Dax-Umfrage Sentiment-Experte sieht keine Anzeichen für einen Ausverkauf

Trotz der vielen aktuellen geopolitischen Konfliktherde – laut einer exklusiven Umfrage gibt es keine Anzeichen für einen Ausverkauf an den Märkten.
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Gier und Panik? Wann Emotionen die Kurse bewegen

DüsseldorfDer Dax steht vor einer Sommerflaute – trotz der vielen geopolitischen Risiken. Das zeigt die Auswertung der aktuellen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment und weiterer Indikatoren. „Weiterhin halte ich eine Seitwärtsbewegung beim Dax in den kommenden Wochen, möglicherweise sogar steigende Kurse für wahrscheinlicher“, meint Stephan Heibel, der die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage unter mehr als 3000 Anlegern auswertet.

Bereits vor einer Woche hatte der Inhaber des Analysehauses Animusx diese Prognose aufgestellt – und recht behalten. Unterm Strich haben sich die Aktienmärkte trotz heftiger Schwankungen innerhalb der Handelswoche nicht viel bewegt. Die Frankfurter Benchmark ist in diesem Zeitraum minimal um 0,2 Prozent gestiegen.

Warnungen vor einem anstehenden heftigen Ausverkauf kann Heibel nicht nachvollziehen. „Sämtliche Indikatoren liegen im neutralen Bereich“, erläutert der Sentiment-Experte. Für ihn sind die tagespolitischen Stimmungsschwankungen teilweise Momentaufnahmen, die allein betrachtet nicht für einen Ausverkauf oder für eine Rally sorgen. „Eine bessere Prognosequalität liefert der 5-Wochen-Durchschnitt des Sentiments“, meint Heibel. „Der notiert noch immer auf einem sehr niedrigen Niveau und liefert keinen Anlass für einen Ausverkauf.“

Der 5-Wochen-Durchschnitt des Sentiments (siehe Grafik) hat seit Beginn der Umfrage im September 2014 zuverlässige Einstiegssignale geliefert, wenn er einen unteren Extremwert erreicht hatte – so wie im Februar 2016 und im August des vergangenen Jahres. Gleichzeitig gab es nur einen Ausverkauf an den Märkten, wenn die Kurve im oberen Bereich notierte.

Hinter solchen Erhebungen zur Börsenstimmung stehen – vereinfacht formuliert – zwei Annahmen: Wenn die große Masse von Anlegern bereits investiert hat, bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger mehrheitlich nicht investiert haben, können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Natürlich könnten durch ein überraschendes Ereignis jederzeit sämtliche Prognosen hinfällig werden. „Doch die bereits bekannten Geschichten der vergangenen Monate wie Trumps Säbelrasseln auf fast allen geopolitischen Schauplätzen dürften nicht ausreichen, um Panik zu schüren“, meint Heibel.

Denn ob Handelsstreit mit China, Nato-Verteidigungsausgaben, Brexit-Verhandlungen oder Treffen mit Putin: US-Präsident Donald Trump bestimmt die Schlagzeilen und erntet immer wieder Kopfschütteln für seine undiplomatische Vorgehensweise. Die Aktienmärkte reagieren nach wie vor auf die Tweets von Donald Trump.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
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Doch die Reaktion wird nach Meinung von Heibel so langsam berechenbar. „Ein Tweet zu den Handelsbeziehungen mit China führt zum Ausverkauf international aufgestellter Unternehmen sowie der stark mit China verzahnten Technologiebranche“, meint er. „Anschließend werden Zeichen der Schwäche seitens China als erster Schritt des Einlenkens gedeutet, die zuvor verkauften Aktien werden wieder hochgejubelt.“

Die Umfrageergebnisse im Detail: Inzwischen sehen 62 Prozent (plus 14 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) der Umfrageteilnehmer in der aktuellen Dax-Entwicklung eine Seitwärtsbewegung. Der Abwärtsimpuls, den viele Anleger in den vergangenen Wochen noch gesehen haben wollen, ist offenbar beendet. Nur noch 17 Prozent glauben daran, ein Minus von zehn Prozentpunkten. Auf der anderen Seite ist unverändert jeder Zehnte der Ansicht, der deutsche Leitindex befinde sich in einem Aufwärtsimpuls. Heibels Fazit: „Willkommen im Sommerloch, es geht weder auf-, noch abwärts.“

Die Seitwärtsentwicklung der vergangenen Handelswoche wollen 52 Prozent (plus ein Prozentpunkt) so zum größten Teil auch erwartet haben. Sieben Prozent (plus ein Prozentpunkt) wollen sogar darauf spekuliert haben. Hingegen hatte jeder Dritte (minus zwei Prozentpunkte) eher eine andere Erwartung.

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Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
Angaben in Prozent

Unverändert neun Prozent wurden auf dem falschen Fuß erwischt – ihre Erwartungen an die vergangene Handelswoche wurden „überhaupt nicht erfüllt“. „Die Selbstzufriedenheit bleibt auf einem niedrigen Niveau, von Verunsicherung würde ich jedoch noch nicht sprechen“, schlussfolgert der Sentiment-Experte.

30 Prozent (minus ein Prozentpunkt) der Anleger fürchten einen Ausverkauf beim Dax in drei Monaten, 31 Prozent hingegen eine anhaltende Seitwärtsbewegung. Jeder Vierte (plus ein Prozentpunkt) erwartet sogar steigende Kurse. Insgesamt bleibt die Erwartung der Investoren moderat negativ.

Das zeigt sich auch in der Investitionsbereitschaft. Denn nun wollen 18 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) in den kommenden zwei Wochen Aktien verkaufen, während weiterhin nur 16 Prozent Aktien zukaufen wollen. Mit 65 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) hat sich die große Mehrheit vorgenommen, in der Sommerzeit nicht zu handeln.

Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der vor allem Privatanleger handeln, zeigt mit einem Wert von 1,97 eine neutrale Positionierung an. Dieser Indikator zeigt, ob Anleger verstärkt auf fallende oder steigende Kurse setzen. Er wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet.

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
Angaben in Prozent

Auch die Profis, die an der Frankfurter Terminbörse Eurex handeln, sind mit einem Put/Call-Verhältnis von 1,3 nur minimal optimistisch positioniert. „Für mich ist das sommerlich neutral“, meint Heibel.

Die US-Anleger haben ihre Absicherungen gegen Kursverluste erhöht, haben also verstärkt Short-Produkte gekauft, die bei fallenden Kursen im Wert steigen. Entsprechend ist das Put/Call-Verhältnis an der Chicagoer Terminbörse CBOE mit 1,05 eher am oberen Ende der Absicherungsquote der vergangenen Monate, im längerfristigen Vergleich aber noch nicht extrem hoch.

In der vergangenen Woche haben die US-Profis ihre Investitionsquote um zwölf Prozentpunkte auf 88 Prozent hochgefahren und sind somit wieder durchschnittlich stark investiert. Noch in der Vorwoche haben sich die institutionellen Investoren aufgrund des aufgeheizten Handelsstreits zwischen den USA und China mit Käufen zurückgehalten.

US-Privatanleger werden mit einer Bulle/Bär-Quote von 13,9 Prozent wieder leicht optimistisch. Die wichtigsten technischen Marktdaten an den US-Aktienmärkten sind neutral, der entsprechende „Angst-und-Gier-Index“ steht mit 49 Prozent in der Mitte der Skala. Auch andere Indikatoren zeigen: Alles ist im neutralen Bereich.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

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