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Dax-Umfrage Privatanleger werden vorsichtig, Profis nutzen die Korrektur zum Kauf

Die Rotation bei der laufenden Rally von Corona-Gewinneraktien in zyklische Werte sorgt für Marktturbulenzen. Eine Beruhigung ist noch nicht in Sicht.
07.09.2020 - 13:54 Uhr 1 Kommentar
Die Profis sichern sich derzeit an den Märkten wie die Privatanleger ab. Quelle: dpa
Börse Frankfurt

Die Profis sichern sich derzeit an den Märkten wie die Privatanleger ab.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Sowohl in den USA als auch in Deutschland sind die Profis bullish gestimmt und entsprechend positioniert, während Privatanleger eher vorsichtig und skeptisch sind.

Das zeigen die Daten der aktuellen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment, einer wöchentlichen Umfrage unter mehr als 3500 Anlegern, und weiterer Indikatoren. Für Stephan Heibel, der die Erhebung auswertet, ist das keine Überraschung. Denn neue Handelsplattformen wie Robinhood in den USA und Trade Republic in Deutschland haben junge Anleger zum Aktienkauf animiert.

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Und nach langer Zeit ständig steigender Aktienkurse gab es in der vergangenen Woche erstmals größere Rückschläge. „Da verwundert mich die Skepsis der Privatanleger nicht“, meint der Sentimentexperte. Profis hingegen wissen, dass Korrekturen zur Rally gehören. Sie nutzen solche Rückschläge, um Aktien wieder günstig einzusammeln.

Verkauft wurden in den vergangenen Tagen vor allem Corona-Gewinneraktien wie Technologiewerte, Onlinelieferdienste oder Onlinehändler, was wohl in erster Linie an den hohen Bewertungen liegt. So liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) bei Teamviewer bei einem Wert von 30, bei Hellofresh von vier und bei Shop Apotheke von drei.

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    Eine Aktie, die ein KUV unter eins aufweist, gilt allgemein als günstig bewertet, und es wird davon ausgegangen, dass dieser Wert noch über Kurspotenzial nach oben verfügt. Aktien, die ein KUV von 1,5 und höher aufweisen, gelten dagegen als „teuer“.


    In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
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    Andere Unternehmen sind aber günstig bewertet. „Sollte die zweite Coronawelle milder ausfallen als von vielen befürchtet, so könnten sich insbesondere zyklische und konjunktursensitive Aktien noch immer als viel zu günstig bewertet herausstellen“, meint Heibel.

    Profis nutzen die derzeitigen Rückschläge und legen sich günstige, konjunktursensitive Aktien ins Depot. So stiegen beispielsweise in der vergangenen Woche trotz des Rückschlags die zyklischen Automobilwerte.

    Diese Entwicklung bestätigt Heibels Meinung vom Montag der vergangenen Woche: „Wir sehen eine Rotation von Corona-Gewinnern in zyklische Aktien“. Daraufhin hatte er Anlegern empfohlen, ihre Portfoliostruktur entsprechend anzupassen.

    Im Gegensatz zu den Profis neigen Privatanleger schneller dazu, ihre Aktien zu verkaufen, und stehen damit möglicherweise vor einem Problem: Mit nur wenigen Aktien im Depot könnten sie der Rally-Fortsetzung schon bald nur noch unbeteiligt hinterherschauen.

    Doch wann endet dieser Rückschlag? Ist jetzt schon der Zeitpunkt gekommen nachzukaufen? Oder sollte man das noch immer hohe Niveau nutzen, um ein paar Gewinne mitzunehmen, die in den kommenden Wochen gegebenenfalls noch abgegeben werden?

    Reicht der gestrige Rückschlag, um die neuen Zocker aus dem Markt zu schütteln? Oder ist nach mehreren Monaten ohne nennenswerten Rücksetzer mal wieder eine etwas kräftigere Korrektur fällig?

    Das Handelsblatt-Dax-Sentiment gibt darauf eine eindeutige Antwort. Für eine Korrektur, um die vorher exzessiven Spekulationen auszugleichen, reicht es nicht. „Zwar sind die Umfrageteilnehmer ein wenig verunsichert, aber sie glauben fest an steigende Kurse und wollen zukaufen“, erläutert der Inhaber des Analysehauses Animusx.

    Für ihn sind die US-Werte Apple und Tesla die besten Beispiele für exzessive Spekulationen. Der iPhone-Hersteller hat seit Ankündigung des Aktiensplits 30 Prozent zugelegt und vergangene Woche gerade einmal zehn Prozent verloren. Tesla konnte seit Ankündigung des Aktiensplits um 70 Prozent zulegen und verlor nun gerade einmal 20 Prozent.

    Ein Aktiensplit schafft keinen Mehrwert. „Wenn Sie einen Kuchen in zwölf Stücke teilen, haben Sie nicht mehr Kuchen“, meint Heibel. „Sie haben allerdings mehr Menschen, die sich an diesem Kuchen erfreuen können.“


    Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
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    Deswegen fanden vor allem die Aktien von Apple und Tesla bei den jungen Aktionären großen Anklang. Langfristinvestoren hingegen haben auf dem aktuellen Kursniveau der beiden Titel keine Lust, sich zu engagieren.

    Die Rotation von Corona-Gewinnern in zyklische Aktien hat nach Ansicht von Heibel langsam begonnen und sorgte in der vergangenen Woche für Unruhe am Markt. „Die Rotation dürfte weitergehen, Ruhe dürfte nur langsam einkehren“, lautet seine Prognose.

    Die aktuellen Umfragedaten

    In der vergangenen Handelswoche hat sich der Dax insgesamt kaum verändert. Auf den Sprung nach oben zur Wochenmitte folgte ein heftiger Einbruch.

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    Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den aktuellen Umfragedaten wider. Die Stimmung ist mit einem Wert von minus 0,5 leicht depressiv, die gute Laune der Vorwoche ist verflogen. Es ist sogar ein wenig Verunsicherung aufgekommen.

    Der Sentimentexperte vermutet, dass dies der überraschenden Intensität des Sprungs nach oben und des anschließenden Einbruchs zuzuschreiben ist. „So heftige Kursbewegungen lassen sich schwer erklären und führen bei Anlegern eben zu einer gewissen Verunsicherung“, erläutert er.

    Doch viele Anleger ziehen offenbar folgenden Schluss daraus: alles nicht so schlimm. Denn der Zukunftsoptimismus ist auf einen Wert von 1,8 angestiegen. Der Kurssprung zur Wochenmitte war wohl eher das, was Anleger für die kommenden Wochen erwartet hatten. Der Einbruch am Donnerstag hingegen wurde als sogenannte technische Reaktion auf die leichte Schulter genommen.


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    Und so ist auch die Investitionsbereitschaft der Anleger gestiegen. In den kommenden zwei Wochen wollen doppelt so viele zukaufen wie verkaufen. So bullish und kaufwillig waren Anleger schon lange nicht mehr.

    Das Euwax-Sentiment an der für Privatanleger wichtigen Börse Stuttgart bleibt leicht pessimistisch: Privatanleger sichern sich weiterhin moderat gegen fallende Kurse ab.

    Die Profis hingegen, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, sind schon wieder bullish gestimmt. Das Put/Call-Verhältnis ist auf 1,0 gesunken und zeigt eine stärkere Gewichtung von Long-Spekulationen in den Portfolios der Profis an.

    Damit gesellen sich die heimischen Institutionellen zu den Profianlegern in den USA, die ebenfalls auf steigende Kurse spekulieren, und zwar viel stärker als hier in Deutschland. Das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE war in den vergangenen fünf Jahren nie so bullish wie heute.

    US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote von 106 Prozent auf 94 Prozent reduziert. Offensichtlich haben sie Gewinne mitgenommen.

    US-Privatanleger hingegen passen ganz und gar nicht in das bullishe Bild, das Profis abgeben: Das Bulle/Bär-Verhältnis liegt bei minus elf Prozent, die Bären haben bei den Privatanlegern jenseits des Atlantiks die Oberhand.

    Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Aktienmärkte ist auf 58 Prozent gefallen und notiert damit wieder im neutralen Bereich. Noch vor einer Woche signalisierte dieser Wert extreme Gier.

    Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentiment-Umfrage informieren, und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

    Mehr: Wie Schulden die Kurse treiben

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    1 Kommentar zu "Dax-Umfrage: Privatanleger werden vorsichtig, Profis nutzen die Korrektur zum Kauf"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Zweifelhafter Artikel - welche Rolle spielt denn bitte das KUV, insb. branchenübergreifend betrachtet? Es macht doch einen riesigen Unterschied, wie skalierbar ein Geschäftsmodell ist und welche Marge auf den Umsatz operativ erzielt wird. Zudem greift eine statische Betrachtung des Umsatzes eines GJ gerade bei stark wachsenden Unternehmen zwangsweise zu kurz.

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