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Dax-Umfrage Warum Anleger pessimistischer sind – und das mittelfristig Chancen eröffnet

Nach den Kursverlusten in der vergangenen Börsenwoche hat sich die Stimmung unter Privatanlegern eingetrübt. Das muss nicht schlecht sein.
30.09.2019 - 15:20 Uhr Kommentieren
In der vergangenen Woche ging es für den Dax insgesamt 0,7 Prozent abwärts. Quelle: Reuters
Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse

In der vergangenen Woche ging es für den Dax insgesamt 0,7 Prozent abwärts.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Die vergangene Handelswoche hat bei Privatanlegern eine merkwürdige Reaktion ausgelöst: Deren Stimmung hat sich verschlechtert, wie das wöchentliche Dax-Sentiment des Handelsblatts zeigt, bei dem mehr als 3.500 Investoren befragt werden.

Eigentlich wäre nach den jüngsten Kursverlusten die entgegengesetzte Reaktion zu erwarten gewesen: Die Kurse sinken, infolgedessen steigt der Zukunftsoptimismus.

„Ein niedrigeres Kursniveau wird normalerweise wie der Sommerschlussverkauf begrüßt, Anleger greifen zu, und der Zukunftsoptimismus springt an“, erklärt Sentiment-Experte Stephan Heibel.

Doch derzeit möchte kaum jemand Aktien zukaufen. „Es kommen Zweifel auf, ob denn die Rally vielleicht doch am Ende sein könnte“, sagt der Inhaber des Analysehauses Animusx. Der Handelsstreit zwischen China und den USA sorgt weiterhin für Verunsicherung unter den Anlegern, es droht ein chaotischer Brexit, die Spannungen zwischen den USA und dem Iran nehmen zu, und die Schockwellen der Thomas-Cook-Pleite breiten sich aus.

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    Unter den befragten Investoren hat sich deshalb Ernüchterung breitgemacht: Nur noch 16 Prozent sehen in der aktuellen Bewegung des Dax einen Aufwärtsimpuls – in der Vorwoche waren es noch 28 Prozent.

    Stattdessen sind jetzt 54 statt 42 Prozent davon überzeugt, dass die Märkte sich in einer übergeordneten Seitwärtsbewegung befinden. Die Anzahl derer, die den Dax in einer beginnenden Abwärtsbewegung sehen, hat sich von sieben auf 16 Prozent mehr als verdoppelt.

    In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
    Angaben in Prozent

    Aus der Anlegerstimmung lässt sich – vereinfacht gesagt – Folgendes ableiten: Bei Euphorie sind die meisten Anleger investiert, und es fehlt weitere Nachfrage, sollten die Kurse fallen. Falls extremer Pessimismus herrscht, haben die meisten Investoren bereits verkauft, und es reichen wenige Käufer, um die Kurse steigen zu lassen. „Eine Rally stirbt also nicht an Zweifeln, sondern an Euphorie“, erklärt Heibel.

    Für den deutschen Leitindex Dax ging es in der vergangenen Woche insgesamt 0,7 Prozent abwärts. Dabei erwischte es vor allem Unternehmen aus dem Automobilsektor: Der Branchenindex verlor 5,3 Prozent, Grund sind die Belastungen durch den Handelsstreit, insbesondere dessen Auswirkungen auf das Geschäft der Autobauer in China. Die Rezessionsängste drückten den Branchenindex der Rohstoffunternehmen 3,9 Prozent ins Minus, und im Technologiesektor sorgten Gewinnmitnahmen für einen Verlust von 3,2 Prozent.

    Die Abwärtsentwicklung beim Dax hatten nur 46 Prozent der Anleger erwartet – in der Vorwoche waren es noch 56 Prozent gewesen. Nur sieben Prozent (minus sieben Prozentpunkte) geben an, auf diesen Rücksetzer spekuliert zu haben. Dagegen sahen 37 Prozent (plus elf Prozentpunkte) der Umfrageteilnehmer ihre Erwartungen als kaum erfüllt an, und weitere zehn Prozent (plus sechs Prozentpunkte) wurden sogar auf dem falschen Fuß erwischt.

    Haben sich Ihre Erwartungen zum Dax in der vergangenen Woche erfüllt?
    Angaben in Prozent

    Die derzeitigen Stimmungsschwankungen hält Heibel mittelfristig für gesund: „Wir haben einen klaren Hinweis darauf, dass ausreichend Pessimismus am Markt ist, um schlechte Entwicklungen mit vertretbarem Kursminus abzufangen.“

    Bei einer positiven Entwicklung würde dagegen der Großteil der Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. Fondsmanager wären dann unterinvestiert, Privatanleger hätten weiterhin große Absicherungspositionen, die den Gewinn ihres Depots schmälern würden.

    Wohin der Dax tendiert, ist aus dem Sentiment nicht abzulesen. Zwar stieg der Fünf-Wochen-Durchschnitt von 4,3 Prozent in der Vorwoche auf 10,4 Prozent an. Um dies verlässlich als Indiz eines anstehenden Trendwechsels werten zu können, müsste dieser Indikator aber noch höher steigen.

    Grafik

    Für fallende Kurse haben sich heimische Anleger schon einmal abgesichert, wie das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart zeigt. Dieser Indikator, der anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet wird, zeigt an: Die extremen Absicherungspositionen der Vorwoche wurden in dieser Woche ein wenig aufgelöst, doch noch immer sind Privatanleger defensiv positioniert. Sie haben also mehr Produkte im Depot, mit denen sie auf sinkende statt auf steigende Kurse wetten – und die im Fall einer Abwärtsbewegung an Wert gewinnen.

    Das Euwax-Sentiment ist – ebenso wie die kurzfristige Stimmung – ein klassischer Kontraindikator. Heibels Empfehlung lautet deshalb: „Es dürfte in den kommenden Wochen gute Gelegenheiten geben, sich für einen erfreulichen Jahresabschluss zu positionieren, doch vorerst würde ich noch ein wenig abwarten.“

    Anleger interpretieren den jüngsten Rücksetzer dagegen nicht als Kaufgelegenheit – im Gegenteil: Nur noch 30 Prozent der Anleger erwarten für den Dax in drei Monaten steigende Kurse, zwei Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche. Hingegen fürchten nun 23 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) fallende Kurse. Mit 38 Prozent (plus drei Prozentpunkte) gehen die meisten jedoch von einer Seitwärtsbewegung aus.

    Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
    Angaben in Prozent

    Entsprechend der Stimmungseintrübung wollen auch nur noch 20 Prozent (minus zwei Prozentpunkte im Vergleich zur Vorwoche) in den kommenden zwei Wochen Aktien zukaufen. 18 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) möchten ihre Aktienpositionen verkleinern. 62 Prozent (minus ein Prozentpunkt) haben derzeit noch nicht über ihre nächsten Aktivitäten entschieden.

    Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
    Angaben in Prozent

    Optimistischer sind institutionelle Anleger, die sich über die Eurex absichern. Sie haben das Put/Call-Verhältnis auf einen Wert von 0,7 getrieben. Das ist niedrigste Wert seit dem Chaos an den Aktienmärkten im Dezember. Der Wert zeigt, dass die Profis fest mit steigenden Kursen in den kommenden Wochen rechnen.

    In den USA ist das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Optionsbörse CBOE relativ neutral. Die Investitionsquote der US-Fondsanleger ist mit 65 Prozent wieder auf einem niedrigen Niveau angelangt. Es gibt also viel Cash an der Seitenlinie, das auf Anlagemöglichkeiten wartet.

    US-Privatanleger weisen eine Bullenquote von minus vier Prozent aus, was als leicht pessimistisch gewertet werden kann. Der auf technischen Marktdaten basierende „Angst-und-Gier-Indikator“ des S&P 500 zeigt mit 57 Prozent eine neutrale Verfassung. Auch der wesentlich stärker schwankende Short Range Oscillator des S&P 500 ist auf null Prozent zurückgekommen und zeigt eine neutrale Verfassung des Aktienmarktes.

    Mehr: Der Dax tritt auf der Stelle – Handelsstreit bremst Kauflaune an Europas Börsen. Lesen Sie hier, wie sich die Märkte am Montag entwickeln.

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