Dax-Umfrage „Noch ist es nicht soweit“

Der deutsche Aktienmarkt steckt nun in einer Baissephase, ist aber von einem Bärenmarkt wie 2008 noch weit entfernt. Doch das kann sich ändern. Auf welche Zeichen Anleger in den kommenden Handelstagen achten sollten.
7 Kommentare
Händler sitzen im Handelssaal der Börse an ihren Monitoren. Die Baissephase geht wohl weiter, eine Fortsetzung der Rally ist nicht in Sicht. Quelle: dpa
Börse in Frankfurt/Main - Dax unter 10.000 Punkten

Händler sitzen im Handelssaal der Börse an ihren Monitoren. Die Baissephase geht wohl weiter, eine Fortsetzung der Rally ist nicht in Sicht.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Fehlstart der Aktienbörsen in das Jahr 2016 hat bei Anlegern Spuren hinterlassen. Trotz der Gegenbewegung zum Ende der abgelaufenen Woche, als der Dax um 2,3 Prozent gestiegen ist, ist die Grundstimmung unter den Anleger nach wie vor von einer sehr großen Niedergeschlagenheit gekennzeichnet.

56 Prozent der Teilnehmer an der Handelsblatt-Umfrage zu Börsenstimmung sehen in der aktuellen Entwicklung nach wie vor einen Abwärtsimpuls – nur vier Prozentpunkte weniger gegenüber der Vorwoche. Immerhin hoffen 29 Prozent hoffen auf eine Bodenbildung. „Mit diesen Werten notiert das kurzfristige Sentiment noch immer auf historisch niedrigem Niveau“, meint Börsenexperte Stephan Heibel.

Er wertet die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage unter mehr als 2300 Anlegern aus und leitet daraus Prognosen ab, wie sich der Dax in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte. Die Qualität seiner Prognosen ist sehr gut. (Siehe Vergleich Dax-Prognose und Indexentwicklung.)

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?


Vor einer Woche hat Heibel festgestellt, dass sich die Aktienbörsen nun in einer Baissephase befinden. Aus Sicht von Sentimentexperten endet eine Baisse erst dann, wenn Panik unter den Anlegern aufkommt und möglichst viele ihre Aktien auf den Markt werfen. Danach sorgen aus Mangel an Verkäufen bereits wenige Käufer für wieder steigende Kurse.

Doch danach sieht es derzeit nicht aus. „Panik ist bislang noch nicht zu erkennen, vielmehr verharrt der Zukunftsoptimismus der Anleger aktuelle auf einem mittleren Niveau“, meint der Börsenexperte.

Mehr Anleger wollen kaufen

Ölprognosen: Die Experten liegen falsch!

Die steigenden Kurse der Vorwoche haben sich positiv auf das Selbstwertgefühl der Anleger. Die Selbstgefälligkeit ist ein wenig angestiegen. Nur noch gut jeder Dritte ist von der Entwicklung in der abgelaufenen Woche vollständig überrascht worden. Dafür hat jeder Vierte Gegenbewegung so zum größten Teil erwartet. Doch trotz des kleinen Anstiegs in der Selbstgefälligkeit notiert auch diese nach wie vor auf historisch niedrigem Niveau.

Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?


So schlecht die kurzfristige Stimmung auch sein mag, der Zukunftsoptimismus bleibt erhalten. An einen Aufwärtsimpuls in drei Monaten glaubt gut jeder dritte Umfrageteilnehmer. Nur jeder Fünfte fürchtet einen weiteren Abwärtsimpuls. Immerhin positionieren sich die Meinungen der Anleger, denn von einer anhaltenden Seitwärtsbewegung geht jeder Vierte aus.

Auch bei der Investitionsbereitschaft steigt die Polarisierung, denn sowohl die Zahl der Verkäufer als auch der Käufer nehmen zu. 30 Prozent und damit fünf Prozentpunkte mehr gegenüber der wollen in den kommenden zwei Wochen kaufen. 15 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) wollen verkaufen. Mit 55 Prozent ist die große Mehrheit aber weiterhin unentschlossen.

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten?


Über die Gründe für die Rally der vergangenen Woche gingen die Meinungen weit auseinander. War es Mario Draghi, der die Kursrallye zum Ende der Woche ausgelöst hat? Oder war es der angestiegene Ölpreis? Oder ist der Ölpreis durch Draghis Worte angestiegen, was dann die Gegenbewegung an den Aktienmärkten nach sich zog? „Unbestritten ist, dass eine Gegenbewegung nach drei Wochen heftigem Ausverkaufs überfällig war“, meint Stephan Heibel.

Er vermisst aus Sentimentsicht nach wie vor die Panik, die am Ende einer Baisse Anleger kapitulieren lässt und einen letzten, heftigen Ausverkauf hervorruft. Für Panik müsse die mittelfristige Zuversicht der Anleger noch deutlich zurückkommen.

"Es ist nicht ungefährlich"

Seine Meinung über die aktuelle Börsensituation: „Anleger sind sich sicher, dass wir es derzeit nur mit einer Börsenkorrektur zu tun haben, und nicht mit einem Konjunktureinbruch“. Zwar schwächelt die Wirtschaft ein wenig, insbesondere China steht in der Kritik. Und in den USA ist der Aufschwung bereits im sechsten Jahr, so dass dort eine Verlangsamung des Wachstums ebenfalls nicht überraschen sollte. „Doch von einem Bärenmarkt wie 2008 sind wir noch weit entfernt, denn die Finanzmarktturbulenzen schlagen sich bislang noch nicht in der Wirtschaft nieder“, betont der Sentimentexperte, warnt aber gleichzeitig.

Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?


Denn je länger eine Baisse dauere, desto gefährlicher werde es für die Wirtschaft. Finanzierungsmöglichkeiten verebben mit der Zeit und eine zunehmende Zurückhaltung bei Investitionen könne schließlich doch noch zu negativen wirtschaftlichen Auswirkungen einer lange anhaltenden Baissephase führen.

„Es ist nicht ungefährlich, was derzeit an den Börsen läuft“, warnt Heibel. Bislang handele es sich „nur“ um eine Finanzmarktkorrektur. Doch trotz der heftigen Gegenbewegung vom Ende der abgelaufenen Woche ist ein Ende der Baissephase noch nicht in Sicht.

Je länger die Baissephase andauert, desto gefährlicher wird es für die Konjunktur, denn irgendwann könnte sich eine Abwärtsspirale entwickeln, die eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Der Börsenexperte: „Noch ist es nicht soweit, doch wir werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen müssen.“

Startseite

Mehr zu: Dax-Umfrage - „Noch ist es nicht soweit“

7 Kommentare zu "Dax-Umfrage: „Noch ist es nicht soweit“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Da kann ich den bisherigen Kommentatoren nur zustimmen. Als Schwächephase würde ich einen DAX Stand von 8000 bezeichnen. Derzeit erleben wir normale Schwankungen, wie sie im Aktiengeschäft nicht unüblich sind. Professionelle Langfristinvestoren sind weltweit investiert und nicht auf einen engen DAX Index fokussiert.

    Was geschrieben wird ist Glaskugel und Kaffeesatzleserei.

    In Tiefstphasen nachkaufen, wenn die Angst am grössten wird.

  • Dem Anleger sind solche Phasen völlig egal. Der Ivestor freut sich über die Bewegungen.
    Wer wie Farmer seit über 50 Jahren in internationale Premium Aktien investiert hat, der kann über solche Meldungen nur lächeln.
    Die Aktie ist alternativlos und Schwächephasen sind da zum nachkaufen.
    Die Dividenden sind die neuen Zinsen.
    Bei Schieflage nie verkaufen, denn nur wer Verluste realisiert der macht Verluste.

  • Farmer, ich kann mich dem Dank nur anschliesen, ist sonst wirklich ein langer Tag ;)

  • Ich hoffe Ihr Nachnamen läßt nicht auf Ihre Grundeinstellung schließen.

    Denn Ihre aufgeführten Jahre waren die besten Möglichkeiten endlich wieder mal billiger zu Aktien zu kommen.
    Wenn ich an meine Käufe in 90-95 denke, oder 2001,aber das Traumjahr schlechthin war Ihr genanntes Jahr 2008 - Dax runter bis 3.500 dann ging es bis über die 12.000.
    Tja, wie gesagt, Schwächephasen muß man nutzen.

  • Danke HBO, dass man hier wenigstens kommentieren darf.

    Dem Langfristanlger sind solche Phasen völlig egal. Der Trader freut sich über die Bewegungen.
    Wer wie ich seit über 50 Jahren in internationale Prämiumaktien investiert hat, der kann über solche Wasserstandsmeldungen nur lächeln.
    Die Aktie ist alternativlos und Schwächephasen sind da zum nachkaufen.
    Die Dividende sind die neuen Zinsen.
    Bei Schieflage nie verkaufen, denn nur wer Verluste realisiert der macht Verluste.

  • Danke HB ein interessanter und gut aufgebauter Artikel.


    "Schuster bleib bei deinen Leisten", denn als HB sollte man über Belange der Wirtschaft und Börse berichten und wie man sieht, es klappt doch.

    danke

  • 1987, 90-95 tote Hose, 2001, 2008.....

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%