Dax-Umfrage Privatinvestoren setzen auf steigende Kurse, Profis sind weiter verunsichert

Die Stimmung an der Börse ist zweigeteilt: Privatanleger sind nach dem Börsenbeben wieder optimistisch, Profis befürchten einen erneuten Crash.
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Gier und Panik? Wann Emotionen die Kurse bewegen

DüsseldorfIn der vergangenen Handelswoche konnte der Dax zum zweiten Mal sein bisheriges Tief der laufenden Korrektur seit dem 23. Januar dieses Jahres testen. Der deutsche Leitindex rutschte am Mittwoch vorbörslich kurz unter 12.000 Punkte, stieg anschließend aber wieder um mehr als 400 Punkte. „Anleger stürmen schon wieder auf das Parkett und sammeln ihre Lieblingsaktien ein“, fasst Börsenexperten Stephan Heibel die aktuelle Börsenstimmung zusammen.

Grundlage für seine Einschätzung ist die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 3000 Anlegern. Hinter solchen Erhebungen zur Börsenstimmung stehen zwei Annahmen: Wenn die große Masse von Anlegern bereits investiert hat, bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger mehrheitlich nicht investiert haben, können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Nach der Auswertung der Umfrageergebnisse seit Beginn der Korrektur ergibt sich für Heibel: „Die Panik, die eigentlich für eine Bodenbildung im Rahmen einer Korrektur erforderlich ist, habe ich noch nicht gesehen“. Aus Sicht der Sentimentanalyse ist solch eine Panik, ein Ausverkauf mit hohen Umsätzen im Abwärtstrend, ein wichtiger Indikator für eine bevorstehende Trendwende. Denn dann haben viele Investoren ihre Aktien verkauft, es reichen anschließend wenige Käufe, damit die Kurse wieder steigen.

Vielmehr haben Heibels Meinung nach automatische Handelssysteme die Aktienindizes in kürzester Zeit ausverkauft und dadurch das aus vergangenen Korrekturen bekannte, typische Korrekturmaß von zehn bis elf Prozent genau erreicht. „Wenn die Kurse jetzt wieder direkt in Richtung neuer Rekordhochs steigen würden, dann hätten wir die erste vollautomatische Korrektur erlebt, die völlig an den Menschen vorbei lief“, so der Sentiment-Fachmann.

Der Inhaber des Analysehauses Animusx hat nach Auswertung der aktuellen Daten eher den Eindruck, dass die Profis fallende Kurse befürchten und sich gegen einen erneuten, „menschengemachten“ Rückschlag an den Börsen absichern würden. Privatanleger hingegen, die seit vielen Monaten das Wort „Korrektur“ nicht mehr verwenden mussten, wollen möglichst schnell wieder zur Tagesordnung übergehen. Doch ein gewisses Unbehagen sei auch bei den Privaten zu erkennen, anders sei der rückläufige Zukunftsoptimismus nicht zu interpretieren.

Die Konsequenz daraus: Bei einer eventuellen Dax-Rally würden Privatanleger sehr früh Gewinne mitnehmen, was einen Anstieg auf neue Allzeithochs verhindern dürfte. Profianleger seien verunsichert, weil der weltgrößte Hedgefonds Bridgewater massiv auf fallende Kurse in Deutschland spekuliert. Der Fonds hat knapp sechs Milliarden Euro an Leerposition allein auf 13 Dax-Aktien aufgebaut.

Bei Leerverkäufen leihen sich die Investoren Aktien von Unternehmen, bei denen sie mit Kursverlusten rechnen. Diese Papiere verkaufen sie danach und hoffen darauf, dass die Notierungen fallen. Dann können sie die Aktien später günstiger zurückkaufen und an den Verleiher zurückgeben.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?


Die bisherige Erholung an den Aktienmärkten ist auch am Dax mit einem Plus von 2,8 Prozent seit dem bisherigen Tief weitgehend vorbeigegangen. Schließlich ist der Dow Jones in dem Zeitraum beispielsweise um 4,3 Prozent gestiegen. So lautet auch Heibels Fazit: „Spekulationen auf die eine oder andere Dax-Bewegung sind in meinen Augen daher derzeit ziemlich unsinnig. Besser ist es, sich einzelne Unternehmen anzuschauen, sie zu bewerten und Abstauberlimits zu definieren, über die Sie sich in sechs oder zwölf Monaten freuen, wenn Sie auf diese Korrektur zurückblicken.“

Die aktuelle Handelsblatt-Umfrage zeigt: Noch vor einer Woche sahen deutlich mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer in der damaligen Dax-Bewegung einen Abwärtsimpuls, nun sind es nur noch 19 Prozent (minus 39 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche). Diese Angst vom vergangenen Montag ist zu einem großen Teil in eine neutrale Stimmung übergegangen. Nun erkennen 35 Prozent (plus 24 Prozentpunkte) derzeit eine Seitwärtsbewegung.

Doch fast jeder Vierte (24 Prozent, plus 21 Prozentpunkte) sieht bereits die Wiederaufnahme der Rally. „So heftig der Stimmungseinbruch vor zwei Wochen auch gewesen sein mag, so schnell wurde die depressive Stimmung nun wieder abgeschüttelt“, betont Heibel. Mit einem Wert von 0,5 ist die Stimmung neutral.

Zukunftsoptimismus geht zurück
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1 Kommentar zu "Dax-Umfrage: Privatinvestoren setzen auf steigende Kurse, Profis sind weiter verunsichert"

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  • Also ich glaube , wenn es dauernd fällt, kann es auch wieder steigen.
    Auf Regen kommt die Sonne.

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