Depot-Contest zu China „Der Kursrutsch ist noch nicht vorbei“

Schon wieder haben Chinas Aktienmärkte empfindliche Verluste hinnehmen müssen. Für Vermögensverwalter wenig überraschend, ebenso wie der Kursrutsch im Juli. Wann der Crash endet und welche Folgen er für den Dax hat.
1 Kommentar
Vermögensverwalter rechnen mit weiteren Verlusten an den Börsen. Quelle: dpa
Aktientafel

Vermögensverwalter rechnen mit weiteren Verlusten an den Börsen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Börsencrash in China geht weiter. Die chinesischen Aktienmärkte haben am Dienstag wieder schwere Verluste hinnehmen müssen. Der Grund: Investoren fürchten, dass die Aufsichtsbehörden ihre Unterstützung für die seit Juni angeschlagenen Börsen zurückfahren oder die Geldpolitik nicht wie erhofft lockern könnten. Diese Sorgen ließen Anleger erneut aus chinesischen Aktien fliehen.

Der Shanghai Composite Index stürzte um mehr als sechs Prozent ab. Es war der größte Rutsch seit drei Wochen. Ende Juli war es zuletzt um 8,5 Prozent in den Keller gegangen. Auch der Component Index in Shenzhen fiel um fast sieben Prozent. Aktuell warnt die Ratingagentur Moody's vor den Folgen eines weiteren Einbruchs an den Aktien- und Immobilienmärkte in China.

Größere Ausschläge an der Frankfurter Börse blieben dieses Mal zwar aus, doch davon gab es in den vergangen Wochen auch genug. Auch die Vermögensverwalter, die sich beim Depot-Contest der Münchener DAB-Bank mit ihren Portfolios messen, haben gebannt auf die Kurse geschaut.

Doch wirklich verwundert kam der China-Crash für die meisten Geldanlageprofis aber nicht. „Die Marktreaktion kam nicht überraschend“, sagt Michael Dutz, Vorstand von Adlatus. Seit Jahresanfang hatte der chinesische Aktienmarkt in der Spitze ein Plus von fast 100 Prozent eingefahren, da sei der Crash folgerichtig gewesen. „Stellen wir uns vergleichbar vor, dass der Dax bei 22.000 Punkten notieren würde – auch hier wäre ein starker Rückgang völlig normal“, ergänzt er.

Dass der Crash mit dem neuerlichen Kursrutsch ausgestanden ist, glaubt Dutz nicht. Der chinesische Aktienmarkt notiere noch immer deutlich über seinem Jahresanfangsstand. „Um auf das Ausgangsniveau zurückzufallen, könnte der chinesische Markt vom jetzigen Niveau noch einmal 20 Prozent fallen, womit wir auch rechnen.“

Auch Thomas Retzlaff hat damit gerechnet, dass irgendwann Luft aus der chinesischen Aktienblase entweicht. „Mich haben die Reaktionen nicht wirklich überrascht – über kurz oder lang war damit zu rechnen, es war nur lange nicht klar was der Auslöser dazu sein wird“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Hallertauer Vermögensmanagement.

Die lukrativsten Märkte der letzten 20 Jahre
Platz 18: Japan
1 von 18

Die Sutor Bank hat die 18 wichtigsten Aktienmärkte der Welt im Zeitraum von 20 Jahren untersucht, um herauszufinden, welcher Markt die stärkste Performance hatte. In der Auswertung der Hamburger Privatbank kommt Japan auf den letzten Platz. „Das war durchaus erwartbar“, kommentierte Lutz Neumann, Leiter der Vermögensberatung der Sutor Bank, das schlechte Abschneiden Japans. Auf den anderen Plätzen fanden sich allerdings ein paar Überraschungen.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 0,19 Prozent pro Jahr

Platz 17: Österreich
2 von 18

Ziemlich oft bergab ging es auch für Anleger am österreichischen Aktienmarkt. Auf 20-Jahressicht schaffte der österreichische MSCI Austria Index immerhin doch noch ein Plus. Schlusslicht war Österreich unter anderem im Jahr 2014. Die Sanktionen gegen Russland belasteten österreichische Banken und Unternehmen, die stark in Russland engagiert sind.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 1,65 Prozent pro Jahr

Platz 16: Italien
3 von 18

Der MSCI Italy Index gehört im internationalen Vergleich der Sutor Bank ebenfalls zu den Schlusslichtern. Besonders schlecht lief es für den italienischen Aktienmarkt in den Jahren 2010 und 2011 als die europäische Schuldenkrise aufkam.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 3,99 Prozent pro Jahr

Platz 15: Singapur
4 von 18

Singapur ist ein beliebter Finanzplatz und verfügt über eine beeindruckende Skyline. Besonders hoch hinaus kamen hier Anleger jedoch nicht. Der MSCI Singapore Index gehört zu den schwächsten innerhalb der vergangenen 20 Jahre.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 5,35 Prozent pro Jahr

Platz 14: Belgien
5 von 18

In der Gesamtwertung kommt Belgiens Aktienmarkt nur auf den vierzehnten Platz. Allerdings holte der MSCI Belgium Index in den vergangenen Jahren deutlich auf. 2014 schlug er alle anderen Indizes mit einem Plus von 37 Prozent.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 6,8 Prozent pro Jahr

Platz 13: Frankreich
6 von 18

Der Aktienmarkt der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft schaffte es innerhalb der letzten zwanzig Jahr nicht unter die Top 10 (im Schnitt). Besonders schlecht lief es in den Jahren 2001 (- 18 Prozent) und 2002 (- 33 Prozent). Lutz Neumann von der Sutor Bank betont, dass die Entwicklung eher zufällig erfolgt. Eine belastbare, seriöse Vorhersage sei unmöglich, erklärt die Privatbank.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,15 Prozent pro Jahr

Platz 12: Norwegen
7 von 18

Der norwegische Aktienmarkt erlebte einen legendären Boom im Jahr 2009: Der MSCI Norway Index stieg um sagenhafte 81 Prozent. 2014 gehörte er allerdings zu den schwächsten Märkten, mit einem Minus von elf Prozent.

Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 7,31 Prozent pro Jahr

„Letztendlich es ist so gekommen wie es immer, wenn etwas passiert, das der Markt zu dem Zeitpunkt nicht erwartet hat – dies führt sofort zu heftigen Turbulenzen, bis sich wieder ein Marktgleichgewicht gefunden hat.“ Sicher seien viele Marktteilnehmer hier auf dem falschen Fuß erwischt worden. Dirk Fahrmeyer von SX-Capital hingegen hatte nicht mit solchen Reaktionen gerechnet. „Wir waren sowohl von den Maßnahmen der chinesischen Notenbank als auch dem Kurssturz an den Börsen überrascht“, gibt er offen zu.

Investoren rund um den Globus schauen besorgt nach Asien. Zumal der Wachstumsmotor China längst nicht mehr rund läuft, sogar kräftig ins Stottern geraten ist. Und das bekommen natürlich auch europäische Konzerne zu spüren. Für Deutschland als führende Exportnation sei das „natürlich sehr entscheidend“, sagt Fahrmeyer. Jahrelang feierten die stärksten Branchen der deutschen Volkswirtschaft ihre Expansion in der Volksrepublik mit Extragewinnen und Kurssprüngen. Doch das nun vorbei.

Henkel und die Autobauer haben gelitten
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

1 Kommentar zu "Depot-Contest zu China: „Der Kursrutsch ist noch nicht vorbei“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Der Haupttreiber des Wirtschaftswachstums liegt heute bei den vielen kleinen Unternehmen; die Bedeutung der großen staatlichen Unternehmen nimmt ab. Die Wertschöpfungsquelle verschiebt sich immer mehr weg von Produktion für den Export hin zu Dienstleistungen."

    Oh Mann.... Wiederholen von Wortfetzen! in der Krise 2009 wurde aus China berichtet, dass im Industriezentrum 10.000e (!) von Fabriken pleite gingen. Soviel zum Thema der Bedeutung der großen Staatsunternehmen! Nienmand in der dt. Presse hat mal darüber berichtet, was dort danach geschah. Aber wenn jetzt angeblich die Großunternehmen die Bedeutung übernommen haben, dann kann sich da ja nicht wirlich was erholt haben (von wegen Wachstum)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%