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Bullen- oder Bärenmarkt?

Die gute Stimmung ist laut der Börsenumfrage „Dax Sentiment“ vorerst verflogen.

(Foto: dapd)

Dax-Umfrage Wieso sich Anleger kaum aus der Deckung wagen

Die bullische Stimmung an den Aktienmärkten ist vorüber, zeigt das Dax-Sentiment. Einzelne Indikatoren lassen dennoch auf eine erneute Rally hoffen.
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DüsseldorfWer den Begriff der Sommerruhe an den Börsen in monetäre Größen übersetzen will, der sollte auf die Dax-Bilanz im abgelaufenen dritten Quartal blicken. Notierte der Dax Ende Juni noch bei 12.300 Punkten, so lag er Ende September nur knapp darunter – und das, obwohl der deutsche Leitindex zwischenzeitlich sogar auf die Marke von 13.000 Punkten zugesteuert war.

Besteht also trotz aller hinlänglich bekannten und viel diskutierten Risikofaktoren noch Potential für einen Jahresendspurt? Vielleicht. Anleger jedenfalls äußern sich eher zurückhaltend. Das zeigt die neueste Auswertung der Handelsblatt-Umfrage „Dax Sentiment“ zur aktuellen Börsenstimmung.

Wöchentlich werden bei der Erhebung mehr als 2300 Anleger befragt, wie sie die Lage an den Aktienmärkten einschätzen. Die Ergebnisse bewertet Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx. Seine Prognosen zur Dax-Entwicklung sollen Orientierung für die Geldanlage bieten.

Wichtig ist dabei der Zeithorizont: Das Sentiment gibt keine Auskunft über die mögliche Marktrichtung am nächsten Tag und selten über die kommende Woche, wohl aber über die kommenden vier bis zwölf Wochen.

Die aktuelle Stimmung unterstreicht überdeutlich: Neutralität ist derzeit Trumpf. „Die gute Laune der Vorwoche ist verflogen, die Stimmungslage kann nun als neutral bezeichnet werden“, analysiert Heibel. Börsianer scheinen unsicher, wohin das Pendel letztlich ausschlägt. Gut möglich, dass sie vorerst abwartend agieren – um dann für einen kurzfristigen Schub zu sorgen.

In welcher Zyklusphase befinden sich die Märkte Ihrer Meinung nach aktuell?
Angaben in Prozent

Nachdem sich Gewinne und Verluste in der vergangenen Woche – jeweils auf niedrigem Niveau – egalisieren konnten, sorgte der Haushaltsstreit in Italien am Freitag für ein deutliches Kursminus von knapp 1,5 Prozent. Das macht die vergangene Börsenwoche zu einer eher enttäuschenden. Stephan Heibel weiß daher: Die Schlussbilanz hat die Stimmung der Umfrageteilnehmer kräftig gedrückt.

Konkret: Gingen in der Vorwoche noch zwei von fünf Befragten von einem Aufwärtsimpuls an den Märkten aus, sind es nun nur noch 14 Prozent. Dagegen rechnen 20 Prozent mit einem Abwärtsimpuls. Der überwiegende Teil (51 Prozent) erkennt eine Seitwärtsbewegung. „Die Erwartung, die sich zuletzt ziemlich bullisch gezeigt hat, ist somit wieder abgekühlt“, analysiert Heibel.

Die Hälfte aller Umfrageteilnehmer will diese Entwicklung zum größten Teil erwartet haben. 29 Prozent sehen ihre Erwartungen zuletzt kaum erfüllt, elf Prozent wurden sogar gänzlich auf dem falschen Fuß erwischt.

Welche Zyklusphase erwarten Sie in drei Monaten??
Angaben in Prozent

Die vorherrschende Neutralität am Markt spiegelt sich auch in den Erwartungen für die nächsten drei Monate wider: 37 Prozent der Befragten rechnen mit einem Aufwärtsimpuls, 20 Prozent mit dem Gegenteil und weitere 28 Prozent sehen eine fortlaufende Seitwärtsbewegung in naher Zukunft. Eine klare Richtung ist folglich noch nicht zu erkennen.

Die getrübte Stimmung macht sich auch in der Investitionsbereitschaft der Befragten bemerkbar. Nur noch 28 Prozent (minus sieben Prozent) wollen in den kommenden zwei Wochen zukaufen, 15 Prozent hingegen verkaufen. Das größte Lager besetzen mit 64 Prozent erneut diejenigen, die sich noch nicht festlegen wollen.

Die neutrale Stimmung bestätigen auch weitere Indikatoren, die bei der Auswertung berücksichtigt werden. So zeigt das Euwax-Sentiment der Privatanleger mit 0,95 ebenfalls eine neutrale Position. Das Euwax-Sentiment der Stuttgarter Börse wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den deutschen Leitindex ermittelt.

Werden Sie in den nächsten beiden Wochen handeln?
Angaben in Prozent

Institutionelle Anleger hingegen, die sich über die Frankfurter Terminbörse Eurex absichern, lösen ihre Absicherungspositionen auf und sind inzwischen überwiegend long positioniert, also für steigende Kurse.

Das belegt auch die Put-Call-Ratio (gehandelte Puts dividiert durch gehandelte Calls), die mit 1,3 Punkten vergleichsweise gering ist. Ein ähnliches Bild liefern die USA: Auch dort ist das Put-Call-Verhältnis rückläufig. Die auf 91 Prozent gestiegene Investitionsquote (plus sieben Prozent) lässt ebenso auf eine bullische Entwicklung hoffen.

Ein weiterer Hoffnungsfaktor: der Fünf-Wochen-Durchschnitt im Dax-Sentiment, der weiterhin auf niedrigem Niveau notiert (siehe Grafik). Dieser Durchschnitt gilt als Kontraindikator: Erreicht er ein extremes Negativ-Niveau, könnte es an den Börsen schnell bergauf gehen.

Grafik

Dahinter steckt die Annahme, dass in schwachen Phasen Anleger mehrheitlich nicht investiert haben, nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken können. Umgekehrt gilt natürlich: In Boomphasen hat die große Masse von Anlegern bereits gekauft. So bleiben nur noch wenige übrig, die noch zusätzlich kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben können.

Die Vorzeichen sind also trotz der deutlichen Kursrückgänge zum Wochenschluss alles andere als schlecht. Es sei gut möglich, dass die Aktienmärkte in naher Zukunft weiter zulegen, prognostiziert Heibel. Das schließe jedoch nicht aus, dass kurzfristig eher Verluste dominieren. Bekanntlich hilft es hin und wieder, einen Schritt zurück zu gehen und Anlauf zu nehmen.

„Anleger sind in den vergangenen drei Wochen extrem schnell in den Markt eingestiegen“, erklärt Stephan Heibel. „Die Investitionsquote ist nun jedoch für meinen Geschmack zu hoch, als dass der Aktienmarkt schnell wieder in den Rally-Modus schalten könnte.“ Es sei denkbar, dass kurzfristig Liquidität durch neue Verkäufe generiert wird, „damit ausreichend Cash für den nächsten Schub der Rally vorhanden ist“.

Eine erneute Kurskorrektur würde – sollte sie tatsächlich erfolgen – laut Heibel jedoch nicht allzu deutlich ausfallen. Dass der Dax unter die Marke von 12.100 Zählern fällt, hält der Experte für eher unwahrscheinlich. Die Performance im Leitindex am Montag gibt ihm recht – er schafft es sogar dauerhaft über die Marke von 12.300 Punkten.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

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1 Kommentar zu "Dax-Umfrage: Wieso sich Anleger kaum aus der Deckung wagen"

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  • "Ein weiterer Hoffnungsfaktor: der Fünf-Wochen-Durchschnitt im Dax-Sentiment, der weiterhin auf niedrigem Niveau notiert (siehe Grafik)."

    Diese Grafik fehlt in dem Artikel leider :-(