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Handelsraum der Frankfurter Börse

Der Dax steckt im Sommerloch.

(Foto: dpa)

Dax-Umfrage Mutlose Anleger bleiben dem Aktienmarkt fern

In den USA freut man sich über neue Allzeithochs, in Deutschland hingegen werden die Anleger mutlos. Was das für die Aktienmärkte bedeutet.
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Düsseldorf Die Börsenwelt ist derzeit zweigeteilt: Während sich die US-Anleger über die neuen Allzeithochs freuen, ihre Investitionsquote erhöhen und ihre Absicherungen gegen fallende Kurse herunterfahren, verhalten sich die Anleger in Deutschland deutlich vorsichtiger.

Dies ist eine Konsequenz der unterschiedlichen Kursentwicklungen. Der Dax verlor in der vergangenen Handelswoche zwei Prozent, der Dow Jones legte hingegen 1,7 Prozent zu.

Zwar wurden auch hierzulande in den vergangenen Tagen die Absicherungen gegen fallende Notierungen heruntergefahren, doch mit neuen Investments hält man sich stark zurück. „Für mich sieht das so aus, als wollten Anleger in Deutschland den Sommer erst einmal abwarten“, analysiert Stephan Heibel nach Auswertung der wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 3500 Anlegern und weiterer Indikatoren.

Der Inhaber des Analysehauses Animusx zieht daraus zwei Schlussfolgerungen: Weil die Anleger in Deutschland bereits defensiv positioniert sind, ist damit die Gefahr eines anhaltend heftigen Ausverkaufs zumindest für den Dax gering.

In den USA hingegen baut man schon auf die nächste Zinssenkung durch Fed-Chef Jay Powell, die für Ende Juli erwartet wird. Der Raum für positive Überraschungen in den USA wird enger.

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Gegen eine mögliche Rally am deutschen Aktienmarkt spricht die sehr große Zukunftsskepsis, die die Anleger laut Dax-Sentiment wieder zeigen. Auf der anderen Seite des Atlantiks sind die Anleger in diesem Punkt leicht optimistisch gestimmt. Zur Erläuterung: Die Zukunftserwartung ist im Gegensatz zur Stimmung kein Kontraindikator. Extremer Pessimismus signalisiert eher eine möglicherweise bevorstehende Korrektur.

„Somit bleibt es vorerst bei einer neutralen Verfassung der Märkte: Allein aus dem Sentiment können wir aktuell keine künftige Richtung der Aktienbörsen ableiten“, meint Heibel. Erst neue Meldungen würden den Dax in die eine oder andere Entwicklung treiben.

Dabei gelten folgende Alternativszenarien: Eine Rally am deutschen Aktienmarkt würde viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischen, sie müssten den Kursen hinterherlaufen und in steigende Notierungen hinein kaufen. Ein erneuter Ausverkauf hingegen dürfte begrenzt bleiben.

Ähnlich sieht Joachim Goldberg die Lage, der für die Börse Frankfurt eine ähnliche Umfrage auswertet. Er erwartet, dass die Verkäufer der vergangenen Tage erneut als Nachfrager auf niedrigerem Niveau (möglicherweise zwischen 12.250 und 12.200 Dax-Zählern) auftreten. „Sollte der Dax nicht wie mehrheitlich erhofft in Bedrängnis geraten, hätten die Bären recht schnell das Nachsehen, und der Markt bekäme es im Rahmen von eiligen Rückkäufen mit einem abermaligen Short-squeeze [rasanter Kursanstieg, d. Red.] und einer möglicherweise saftigen Rally des Dax zu tun“, schrieb er am vergangenen Mittwoch.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
Angaben in Prozent

Die aktuellen Umfrageergebnisse des Dax-Sentiments zeigen: Nur noch gut jeder Zehnte (elf Prozent, minus 31 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) sieht den deutschen Leitindex in einem Aufwärtstrend. Der gleiche Anteil geht von einer Topbildung aus (minus neun Prozentpunkte).

24 Prozent (plus 21 Prozentpunkte) haben den Ausverkauf der vergangenen Woche als Abwärtsimpuls wahrgenommen. Doch jeder zweite Anleger (plus 20 Prozentpunkte) geht von einer übergeordneten Seitwärtsbewegung aus. Im Vergleich zur Vorwoche ist die Anlegerstimmung deutlich eingebrochen, aber Niedergeschlagenheit ist noch nicht zu erkennen.

Rückschlag oft Teil der Erwartungen

Bei der Umfrage zur Unsicherheit/Selbstbewusstsein der Anleger haben mit 40 Prozent (minus sechs Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) die meisten mit einem solchen Rückschlag „zum größten Teil“ gerechnet. Weitere zwölf Prozent (minus drei Prozentpunkte) wollen auf das Minus der vergangenen Handelswoche sogar spekuliert haben. Für unverändert 34 Prozent haben sich die Erwartungen der vergangenen Börsenwoche „kaum erfüllt“. 15 Prozent (plus neun Prozentpunkte) hatten völlig andere Erwartungen an die vergangenen Handelstage.

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
Angaben in Prozent

In den vergangenen Wochen zeigten sich die Anleger pessimistisch bei der Frage, wie sie den Dax in drei Monaten einschätzen. Zwar setzten sich am vergangenen Montag die Optimisten durch, doch das war nur ein kurzes Gastspiel. Denn der Mut hat die Anleger wieder verlassen: Nur noch 23 Prozent (minus sieben Prozentpunkte) der Umfrageteilnehmer erwarten für den Dax in drei Monaten weiter steigende Kurse. Doch 30 Prozent (plus sieben Prozentpunkte) fürchten einen Abwärtsimpuls. Mit 37 Prozent (plus drei Prozentpunkte) gehen die meisten Anleger von einer anhaltenden Seitwärtsbewegung aus.

Dass die Anleger der Mut verlassen hat, zeigt sich auch an der Investitionsbereitschaft. Nur noch 16 Prozent (minus zehn Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) der Anleger wollen in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, hingegen wollen nun wieder 16 Prozent (plus fünf Prozentpunkte) ihre Positionen verkleinern. Mit 68 Prozent (plus fünf Prozentpunkte) sind fast zwei Drittel der Anleger verunsichert. Sie wissen derzeit noch nicht, wie sie sich in den kommenden zwei Wochen verhalten werden.

Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
Angaben in Prozent

Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, hat sich wieder gedreht. Noch in der Vorwoche hatten sich Anleger mit erhöhten Käufen von Put-Produkten extrem gegen fallende Kurse abgesichert, mittlerweile sind sie wieder neutral positioniert. Das Euwax-Sentiment wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet.

Institutionelle Anleger hingegen, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, erwarten weiterhin steigende Kurse. Das Put/Call-Verhältnis steht bei 1,1 und damit deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen Monate.

Auch in den USA zeigt das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE mit 0,9 eine bullische Positionierung der Anleger an. Auch US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote um acht Prozentpunkte auf 87 Prozent hochgefahren. Die US-Privatanleger haben eine Bullenquote von sechs Prozent und sind somit in Folge der neuen Allzeithochs ebenfalls überwiegend bullisch gestimmt.

Der anhand einiger technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte zeigt mit 64 Prozent eine neutrale technische Verfassung an. Andere technische Indikatoren der US-Aktienmärkte zeigen an, dass kurzfristig eine zumindest kleine Korrektur wahrscheinlich ist.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online.

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