Deka-Chefvolkswirt zum China-Crash Günstige Bewertungen – hohe Risiken

Das Jahr beginnt für die chinesischen Finanzmärkte mit einem Fiasko. Tiefrote Kurse, Tag für Tag. Chinesische Aktien sind nun im weltweiten Vergleich ziemlich billig geworden. Aber sind sie auch ein Kauf?
Der Chefvolkswirt der Deka-Bank sieht Chinas wirtschaftliche Strukturschwäche als Krisenursache. Quelle: IMAGO
Ulrich Kater

Der Chefvolkswirt der Deka-Bank sieht Chinas wirtschaftliche Strukturschwäche als Krisenursache.

(Foto: IMAGO)

Schlechte Daten aus der chinesischen Industrie lassen die ohnehin gebeutelten chinesischen Aktienmärkte weiter abstürzen, da helfen auch keine Handelsunterbrechungen. Chinesische Aktien sind nun im weltweiten Vergleich ziemlich billig geworden. Hierin spiegeln sich zum einen Zweifel an der chinesischen Wirtschaft wider. Zum anderen sind sie auch Ausdruck von Verunsicherungen über die Verlässlichkeit der chinesischen Politik an einem Aktienmarkt, von dem man nicht weiß, welche staatlichen Kräfte im Spiel sind und wo die Verkaufsmöglichkeiten stets durch die Marktschließung bedroht sind, wenn die Handelsentwicklung den Behörden nicht in den Kram passt.

Der realwirtschaftliche Hintergrund ist spätestens seit dem letzten Jahr klar an die Datenoberfläche getreten: Es sind nicht nur konjunkturelle, sondern strukturelle und damit längerfristige Ursachen, die das weltweite Wachstum in den kommenden Jahren geringer ausfallen und die gerade die chinesische Volkswirtschaft empfindlich treffen. Wir erleben gerade den Abschluss einer Entwicklungsphase der Weltwirtschaft. Diese hatte vor 40 Jahren mit der Senkung der weltweiten Transport- und Kommunikationskosten sowie Handelsschranken und der gleichzeitigen Öffnung von Schwellenländern für die wirtschaftliche Entwicklung begonnen, allen voran in China. Dieser Vorgang wurde unter dem Begriff der modernen wirtschaftlichen Globalisierung bekannt.

Die schwärzesten Tage der Börsengeschichte
19. Oktober 1987 – der „Schwarze Montag”
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Am „Schwarzen Montag” brach der US-Standardwerte-Index Dow Jones um 22,6 Prozent ein. Das ist der größte Tagesverlust seiner Geschichte. Die Panikverkäufe breiteten sich schnell auf alle wichtigen internationalen Handelsplätze aus. Der Tokioter Leitindex Nikkei rauschte nach dem Crash an den US-Börsen um knapp 15 Prozent in die Tiefe. Der Londoner Auswahlindex FTSE verbuchte mit knapp elf Prozent lediglich den zweitgrößten Tagesverlust seiner Geschichte. Tags darauf beschleunigte er jedoch seine Talfahrt und verlor gut zwölf Prozent.

16. Oktober 1989 – der Dax-Absturz
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Der deutsche Leitindex Dax, der erst 1988 aus der Taufe gehoben wurde, fiel um rund 13 Prozent und folgte damit der Wall Street, wo Finanzierungsschwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten. Für den Dax ist das der erste und der größte Crash seiner Geschichte.

23. Mai 1995 – die Asien-Krise
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Nicht nur die Jahre 2015 und 2016 machten China für Aktienabstürze bekannt. Den ersten größeren Crash gab es vor rund 11 Jahren: Die Furcht vor Eingriffen der Regierung in den chinesischen Aktienmarkt ließ den Shanghai-Composite Index um 16,4 Prozent abstürzen.

6. Oktober 2008 – das Lehman-Beben
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Kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers wurde die Unsicherheit an den Aktienmärkten immer größer. Der italienische Leitindex verbuchte mit einem Abschlag von mehr als acht Prozent seinen größten Tagesverlust, der Leitindex der portugiesischen Börse gab knapp zehn Prozent nach. Der EuroStoxx50 fiel um acht Prozent. An der Wall Street ging es ebenfalls bergab, allerdings nicht ganz so stark: Der Dow-Jones-Index gab 3,6 Prozent nach. Auch für den Dax ging es kräftig bergab. Der Dax schloss mit einem Minus von 7,1 Prozent auf 5387 Punkten.

3. August 2015 – die griechische Tragödie
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Die Verhandlungen Griechenlands mit seinen Gläubigern haben im Sommer 2015 für ein Kursbeben an der Börse des Landes gesorgt. Zuvor wurden die Märkte geschlossen, um Kapitalmarkt-Turbulenzen zu verhindern. Allerdings blieb der Erfolg überschaubar: Am ersten Tag nach der fünfwöchigen Zwangspause stürzte die Athener Börse ins Bodenlose. Der Leitindex verbuchte mit einem Minus von 16 Prozent den größten Tagesverlust seiner Geschichte.

24. August 2015 – ein neuer China-Crash
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Bereits im Sommer 2015 sorgte China für Panik unter den Anlegern weltweit. Angesichts der Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in der Volksrepublik rutschten die Börsen rund um den Globus immer weiter ab. Der Shanghai Composite Index brach um 8,5 Prozent ein. Der Dax verlor in der Spitze 7,8 Prozent auf 9338 Punkte. An der Wall Street stürzt der Dow-Jones-Index zeitweise um 6,6 Prozent und der Nasdaq-Composite sogar um bis zu 8,8 Prozent ab.

07. Januar 2016 – und wieder ein Drachen-Kursbeben
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Die neuerliche Abwertung der chinesischen Landeswährung lässt die Aktienbörsen in der Volksrepublik wanken. Am 7. Januar wurde der Handel an der chinesischen Börse das zweite Mal binnen weniger Tage per Notbremse gestoppt, nachdem die Leitindizes um sieben Prozent absackten. Die Sitzung dauerte weniger als eine halbe Stunde und war damit der kürzeste Börsentag in Chinas Geschichte. Der Dax rauscht das erste Mal seit Oktober wieder unter die 10.000-Punkte-Marke und gibt zeitweise knapp vier Prozent nach.

Das bedeutete eine gigantische Neuausrichtung der weltweiten Produktionsstruktur. Länder wie China nutzten ihre komparativen Vorteile, die insbesondere bei der Produktion einfacher Güter lagen. Dadurch nahm China den klassischen Entwicklungsweg über die Entwicklung des Industriesektors. Seit 1990 kamen über 400 Millionen Menschen vom Land und von der Landwirtschaft in die Städte und in die Industrie. Diese Phase ermöglichte zeitweilig zweistellige Wachstumsraten – und erzwang umgekehrt Strukturanpassungen im Westen. Es wurden die weltweiten Produktionsketten gelegt, die wir heute kennen: Vom „Made in Germany“ zum „Made in the World“.

Diese Phase neigt sich bereits seit einigen Jahren dem Ende entgegen. Die Welt hat jetzt eine neue Produktionsstruktur. Kennzeichen dieser Zäsur ist etwa auch, dass der Welthandel nicht mehr wächst. Ohne Weiterentwicklung und eigene binnenwirtschaftliche Impulse würde China nur noch mit dem Tempo wachsen, in dem die weltweite Nachfrage nach einfachen Industriegütern zunimmt. Die Schwäche der Weltwirtschaft, die auch in diesem Jahr anhalten wird, ist eine Schwäche der chinesischen Wirtschaft und einiger anderer Schwellenländer.

Westliche Notenbanken haben fragwürdige Investitionen zugelassen
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