Dax30-Unternehmen Aktionärsschützer prüfen Frauenquote

Ab 2016 gilt für Aufsichtsräte von börsennotierten Unternehmen eine Frauenquote von 30 Prozent. Für viele Dax30-Unternehmen herrscht Nachholbedarf, so Untersuchung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.
Bei vielen börsennotierten Unternehmen herrscht Nachholbedarf. Quelle: dpa
Gesetzliche Frauenquote

Bei vielen börsennotierten Unternehmen herrscht Nachholbedarf.

(Foto: dpa)

BerlinFamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) bezeichnete das Gesetz als „Meilenstein auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung“. Börsennotierte Unternehmen, die auch der paritätischen Mitbestimmung unterliegen, müssen in ihren Aufsichtsräten bei Neubesetzungen ab 2016 für eine Frauenquote von 30 Prozent sorgen. Einige sind noch weit davon entfernt, einige liegen schon darüber.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat die Aufsichtsräte der Dax30-Unternehmen nach diesen Vorgaben jetzt schon mal ins Visier genommen. „Insgesamt erfüllen von den 28 Dax30 Unternehmen, die ab 2016 der Quote unterliegen, nur 13 Unternehmen diese Vorgabe“, so DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Mit Ausreißern nach unten: Bei Fresenius ist keine einzige Frau im Aufsichtsrat vertreten.

„Ohne politischen Druck passiert gar nichts“
Schwesig präsentiert Fidar-Zahlen
1 von 9

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (Foto) und Monika Schulz-Strelow, Präsidentin des Vereins „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar), haben am Dienstag aktuelle Zahlen zum Frauenanteil in Führungspositionen vorgestellt. Danach ist der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 101 börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen zwar seit Anfang 2014 gestiegen. Er liegt aktuell bei 22,1 Prozent. In den wichtigen Ausschüssen der Aufsichtsräte und in den Vorständen seien Frauen aber nach wie vor kaum präsent.

Ziele der Frauenquote
2 von 9

Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe in Führungspositionen war am 1. Mai 2015 in Kraft getreten. Es schreibt für die Aufsichtsräte der 101 Unternehmen eine Frauenquote von 30 Prozent ab 2016 vor. Gibt es nicht genügend Frauen, bleibt der zu besetzende Stuhl leer. Mehr als 4000 weitere Unternehmen müssen sich im kommenden September selbst ein Ziel für die Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsrat und Vorstand setzen. Nach einem Jahr soll es erstmals eine Überprüfung geben. Sanktionen sind hier aber nicht vorgesehen.

Dax-Konzerne hinken hinterher
3 von 9

Der Women-on-Board-Index 100, ein von Fidar im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstmals erstelltes Ranking, bildet den Frauenanteil in den Führungsetagen der relevanten 101 Unternehmen ab. Demnach haben ein Viertel der relevanten 101 Unternehmen die Quote bereits jetzt erfüllt. 77 Unternehmen, rund drei Viertel, erfüllen die gesetzlichen Vorgaben noch nicht.

Lufthansa mit gutem Beispiel voran
4 von 9

An der Spitze liegen die Telefónica Deutschland Holding, Lufthansa und die Versicherung Münchener Rück. Den höchsten Frauenanteil im Vorstand konnte die Lufthansa vorweisen. Zwei ihrer fünf Vorstandsmitglieder sind weiblich.

Porsche mit schlechtem Beispiel
5 von 9

Laut Fidar bilden Fresenius und Porsche in Sachen Frauenbeteiligung das Schlusslicht: Beide Unternehmen hatten bis Ende April weder im Aufsichtsrat noch im Vorstand eine Frau.

Ohne politischen Druck bewegt sich nichts
6 von 9

Ziel dieser Erhebung sei es, „ein bisschen Wettbewerb unter den Unternehmen herzustellen“, sagte Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD). In Richtung der Kritiker wurde sie deutlich: „Die Unternehmen, die die Quote bereits heute erfüllen, liefern den besten Beweis dafür, wie wichtig der öffentliche Druck durch das Gesetzgebungsverfahren war. Es zeigt: Ohne politischen Druck passiert gar nichts.“ Zudem sei bei den 24 Konzernen, die die 30-Prozent-Quote bereits umgesetzt haben, keineswegs ein Einbruch der Gewinne festzustellen.

Planungsziele für Vorstände dringend gesucht
7 von 9

Der WoB 100 untersucht zudem die Planungsziele der Unternehmen zum Frauenanteil in Vorständen und den zwei obersten Führungsebenen. Hier zeigt sich: 60 Prozent der Unternehmen haben ein Planungsziel für den Frauenanteil im Aufsichtsrat; lediglich ein Prozent hat ein Planungsziel für den Vorstand.

Aber es gibt auch Unternehmen, die ihr Soll schon jetzt übererfüllt haben. Henkel weist 2015 einen Frauenanteil im Aufsichtsrat von knapp 44 Prozent aus, bei der Munich Re liegt er bei 40 Prozent. Auf jeweils 37,5 Prozent kommen Merck und Infineon.

Im Durchschnitt nähern sich die Firmen aber den gesetzlichen Vorgaben an. Bezogen auf die Gesamtheit der im Dax 30 zu besetzenden Aufsichtsratsmandate liegt der Anteil der Frauen 2015 bei 26,9 Prozent, im Vorjahr lag der Anteil bei 24,7 Prozent. Dabei gibt es Unterschiede zwischen der Kapital- und Arbeitnehmerseite. Bei den Anteilseignern liegt der Frauenanteil bei 24,2 Prozent, auf der Arbeitnehmerseite bei 29,7 Prozent.

Kritisch merken die Aktionärsschützer an, dass es mit Simone Bagel-Trah, Aufsichtsratschefin von Henkel, nur eine Frau es an die Spitze des Kontrollgremiums eines Dax 30-Unternehmens geschafft hat. Eindeutig unterrepräsentiert sind Frauen auch in wichtigen Ausschüssen. Im Präsidium, im Prüfungs- und Vergütungsausschuss sowie im Nominierungsausschuss lag die Frauenquote 2015 lediglich bei 16,3 Prozent – und damit auf Vorjahresniveau.

Startseite

Mehr zu: Dax30-Unternehmen - Aktionärsschützer prüfen Frauenquote

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%