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Dax-Umfrage Unionsstreit sorgt für kurzen Ausverkauf am Aktienmarkt – Gegenreaktion erwartet

Der Streit zwischen CDU und CSU sorgt für einen Ausverkauf am Aktienmarkt. Es könnte sich lohnen, jetzt Aktien zu kaufen.
02.07.2018 - 16:24 Uhr Kommentieren

Gier und Panik? Wann Emotionen die Kurse bewegen

Düsseldorf Der Streit bei CDU/CSU hat am Montagfrüh für einen Ausverkauf am Deutschen Aktienmarkt gesorgt. „Je nach weiterer Entwicklung kann das die Märkte auch in den kommenden Tagen noch belasten“, sagt Börsenexperte Stephan Heibel. „Doch die Stimmung ist bereits so negativ, dass dieser Ausverkauf meines Erachtens – wenn auch heftig – nur kurz andauern sollte und bereits im weiteren Wochenverlauf eine Gegenreaktion zeigen sollte.“

Für eine kurzfristige Gegenbewegung spricht seiner Meinung nach vor allem die angesprungene Investitionsbereitschaft der Anleger, die auf dem aktuellen Kursniveau kaufen möchten. Ob sich daraus dann eine nachhaltige Aufwärtsbewegung entwickelt, könne erst zu einem späteren Zeitpunkt ermittelt werden.

Der Inhaber des Analysehauses Animusx ist Experte für Börsenstimmung, neudeutsch Sentiment genannt, und wertet die wöchentliche Handelsblattumfrage Dax-Sentiment aus. Aus den Antworten und weiteren Indikatoren prognostiziert er, wie sich der deutsche Leitindex in den kommenden Handelstagen entwickeln könnte.

Aus Sicht der Sentiment-Analyse ist eine negative Stimmung, auch Angst genannt, ein Kontraindikator. Denn hinter solchen Erhebungen wie dem Dax-Sentiment stehen vereinfacht formuliert zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, sind sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

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    Heibel hatte bereits vor einer Woche mit einer kleineren Gegenwehr beim Dax gerechnet, doch die fiel aus. Denn der Streit zwischen CDU und CSU hatte sich bereits in den vergangenen Tagen zugespitzt. US-Präsident Donald Trump ließ den Handelsstreit mit China und der EU weiter eskalieren. „Kurz vor dem Sommer war das zu viel für viele Anleger, sie haben die Reißleine gezogen“, sagt Börsenexperte Heibel zur Dax-Entwicklung der vergangenen Woche, als der Leitindex mehr als zwei Prozent verlor. Dadurch ist die Stimmung weiter gesunken und auf den tiefsten Stand seit Ende März 2018 gefallen.

    Zur Erinnerung: Am 26. März lag das Sentiment, der Wert für die aktuelle Stimmung unter den Anlegern, wie aktuell bei ebenfalls minus 6,3. Der Dax notierte damals bei 11.886 Punkten. Es war der Startschuss für eine fulminante Rally, die den deutschen Leitindex anschließend bis Mitte Mai über die Marke von 13.000 Punkten hievte.

    Auch der fünfwöchige Durchschnitt des Sentiments hat zwar noch keinen Extremwert von mehr als minus 20 erreicht, was seit Beginn der Dax-Sentiment-Umfrage im September 2014 ein zuverlässiger Indikator für eine Trendwende war. Doch mit minus 14,4 liegt dieser Wert ebenfalls auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie im März dieses Jahres.

    In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
    Angaben in Prozent

    Aus Sentiment-Sicht bedeutet Panik an den Märkten, dass ein Punkt so weit unten erreicht ist, dass die Kurse wieder steigen können. Panik, also ein Ausverkauf mit hohen Umsätzen im Abwärtstrend, ist ein wichtiger Indikator für eine bevorstehende Trendwende. Denn dann haben viele Investoren ihre Aktien verkauft, es reichen anschließend wenige Käufe, damit die Kurse wieder steigen. So weit ist es aber Experten zufolge noch nicht.

    „Panik haben wir noch nicht gesehen, entsprechend ist der Zukunftsoptimismus hier in Deutschland diese Woche kräftig angestiegen“, erläutert der Animusx-Geschäftsführer. Doch nicht jede Bodenbildung verlaufe gleich. Vielleicht haben Anleger mit ihrem Zukunftsoptimismus Recht und die Problemfelder der Geopolitik treten in den kommenden Wochen in den Hintergrund?

    „Kurzfristig reicht das extreme Stimmungstief für eine Gegenbewegung an den Finanzmärkten“, meint Heibel. Die Konflikte hätten nur noch geringes Potenzial für eine weitere Eskalation, seiner Einschätzung nach dürfte es in den kommenden Wochen Verhandlungen geben. „Das heißt zwar nicht, dass eine Lösung bereits in Sicht ist, aber schlimmer kann es kaum noch werden“, meint Heibel. „Und ,Schlimmer kann’s nimmer‘ ist in der Regel ein guter Augenblick, um Aktien zu kaufen.“

    Nur noch jeder Vierte (minus vier Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) erkennt derzeit eine Seitwärtsbewegung im Dax. Stattdessen gehen nun 56 Prozent (minus zwei Prozentpunkte) von einem Abwärtsimpuls aus, weitere 13 Prozent (plus acht Prozentpunkte) hoffen auf dem aktuellen Niveau auf eine Bodenbildung. Mit einem Wert von minus 6,3 ist das Sentiment der Umfrageteilnehmer so niedergeschlagen, wie seit dem Ausverkauf im März dieses Jahres nicht mehr.

    Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
    Angaben in Prozent

    Und obwohl schon vor einer Woche kaum jemand an bald steigende Kurse glauben wollte, hat die Intensität des Ausverkaufs dennoch überrascht. Knapp jeder Dritte (32 Prozent, plus zwei Prozentpunkte) gibt an, von den Aktienmärkten in dieser Woche völlig überrascht worden zu sein. Gut jeder Vierte (26 Prozent, minus drei Prozentpunkte) sieht seine Erwartungen der Vorwoche als „kaum erfüllt“ an. Auf der anderen Seite fühlen sich 34 Prozent (plus fünf Prozentpunkte) in ihrer Erwartung zum größten Teil bestätigt, während sogar acht Prozent (minus vier Prozentpunkte) auf diesen Ausverkauf spekuliert haben wollen.

    Die Antworten zeigen: Es herrscht sehr große Verunsicherung unter den Anlegern. Doch Land ist in Sicht, meinen offenbar 23 Prozent (plus sechs Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) der Anleger und erwarten für den Dax in drei Monaten steigende Kurse. Jeder Dritte (plus drei Prozentpunkte) geht von einer Seitwärtsbewegung aus. Immerhin noch 28 Prozent (minus vier Prozentpunkte) fürchten einen anhaltenden Abwärtsimpuls für die kommenden drei Monate. Der extreme Zukunftspessimismus hat sich also ein wenig abgeschwächt.

    Entsprechend will fast jeder vierte Anleger (24 Prozent, plus sechs Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen, während nur noch 14 Prozent (minus neun Prozentpunkte) ihre Positionen verkleinern wollen. Mit 61 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) wollen weiterhin die meisten erst einmal abwarten.

    Das Euwax-Sentiment der gleichnamigen Börse Stuttgart steigt weiter leicht an, befindet sich aber weiterhin im neutralen Bereich. Privatanleger in Deutschland sind also überwiegend neutral positioniert – setzen mehrheitlich dementsprechend weder auf fallende noch auf steigende Kurse. Dieser Indikator wird anhand von realen Trades mit Hebelprodukten auf den Dax ermittelt.

    Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
    Angaben in Prozent

    Die Profis verhalten sich genauso, die Put/Call-Ratio der Frankfurter Terminbörse Eurex liegt mit 1,5 genau auf dem durchschnittlichen Wert der vergangenen zwei Monate. In den USA hingegen hat die Put/Call-Ratio der Profis zugelegt, dort sichert man sich offensichtlich nun stärker ab. Gleichzeitig ist die Investitionsquote der Fondsmanager von 89 auf 85 Prozent zurückgegangen. Auch hier ist also die größere Vorsicht der Profis ablesbar.

    Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Index“ der US-Aktienmärkte weist mit einem Wert von 39 Prozent eine geringe Angst aus, die ebenfalls unterstützend wirken dürfte. Denn Angst gilt aus Sicht der Sentiment-Analyse als Kontraindikator – ebenso wie Euphorie auf der Gegenseite.

    Die Stimmung unter den US-Anlegern ist – ähnlich ihren deutschen Kollegen – extrem niedergeschlagen. Die Bulle/Bär-Quote liegt bei minus 12,4 Prozent und erreicht damit ein extrem niedriges Niveau, das in diesem Jahr nur im März nach unten übertroffen wurde.

    Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

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