Depot-Contest Europäische Aktien steigen trotz Risiken

Viele europäische Aktien erleben einen regelrechten Höhenflug. Grund sind steigende Unternehmensgewinne. Ein Überhitzen sehen Analysten nicht – bereits die politischen Unwägbarkeiten in Europa verhinderten Kursexzesse.
  • André Schmidt-Carré
Update: 15.03.2017 - 13:41 Uhr 1 Kommentar
Straßenarbeiten in Nordfrankreich: Der Veolia-Konzern ist bei Anlageprofis beliebt. Quelle: Reuters
Arbeiter von Veolia

Straßenarbeiten in Nordfrankreich: Der Veolia-Konzern ist bei Anlageprofis beliebt.

(Foto: Reuters)

KölnDer politischen Unsicherheit zum Trotz läuft es für europäische Aktien derzeit rund. Anfang März stieg der Leitindex Euro Stoxx 50 auf mehr als 3.400 Punkte und erreichte damit ein neues Zwölf-Monats-Hoch. Auch Nebenwerte zeigten einen deutlichen Aufwärtstrend, der marktbreite Index Stoxx Europe 600 konnte in den vergangenen zwölf Monaten um rund zehn Prozent zulegen, davon mehr als drei Prozent allein im laufenden Jahr.

„Europäische Aktien sind in diesem Jahr schon gut gelaufen“, sagt Thomas Retzlaff, Analyst bei Hallertauer Vermögensmanagement. „Die Papiere hatten Nachholbedarf, daher kommt diese Entwicklung nicht überraschend.“ Europäische Aktien zählen seit Beginn des Jahres zu den wichtigsten Renditebringern in seinem Depot. Und der Erfolg scheint ihm Recht zu geben: Retzlaffs Portfolio liegt beim diesjährigen Depot-Contest in der aktienlastigen Kategorie „Chance“ weit vorn. Der Depot-Contest wird jährlich von der DAB BNP Paribas, Tochter der französischen Großbank BNP Paribas, ausgerichtet, und vergleicht den Erfolg unabhängiger Vermögensverwalter. Das Handelsblatt ist Medienpartner.

Die besten und schlechtesten Aktien im Februar

HDAX ® PERFORMANCE-INDEX

WKN
ISIN
DE0008469016
Börse
Xetra

-43,35 -0,68%
Chart von HDAX ® PERFORMANCE-INDEX
HDax
1 von 15

Im Vergleich zum Vormonat hat der HDax im Februar zugelegt. Die 110 Aktien des HDax, in dem alle Titel aus Dax, MDax und TecDax vertreten sind, kamen auf eine Monatsperformance von 2,97 Prozent. Grund dafür ist unter anderem die Rekordlaune am amerikanischen Aktienmarkt und die Hoffnung auf einen amerikanischen Konjunkturboom durch US-Präsident Donald Trump. Gleichzeitig fürchten Anleger aber auch immer noch politische Unsicherheiten, was die Kurse zeitweise wieder zurück fallen lässt. Trotzdem: insgesamt eine durchaus positive Tendenz. Es folgen die schlechtesten und die besten Aktien im Februar.

LANXESS AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005470405
Börse
L&S

-0,24 -0,45%
+53,51€
Chart von LANXESS AG INHABER-AKTIEN O.N.
Lanxess AG
2 von 15

Flops – Platz 7

Den Reigen der Flops eröffnet die Lanxess AG. Der Spezialchemiekonzern ist einer der bedeutendsten Chemie- und Polymeranbieter Europas. Etwa ein Jahr lang konnte das Wertpapier von Lanxess seinen Aufwärtstrend aufrechterhalten. Doch im Februar verloren die Aktien insgesamt 4,54 Prozent, wodurch das recht überkaufte Sentiment in eine gesunde Konsolidierung übergehen dürfte. Zum Monatsende hin ist auch schon wieder ein Aufwärtstrend zu beobachten.

Deutsche Börse AG

WKN
ISIN
Börse

Chart von Deutsche Börse AG
Deutsche Börse AG
3 von 15

Flops – Platz 6

Kerngeschäft der Deutsche Börse AG ist die Entwicklung und der Betrieb von Handelsplattformen, Teilnehmernetzwerken und Abwicklungssystemen für Börsen. Der Februar lief nicht gut für die Aktiengesellschaft. Eigentlich war der Zusammenschluss von Deutsche Börse AG und London Stock Exchange (LSE) geplant, doch inzwischen ist das Scheitern der Fusion zum Greifen nah. Denn die LSE hat unerwartet die Reißleine gezogen. Die Monatsperformance der Deutsche Börse AG beläuft sich auf ein Minus von 5,09 Prozent.

WACKER CHEMIE AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000WCH8881
Börse
L&S

+0,80 +0,92%
+87,24€
Chart von WACKER CHEMIE AG INHABER-AKTIEN O.N.
Wacker Chemie AG
4 von 15

Flops – Platz 5

Auch für die Wacker Chemie AG hielt der Februar nicht viel Gutes bereit. Am 13. Februar stuften die Analysten von Berenberg die Aktien von „buy“ auf „hold“ herunter und senkten das Kursziel auf 112 von 115 Euro. Insgesamt verbilligten sich die Papiere im Februar um 5,20 Prozent.

K+S AKTIENGESELLSCHAFT NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000KSAG888
Börse
L&S

-0,25 -1,46%
+16,81€
Chart von K+S AKTIENGESELLSCHAFT NAMENS-AKTIEN O.N.
K+S AG-REG
5 von 15

Flops – Platz 4

Noch schlechter sah der Februar für die K+S AG aus. Die Baader Bank beließ die Einstufung der Aktien auf „Hold“ mit einem Kursziel von 21 Euro. Das Bergbauunternehmen mit den Schwerpunkten Kali- und Salzförderung fuhr einen Kursverlust von 5,84 Prozent ein.

CECONOMY AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007257503
Börse
L&S

-0,28 -6,30%
+4,12€
Chart von CECONOMY AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.
Metro AG
6 von 15

Flops – Platz 3

Die Metro AG schafft es unter die Top Drei der Verlierer. In weniger als einem halben Jahr soll das Unternehmen aufgespalten werden: in einen Elektrohändler um Media Saturn und in einen Lebensmittelspezialisten um die Real-Supermarkte und das Großhandelsgeschäft. Dann werden die Aktien der beiden künftigen Unternehmen getrennt gehandelt werden. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat die Aktie der Metro AG im Februar außerdem auf „Underweight“ mit einem Kursziel von 26 Euro belassen. Am Ende des Monats erschien für die Aktien ein Minus von 7,42 Prozent auf den Anzeigetafeln.

COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000CBK1001
Börse
L&S

-0,12 -1,47%
+8,23€
Chart von COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.
Commerzbank AG
7 von 15

Flops – Platz 2

Der Aufwärtstrend der Commerzbank-Aktie seit Oktober 2016 geriet im Februar ins Wanken. Die britische Investmentbank Barclays hat die Einstufung für die Commerzbank AG auf „Underweight“ belassen – mit einem Kursziel von sechs Euro. Hinzu kommen eine geringe Kreditnachfrage, anhaltend niedrige Zinsmargen und geringe Gebühren. Am Ende des Monats stand ein dickes Minus von 10,13 Prozent.

Der Höhenflug europäischer Titel könnte weitergehen, denn viele europäische Aktien sind trotz der Kursanstiege noch moderat bewertet. An den Märkten werden Aktien aus dem Leitindex MSCI Europe derzeit mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 gehandelt, der Abschlag gegenüber globalen Aktien liegt bei acht Prozent, verglichen mit den USA sogar bei 15 Prozent, haben die Analysten der Fondsgesellschaft Alliance Bernstein berechnet.

Der Grund: Das mögliche Erstarken der europafeindlichen Rechtspopulisten bei den anstehenden Wahlen in den Niederlanden und vor allem in Frankreich lässt Anleger eben doch nicht ganz kalt. Europa befindet sich deshalb derzeit in einem Spannungsfeld aus politischer Unruhe und Unternehmen, die gute Geschäfte machen und entsprechend positive Zahlen liefern.

„Der niedrige Eurokurs hilft exportlastigen Unternehmen, die hohe Konsumbereitschaft den übrigen Firmen“, sagt Retzlaff. Die Folge: Die Gewinne steigen, die Stimmung ist unterm Strich dennoch weniger euphorisch als etwa in den USA, wo einigen Anlegern die Stimmung derzeit schon zu gut ist. Vermögensverwalter Retzlaff zum Beispiel hält in seinem Musterdepot derzeit nur eine geringe Aktienquote und konzentriert sich auf Europa: „Wir sind aktuell insgesamt nur mit rund einem Drittel investiert, und das fast ausschließlich in europäischen Werten“, sagt Retzlaff.

Spanien und Frankreich zählen derzeit zu seinen Favoriten in Europa. „Spanien ist günstig bewertet und hat viele Hausaufgaben gemacht, die der Markt noch nicht honoriert hat“, sagt Retzlaff. „In Frankreich könnten viele der dort vertretenen internationalen Konzerne von einer wirtschaftsfreundlicheren Politik nach der Wahl profitieren, wenn nicht Marine Le Pen gewinnt.“ Zu den dortigen Favoriten zählen für den Vermögensverwalter der Entsorgungskonzern Veolia und der Baukonzern Vinci. „Wir schauen weniger auf die Länder als auf die jeweiligen Unternehmen“, sagt Retzlaff.

Nebenwerte entwickeln sich stark.
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1 Kommentar zu "Depot-Contest: Europäische Aktien steigen trotz Risiken"

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  • Die These, die europäischen Aktienmärkte würden durch "politische Risiken" gebremst, habe ich nun schon sehr oft gehört. Wie die Wahlen in den Niederlanden und Frankreich ausgehen werden, weiß auch ich nicht. Sicher bin ich nur, dass in den USA der größte Populist aller Zeiten zum Präsident gewählt worden ist und dass dies eine Kursrally an den Weltaktienmärkten zur Folge hatte. Sicher bin ich auch, dass die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes in sehr starkem Maße von den politischen, militärischen und wirtschaftlichen Geschehnissen in der westlichen Supermacht abhängen und dass dies auch für unsere Handelspartner Niederlande und Frankreich gilt. Egal, wer dort regiert.

    Seltsam finde ich, dass Ihre zahlreichen Interviewpartner nicht die geringste Vorstellung haben, warum sich die Aktienkurse in Europa positiv entwickeln. Natürlich weiß jeder, dass die Kurse in den USA vorauslaufen und die amerikanischen Indices von Rekord zu Rekord eilen. Aber dann, was passiert dann? Plündert vielleicht klein Peterchen sein Sparbuch und kauft italienische Aktien?
    Oder fassen unsere allzeit ängstlichen Versicherer plötzlich Mut? Ich persönlich habe eine sehr konkrete Vorstellung. Aber ich bin nicht Ihr Interview-Partner.

    A propos Interview-Partner. Natürlich interessieren mich auch die Meinungen anderer Menschen. Aber es macht eben einen Riesenunterschied, ob ich die Meinung einer ausgewiesenen Koryphae oder die eines unbekannten kleinen Bankers vorgesetzt bekomme.

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