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Dax-Umfrage Rally an der Börse scheint abgesagt – Anleger haben zu viele Wachstumsaktien im Depot

Die aktuelle Umfrage zeigt: Anleger wollen so lange wie möglich auf die Corona-Gewinneraktien setzen. Doch dieses Verhalten wird sich bald ändern.
31.05.2021 - 15:17 Uhr Kommentieren
Dax-Sentiment: Es gibt keine Corona-Gewinner- & Verliererbranchen mehr Quelle: Bloomberg
Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse

Viele Anleger stehen der Dax-Rally skeptisch gegenüber.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Der Dax dürfte in den kommenden Tagen seinen Seitwärtstrend in der Spanne von 15.500 Zählern auf der Ober- und 14.800 Punkten auf der Unterseite fortsetzen. Das ist das wichtigste Fazit aus der aktuellen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. Demnach dürften Notierungen wie der Schlussstand von 15.519 Zählern am vergangenen Freitag weiterhin nur kurzfristiger Natur sein.

„Der Dax dürfte es schwer haben, die Rally nachhaltig fortzusetzen“, meint Sentimentexperte Stephan Heibel nach Auswertung der Erhebung. Die Begründung für seine Meinung bedarf einer ausführlichen Erklärung.

Grundsätzlich gibt es zwei mögliche Gründe für steigende Kurse: Entweder es gibt mehr Nachfrage als Angebot, oder aber es gibt weniger Angebot als Nachfrage. Das mag belehrend klingen, ist aber entscheidend in der jeweiligen Börsensituation.

Nach einem panikartigen Ausverkauf, bei dem alle Anleger mit schwachem Nervenkostüm ihre Aktien auf den Markt geschmissen haben, reicht ein geringes Angebot, damit die Kurse steigen. Es reicht, wenn es quasi keine Verkäufer mehr gibt.

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    Meistens folgt dann ein starker Kursanstieg bei extrem dünnem Handelsvolumen. Denn es gibt nur wenige Käufer, weil einfach alle Marktteilnehmer Angst haben. In dem Fall genügt praktisch das Ausbleiben neuer Verkäufe, damit die Kurse wieder steigen.

    Grafik

    Doch die aktuelle Börsensituation ist eine andere. „Wir haben keinen panikartigen Ausverkauf gehabt, weder am Aktienmarkt noch übrigens am Kryptomarkt – das entnehme ich den Umfragewerten“, analysiert Heibel, Inhaber des Analysehauses AnimusX. Also gilt die andere Prämisse: Damit die Kurse steigen, muss mehr Nachfrage als Angebot herrschen. Doch das wird schwer.

    Denn wenn man die aktuellen Umfrageergebnisse genauer analysiert, liegen in den Depots der Anleger überwiegend Wachstumstitel, also Corona-Gewinneraktien, die in den vergangenen 15 Monaten deutlich gestiegen sind.

    „Doch es ist absehbar, dass irgendwann auch die Nach-Corona-Aktien eine ähnlich positive Performance erzielen werden“, meint der Sentimentexperte. Irgendwann benötigen Anleger also Geld, um auch die Nach-Corona-Aktien zu kaufen.

    Er hält es für möglich, dass die Aktienmärkte sich im Tandem weiter nach oben schaukeln: Mal die Wachstumsaktien, mal die konjunktursensiblen Aktien. Mal die Corona-Gewinner, mal die Nach-Corona-Gewinner. Mal Technologie, mal Industrie.

    Doch Heibel prophezeit: Irgendwann werden die aufgelaufenen Buchgewinne bei den Corona-Gewinnern realisiert, um Kapital für Käufe der Nach-Corona-Gewinner zu generieren. Denn laut den Daten von AnimusX hat die Investitionsquote der Anleger zwar noch keinen extrem hohen Wert erreicht, liegt aber nur knapp darunter. Solange diese Quote so hoch bleibt, dürfte eine Rally-Fortsetzung nur schwer möglich sein.

    Die einzige Möglichkeit einer Rally-Fortsetzung wäre ein sogenannter Short-Squeeze, ein fulminanter Kursanstieg ohne fundamentale Veränderungen. Der kommt dann zustande, wenn zu viele Anleger auf fallende Kurse wetten und von steigenden Notierungen überrascht würden. „Doch auch die Short-Quote gibt das nicht her, im Gegenteil: Sie ist auf einem extrem niedrigen Niveau“, meint Heibel nach Auswertung der AnimusX-Daten.

    Verantwortlich für die gute Dax-Perfomance in der vergangenen Woche mit einem Plus von 0,5 Prozent und einem Schlusskurs oberhalb von 15.500 Punkten waren Wachstumsaktien, ein Führungswechsel im Vergleich zu den Vorwochen.

    Die Entwicklung steigender Kurse bei den Wachstumsaktien hatte sich beim Dax-Sentiment vor einer Woche bereits abgezeichnet. Die Kurse dieser Papiere hängen in erster Linie von Renditen am Anleihemarkt ab. Vereinfacht formuliert: Je höher die Renditen steigen, desto stärker fallen die Kurse der Wachstumsaktien.

    Doch die Stimmung am Anleihemarkt hat vor einer Woche bereits fallende Renditen signalisiert. Dieses Szenario hat sich auch laut der aktuellen Erhebung am Wochenende nicht verändert. „Die Minuszinsen werden uns wohl doch noch eine Weile begleiten“, lautet Heibels Einschätzung.

    Der Führungswechsel in der vergangenen Handelswoche, als die Wachstumsaktien die Gewinnerliste anführten, hat sich positiv auf die Anlegerstimmung ausgewirkt. Der Sentimentindikator ist nach 0,6 in der Vorwoche auf 1,6 gestiegen und zeigt eine moderat gute Laune unter den Umfrageteilnehmern an.

    Auch die Selbstzufriedenheit ist von minus 0,3 auf 1,3 angestiegen. „Die schwache Performance im Bereich der Versorger und auch der konjunkturanfälligen Finanzaktien scheint unseren Umfrageteilnehmern nichts auszumachen. Ich werte dies als Hinweis darauf, dass die meisten Anleger noch immer in den Corona-Gewinnern, den Wachstumsaktien, investiert sind und zu wenig in den Nach-Corona-Aktien“, analysiert Heibel.

    Die Erwartung über die künftige Dax-Entwicklung ist auf 0,7 gestiegen, zeigt also leichten Optimismus an. Ein bemerkenswerter Vorgang, denn der deutsche Leitindex notiert nur wenige Punkte von seinem Rekordhoch entfernt. Noch in den vergangenen Wochen glaubten Anleger bei solchen Notierungen an eine unüberwindbare Hürde. Doch nun erscheint vielen mit Unterstützung der Wachstumstitel ein Sprung auf neue Hochs möglich.

    Aber neu investieren möchte man nicht, die Investitionsbereitschaft steht weiterhin auf dem niedrigen Wert 0,3. Ein Wechsel zu Nach-Corona-Aktien ist offensichtlich nicht auf dem Zettel der Anleger, vielmehr hat es den Anschein, als wolle man weiter auf die Wachstumsaktien setzen, solange wie möglich.

    Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, ist auf einen Wert von zwei zurückgefallen. Je mehr Call-Hebelprodukte in den Depots der Anleger liegen, desto höher ist dieser Wert und umgekehrt.

    Der Vergleich zu den Vorwochen zeigt: Die bullishen Positionierungen wurden aufgelöst, derzeit sind Privatanleger laut dem Euwax-Indikator überwiegend neutral positioniert.

    Das Put/Call-Verhältnis an der Chicagoer Terminbörse CBOE ist in der zweiten Woche in Folge deutlich angesprungen. Die Zahl der Put-Optionen, die bei fallenden Kursen steigen, ist deutlich angestiegen. In den USA sichern Anleger offensichtlich die erzielten Gewinne am Aktienmarkt ab.

    US-Fondsmanager haben die technisch begründete hohe Cashquote reduziert, die Investitionsquote ist auf 68 Prozent angesprungen. In der Vorwoche lag dieser Wert noch bei 44 Prozent, weil in dieser Zeit Steuern bezahlt werden mussten. Die Fonds rechnen in solchen Phasen mit hohem Kapitalabfluss und haben daher in der Vorwoche besonders viel Cash vorgehalten.

    US-Privatanleger haben ein Bulle/Bär-Verhältnis von zehn Prozent. Bemerkenswert ist das Lager der Neutralen, das mit 37,1 Prozent derzeit die meisten Anleger beherbergt. Der anhand technischer Marktdaten berechnet „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte notiert mit 36 Prozent im neutralen Bereich.

    Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 4500 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben können.

    Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

    Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentiment-Umfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

    Mehr: Gewinn mit Aktien – Wann Anleger Steuern zahlen müssen

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