraindikatoren. Daraus leitet Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, Prognosen ab, wie sich der Dax entwickeln könnte. Prognosen der Vergangenheit, die bislang eine sehr hohe Trefferquote haben, finden Sie unter Vergleich Dax-Sentiment und Indexentwicklung.

Wie sieht die aktuelle Börsenstimmung aus? Laut der neuesten Umfrage erwarten nur noch 40 Prozent der Anleger mittelfristig steigende Kurse – zwei Prozentpunkte weniger als vor einer Woche. Und die Zahl derer, die in drei Monaten einen Abwärtsimpuls fürchten, ist um drei Prozentpunkte auf 18 Prozent gestiegen. „Das ist eine kleine, aber deutlich sichtbare Eintrübung der Erwartungen für die künftige Entwicklung an den Aktienmärkten“, meint Heibel und fügt erleichtert hinzu: „Endlich!“

Der rückläufige Optimismus zeigt sich auch in der Investitionsbereitschaft der Anleger. 56 Prozent der Anleger wissen noch nicht, ob sie kaufen oder verkaufen wollen – sieben Prozentpunkte mehr gegenüber der Vorwoche. Immerhin wollen 28 Prozent (minus vier Prozentpunkte) kaufen und nur 16 Prozent verkaufen.

„Ein institutioneller Anleger hat den Ausverkauf verursacht”

Die völlige Niedergeschlagenheit der Anleger in der Vorwoche ist nach der deutlichen Gegenbewegung im Verlauf der vergangenen Tage kleiner geworden. Immerhin sieht mehr als jeder Sechste (plus 15 Prozentpunkte) in der aktuellen Bewegung bereits wieder einen Aufwärtsimpuls. Allerdings überwiegen noch die Pessimisten: Mehr als jeder Dritte sieht den Dax nach wie vor in einer Abwärtsbewegung – 30 Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche.. Zulauf hat auch das Lager der Neutralen bekommen – fast jeder Vierte glaubt an eine aktuelle Seitwärtsbewegung.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?


Die Selbstkritik, die in der Vorwoche in absolute Verunsicherung umgeschlagen war, normalisiert sich wieder ein wenig. Die ist ablesbar an den Antworten auf die Frage, ob Anleger die Entwicklung in der Vorwoche so erwartet hatten. Jeder Dritte wurde von den Ereignissen absolut überrascht – 15 Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche. 28 Prozent (plus zehn Prozentpunkte) sehen ihre Erwartungen kaum erfüllt und weitere 30 Prozent zum größten Teil erfüllt. Kaum jemand (sieben Prozent) gibt an, die Börsenentwicklung der abgelaufenen Woche so voll und ganz erwartet zu haben.

Heibels Einschätzung nach waren es nicht Privatanleger, die am vergangenen Montag für den Ausverkauf sorgten. „Es muss ein institutioneller Anleger gewesen sein, der stark auf steigende Kurse gewettet hatte und diese Wette ohne Rücksicht auf Verluste auflösen musste – gegebenenfalls durch einen Margin Call“, meint der Sentimentexperte. Bei einem „Margin Call“ handelt es sich - sinnbildlich gemeint - um den Anruf eines Brokers zur Erhöhung der Sicherheit. Man muss, weil sich die Investitionen mit Terminkontrakten schlecht entwickelt haben, echtes Geld auf das Konto zahlen, um zu verhindern, dass die offenen Positionen zwangsaufgelöst werden.

Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?


Heibel bewertet die Turbulenzen als eine technische Korrektur, die keine konjunkturellen Hintergründe hat. „Dennoch ist es eine Lehre für alle anderen Spekulanten, die nochmal mit einem blauen Auge davongekommen sind: Wetten auf weiter steigende Kurse werden von nun an nur noch sehr vorsichtig eingegangen, die Long-Positionierungen werden kleiner sein“, erläutert er. Entsprechend werde es an einer nachhaltigen Nachfrage fehlen. Heibel erwartet für die laufende Woche eher eine zögerliche Fortführung der Erholung mit vielen Unterbrechungen.

Erneuter Rückschlag wird erfolgen

Mittelfristig, auf Sicht von zwei bis drei Monaten, sei jedoch nochmals mit einem erneuten Rückschlag zu rechnen, da am vergangenen Montag keine Panik erzeugt wurde und der Boden daher seines Erachtens noch nicht nachhaltig ist. Heibel: „Ob der erneute Ausverkauf uns nochmals genau auf die Tiefs vom vergangenen Montag führt ist jedoch fraglich.“

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten?


Eine ähnliche Einschätzung haben auch Franz-Georg Wenner und Andreas Büchler. Für die beiden Börsenexperten sieht ein überzeugender Dax-Umschwung anders aus. Ausgelöst wurde nach deren Meinung der Anstieg in der vergangenen Woche vermutlich von Eindeckungskäufen, mit denen Short-Positionen, also das Spekulieren auf fallende Kurse, geschlossen wurden. Anleger, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, nehmen also Gewinne mit, dadurch klettere der Markt etwas.

Auch Schnäppchenjäger, die inzwischen vereinzelt attraktive Kaufgelegenheiten ausgemacht haben, dürften zu einem Anstieg des Dax beigetragen haben. Doch sei das Handelsvolumen mit jedem weiteren Punkt, den der Index hinzu gewinnt, wieder rückläufig. Immer weniger Nachfrage finde sich somit, je höher das Preisniveau wieder kommt.

Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?


Die Umfrage startet jeden Donnerstag und endet Sonntagmittag. Die Auswertung steht Montagmittags auf Handelsblatt Online zur Verfügung. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine mit der Information, wann die Experten-Auswertung im Laufe des Montags auf Handelsblatt Online zu lesen ist. Auszüge der Auswertung können Anleger dann auch in den Marktberichten auf der Handelsblatt-Website lesen.

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1 Kommentar zu "Dax-Umfrage: Langsam bröckelt die Zuversicht"

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  • Die angst der Spekulanten
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    Sie haben in den Panikmodus geschaltet.
    Nachts wachen sie schweißgebadet auf, haben Schnappatmung und sind nahe an einem Herzkasper.
    Hier muss schnellstens ein "Rettungsschirm aufgespannt werden. Das "Steuervieh" muss uns retten! Es kann/darf doch nicht sein, dass wir Verluste schreiben. Wo bleibt die "Solidarität"?

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