Dax-Umfrage War das schon der Panik-Ausverkauf?

Noch am Freitag herrschte unter den Anlegern Panik – so groß wie zuletzt nach der Brexit-Entscheidung. Wiederholt sich die Geschichte und es kommt wie damals zu einer Rally? Dafür fehlen aber noch zwei Voraussetzungen.
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Die Dax-Anzeigetafel an der Frankfurter Börse: Reicht der Kurssturz am Freitag, um eine nachhaltige Rally zu ermöglichen? Quelle: AFP
Börse Frankfurt

Die Dax-Anzeigetafel an der Frankfurter Börse: Reicht der Kurssturz am Freitag, um eine nachhaltige Rally zu ermöglichen?

(Foto: AFP)

DüsseldorfSo schnell wie die Aktienbörsen derzeit schwanken, kommt die jeweilige Gemütslage der Anleger kaum hinterher. Das zeigt die Auswertung des aktuellen Handelsblatt-Dax-Sentiments, einer Umfrage zur Börsenstimmung. Am Freitagmittag waren Anleger noch niedergeschlagen und hofften lediglich auf Besserung in einigen Monaten. Nachdem am Freitagabend jedoch eine mögliche drastische Absenkung der Strafe gegen die Deutsche Bank von 14 auf 5,4 Milliarden US-Dollar vermeldet wurde, besserte sich die Stimmung ein wenig.

Wöchentlich werden bei dieser Umfrage mehr als 2.300 Anleger gefragt, wie sie die Lage an den Aktienmärkten einschätzen. Die Ergebnisse bewertet Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx. Seine Prognosen zur Dax-Entwicklung sollen Orientierung für die Geldanlage bieten.

Deshalb wächst die Sorge um Deutschlands größte Bank
Josef Ackermann, Angela Merkel
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In den Jahren bis 2007 lief es rund bei Deutschlands größter Bank: Das Geldhaus verdiente Milliarden und Vorstandschef Josef Ackermann erwuchs zum staatsmännischen Vorstandschef, der es schaffte, dass die Kanzlerin zu seinem 60. Geburtstag ins Kanzleramt lud.

Das Bild zeigt Ackermann und Kanzlerin Angela Merkel im Jahr 2006 in Berlin.

Rückblick
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Die Deutsche Bank hatte es nach der Übernahme der US-Großbank Bankers Trust zur Jahrtausendwende in den Olymp der großen Investmentbanken der Welt geschafft. Das lästige deutsche Privatkundengeschäft sollte zwischenzeitlich als „Deutsche Bank 24“ vom Rest gelöst werden – man spielte in einer anderen Liga. Der Plan wurde zwar kassiert und zurück blieb die „24“ am Ende der Deutsche-Bank-Bankleitzahlen. Doch der globale Anspruch des Instituts blieb bestehen.

Das Bild zeigt den damaligen Bankchef Rolf-E. Breuer nach der Verkündung der Bankers-Trust-Übernahme im Jahr 1998.

Die Finanzkrise
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Als ab 2006 der US-Immobilienmarkt kollabierte und in der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 und einer globalen Finanzkrise gipfelte, gelang es der Deutschen Bank zwar ohne Staatshilfe durch zu kommen. Eine Fußnote der Geschichte war aber: Milliardenforderungen gegenüber dem US-Versicherer AIG waren der Bank nur dank US-Staatshilfen zugeflossen. Und Missetaten aus der Zeit vor der Finanzkrise verfolgen die Bank noch heute.

Bild: Lehman-Brothers-Mitarbeiter nach der Kündigung 2008 in London.

Die Folgen der Immobilienkrise
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Die USA werfen der Deutschen Bank vor, das Risiko von Immobilienwertpapiere in den Jahren vor der Finanzkrise verschleiert und gutgläubigen Investoren angedient zu haben. Ein Verfahren läuft seit Jahren und ist ein Grund dafür, dass die Aktie am Montag ein neues Allzeittief erreichte. Denn in den Vergleichsverhandlungen fordert das US-Justizministerium umgerechnet wohl 12,5 Milliarden Euro von der Bank (bei einem Börsenwert von 16 Milliarden Euro) – und das nach einem Milliardenverlust 2015 und gebildeten Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von 5,5 Milliarden Euro. Die Bank selbst hofft, mit eher zwei Milliarden Euro im Immobilienstreit auszukommen.

Schwaches Kerngeschäft
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Nach der Finanzkrise gab es zwei wesentliche Entwicklungen unter globalen Großbanken. Die in den USA beheimateten Institute (Bild: New Yorks Finanzdistrikt) – mit zwangsweiser Staatshilfe versorgt – konnten die Krise beschleunigt hinter sich lassen. Sie wuchsen gar zu neuer Größe. Die andere Gruppe stutzte das Investmentbanking, dass weniger lukrativ wurde und mit weniger Mitarbeitern zu leisten war – und fokussierte sich auf die hauseigene Vermögensverwaltung. Die Deutsche Bank suchte den Mittelweg aus eigener Kraft: keine Staatshilfe, kein großer Strategieschwenk. Die Folge: Dutzende Strafzahlungen etwa wegen Zinsmanipulationen schlugen ins Kontor, während gleichzeitig das Kerngeschäft litt.

Riskante Finanzierung
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Sowohl der Internationale Währungsfonds als auch die US-Einlagensicherung halten die Bank für das riskanteste Institut der Welt. Im Verhältnis zum Eigenkapital ist die Deutsche Bank hochverschuldet. Die sogenannte „Leverage Ratio“ ist die niedrigste unter den globalen Großbanken. Zwar hat die Bank in den vergangenen Jahren Kapitalerhöhungen durchgezogen. Doch an dieser weltweit beachteten Kennziffer hat sich wenig geändert.

Wenig Reserven
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Die Deutsche Bank rühmt sich zwar eines hohen Polsters an Liquidität, also stets zu veräußernder Wertpapiere in ihren Büchern. Das soll zeigen: Wir haben Reserven, auf die wir zugreifen können. Doch die drohenden Justizstrafen lassen Analysten vermuten, dass eine Kapitalerhöhung nötig werden könnte. Das würde den Aktienkurs noch weiter schwächen – in vorauseilendem Gehorsam fällt der Kurs.

So hatte er vor einer Woche genau diese starken Schwankungen mit positivem Grundtenor in Aussicht gestellt. Aus dem aktuellen Stimmungsbild jedenfalls ergebe sich unter dem Strich, dass nach der Unterbrechung der Aufwärtsbewegung eher eine Fortsetzung der Rally zu erwarten sei, sagte er vor einer Woche.

Das aktuelle Umfrageergebnis zeigt: Nach dem Ausverkauf vom vergangenen Freitag ist die Laune eines Drittels aller Umfrageteilnehmer von gut (minus 29 Prozentpunkte auf acht Prozent) auf schlecht (plus 22 Prozentpunkte auf 29 Prozent) umgeschlagen. Jeder zweite Umfrageteilnehmer sieht den Dax in einer Seitwärtsbewegung (plus 13 Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche).

Jeder fünfte Anleger (plus zwölf Prozentpunkte) wurde auf dem falschen Fuß erwischt. Nur sieben Prozent geben an, auf die starken Kursschwankungen gewartet zu haben. Kaum erfüllt sieht jeder Dritte seine Erwartungen, nur noch 39 Prozent bewerten sie als zum größten Teil erfüllt.

Ein Hauch von Panik lag in der Luft
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3 Kommentare zu "Dax-Umfrage: War das schon der Panik-Ausverkauf?"

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  • Ich finde die heutigen Bewegungen ja spannend, aber so richtig trifft der Artikel heute das Marktgeschehen nicht.

    Öl: + 4 %
    Gold: -2,7%
    Platin: -2,2%
    Silber: -4,1%
    Euro zuerst klar runter jetzt ein plötzliches Drehen ins Plus, Britisches Pfund baut Verluste weiter aus.

    So richtig erkennt man da keine Tendenz, es ist nicht rein-Konjunktursensitiv, Rohstoffe uneinheitlich, aber alle Edelmetalle negativ... Die deutschen Aktien sind da eher unauffällig. Es wird wohl ziemlich umgeschichtet, aber wie? Ein Marktkommentar wäre hilfreich.... :-)

  • Panik keinesfalls, seit Monaten wirft dieser Dax keine Gewinne ab sondern nur Verluste. Hier empfiehlt sich der Abdecker und an mit dem Geld nach Amerika.
    Schiff-Aktien kaufen, statt Tierhaltung ist das Motto.

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